Altersvorsorge 2020

12.4.2017

Schweizerischer Arbeitgeberverband: Nein zur Altersvorsorge 2020

Der Schweizerische Arbeitgeberverband hat die Nein-Parole zur Volksabstimmung über die Reform Altersvorsorge 2020 vom 24. September 2017 beschlossen. Die Arbeitgeber erteilen mit ihrem Votum einem unsolidarischen und unterfinanzierten AHV-Ausbau eine Absage. …mehr

Die Mitglieder des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) haben sich an ihrer Vorstandssitzung gegen die Altersvorsorgereform 2020 ausgesprochen, über die das Stimmvolk am 24. September 2017 befindet. Die Arbeitgeber lehnen eine Vorlage ab, die das Parlament – entgegen den Reformzielen und trotz der Ablehnung von «AHVplus» – zu einer überladenen Ausbauvorlage umfunktioniert hat, statt die Altersvorsorge nachhaltig auf eine stabile finanzielle Basis zu stellen. Die strukturellen Probleme, darunter die chronisch defizitäre AHV-Kasse und die Pensionierungswellen der geburtenstarken Jahrgänge, werden nicht nur ausgeblendet, sondern sogar verschärft. So übersteigen die Kosten des AHV-Ausbaus bereits 2030 die Mittel, die durch die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre frei werden.

Eine weitere Schwäche der Reform liegt im unsolidarischen Giesskannenprinzip des AHV-Ausbaus. Monatlich werden 70 Franken an alle Neurentner und sogar bis zu 226 Franken an alle Neurentnerehepaare verteilt – unabhängig von ihrer finanziellen Situation und ungeachtet dessen, ob sie von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge betroffen sind. Der Ausbau, für den viele bezahlen und von dem nur wenige profitieren, führt zu einer AHV zweier Klassen. Zu den grossen Profiteuren zählt die Übergangsgeneration zwischen 45 und 65 Jahren. Sie wird dank Zahlungen aus dem Sicherheitsfonds von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der zweiten Säule verschont und kommt dennoch in den Genuss des AHV-Zustupfs von jährlich 840 Franken.

Die Reform gefährdet überdies den Zusammenhalt zwischen den Generationen. Auf der Verliererseite stehen bisherige Rentner, welche die berufliche Vorsorge aufgebaut haben, aber selber keine Chance mehr haben, ihre Pensionskassenrenten aufzubessern. Vielmehr müssen sie eine im Portemonnaie spürbare Erhöhung der Mehrwertsteuer verkraften, die den AHV-Ausbau mitfinanziert. Schlechter gestellt werden – wie dies bereits bei der deutlich verworfenen AHVplus-Initiative der Fall gewesen wäre – ausgerechnet jene bedürftigen Rentner, denen im Gegenzug zum AHV-Zustupf die steuerbefreiten Ergänzungsleistungen (EL) gekürzt werden. Die grössten Lasten werden aber den Jungen und nachkommenden Generationen aufgebürdet. Sie bezahlen die Zeche für den AHV-Ausbau, da sie ab 2030 zusätzlich zur weiter wachsenden Anzahl Rentner für die ungedeckten Checks der Reform geradestehen müssen.

Eine Annahme der unterfinanzierten Ausbauvorlage würde bereits mittelfristig trotz der Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,6 Prozent sowie der Lohnbeiträge um total 0,7 Prozent wieder grosse Löcher in die AHV-Kasse reissen und den Druck zu weiteren Reformen mit zwangsläufig einschneidenderen Sanierungen erhöhen. Bereits 2025 müsste die nächste Reform umgesetzt werden. Der unsolidarische AHV-Ausbau für arm und reich erhöht daher letztlich nur den Druck, das Rentenalter rascher anheben zu müssen. Die Arbeitgeber stehen weiterhin zu einer Reform der Altersvorsorge mit sicheren Renten auf heutigem Niveau, erteilen einem unsolidarischen AHV-Ausbau aber eine klare Absage. Lehnt das Schweizer Volk am 24. September 2017 zum zweiten Mal innert Jahresfrist einen für unser wichtigstes Sozialwerk gefährlichen Giesskannenausbau ab, wird der Weg endlich frei für eine echte Reform der Altersvorsorge für sichere Renten in beiden Säulen. Teure Experimente hat unsere AHV nicht verdient.

