10.4.2018

Axa streicht in der beruflichen Vorsorge Vollversicherungen

Axa Schweiz zieht sich aus dem Geschäft mit Vollversicherungen bei der beruflichen Vorsorge zurück. Der Versicherer setzt künftig auf teilautonome Vorsorgeangebote, bei denen die Unternehmen das Anlagerisiko selber tragen.

Axa begründet den Schritt in einer Mitteilung vom Dienstag mit den anhaltend tiefen Zinsen, einer zunehmenden Umverteilung zulasten der Berufstätigen und einem engen Anlagekorsett. Das habe in den letzten Jahren zu einem immer unvorteilhafteren Preis-Leistungs-Verhältnis für die Firmen und ihre Angestellten geführt.

…mehr

Bereits in den letzten Jahren hätten deshalb immer mehr Unternehmen ein teilautonomes Vorsorgeangebot gewählt, heisst es in der Mitteilung. Lebensversicherer weltweit hielten sich in den letzten Jahren mit dem Abschluss neuer Vollversicherungsverträge zurück.

Bei der Axa werden nun die bestehenden Vollversicherungsstiftungen per Anfang 2019 in teilautonome Stiftungen umgewandelt. Betroffen sind mehr als 260’000 Versicherte.

Zum Start überträgt Axa aus dem gebundenen Kapital der Vollversicherung 3,5 Milliarden Franken an Bewertungsreserven an die Sammelstiftungen. Insgesamt gehen Anlagen im Wert von rund 31 Milliarden an die Stiftungen über. Bei einem technischen Zins von 2 Prozent belaufe sich der Deckungsgrad Stand heute auf etwa 111 Prozent. Dies biete den Stiftungen eine sehr solide und sichere Ausgangslage, so die Axa.

Die Kunden zahlten ab 2019 im Vergleich zur heutigen Vollversicherung durchschnittlich rund 30 Prozent tiefere Risikoprämien, schreibt die Tochter des französischen Axa-Konzerns.

Der Wechsel bedeutet für die Kunden aber auch, dass sie in Sachen Anlagerisiken keinen Rundumschutz mehr geniessen, sondern diese mittragen müssen. Dieser Schutz habe aber seinen Preis und sei zunehmend teurer geworden, sagte Axa-Chef Fabrizio Petrillo gegenüber der Finanznachrichtenagentur AWP. Für bestehende Altersrentner ändere sich indessen nichts, sie würden zu unveränderten Konditionen bei der Axa verbleiben.

Durch die Neuausrichtung verkleinert sich das Prämienvolumen der Axa um rund 5,5 Milliarden Franken, weil die Sparbeiträge der Versicherten künftig in der jeweiligen teilautonomen Stiftung verbucht werden.

Der Jahresgewinn wird um rund 30 Millionen Franken tiefer ausfallen. Die Umstellen hat zudem eine einmalige Abschreibung von rund 400 Millionen Franken zur Folge. Gleichzeitig würden 2,5 Milliarden Franken an Risikokapital frei, schreibt Axa weiter.

Offen bleibt, welche Auswirkungen der Schritt der Axa in der Beruflichen Vorsorge auf den Gesamtmarkt haben wird und für welchen Weg sich Anbieter wie Swiss Life, Allianz Suisse oder Helvetia entscheiden werden. Sie hatten vor allem im vergangenen Jahr weniger Geschäfte mit Vollversicherungen gezeichnet, sich aber für den Erhalt des Angebots stark gemacht.

Das Prämienvolumen der privaten Schweizer Lebensversicherer in der beruflichen Vorsorge ist ist laut Zahlen der Finanzmarktaufsicht Finma 2016 um 6 Prozent auf 23 Milliarden Franken gesunken. Das zeige, dass die Lebensversicherer das Neugeschäft in der Vollversicherung immer stärker beschränkten, schrieb die Finma bei der Präsentation dieser Zahlen im letzten September.

Kein Lebensversicherer bot zusätzliche Kapazität an und neue Anbieter habe es seit über zehn Jahren keine mehr gegeben. Die Hauptursache ortete die Finma in der ungenügenden Entschädigung für das notwendige Kapital zur Absicherung der Leistungsversprechen.

Laut Zahlen des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV war Axa mit einem Marktanteil von 29 Prozent 2016 in der Schweiz die zweitgrösste Anbieterin von Kollektivlebensversicherungen nach Swiss Life.

(SDA)

6.4.2018

Erfreuliches Geschäftsjahr für Schaffhauser Pensionskasse

Trotz schwierigem Zinsumfeld, aber dank starken Aktienmärkten könne die PKSH auf ein sehr erfreuliches Geschäftsjahr zurückblicken, heisst es in einer Mitteilung vom Freitag. So konnte die Nettorendite von 7,0 auf 7,2 Prozent gesteigert werden.

…mehr

Dazu beigetragen haben vor allem die Anlagekategorien «Aktien» und «Immobilien». Kaum mehr einen Renditebeitrag leistete hingegen die Kategorie «Obligationen Schweizer Franken».

Die PKSH weist im Vergleich mit anderen Pensionskassen sehr tiefe Vermögensverwaltungskosten aus. Pro 100 Franken Vorsorgevermögen muss die PKSH 22 Rappen für die Vermögensverwaltung aufwenden – der Durchschnitt der Pensionskassen liegt bei 48 Rappen. Auch die Verwaltungskosten sind mit 128 Franken pro Person tiefer als der Durchschnitt von 337 Franken.

Die PKSH hat ihre versicherungstechnischen Grundlagen angepasst und per 1. Januar 2018 die Umwandlungssätze reduziert. Der Verwaltungskommission sei der Entscheid nicht leichtgefallen. Per Ende 2017 waren 7296 Aktive und 3855 Rentnerinnen und Rentner bei der PKSH versichert.

5.4.2018

So performte die größte Schweizer Pensionskasse Publica 2017

Die Pensionskasse des Schweizer Bundes Publica hat vergangenes Jahr von steigenden Aktienkursen, insbesondere in den Schwellenländern, profitiert und dadurch durchaus ansprechende Renditen erzielt. Darüber hinaus konnten auch die Verwaltungskosten reduziert werden.

…mehr

Die größte Pensionskasse der Schweiz blickt laut eigenen Angaben auf ein überdurchschnittlich gutes Anlagejahr 2017 mit einer Netto-Gesamtrendite von 6,75 Prozent (2016: 5,06 Prozent) und einem Gesamtdeckungsgrad von 107,1 Prozent (Vorjahr 102,9 Prozent) zurück. Keines der 20 Vorsorgewerke befand sich per Ende 2017 in Unterdeckung. Darüber berichtet die Pensionskasse des Bundes Publica auf ihrer Webseite.

Aktien-Engagements zahlten sich aus

Der Sammeleinrichtung Publica sind aktuell 13 offene und 7 geschlossene Vorsorgewerke angeschlossen. Während die offenen Vorsorgewerke (verfügbares Vermögen: 35,8 Mrd. CHF.) sowohl aus aktiven Versicherten als auch aus Rentenbeziehenden bestehen, weisen die geschlossenen Vorsorgewerke (verfügbares Vermögen: 3,6 Mrd. CHF.) ausschließlich Rentnerbestände auf. Um die ungleiche Risikofähigkeit der beiden Gruppen angemessen berücksichtigen zu können, verfolgt Publica bei der Bewirtschaftung ihrer Anlagevermögen unterschiedliche Anlagestrategien.

Wie einem Bericht der „NZZ“ zu entnehmen ist, performten die offenen Versorgungswerke letztes Jahr mit 7,14 Prozent, währen die geschlossenen Versorgungswerke, die keine Beitragszahler mehr haben, aufgrund ihrer defensiveren Anlagestrategie mit 3,31 viel niedriger.

Die Hauptgründe für die laut Publica „starke Gesamtperformance 2017 beider Anlagestrategien“ seien rentable Investitionen in den Industrieländern und in den Schwellenländern. Die Schwellenländer rentierten 2017 mit knapp 30 Prozent (Aktien) bzw. rund elf Prozent (Staatsanleihen in lokalen Währungen) außerordentlich gut. Gewichtet betrug der Performancebeitrag der Schwellenländer an die Gesamtperformance von Publica 2017 knapp drei Prozent. Die Investitionen in den Industrieländern leisteten mit knapp 2,9 Prozent den zweitgrößten Performancebeitrag.

Verwaltungskosten reduziert

Die Verwaltungskosten pro versicherte und rentenbeziehende Person konnten 2017 weiter reduziert werden und betragen noch 170 Franken. Die Kostenprämien können dadurch weiter gesenkt werden. Die gesamten Vermögensverwaltungskosten konnten mit 0,20 Prozent der Vermögensanlagen auf tiefem Niveau gehalten werden. (Der oft verglichene TER-Aufwand beträgt dabei 0,11 Prozent).

