Pensionskassen sollen vor allem sicher anlegen – Umfrage GFS Bern

Die immer längere Lebenserwartung, niedrige Zinsen und mangelnde Reformen bringen das Schweizer Altersvorsorgesystem zunehmend in Schieflage. Welche Korrekturmassnahmen wären für die Schweizerinnen und Schweizer akzeptabel? 83% können sich nicht vorstellen, niedrigere Renten zu beziehen, und 70% wenden sich dagegen, länger zu arbeiten, um das Rentenniveau zu halten. Dies sind Ergebnisse der jährlichen Studie der Anlagegesellschaft Axa Investment Managers zum Wissensstand und zur Einstellung der Schweizer Bevölkerung zur beruflichen Vorsorge unter rund 700 Versicherten.

Eine Ende Juli präsentierte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfS Bern hatte jüngst auf einen möglichen Meinungsumschwung beim Thema Rentenalter hingedeutet. Gemäss dieser äusserte sich eine Mehrheit der Befragten positiv zu einer Anhebung des Frauenrentenalters von 64 auf 65 Jahre – und zwar sowohl Frauen als auch Männer. Zudem gab eine knappe Mehrheit der Befragten an, sich vorstellen zu können, etwas länger zu arbeiten. Politische Vorstösse, das Rentenalter zu erhöhen, hatte das Schweizer Stimmvolk in den vergangenen Jahren mehrmals an der Urne abgelehnt.

Die Axa-Umfrage ergab derweil, dass die Befragten als politische Korrekturmassnahmen vorziehen, das freiwillige Sparen durch Steuervergünstigungen zu fördern. Dafür sprachen sich 81% der Befragten aus. Der Verband Vorsorge Schweiz (VVS) hat dazu den Vorschlag in die Debatte eingebracht, Bürger sollten die Möglichkeit zu Einkäufen in die Säule 3a erhalten – sie sollten also verpasste Möglichkeiten von Einzahlungen in die Säule 3a später wettmachen können. Als weitere Korrekturmöglichkeit, um das Rentenniveau zu halten, befürworteten in der Axa-Umfrage ausserdem drei Viertel der Befragten die Möglichkeit, schon vor dem 25. Lebensjahr in die berufliche Vorsorge einzuzahlen.

Angesichts der Herausforderungen und der spürbaren Konsequenzen gaben in der Umfrage 77% der Befragten an, sich grundsätzlich für das Thema Vorsorge zu interessieren. Trotzdem zeigte die Umfrage auch einmal mehr, dass 18% der Befragten nicht einmal wissen, bei welcher Pensionskasse sie versichert sind. Im vergangenen Jahr waren es allerdings 20% und 2016 sogar 27%.

Bei der Anlage der Vorsorgegelder wünschen sich viele Versicherte, dass die Pensionskassen dabei die Sicherheit grossschreiben. Für rund drei Viertel der Befragten ist Sicherheit hier sehr wichtig. Das Erzielen einer hohen Rendite steht indessen nur für 36% der Befragten im Vordergrund. Fast zwei Drittel wünschen sich laut der Umfrage, dass ihre Vorsorgeeinrichtung in sozial verantwortliche Anlagen investiert, auch wenn das möglicherweise mit einer niedrigeren Rendite verbunden wäre.

Bei den Anlagen für die eigene Vorsorgeeinrichtung haben die Befragten einen klaren Favoriten: Immobilien. 52% der Befragten gaben an, sie wünschten sich, dass ihre Pensionskasse am stärksten in Liegenschaften investiere. Bei Obligationen waren es nur 10%, bei Aktien 12 und bei alternativen Anlagen 13%. Bei Aktien und alternativen Anlagen nannten die Befragten als Hauptgrund für die Zurückhaltung jeweils, solche Investitionen seien unsicher und die Risiken zu hoch. Gegen Obligationen spricht laut den Befragten vor allem die geringe Rendite.

Offensichtlich blendeten viele Befragte aus, dass man mit Immobilien auch Geld verlieren könne, sagte Werner Rutsch von Axa Investment Managers bei der Präsentation der Studie, und wies auf die Immobilienkrise in der Schweiz in den neunziger Jahren hin. Blieben die Zinsen auf ihren sehr niedrigen Niveaus, könnten sich die Preise für Liegenschaften aber auch weiterhin gut entwickeln. Bei den Immobilienanlagen gaben 72% der Befragten an, die Pensionskassen sollten dabei gesellschaftliche Ziele verfolgen.