Denn ein Scheitern der Vorlage an der Urne bedeutet nicht das Ende des Reformprozesses. Die zentralen Elemente sind bekannt und liegen auf dem Tisch. Statt einer überladenen Reform braucht es danach zügig separate und verdaubare Portionen, wie sie die Wirtschaft seit Beginn des Reformprozesses stets gefordert hat. Dabei sind die heute selbst von linken Kreisen geforderten Massnahmen anzugehen: als erstes die Angleichung des Rentenalters für Männer und Frauen auf 65. Zweitens braucht es eine Senkung des Mindestumwandlungssatzes mit angemessener Kompensation innerhalb der beruflichen Vorsorge, wozu der Nationalrat einen grundsätzlich gangbaren Weg vorgezeichnet hat. Drittens müssen die politischen und sozialpartnerschaftlichen Akteure in einem sorgfältig zu erarbeitenden breiten Konsens aufzeigen, wie mittelfristig das immer schlechter werdende Umlageverhältnis in der AHV durch eine schrittweise und sozialverträgliche Erhöhung des Rentenalters langfristig sichergestellt werden kann.

Kontakt:

Roland A. Müller, Direktor, Tel. 079 220 52 29,
mueller@arbeitgeber.ch

Martin Kaiser, Ressortleiter Sozialpolitik, Tel. 079 517 68 26,
kaiser@arbeitgeber.ch

Quelle: Presseportal.ch
12.04.2017

31.1.2017

Beschönigen die Pensionskassen ihre finanzielle Situation?

Viele Schweizer Pensionskassen reagieren zurzeit auf die ultraniedrigen Zinsen mit Rentenkürzungen. Die Kassen wiesen zu hohe Deckungsgrade aus, kritisieren manche Beobachter. …mehr

Wären die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen Flugzeuge, so würden einige von ihnen viel niedriger fliegen, als ihr Höhenmesser anzeigt. Mit dieser Metapher hat Pascal Renaud, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Kammer der Pensionskassen-Experten, an den Informationstagen zur beruflichen Vorsorge auf die bedenkliche Entwicklung in der beruflichen Vorsorge aufmerksam gemacht. Die Kassen wiesen zu hohe Deckungsgrade und damit eine vermeintlich zu gute finanzielle Situation aus und riskierten damit Fehlentscheidungen, sagte Renaud an der jährlichen Veranstaltung der BVG- und Stiftungsaufsicht des Kantons Zürich (BVS). Der Deckungsgrad errechnet sich aus dem Verhältnis zwischen dem verfügbaren Vermögen und den Vorsorgeverpflichtungen einer Pensionskasse. Gemäss der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) betrug der durchschnittliche Deckungsgrad von Schweizer Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie 2015 105,1%, bei Pensionskassen mit Staatsgarantie lag er bei 76,1%.

Lücken bei den Renditen

Laut Renaud ist derzeit eine jährliche Anlagerendite von 5% nötig, um den BVG-Umwandlungssatz von 6,8% für die Altersrentner zu finanzieren. Selbst wenn die Rentenreform verabschiedet würde und der BVG-Mindestumwandlungssatz von 6,8% auf 6% sänke, würden die Vorsorgeeinrichtungen noch eine jährliche Anlagerendite von 4% brauchen, um die Neurenten zu finanzieren. Gegenüber der erwarteten Rendite einer durchschnittlichen Anlagestrategie einer Kasse fehlten derzeit Jahr für Jahr bei der Rendite 2 Prozentpunkte, und die aktiven Versicherten müssten zur Finanzierung dieser Lücken eine tiefere Verzinsung ihrer Altersguthaben in Kauf nehmen.

Der Umwandlungssatz ist der Prozentsatz des in der Pensionskasse angesparten Vermögens, der einem Versicherten nach der Pensionierung jährlich ausbezahlt wird. Die ultraniedrigen bis negativen Zinsen zwingen die Vorsorgeeinrichtungen zu massiven Senkungen der technischen Zinssätze. Die Pensionskassen hätten diese nicht stark und nicht schnell genug gesenkt, sagte Renaud, der auch Partner des Pensionskassenexperten-Büros Toptima ist.

Verpflichtungen unterbewertet?