Anpassung der technischen Parameter

Oberstes Ziel von Publica sei es laut eigenen Angaben, ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Versicherten und Rentenbeziehenden nachzukommen. Um dieses Ziel trotz anhaltend tiefem Zinsumfeld, steigender Lebenserwartung und gesunkenen Renditeerwartungen langfristig erreichen zu können, setzt Publica auf realistische technische Parameter. So werden per 1. Januar 2019 der technische Zinssatz der offenen Vorsorgewerke auf 2,0 Prozent (bisher 2,75 Prozent) und derjenige der geschlossenen Vorsorgewerke auf 1,25 Prozent (bisher 2,25 Prozent) gesenkt. Der Umwandlungssatz beträgt per 1. Januar 2019 im Alter von 65 Jahren neu 5,09 Prozent (bisher 5,65 Prozent). Zudem vollzieht Publica im Rahmen der Anpassung der technischen Parameter den Wechsel auf die Rechnungsgrundlagen BVG 2015 in Periodentafeln.

Einschleifregelung

Da es sich bei der Senkung des Umwandlungssatzes im Alter von 65 Jahren um eine einschneidende Maßnahme handelt, hat die Kassenkommission den Vorsorgewerken Mindestanforderungen zur Abfederung der negativen Auswirkungen auf die Renten der Übergangsgeneration (ab Alter 60) vorgegeben. Der ab 1. Januar 2019 um zehn Prozent tiefere Umwandlungssatz wird dadurch faktisch erst ab 2024 voll wirksam. Die einzelnen Vorsorgewerke haben darüber hinaus weitere Abfederungsmaßnahmen für ihre Versicherten beschlossen. „Ob bis zu jenem Zeitpunkt der gesetzliche Mindest-Rentenumwandlungssatz von zurzeit schwindelerregenden 6,8 Prozent angepasst sein wird, steht in den Sternen; da die Rentenreform 2020 Schiffbruch erlitten hat, staut sich der Reformbedarf weiter an, und es wird viel Substanz zulasten der jungen Aktiven umverteilt“ moniert die „NZZ“ in einem Bericht.

Quelle: Institutional-Money.com
05.04.2018

4.4.2018

Grosse Vermögen der Schweizer Pensionskassen

Die Vermögen von Schweizer Vorsorgeeinrichtungen haben 2017 bei 133% des Bruttoinlandprodukts (BIP) gelegen. Dieser im internationalen Vergleich sehr hohe Anteil zeigt die Bedeutung der beruflichen Vorsorge in der Schweiz. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Willis Towers Watson liegt die Schweiz beim Verhältnis der Pensionsvermögen zum BIP international gesehen hinter den Niederlanden (194%) und Australien (138%) auf dem dritten Platz. Die Relation ist in den vergangenen Jahren gestiegen, 2007 lag er noch bei 112%.

…mehr

Die Studie vergleicht die Vermögen in den 22 grössten Pensionsmärkten weltweit. Neben Australien, Grossbritannien, Japan, Kanada, den Niederlanden und den USA gehört die vergleichsweise kleine Schweiz sogar zu den «P7», den weltweit sieben grössten Pensionsmärkten. Auf diese entfallen knapp 92% der Vermögen der 22 grössten Pensionsmärkte. Laut der Studie hat die Schweiz an den weltweiten Pensionsvermögen einen Anteil von 2,2%. Den grössten haben die USA mit 61,4%, gefolgt von Grossbritannien (7,5%) und Japan (7,4%).

Die Vermögen in den 22 grössten Pensionsmärkten sind laut der Studie im vergangenen Jahr vor allem aufgrund der starken Entwicklung der Aktienmärkte um hohe 13% auf 41,3 Bio. $ gewachsen. Damit haben sie den höchsten Stand seit dem Start der Untersuchung im Jahr 1997 erreicht. Die Vermögen der Schweizer Pensionskassen sind im vergangenen Jahrzehnt, gemessen in Franken, um 3,8% pro Jahr gewachsen.

Die kurzfristigen Wachstumsdaten bei den Pensionsvermögen seien auf ungewöhnlich hohe Marktrenditen zurückzuführen, hiess es bei der Beratungsgesellschaft. Blicke man aber auf die vergangenen 20 Jahre zurück, seien die Entwicklungen ermutigend. Das Vermögen in den 22 grössten Pensionsmärkten sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 6,2% pro Jahr gewachsen, allerdings in Dollar gerechnet.

Quelle: NZZ
04.04.2018

4.4.2018

Millionengewinn für Novartis wegen Pensionskassen-Revision

Eine Gesetzesänderung im BVG hat der Novartis einen Millionengewinn beschert. Das bestätigt der Basler Pharmakonzern gegenüber der Handelszeitung. Demnach konnte das Unternehmen Ende 2017 Vorsorgeverpflichtungen im Umfang von 216 Millionen Franken auflösen, weil es für Gelder in seinen Kader-Pensionskassen nicht mehr haften muss. Dabei handelt es sich um sogenannte 1e- Plan-Kaderkassen, bei denen die Versicherten selber bestimmen können, wie das Kapital angelegt wird.
…mehr

Die im November 2017 in Kraft getretene Gesetzesänderung sorgt für Goldgräberstimmung im Vorsorgegeschäft. Nicht nur Pensionskassen, Sammelstiftungen und Versicherungskonzerne bringen sich in Stellung für das Geschäft mit 1e-Geldern. Auch Banken wie UBS und Credit Suisse drängen mit eigenen Vorsorgestiftungen neu ins Pensionskassengeschäft.

100 bis 200 Milliarden Franken schwerer Markt für Kaderkassen

Das Marktpotenzial ist gross. Von den 1000 Milliarden Franken, die in der beruflichen Vorsorge verwaltet werden, qualifizierten wohl 100 bis 200 Milliarden für 1e-Pläne, schätzt Hans-Jakob Stahel, Leiter Unternehmenskunden beim Lebensversicherer Swiss Life.

Über 1e-Pläne können sie lukrative Kundschaft akquirieren, da diese Kaderkassen lediglich Personen offenstehen, die mehr als 126’900 Franken pro Jahr verdienen. Weil sie als überobligatorisch gelten, sind 1e-Kassen weniger streng reglementiert als normale Pensionskassen.

Flucht aus der Umverteilung

Das neue Geschäft hat auch volkswirtschaftliche Auswirkungen. Es entzieht Pensionskassen und BVG-Vollversicherungen überobligatorisches Kapital. Über das Umlagern von Vorsorgegeldern von normalen Pensionskassen in 1e-Kaderkassen könnten sich Gutverdienende der Umverteilung im BVG entziehen, sagt Stahel. «Das ist eines der Verkaufsargumente für 1e.»

Wegen der Auftrennung können Beiträge in die Kaderkassen nicht für die Quersubventionierung von Pensionskassen-Renten verwendet werden. Je länger ein zu hoher Mindestumwandlungssatz gelte, desto mehr werde Wachstum ausserhalb des BVG-Obligatoriums gefördert, konstatiert Stahel. Es bringe nichts, das zu kritisieren, solange man die Gesetze nicht ändere.

Quelle: Handelszeitung
04.04.2018

4.4.2018

Publica steigert Rendite und Deckungsgrad

Die Gesamtrendite stieg im Vergleich zum Vorjahr auf 6,75% von 5,06% und der Gesamtdeckungsgrad auf 107,1% von 102,9%, wie die Sammeleinrichtung am Mittwoch mitteilt. Um die Leistung langfristig sichern zu können, senkt Publica wie bereits bekannt den technischen Zins- sowie den Umwandlungssatz.

Keines der 20 Vorsorgewerke befand sich laut Mitteilung per Ende 2017 in Unterdeckung und die Verwaltungskosten sanken auf 170 CHF pro versicherter und rentenbeziehender Person. Zudem seien die gesamten Kosten für die Vermögensverwaltung mit 0,2% der Vermögensanlagen tief gehalten worden.

…mehr

Grund für die starke Performance der Anlagen seien Investitionen in Industrie- und Schwellenländern gewesen. Insbesondere die Investitionen in Schwellenländern mit knapp 30% (Aktien) und rund 11% (Staatsanleihen) hätten „ausserordentlich gut“ rentiert, heisst es weiter. Die Investitionen in den Industrieländern leisteten mit einer Rendite von knapp 2,9% den zweitgrössten Beitrag.