Bei der Berechnung des Deckungsgrads ist der technische Zinssatz sehr wichtig. Mit diesem Satz diskontiert eine Pensionskasse die zukünftigen reglementarischen Leistungen. Verwendet sie einen zu hohen technischen Zinssatz, weist sie zu tiefe Verpflichtungen und einen zu hohen Deckungsgrad aus. So seien die Rentenverpflichtungen vieler Vorsorgeeinrichtungen unterbewertet, sagte Renaud. Er empfiehlt, den technischen Zinssatz prinzipienbasiert anhand einer Zinsstrukturkurve entsprechend den Verpflichtungen festzulegen, anstatt ihn jedes Jahr durch den Stiftungsrat zu beschliessen. Das Ausweisen eines zu hohen Deckungsgrades sei problematisch, denn dies könne beispielsweise dazu führen, dass die Verantwortlichen von Vorsorgeeinrichtungen die Lage ihrer Kasse zu rosig einschätzten, sagte Renaud. Folgen davon könnten Investitionen in zu riskante Anlagen oder zu grosszügige Leistungen für aktive Versicherte und Rentner sein.

«Eingeschlagener Weg stimmt»

Laut Beobachtern fühlen sich derzeit die Stiftungsräte in einigen Pensionskassen zum Handeln gezwungen und senken die technischen Zinsen deutlich. Für grosses Aufsehen haben in diesem Zusammenhang die BVK und die Pensionskasse der Credit Suisse gesorgt, die die Leistungen ihrer Versicherten deutlich gekürzt haben. Laut Roger Tischhauser, Direktor der BVS, haben viele Vorsorgeeinrichtungen aus dem Kanton Zürich die Umwandlungssätze und technischen Zinsen reduziert, um künftige Pensionierungsverluste und die Verteilung der Lasten auf die aktiven Versicherten zu reduzieren. Er betont, der von den Pensionskassen im Kanton Zürich eingeschlagene Weg stimme, es brauche aber weitere mutige Entscheidungen. Ob die Anpassungen ausreichen, müsse für jede einzelne Kasse beurteilt werden. Falls notwendig, greife die BVS ein, der Risikodialog zwischen Vorsorgeeinrichtung und Aufsicht sei jedoch in den meisten Fällen zielführend. Aus Sicht von Tischhauser haben die Pensionskassen auch ihre Wertschwankungsreserven so weit gestärkt, dass sie auf Verwerfungen am Kapitalmarkt reagieren könnten. Die BVG- und Stiftungsaufsicht Zürich kontrolliert nach eigenen Angaben 820 Vorsorgeeinrichtungen mit verwalteten Vermögen von rund 300 Mrd. Fr.

Sammelstiftungen im Fokus

Eine Herausforderung sieht Tischhauser unterdessen in der Entwicklung zu mehr rentnerlastigen Vorsorgeeinrichtungen oder sogar reinen Rentnerkassen. Der Anteil der Rentner am Gesamtvorsorgevermögen steige stetig, auf weniger Aktive kämen immer mehr Rentner. Dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Da die Möglichkeit einer strukturellen Sanierung dieser Vorsorgeeinrichtungen eingeschränkt sei, müsse eine ausreichende Finanzierung sichergestellt sein. Die Arbeitgeber seien in der Pflicht. Die BVS überwache dies und greife bei Fehlentwicklungen ein.

Als weiteren Schwerpunkt der Aufsichtstätigkeit nennt Tischhauser die Überwachung der Sammelstiftungen. Solchen Einrichtungen schliessen sich oft Firmen an, die zu klein sind, um eine eigene Pensionskasse zu betreiben. Im Aufsichtsgebiet der BVS sind über 70% der Versicherten Sammelstiftungen angeschlossen. Im Markt der Sammeleinrichtungen herrsche ein harter Wettbewerb, einige dieser Einrichtungen seien deshalb zurückhaltend mit der Senkung von Umwandlungssätzen und technischen Zinsen, sagt Tischhauser. Es sei wichtig, dass die Sammelstiftungen risikoorientiert geführt und beaufsichtigt würden, sonst könnten sie sich zu einem Systemrisiko entwickeln.

Quelle: NZZ
31.01.2017

13.1.2017

BSV bestätigt Überlegenheit des Nationalratsmodells

Die Sozialkommission des Nationalrats (SGK-N) hat ihr Kompensationsmodell zur Reform der Altersvorsorge 2020 entscheidend verbessert. Es wirkt deutlich besser und kostet Arbeitnehmer und Arbeitgeber Hunderte Millionen Franken weniger pro Jahr als das Modell des Ständerats. Dies bestätigt nun auch das Bundesamt für Sozialversicherungen. Die bescheinigten Anpassungen machen den Weg frei für eine mehrheitsfähige Reform der Altersvorsorge.