„Realistische“ Anpassung

Mit Blick auf den langfristigen Erhalt der Leistungen brauche es aber wie bereits Ende Januar angekündigt eine „realistische“ Anpassung der technischen Parameter. Daher sinke auf Anfang 2019 der technische Zinssatz der offenen Vorsorgewerke deutlich auf 2% (bisher 2,75%) und derjenige der geschlossenen Vorsorgewerke auf 1,25% (bisher 2,25%). Zudem werde der Umwandlungssatz auf 5,09% von zuvor 5,65% nach unten angepasst.

Weil es sich bei der Senkung des Umwandlungssatzes um eine „einschneidende Massnahme handele“, habe die Kassenkommission den Vorsorgewerken Mindestanforderungen zur Abfederung der negativen Auswirkungen auf die Renten der Übergangsgeneration ab 60 Jahren vorgegeben, heisst es dazu. Der ab 1. Januar 2019 um 10% tiefere Umwandlungssatz werde somit eigentlich erst ab 2024 vollumfänglich wirksam.

(AWP)

4.4.2018

Die Pensionskasse BVK erhält Gebühren in Millionenhöhe zurück

Jefferies und der Trick mit den Retrozessionen: Die US-Investmentbank muss der BVK Gebühren zurückzahlen.

Die amerikanische Investmentbank ­Jefferies muss der kantonalen Zürcher Beamtenpensionskasse BVK 20 Millionen Franken Gebühren zurückzahlen. Dabei geht es um verdeckte Kick-back-Zahlungen, sogenannte Retrozessionen. Damit endet ein langjähriger Rechtsstreit, der Ende letzten Jahres zugunsten der BVK entschieden wurde. Das Zürcher Handelsgericht hatte das Urteil bereits am 23. März gefällt, allerdings ohne Namensnennung der US-Investmentbank.

…mehr

Die BVK geriet vor bald acht Jahren in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass sich Daniel Gloor, der langjährige Chef der BVK-Vermögensverwaltung, bestechen liess. Das System mit den Retrozessionen bei Jefferies flog auf, weil nach Bekanntwerden der BVK-Korrup­tionsaffäre im Jahr 2010 alle Verträge der Pensionskasse mit Vermögensverwaltern überprüft wurden. Damals fiel auf, dass die BVK viel höhere Vermögensverwaltungskosten hatte als vergleichbare Kassen. Was im Falle Jefferies genau lief, geht aus dem Urteil des Handelsgerichts hervor, das dieser Zeitung vorliegt.

Am 4. Februar 2002 unterschrieben die BVK und Jefferies (Schweiz) einen Vertrag, mit dem die Bank beauftragt wurde, für die BVK ausländische Wandelanleihen im Wert von etwas über 600 Millionen Franken zu verwalten. Vereinbart wurden damals auch die Gebühren. Sie schienen auf den ersten Blick bescheiden. 30 Basispunkte für Anlagen bis 75 Millionen Franken. Wenn es um über 400 Millionen ging, nur noch 5 Basispunkte, so lauteten die Bedingungen. 100 Basispunkte entsprechen jeweils einem Prozent.

Jefferies reklamierte Gebühren

Allerdings hatte der Vertrag einen kleinen Zusatz. Wenn Jefferies mit dem Geld der BVK Finanzprodukte oder einen Fonds kaufte, was wiederum Gebühren verursacht, dann ging das auf Kosten der BVK. Jefferies (Schweiz) konnte nicht direkt an den Börsen in London und New York internationale Wandelanleihen kaufen, das taten die jeweiligen Tochtergesellschaften der Jefferies-Bank vor Ort. Diese stellten ihre Dienste ihren Schweizer Kollegen in Rechnung.

So weit, so gut. Dass bei solchen Geschäften Gebühren anfallen, ist normal. In einem zweiten Schritt floss aber ein Teil der in London und New York in Rechnung gestellten Dienstleistungen in Form von sogenannten Retrozessionen oder Kick-backs wieder an die Jefferies Schweiz zurück. Das ist zwar durchaus üblich und kann mit einer Art Mengenrabatt verglichen werden, nur stellt sich die Frage, wem diese Kick-backs gehören: der Bank oder dem Kunden?
Nun fliessen Gebühren in Höhe von 12,5 Millionen Franken an die BVK zurück. Hinzu kommen Verzugszinsen in Höhe von 7,5 Millionen Franken.
Vor sechs Jahren hat das Bundesgericht diese Frage in einem aufsehenerregenden Urteil beantwortet: Banken müssen die Provisionen, die sie beim Verkauf von Finanzprodukten von Drittanbietern erhalten, an ihre Kunden weitergeben. Diese Forderungen verjähren nach zehn Jahren. Gemäss dem inzwischen rechtskräftigen Urteil des Handelsgerichts gilt das auch für innerhalb des Jefferies-Konzerns ausgerichtete Transferzahlungen von London und New York an Jefferies Schweiz.

Was so klar scheint, war im vorliegenden Fall heftig umstritten. «Auf die Forderung der BVK auf sofortige Herausgabe von zu Unrecht vereinnahmten Retrozessionen eines beauftragten Vermögensverwalters wurde nicht eingegangen», schreibt die BVK in einer Stellungnahme. Erst weigerte sich Jefferies sogar, den Umfang der Kick-backs bekannt zu machen, obwohl sie dazu vertraglich explizit verpflichtet war, wie das Gericht feststellte. Daraufhin stellte die BVK unter neuer Führung 2011 ganz einfach die Zahlung von Gebühren ein. Erst dann gab Jefferies eine Liste mit Zahlungen in Höhe von total 9,6 Millionen Franken heraus. Doch diese war offensichtlich unvollständig. 2014 schob Jefferies Informationen über weitere Zahlungen von rund 2,5 Millionen Franken nach.

Das Urteil ist rechtskräftig

Dabei flog noch etwas anderes auf. Am 1. Oktober 2003 wurde der Auftrag zur Absicherung der Fremdwährungsrisiken an die Lehmann Partner Vermögensverwaltung (LPV) vergeben, dabei wurden sogenannte Vermittlungsprovisionen vereinbart. Der Gründer der LPV wurde am 26. November 2012 wegen Bestechung verurteilt. Er hatte Gloor mit 7 Prozent an den Einnahmen seiner Firma beteiligt. Eine abenteuerliche Geschichte. Der LPV-Gründer steckte Gloor das Geld jeweils in bar, versteckt in Couverts, auf dem Parkplatz vor dem Restaurant Aurelio in Zürich zu. Insgesamt kamen so 863 000 Franken zusammen. Dabei ging es nicht nur um die Fremdwährungsanleihen, sondern um alle Devisenabsicherungen, die LPV für die BVK tätigte.

Was das Verhältnis zu Jefferies betrifft, so floss auch ein Teil der Gebühren, die LPV für seine Dienste einkassierte, an Jefferies zurück. Auch diese muss Jefferies an die BVK auszahlen. Dabei geht es um den eher geringen Betrag von rund 300 000 Franken.

Insgesamt fliessen nun Gebühren in Höhe von 12,5 Millionen Franken an die BVK zurück. Hinzu kommen Verzugszinsen in Höhe von 7,5 Millionen Franken. «Das Urteil ist rechtskräftig, das heisst endgültig», sagt BVK-Chef Thomas Schönbächler auf Anfrage. Jefferies-Sprecherin Sara Boyes wollte keine Stellung nehmen.

Quelle: Tages Anzeiger
04.04.2018

27.3.2018

Bâloise wächst profitabel und erhöht Dividende deutlich – Aktien legen zu

Die Bâloise blickt auf eine erfolgreiches Geschäftsjahr 2017 zurück: Trotz laufender Sanierung in Deutschland verdiente die Versicherungsgruppe mehr als 2016.

Die Basler wuchsen sowohl in der Sach- als auch in der Lebensversicherung in jenen Segmenten, die gute Renditen versprechen. Zudem investiert das Team um CEO Gert De Winter in innovative, digitale Geschäftsideen. Den Aktionären soll eine deutlich höhere Dividende gezahlt werden.

…mehr

Vor gut einem Jahr hatte die Bâloise das „Simply Safe“-Programm ins Leben gerufen, das bis 2021 den Gewinn von 1 Mio neuer Kunden und das Erarbeiten von Barmittel in Höhe von 2 Mrd CHF zum Ziel hat. „Der Start zu ‚Simply Safe‘ ist uns geglückt, mit den Zielen sind wir auf Kurs“, zog Gert De Winter am Dienstag an der Bilanzmedienkonferenz ein Zwischenfazit.

Insbesondere was die Barmittel betrifft, welche die Geschäftseinheiten in Form von Dividenden und Darlehenszinsen an die Holding überweisen, liege man „sehr gut auf Kurs“, hiess es. Die Cash-Zahlungen betrugen im Jahr 2017 bereits 415 Mio CHF, wovon über die Hälfte aus der Nichtlebensversicherung stammen.

Etwas schwieriger gestaltet sich die Gewinnung von Neukunden. Rund 118’000 Kunden fanden im Berichtsjahr erstmals den Weg zur Bâloise. In Zukunft dürften aber die Angebote wie jene des deutschen Online-Motorfahrzeugversicherers Friday, oder der Schweizer Umzugsplattform Movu verstärkt Kunden anziehen, ist De Winter überzeugt.

Restrukturierung belastet

Der Reingewinn der Bâloise nahm insgesamt um 2,5% auf 548 Mio CHF zu. Ohne Einmaleffekte aus Restrukturierungsarbeiten wäre der Gewinn gar um knapp 13% auf 602 Mio in die Höhe geklettert. Mit Blick auf die solide Bilanz und eine über 200% liegende Kapitalquote nach dem Schweizer Solvenztest (SST) wird die Dividende um 40 Rappen auf 5,60 CHF je Titel erhöht.

In Deutschland vollzog die Bâloise in der Sanierung des Industrieportfolios indessen weitere einschneidende Schritte. Die Reserven im Krankenhaus-Haftpflichtgeschäft wurden verstärkt und beim Verkauf von Einheiten fielen Buchverluste an. Von Grossschäden zusätzlich belastet „produzierte“ Deutschland eine hohe, und damit schwache Combined Ratio von 108,3% sowie einen operativen Verlust (EBIT) von 76 Mio CHF.

Auf Gruppenebene konnte die für das Sachgeschäft wichtige Combined Ratio, welche Schadenszahlungen und Kosten den Prämieneinnahmen gegenüberstellt, trotz Deutschland mit 92,3% im nach wie vor gültigen Zielband von 90 bis 95% halten. Erfolgsgarant bleibt das hochprofitable Schweizer-Geschäft (83,5%), während in Belgien (91,9%) und Luxemburg (91,5%) Verbesserungen erreicht wurden. Der Sparten-EBIT sank dennoch um 5,5% auf 375 Mio CHF.

Demgegenüber kletterte der EBIT in der Lebensversicherung um 35% auf 306 Mio CHF in die Höhe. Die Gründe dafür waren der verbesserte Geschäftsmix, leicht steigende Zinsen sowie ein günstiges Finanzmarktumfeld. Wie andere Versicherer zielt auch die Bâloise darauf ab, den Verkauf von weniger kapitalintensiver Produkte zu fördern. Garantieprodukte machen nur noch rund einen Fünftel am Neugeschäft aus.

Wachstum mit Anlageprodukten

Im Volumen hat die Bâloise ebenfalls zugelegt: Es nahm um 3,9% zu. Dabei habe der Verkauf von Produkten mit Anlagecharakter (+15%) massgeblich dazu beigetragen. Diese Produkte vertreiben die Basler aus Luxemburg in ganz Europa, wobei sich das Geschäft in Frankreich, Belgien, Portugal und Italien besonders gut entwickelt hat. Die Nichtlebenprämien legten um 2,8% zu.

In der Beruflichen Vorsorge in der Schweiz ist die Bâloise laut Länderchef Michael Müller aufgrund ungünstiger Rahmenbedingungen (Stichwort: hoher Umwandlungssatz) beim Verkauf von Vollversicherungslösungen trotz guter KMU-Nachfrage auf die Bremse getreten. Besser habe man teilautonome Lösungen, wo die Unternehmen Teile des Anlagerisikos selber tragen, verkauft.

An der Börse schlossen die Bâloise-Titel am Nachmittag in einem sehr freundlichen Gesamtmarkt (SMI +1,5%) um 1,0% im Plus. Analysten sprachen von einem soliden Ergebnis, verwiesen aber gleichzeitig auf die enttäuschende Entwicklung in Deutschland. Die hohe Dividende fand derweil breite Zustimmung.

Basel (awp)

22.3.2018

BLPK – Pensionskasse hat 2017 Rendite verdoppelt

Der Vorjahreswert beträgt 3,9 Prozent. Der konsolidierte Deckungsgrad stieg von 103,0 auf 107,1 Prozent. Die BLPK bewertet das Jahresergebnis 2017 in einer Mitteilung vom Donnerstag als «sehr erfreulich». Zu verdanken sei das einer «unerwartet positiven Entwicklung der Finanzmärkte». Mit 8,2 Prozent Gesamtrendite liege die BLPK auch über dem Schweizer Schnitt, der je nach Messweise zwischen 7,2 und 8,1 Prozent betrage.

Sämtliche Anlageklassen hätten zugelegt, insbesondere aber in- und ausländische Aktien mit über 20 Prozent Rendite. Negativ zu Buche geschlagen hätten die Negativzinsen im Schweizer Kapitalmarkt, welche die Fremdwährungsabsicherung verteuert hätten.

…mehr

Keines der rund 60 angeschlossenen Vorsorgewerke lag 2017 unter 100 Prozent Deckung. Das gute Ergebnis der BLPK erlaube «den meisten» Vorsorgewerken, ihren Versicherten eine «ansprechende Verzinsung» auf Sparkapitalien zu gewähren. Bereits beschlossene Zinssätze lägen teils deutlich über dem BVG-Mindestsatz von einem Prozent

Die BLPK bewertet das Jahresergebnis 2017 in einer Mitteilung vom Donnerstag als «sehr erfreulich». Zu verdanken sei das einer «unerwartet positiven Entwicklung der Finanzmärkte». Mit 8,2 Prozent Gesamtrendite liege die BLPK auch über dem Schweizer Schnitt, der je nach Messweise zwischen 7,2 und 8,1 Prozent betrage.

Sämtliche Anlageklassen hätten zugelegt, insbesondere aber in- und ausländische Aktien mit über 20 Prozent Rendite. Negativ zu Buche geschlagen hätten die Negativzinsen im Schweizer Kapitalmarkt, welche die Fremdwährungsabsicherung verteuert hätten.

Keines der rund 60 angeschlossenen Vorsorgewerke lag 2017 unter 100 Prozent Deckung. Das gute Ergebnis der BLPK erlaube «den meisten» Vorsorgewerken, ihren Versicherten eine «ansprechende Verzinsung» auf Sparkapitalien zu gewähren. Bereits beschlossene Zinssätze lägen teils deutlich über dem BVG-Mindestsatz von einem Prozent.

Satz-Senkung bleibt

Trotz dem guten 2017 hält die Pensionskasse an ihrer per Anfang Jahr erfolgten Senkung des technischen Zinssatzes von 3 Prozent auf 1,75 Prozent fest. Längerfristig sei weiterhin mit tieferen Erträgen aus den Kapitalmärkten zu rechnen. Zudem wird der Umwandlungssatz zwischen 2019 und 2022 schrittweise von 5,8 auf 5 Prozent reduziert.

Immerhin erlaube nun der gute Deckungsgrad eine bessere Abfederung, schrieb die BLPK. Entsprechende finanzielle Massnahmen könnten die paritätisch zusammengesetzten Vorsorgekommissionen der einzelnen Vorsorgewerke beschliessen. Erste solche Entscheide seien inzwischen gefallen.

Unter dem Strich schliesst die BLPK-Jahresrechnung 2017 mit einem Plus von 51,1 Millionen Franken. Im Vorjahr waren es 88,4 Millionen Franken Plus gewesen, 2015 hingegen ein Verlust von 116,5 Millionen. Die Verwaltungskosten pro Kopf stiegen innert Jahresfrist von 154 auf 161 Franken – bei einem Landesdurchschnitt von 337 Franken.

Reserve ausgebaut

Den Gewinnrückgang trotz verdoppelter Anlagerendite erklärte die BLPK-Leitung auf Anfrage mit Konsolidierungseffekten: Vom Jahresergebnis von 51,1 Millionen sei etwa die Zuweisung zur Wertschwankungsreserve bereits abgezogen. Diese wird auf über 380 Millionen beziffert.

Zudem sei rund die Hälfte der Performance in die Steigerung des Deckungsgrades geflossen und sei im vergangenen Jahr die Verzinsung relativ hoch gewesen, war weiter zu erfahren. Der BLPK-Geschäftsbericht 2017 mit allen Details ist noch nicht erhältlich.

Überdies sei auch das Risikoergebnis im Versicherungsteil der BLPK «sehr erfreulich» ausgefallen, hiess es weiter. So sei «ein massgeblicher Teil» der bezahlten Risikobeiträge zurückvergütet worden. Die BLPK reduziere daher ab 2019 die Risikobeiträge um ein Drittel.

Bei der BLPK sind mehr als 25’000 Berufstätige von 206 Arbeitgebenden versichert. Darunter sind der Kanton Basel-Landschaft, Gemeinden, Hochschulen, Spitäler und Altersheime. Über 10’500 Personen bezogen im vergangenen Jahr eine Rente. Das Gesamtvermögen der BLPK beträgt 9,67 Milliarden Franken.

(sda)

27.2.2018

Die Pensionskasse BL schöpft aus dem Vollen, Lauber will weiter sparen

Trotz des unerwarteten Geldsegens von 225 Millionen Franken will der Baselbieter Finanzdirektor die BLPK weiter sanieren.

So schnell kann es gehen: Noch im vergangenen Dezember rechnete der Baselbieter Finanzdirektor Anton Lauber damit, dass der Basellandschaftlichen Pensionskasse (BLPK) per Ende 2018 13 Millionen Franken fehlen würden, und kündigte deshalb Sanierungsmassnahmen an.

…mehr

Doch jetzt vermeldet die BLPK für 2017 dank des weltweiten Wirtschaftswachstums eine Rendite von satten 225 Millionen, berichtet die «bz Basel». Wie das Kantonspersonal von diesem Polster profitiert, muss sich allerdings weisen: Lauber selbst dämpft die Hoffnungen und warnt Mitarbeiter in einem Schreiben unter anderem vor der Gefahr eines erneuten Börsencrashs.

An der Landratsdebatte zu den Leistungen der BLPK ab 2019 will die Finanzdirektion jedenfalls festhalten. Dabei geht es um den BLPK-Entscheid, den Zins- und Umwandlungssatz zu senken, was für das Personal Renteneinbussen von 14 Prozent zur Folge hätte. Inwiefern dieser Verlust abgefedert werden soll, will der Landrat im Frühling beraten.

Quelle: Tageswoche
27.02.2018

23.2.2018

SBB sehen ihren Ruf beschädigt

Die Zahlung von 690 Millionen Franken in die Pensionskasse sei rechtens, sagt der Bund.

Gemäss Geschäftsbericht 2016 hat die SBB AG der rechtlich und finanziell eigenständigen Pensionskasse der SBB 690 Millionen Franken überwiesen. Die gestrige Berichterstattung der Basler Zeitung über diese Millionen-Zahlung und die damit verbundene Frage nach der rechtlichen Grundlage haben bei den SBB sowie beim Bund massive Reaktionen ausgelöst. Alles sei rechtens abgelaufen, auch habe man seinerzeit über die Notwendigkeit dieser Zahlung informiert, sagten gestern die SBB und auch die Finanzverwaltung des Bundes. …mehr

Der Zuger Kantonsrat Willi Vollenweider ist bei der Vorbereitung eines Vorstosses auf diese Zahlung gestossen. Sie stösst ihm sauer auf. Bei den 690 Millionen handle es sich um Geld der Steuerzahler, welche die SBB massiv subventionieren. Er fordert, dass die 690 Millionen an die Bundeskasse abgeführt werden.

Transparent ausgewiesen

Dem sei nicht so, meint dazu nun die Eidgenössische Finanzverwaltung (EFV). Philipp Rohr sagt, der Verwaltungsrat der SBB sei befugt gewesen, diese Summe an die Vorsorgeeinrichtung der SBB zu überweisen. Die BaZ-Frage nach der dafür nötigen Rechtsgrundlage beantwortet Rohr so: «Die SBB ist eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft im Besitz des Bundes. Im Rahmen ihrer gesetzlichen Zuständigkeiten steht es ihr frei, alle Rechtsgeschäfte zu tätigen, die mit dem Unternehmenszweck direkt oder indirekt im Zusammenhang stehen.» Dies gelte auch für den Beschluss zur Einlage der erwähnten 690 Millionen in die Pensionskasse der SBB. Die Finanzverwaltung beruft sich somit auf den allgemeinen Zweckartikel am Anfang des SBB-Gesetzes, der sich in Artikel drei findet.

In ihrer separaten Stellungnahme schreiben die SBB zum 690-Millionen-Franken-Transfer: «Die Stabilisierung der Pensionskasse und sämtliche Vorgänge wurden transparent im Geschäftsbericht ausgewiesen und kommuniziert. Hätte der SBB-Verwaltungsrat seine unternehmerische Freiheit und Pflichten nicht wahrgenommen und 2015 ein Darlehen in Höhe von 690 Millionen Franken in die Pensionskasse der SBB eingeschossen, wären langjährige Mitarbeitende von massiven Rentenkürzungen von rund elf Prozent betroffen gewesen, da zeitgleich der sogenannte technische Zinssatz reduziert und auch die Senkung des Umwandlungssatzes vorgenommen wurde.» Diese Arbeitgebereinlage der SBB sei ohne Belastung des Bundes erfolgt, und die Rückzahlung erfolge aus den laufenden Gewinnen von SBB- Immobilien.

Die 690 Millionen sind eine «Stabilisierungsmassnahme»

Doch wie steht es mit der gesetzlichen Regelung, die der Bund 2011 erlassen hat, nachdem National- und Ständerat über 1,1 Milliarden Franken bewilligten, um die SBB-Pensionskasse gänzlich auszufinanzieren? In dieser Regelung steht nämlich: «Die SBB und die Pensionskasse der SBB verzichten auf allfällige Nachforderungen gegenüber dem Bund als Träger und Leistungsgarant der ehemaligen Pensions- und Hilfskasse der SBB. Die Pensionskasse der SBB verzichtet auf solche Forderungen auch gegenüber den SBB.» Diese Regelung entfaltet gemäss den Stellungnahmen von Finanzverwaltung und SBB keine Wirkung auf die 2016 erfolgte Zahlung von 690 Millionen.

«Zwischen den Vorgängen der Ausfinanzierung der Pensionskasse im Jahr 2011 und den im Jahr 2015 vorgenommenen Stabilisierungsmassnahmen besteht weder inhaltlich noch rechtlich ein Zusammenhang», schreibt SBB-Mediensprecher Christian Ginsig. Und Philipp Rohr von der Finanzverwaltung schreibt, zwischen der 2011 erfolgten Sanierung der SBB-Pensionskasse und den 2016 eingeleiteten Stabilisierungsmassnahmen müsse unterschieden werden. «Zwischen diesen beiden Vorgänge besteht weder rechtlich noch inhaltlich ein Zusammenhang.» Im Zuge der 1999 erfolgten Ausgliederung der SBB in eine eigenständige Aktiengesellschaft sei im gleichen Jahr die Gründung der SBB-PK erfolgt.

Diese habe unter einer ungünstigen Versichertenstruktur und einem ungenügenden Deckungsgrad gelitten. «Seitens der SBB und der SBB-PK wurde deshalb damals gegenüber dem Bund als Träger und Leistungsgarant der ehemaligen Pensions- und Hilfskasse (PHK) eine ungenügende Ausfinanzierung geltend gemacht. Im Zuge dieser Diskussionen bewilligte das Parlament 2011 einen Sanierungsbeitrag des Bundes an die Pensionskasse der SBB in Höhe von 1,148 Milliarden.» Demgegenüber handelt es sich bei der Zahlung von 690 Millionen gemäss SBB und Finanzverwaltung um eine «Stabilisierungsmassnahme».

Hohe Leistungseinbussen

Im Dezember 2014 habe der Stiftungsrat der Pensionskasse SBB nämlich Massnahmen zur langfristigen Stabilisierung des Vorsorgewerks beschlossen, schreibt Rohr im Namen der Finanzverwaltung. Und weiter: «Nötig wurden diese Massnahmen mit Blick auf die weiterhin steigende Lebenserwartung der Versicherten, die eine Überarbeitung der sogenannten Generationentafeln unausweichlich machte.

Bei einer Umsetzung dieser Reformen ohne entsprechende Abfederungsmassnahmen hätte dies für die unmittelbar vor der Pensionierung stehenden Versicherten Leistungseinbussen von 10,7 Prozent zur Folge gehabt.»

Die Sozialpartner hätten sich deshalb auf Abfederungsmassnahmen geeinigt, die neben den Beiträgen der Versicherten auch vom Arbeitgeber SBB mit 690 Millionen mitgetragen wurden. «Diese Zahlung erfolgte im Rahmen der üblich Sozialpartnerschaft; seitens der SBB-PK wurden dabei keinerlei juristische Forderungen gegenüber dem Bund oder SBB erhoben,» so Rohr.

SBB-Sprecher Christan Ginsig schreibt zu diesem Punkt: «SBB-Mitarbeitende tragen einen substanziellen Beitrag zur Stabilisierung der Pensionskasse, denn auf generelle Lohnerhöhungen wird seit 2017 bis 2020 verzichtet, zudem verzichten Mitarbeitende auf einen Ferientag pro Jahr. So werden Renteneinbussen vor allem für jene Versicherten abgefedert, die in den nächsten Jahren in Pension gehen.»

Fragezeichen im Parlament

Aus Sicht des Bundes als Eigentümer der SBB und aus Sicht der SBB AG ist mit der 690-Millionen-Zahlung von 2016 in die SBB-PK also alles in Butter und rechtlich wasserdicht.

Nicht auf Anhieb überzeugt von der 690-Millionen-Franken-Zahlung in die SBB-Pensionskasse zeigte sich gestern der Präsident der ständerätlichen Finanzkommission, der Schaffhauser Ständerat Hannes Germann (SVP). Er sagte auf Anfrage, sollten sich in diesem Fall Ungereimtheiten erhärten, «werden sich Finanzkommission oder Geschäftsprüfungskommission des Parlaments wohl mit dieser Sache näher beschäftigen müssen.»

Weitere «Ausfinanzierung»?

Der Zuger Kantonsrat Willi Vollenweider bleibt derweil bei seiner Überzeugung. Er widerspricht auf Anfrage der Aussage von Finanzdepartement und SBB, zwischen den Vorgängen der Ausfinanzierung der Pensionskasse von 2011 durch das Parlament und den Stabilisierungsmassnahmen von 2016 bestehe «weder inhaltlich noch rechtlich ein Zusammenhang».

Vollenweider meint: «Selbstverständlich war die Zahlung der 690 Millionen eine weitere «Ausfinanzierung». Da der PK-Stiftungsrat den Versicherten 2015 ohne Not, aus eigenem Ermessen höhere, durch das Vorsorgekapital nicht mehr gedeckte zusätzliche Leistungen im Reglement zusagte, wäre ohne die Zahlung der 690 Millionen durch die SBB AG der Deckungsgrad der PK erneut unter 100 Prozent gefallen.» Nur mit den weiteren Millionen habe dies verhindert werden können. Faktisch habe es sich somit bei den 690 Millionen um nichts anderes als einen weiteren Sanierungsbeitrag gehandelt.

Quelle: Basler Zeitung
23.02.2018

22.2.2018

Das 690-Millionen-Geschenk

SBB hat 2016 Gewinne in die SBB-Pensionskasse gezahlt, obwohl diese längst saniert war.

Der vorliegende Fall fragwürdig überwiesener SBB-Millionen übertrifft den Fall Postauto von der Grösse des Betrags her um das Achtfache. Satte 690 Millionen Franken Zwischengewinne waren es, die im Jahr 2016 die SBB in die Pensionskasse der SBB einzahlten.

Diese Pensionskasse ist eine autonome Vorsorgeeinrichtung, die rechtlich und finanziell komplett vom Bund und von den Bundesbahnen getrennt ist. Wären diese 690 Millionen Franken nicht zweckentfremdet worden, hätten damit Schulden abgebaut werden können, die damals bei 7,7 Milliarden lagen, es hätten Billettpreise gesenkt – oder tiefere Subventionen und damit weniger Steuergeld beansprucht werden können.

…mehr

Hoher Deckungsgrad

Besonders erstaunlich und rechtlich fragwürdig erscheint der Millionen-Transfer, führt man sich den «Gesundheitszustand» der SBB-Pensionskasse vor Augen. Nach erheblichen und wiederholten Problemen und einem Deckungsgrad von deutlich unter hundert Prozent ist die PK SBB spätestens seit dem Jahr 2014 kein Sanierungsfall mehr. Dies bestätigen Zuständige der Bundesverwaltung auf Anfrage.

So betrug der Deckungsgrad der Pensionskasse Ende 2013 102,4 Prozent, 2014 stieg er auf 107,3 Prozent. 2015 lag er bei 104,6 Prozent und Ende 2016 bei 107,1 Prozent. Von einem Sanierungsfall ist also nicht die Rede.

Im entsprechenden Geschäftsbericht PK SBB erscheint die Riesensumme von 690 Millionen als «Einlage SBB» – und zwar im gleichen Abschnitt wie die normalen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge. Das als «Einlage SBB» ausgewiesene Geschenk übersteigt dabei die Arbeitnehmerbeiträge (202 Millionen Franken) und die Arbeitgeberbeiträge (321 Millionen Franken) deutlich.

In vieler Leute Erinnerung ist die Pensionskasse der SBB als eine Art Dauer-Sanierungsfall. Das war für die Vergangenheit richtig und beinhaltet einen zweiten erstaunlichen Befund, der da und dort Stirnrunzeln verursachen dürfte. Die Pensionskasse SBB wurde 1906 von den SBB als Pensions- und Hilfskasse gegründet und ist seit dem 1. Januar 1999 eine privatrechtliche Stiftung. Diese wurde 1999 in die Selbstständigkeit entlassen, und zwar ausfinanziert, was den Steuerzahler damals zwölf Milliarden Franken kostete. 2008 wurden weitere drei Milliarden für die unterfinanzierte Kasse bezahlt – wiederum vom Steuerzahler.

Und schliesslich, das war im Jahr 2011, bewilligte das Bundesparlament nochmals 1,15 Milliarden Franken. Dieser letzte Sanierungsbeitrag des Bundes verfügte über die notwendige rechtliche Grundlage. Sie findet sich im Bundesgesetz über die Schweizerischen Bundesbahnen. Die Bewilligungsinstanzen von National- und Ständerat hatten 2011 aber schlicht und einfach genug von den ständigen Milliardenzahlungen an die Pensionskasse. Die Räte setzten – im übertragenen Sinn – einen Deckel obenauf und vernagelten denselben, in Form einer gesetzlichen Regelung.

Verzichtserklärungen abgegeben

So ist in den Übergangsregelungen unter Absatz drei zu lesen: «Die SBB und die Pensionskasse der SBB verzichten auf allfällige Nachforderungen gegenüber dem Bund als Träger und Leistungsgarant der ehemaligen Pensions- und Hilfskasse der SBB. Die Pensionskasse der SBB verzichtet auf solche Forderungen auch gegenüber den SBB.» Und weiter hatten SBB und PK SBB «Verzichtserklärungen» zu akzeptieren. Unter den «ewigen Sanierungsfall», wie es damals hiess, sollte ein Schlussstrich gezogen werden.

Damit findet sich die Einlage von 690 Millionen Franken aus dem Jahr 2016 zumindest mutmasslich im rechtswidrigen Raum, denn sowohl die SBB AG als Geberin als auch die Pensionskasse SBB als Nehmerin verstossen mit der Überweisung gegen die vom Parlament beschlossene gesetzliche Vorschrift. Es stellt sich die Frage nach der Verantwortlichkeit.

Die Basler Zeitung hat den SBB mehrere Fragen geschickt. Immerhin beantwortet wird im Antwortschreiben die Frage, wer die Überweisung von 690 Millionen Franken beschlossen hat. Das Geschäft sei 2015 durch den SBB-Verwaltungsrat behandelt worden, schreibt SBB-Mediensprecher Christian Ginsig. «Entschieden hat aufseite SBB der Verwaltungsrat. Dies aber vorbehältlich der Zustimmung des Eigners (Bund).»

Damit liegt der Fall im Verkehrsdepartement von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard. Antworten aus ihrem Departement wurden der BaZ für heute in Aussicht gestellt. Findet sich unter der entsprechenden Bewilligung die Unterschrift der Verkehrsministerin? Oder hat gar der Gesamtbundesrat entschieden? Wo ist die Rechtsgrundlage?

Klar sind die Fakten für den Zuger Kantonsrat Willi Vollenweider. Er ist es, der bei seinen Abklärungen für eine Interpellation zu einem SBB-Immobilien-Deal in Zug auf die fragliche Zahlung gestossen ist. Seine Meinung darüber, wem die 690 Millionen gehören, ist klar: «Das ist Geld, das die Bahnkunden für Bahndienstleistungen bezahlt haben, zuletzt natürlich Geld der Steuerzahler, welche die SBB massiv subventionieren. Und es ist Geld, das die SBB-Immobilienabteilung erwirtschaftet, indem sie vor Jahrzehnten zwangsrechtlich enteignete Grundstücke zum heutigen Marktpreis an die Meistbietenden verscherbelt.» Er fordert, diese Gewinne an die Bundeskasse abzuführen.

Quelle: Basler Zeitung
22.02.2018

25.1.2018

Die grösste Pensionskasse der Schweiz erzielt 2017 eine Gesamtrendite von 9,0%

Die BVK erarbeitete im letzten Jahr eine überdurchschnittlich gute Gesamtrendite von 9,0%. Gleichzeitig konnte die mit 118’800 Versicherten grösste Pensionskasse der Schweiz ihre Kosten für die Vermögensverwaltung auf rekordtiefe 0,16% senken. Mit diesen beiden positiven Entwicklungen erhöhte die BVK den provisorischen Deckungsgrad, gerechnet mit einem marktkonformen technischen Zinssatz von 2%, per Ende 2017 auf 100% (1.1.2017: 92,6%). Die Aktivversicherten profitieren ab Mitte 2018 von einem Zinssatz von 2% auf ihre Sparguthaben (BVG-Zinssatz: 1%). Damit werden bei der BVK die Guthaben der Aktivversicherten und Rentenbeziehenden neu gleich hoch verzinst. …mehr

Sehr gute Gesamtrendite

Mit der im Geschäftsjahr 2017 erzielten Gesamtrendite von 9,0% (netto, nach Kosten und Steuern) liegt die BVK deutlich über dem Branchendurchschnitt von 7,3% (UBS-Barometer). Die sehr gute Rendite ist vor allem auf eine positive Entwicklung der Aktienmärkte zurückzuführen. Dabei erreichten die Aktien im Bereich Schwellenländer mit einer Rendite von knapp 32% die höchsten Resultate. Die BVK erreicht gemäss provisorischen Berechnungen einen Deckungsgrad von 100% (bei einem technischen Zinssatz von 2%). Damit kann die Kasse die langfristig positive finanzielle Entwicklung weiter fortführen. Insgesamt erwirtschaftete die BVK während den vergangenen fünf Jahren eine überdurchschnittliche jährliche Rendite von 5,5% (Durchschnitt gemäss UBS-Barometer: 5,2%). Massgebend für die Höhe der Rendite ist die Anlagestrategie und ihre konsequente, kostenoptimierte Umsetzung: die BVK realisiert diese Strategie in einem prognosefreien regelbasierten Rebalancing-Prozess.

Gleichbehandlung der Aktivversicherten und Rentenbeziehenden

Die BVK gewährt ab einem Deckungsgrad von 100% Leistungsverbesserungen für Aktivversicherte. Konkret heisst das: Die Sparguthaben werden ab dem 1. Juli 2018 zu 2% verzinst – das ist doppelt so hoch wie der BVG-Zinssatz. Aktivversicherte erhalten somit den gleichen Zins wie die Rentenbeziehenden. Mit dieser Gleichbehandlung wird die Umverteilung zwischen den Generationen gestoppt. Das ist auch deshalb wichtig, weil die laufenden Renten und ihre fixe Verzinsung von 2% auf Lebenszeit garantiert sind. Im Gegensatz dazu wird das Sparguthaben der Aktivversicherten in Abhängigkeit vom Deckungsgrad verzinst. Die Aktivversicherten tragen somit das Zinsrisiko der Rentenbeziehenden.

Langfristige Fairness zwischen den Generationen

Ab einem Zieldeckungsgrad von 115% wird die BVK über die notwendigen Reserven verfügen um Schwankungen an den Finanzmärkten abzufangen. Danach sind weiterführende Leistungsverbesserungen möglich und zwar gleichermassen für Aktivversicherte wie auch für Rentenbeziehende. Die Bestimmungen zu den Leistungsverbesserungen sind reglementarisch festgesetzt, was die Berechenbarkeit erhöht und die Stabilität der Kasse fördert. Zudem hat die BVK ebenfalls bereits heute ein jahrgangsabhängiges Modell reglementarisch festgelegt, welches Fairness zwischen den Rentnergenerationen schafft. So haben Rentenbeziehende, deren Rente mit einem tieferen Umwandlungssatz berechnet wurde, Anspruch auf Zusatzleistungen vor jenen Rentnern, die früher und zu besseren Konditionen in den Ruhestand traten.

Sehr tiefe Verwaltungskosten

Dank der äusserst effizienten Bewirtschaftung des Vermögens weist die BVK sehr tiefe Verwaltungskosten aus. Pro 100 Franken Vorsorgevermögen muss die BVK nur 16 Rappen für die Vermögensverwaltung aufwenden. Die entsprechende Kennzahl «TER OAK» liegt bei 0,16%. Mit diesen Kosten liegt die BVK wesentlich tiefer als der Durchschnitt der Pensionskassen (Durchschnitt gemäss Swisscanto PK-Studie 2017: 0,49%). Auch die Kosten für die jährliche Versichertenverwaltung konnte die BVK im Jahr 2017 erneut reduzieren: Sie liegen mit 115 Franken pro versicherte Person auch im Branchenvergleich sehr tief (Durchschnitt gemäss Swisscanto PK-Studie 2017: 337 Franken).

Zusätzliche Stabilität dank wachsendem Versichertenbestand

Der Versichertenbestand der BVK ist seit dem 1. Januar 2017 um 2,8% gewachsen. Ende 2017 versicherte die BVK 118’800 Personen. Mit 70,1% Aktivversicherten und 29,9% Rentenbeziehenden verfügt die BVK weiterhin über eine vorteilhafte Versichertenstruktur. Aufgrund der demografischen Voraussetzungen wächst aber auch bei der BVK der Bestand der Rentenbeziehenden schneller als jener der Aktivversicherten. Nach der im vergangenen Geschäftsjahr beschlossenen Öffnung über die Kantonsgrenzen hinaus kann die BVK nun die Personalvorsorge für Arbeitgeber aus der gesamten Schweiz übernehmen. Das ermöglicht die langfristige Sicherung der aktuell sehr guten Risiko- und Versichertenstruktur.

Quelle: BVK
25.01.2018

27.12.2017

Schonfrist für Beamtenrenten

Das Parlament hat Abfederungen für die Pensionskasse des Bundespersonals abgelehnt. Nun setzt die Kassenkommission die Senkung von Zins- und Umwandlungssatz aus. Doch Anfang 2019 gilt es ernst. …mehr

Die Suppe wurde heiss gekocht – und am Schluss nicht gar so heiss gegessen. Als es in der Wintersession des Bundesparlaments um das Budget für das kommende Jahr ging, befürchtete der Personalverband des Bundes (PVB) zwischenzeitlich das Schlimmste. Keine Lohnmassnahmen und keine Abfederungsmassnahmen für die Verschlechterungen bei der Pensionskasse des Bundes (Publica) wären für das Personal der «worst case» gewesen.

Am Ende sprach sich das Parlament für die Gewährung des Teuerungsausgleichs von 0,6 Prozent aus, verweigerte aber die Zustimmung zu den rund 160 Millionen Franken, welche die Landung für die Versicherten in der Pensionskasse etwas sanfter gemacht hätten. Konkret: Die Senkung des technischen Zinssatzes sowie des Umwandlungssatzes hätte durch zusätzliche Arbeitgeberbeiträge aufgefangen werden sollen. Doch das fand die Mehrheit der Parlamentarier übertrieben. Wer gedacht hatte, die Publica würde die Reduktion von 2,75 auf 2,0 Prozent beim Zins- und von 5,65 auf 5,09 Prozent beim Umwandlungssatz gleichwohl durchziehen, sieht sich nun getäuscht. Die Kassenkommission, das höchste Aufsichts- und Kontrollorgan der Publica, hat aufgrund der fehlenden Arbeitgeberbeteiligung entschieden, «die technischen Parameter vorläufig noch nicht zu senken». Das heisst: 2018 bleibt alles beim Alten. Doch das wird aus Finanzierungsgründen nicht so bleiben. Ende Januar wird die Kassenkommission in Klausur gehen, «um sich erneut eingehend mit verschiedenen Senkungsszenarien zu befassen».

Für PVB-Präsidentin Barbara Gysi ist das Aussetzen der Senkung ein richtiger Entscheid: «Die Kassenkommission hat sich vom bürgerlichen Spardiktat nicht einschüchtern lassen.» Das sei umso wichtiger, als für Versicherte mit einem Altersguthaben von 100000 Franken beispielsweise allein die Senkung des Umwandlungssatzes ein Rentenminus von 10 Prozent bedeuten würde. «Das ist schlicht inakzeptabel», sagt Gysi. Denn Arbeitnehmer und Arbeitgeber seien gemeinsam für die berufliche Vorsorge verantwortlich. «Es kann nicht sein, dass nur die Arbeitnehmenden für die Abfederungsmassnahmen aufkommen», betont die St. Galler SP-Nationalrätin.

Sie ortet denn auch weiteren Gesprächsbedarf mit dem Bundesrat – und dabei insbesondere mit Finanzminister Ueli Maurer. «Wir werden weiter kämpfen müssen», sagt Gysi, «damit das Bundespersonal zum Dank für höhere Beiträge am Ende nicht mit tieferen Renten belohnt wird.» Ein Sozialpartnergespräch soll im ersten Quartal des neuen Jahres stattfinden.

Schon heute absehbar ist dies: Die Anpassung der technischen Parameter wird auf Anfang 2019 unausweichlich sein. Allerdings gemäss Kassenkommission so, dass die Versicherten nicht übermässig belastet werden. Möglich werden soll dies zum einen durch Rückstellungen der Kasse, zum andern durch eine Beteiligung des Arbeitgebers. Eine Neuauflage der Debatte der diesjährigen Wintersession ist demnach programmiert.

Quelle: Luzerner Zeitung
27.12.2017

22.12.2017

Was bedeutet der Rentenreformplan des Bundesrates für die Pensionskassen?

Der Bundesrat will die Reformen der AHV und der zweiten Säule trennen. Die zweite Säule hat nur noch zweite Priorität. Doch die Pensionskassen können sich selber helfen.

…mehr

Nun ist es amtlich. Der Bundesrat will die Rentenreform aufspalten. Wie Sozialminister Alain Berset am Mittwoch verkündete, soll die AHV gegenüber der Reform der zweiten Säule Priorität haben (NZZ 21. 12. 17). Die Reform der ersten Säule ist dringlicher, weil sich die AHV ohne Gesetzesänderung im Unterschied zu den Pensionskassen nicht selber helfen kann und bald mit jährlichen Milliardenverlusten rechnen müsste.

Doch ganz ohne Verbindung der beiden Säulen dürfte es nicht gehen, wie befragte Fachleute betonen. Die vom Bundesrat vorgesehene Flexibilisierung des Rentenalters in der AHV zwischen 62 und 70 Jahren bedinge eine Koordination mit der beruflichen Vorsorge. Auch die geplante Erhöhung des AHV-Referenzrentenalters für Frauen von 64 auf 65 Jahre sollte sinnvollerweise ebenfalls für die zweite Säule gelten.

Verzögerung «nicht tragisch»

Der Kern der separaten Vorlage zur beruflichen Vorsorge betrifft den Umwandlungssatz. Über dieses Dossier sollen sich nun zunächst die Sozialpartner beugen, um die Grundlagen für eine mehrheitsfähige Lösung zu schaffen. Für das obligatorische Alterskapital gilt immer noch ein Mindestumwandlungssatz von 6,8%. Pro 100 000 Fr. Alterskapital fliesst damit eine Jahresrente von 6800 Fr. In der vom Volk abgelehnten Vorlage war eine Senkung auf 6,0% vorgesehen.

Hinter dem Umwandlungssatz stecken Annahmen über die Lebenserwartung und die nominalen Anlagerenditen. Die Lebenserwartung ist in der Schweiz laufend am Steigen, die Renditeerwartungen aber sind deutlich gesunken. Viele Pensionskassenexperten betrachten heute einen Umwandlungssatz um 5% als rechnerisch einigermassen korrekt. Ist dieser Satz zu hoch angesetzt, werden Rentner faktisch durch Jüngere subventioniert.

Was wären die Folgen für die Pensionskassen, wenn es noch jahrelang beim Minimum von 6,8% bliebe? «Das wäre nicht tragisch», sagt Peter Zanella von der Beratungsfirma Willis Towers Watson: «Die meisten Pensionskassen können dies durch die Senkung des Umwandlungssatzes auf dem überobligatorischen Kapital kompensieren.» Beim überobligatorischen Kapital gibt es kein gesetzliches Minimum für den Umwandlungssatz.

Gemäss Daten der Oberaufsichtsbehörde sind rund 85% der Versicherten in Pensionskassen versichert, die genügend überobligatorisches Kapital hätten, um den Umwandlungssatz für den Durchschnitt des Gesamtkapitals auf etwa 5% zu senken. Laut einer Branchenumfrage von Swisscanto lag heuer der Durchschnitt des Umwandlungssatzes für Neurentner noch bei etwa 6%. Viele Senkungen sind aber schon aufgegleist, so dass das Mittel in fünf Jahren nahe bei 5,5% liegen könnte. Vorsorgeeinrichtungen ohne überobligatorisches Kapital müssten früher oder später die Lohnbeiträge erhöhen. Laut Zanella würde dies für die Betroffenen «Transparenz schaffen über die Kosten des hohen Mindestumwandlungssatzes». Vielleicht führe dies «in einigen Jahren zu einem Umdenken».

Ausbau statt Abbau

Gemessen an der Rhetorik auf der Politbühne, heisst Senkung des Umwandlungssatzes automatisch «Leistungsabbau». Bei der Einführung des Gesetzes für die berufliche Vorsorge (BVG) 1985 lag der gesetzliche Mindestumwandlungssatz bei 7,2%. Eine Senkung von 7,2 auf 5% reduziert bei unverändertem Kapital die nominale Jahresrente um rund 30%. Doch von einem Leistungsabbau in diesem Ausmass kann keine Rede sein. Beim Start des BVG 1985 steckte hinter dem damaligen Umwandlungssatz faktisch eine Renditegarantie (im Jargon: technischer Zinssatz) für die Neurentner von nominal 4%. Und hinter einem Umwandlungssatz um 5% steht heute faktisch eine Renditegarantie von nominal gut 2%. Rund drei Viertel der Differenz zwischen den erwarteten Nominalrenditen von 1985 und jenen von heute werden aber durch die Reduktion der Teuerung kompensiert, und somit wird die Kaufkraft der Jahresrenten kaum geschmälert. Die durchschnittliche Inflation von 1985 bis 2005 (als die erste BVG-Revision in Kraft trat) betrug 1,8% pro Jahr, seither belief sich die Inflationsrate im Mittel nur auf 0,2%. Politiker und Lobbyisten räumen dies in Gesprächen zwar ein, entgegnen aber, dass man dies dem Publikum nicht erklären könne.

Hinzu kommt, dass die Lebenserwartung für 65-Jährige seit 1985 um einen Viertel gestiegen ist – von 17 auf über 21 Jahre (Durchschnitt von Frauen und Männern). Entsprechend fallen mehr Jahresrenten an, was einen Ausbau der gesamten Rentenleistung bedeutet.

Trotzdem herrscht in der Politik in einem Punkt fast Einigkeit: Die nominalen Jahresrenten sollen insgesamt nicht sinken. Das ist auch die Prämisse vor dem Start der Verhandlungen der Sozialpartner. Auch der Arbeitgeberverband teilt diese Ansicht, wie dessen Direktor Roland Müller bestätigt.

Die nun vom Bundesrat gewünschten Verhandlungen der Sozialpartner waren ein Anliegen der Arbeitgeber. Die ersten Gespräche sollen Anfang des nächsten Jahres starten. «Unser Ziel wäre, dass sich die Sozialpartner bis Ende des nächsten Jahres auf eine Grobvorlage einigen», sagt Arbeitgeberverbands-Direktor Müller. Er hofft, dass die Reform der zweiten Säule am Ende «mit nicht mehr als einjähriger Verspätung auf die Vorlage zur ersten Säule in Kraft treten kann».

Ob es zu einer Einigung kommt, ist völlig offen. Die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern waren jüngst nicht die besten, und die Differenzen in der Rentenfrage sind erheblich. Sollte es per saldo wie bei der abgelehnten Vorlage eine weitgehende oder gar volle «Kompensation» der Senkung des Mindestumwandlungssatzes geben, könnte man auf die Senkung wohl auch gleich verzichten. Die Umverteilung von Jung zu Alt könnten die Pensionskassen weitgehend selber eliminieren, es bliebe die Umverteilung von den Gross- zu den Kleinverdienern.

Verteuerung der Arbeit

Will man die besagten Kompensationen, heisst dies wohl höhere Lohnbeiträge und für eine Übergangsgeneration auch eine Zusatzfinanzierung; die abgelehnte Vorlage hatte dafür eine Subventionierung über den Sicherheitsfonds vorgesehen, der von allen Pensionskassen gefüttert wird. Dies würde eine Umverteilung zwischen den Pensionskassen in Gang setzen. Eine Erhöhung der Lohnbeiträge brächte derweil eine Verteuerung der Arbeit. Die Arbeitgeber würden jedoch sicherlich versuchen, mindestens einen Teil der Zusatzkosten zu überwälzen – auf die Angestellten (tieferer Lohnanstieg), die Konsumenten (Preiserhöhungen) und die Arbeitslosen (Stellenabbau).

Das heuer im Parlament diskutierte Kompensationsmodell des Nationalrats könnte mit der Verteuerung der Arbeitskosten einige tausend Stellen kosten. Der Arbeitgeberverband bezeichnet dieses Modell heute als «zu teuer», doch Varianten davon könnten nun wieder aufs Tapet kommen.

Quelle: NZZ
22.12.2017