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Die Sozialkommission des Nationalrats (SGK-N) hat sich an ihrer Sitzung zur Reform der Altersvorsorge 2020 für eine verbesserte Version des Nationalratsmodells ausgesprochen. Die Kommission trägt damit den wesentlichen Kritikpunkten an ihrem ursprünglichen Reformmodell Rechnung. Ein Bericht des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) bestätigt jetzt: Das von der Kommission modifizierte Modell des Nationalrats vermag die Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge deutlich besser und günstiger zu kompensieren als das Modell des Ständerats. Es führt gleichzeitig zu einer spürbaren Verbesserung der Vorsorge für Teilzeitangestellte sowie Erwerbstätige mit tieferen Einkommen und bietet eine Lösung für das wachsende Phänomen der Mehrfachbeschäftigung.

Mit seinen Anpassungen im Kompensationsmodell besinnt sich die SGK-N im Wesentlichen auf jenen Vorschlag, den der Bundesrat bereits in seiner Botschaft unterbreitet hatte. Für die Kompensation der Senkung des Mindestumwandlungssatzes sollen rund 0,6 Prozent Lohnbeiträge eingesetzt werden, zur Sicherung der AHV-Renten auf jetzigem Niveau zusätzlich 0,6 Prozentpunkte Mehrwertsteuer. Damit belaufen sich die Gesamtkosten der Reform auf knapp 5 Milliarden Franken, was eine jährliche Reduktion von knapp 2 Milliarden Franken gegenüber dem Modell des Ständerats bedeutet.

Die nationalrätliche Lösung erfüllt die Zielsetzung der Reform in idealer Weise: Sie sichert das Rentenniveau langfristig – auch in einer alternden Gesellschaft. Die berufliche Vorsorge wird durch die Abschaffung des Koordinationsabzugs vereinfacht, wodurch Verwaltungskosten reduziert werden. Dank weiterer Massnahmen ist die Lösung nun auch für die KMU-Wirtschaft und für jüngere Erwerbstätige gut verkraftbar. Zudem ist die maximal mögliche Renteneinbusse durch die Senkung des Mindestumwandlungssatzes spürbar tiefer als im Modell des Ständerats. Die Lösung führt ebenfalls zu einer spürbaren Besserstellung von teilzeiterwerbenden Personen – besonders von Frauen. Wer früh Beiträge in die AHV bezahlt hat und trotz lebenslanger Erwerbsarbeit auf bescheidenerem Einkommensniveau verharrt, soll die AHV nach dem Willen der SGK-N privilegiert vorbeziehen können. Auch von dieser fokussierten Massnahme, die ebenfalls bereits in der bundesrätlichen Botschaft zur Diskussion gestellt wurde, werden vor allem Frauen in Niedriglohnberufen profitieren. Mit diesen Verbesserungen nimmt die SGK-N die Anliegen einer sozialverträglicheren Reform auf und schafft die Voraussetzungen für einen tragfähigen Kompromiss, der auch vor dem Volk bestehen kann.

Der Schweizerische Arbeitgeberverband und economiesuisse begrüssen, dass die SGK-N an der Stabilisierungsregel für die AHV festhält, um die AHV-Renten selbst über den Zeithorizont von 2030 hinaus zu sichern. Demgegenüber würde ein Rentenausbau um 70 Franken für Neurentnerinnen und Neurentner, wie ihn der Ständerat fordert, die strukturellen Probleme der AHV weiter verschärfen. Bereits 2035 würde gemäss Lösung des Ständerats in der AHV wieder ein Finanzloch von über 5 Milliarden Franken klaffen. Zudem käme ein AHV-Ausbau mit der Giesskanne nach dem klaren Plebiszit gegen AHVplus einer Zwängerei gleich. Überdies würde mit dem Ausbau der AHV für Neurentner um 70 Franken eine Zweiklassengesellschaft unter den Rentnern geschaffen, indem bisherige Rentner zwar massiv mitfinanzieren müssten, aber leer ausgingen. Aus diesen Gründen ist ein Rentenausbau um 70 Franken an der Urne chancenlos.

Jetzt liegt es am Plenum des Nationalrats, seiner Kommission zu folgen und damit dem Ständerat zu ermöglichen, auf den Weg zu einer wirksamen und breit abgestützten Reform der Altersvorsorge einzuschwenken. In Anbetracht der vom BSV attestierten Überlegenheit des SGK-N-Modells sind die Vorbehalte der Kleinen Kammer nicht mehr begründet. Darum erwarten die Spitzenverbände der Schweizer Wirtschaft vom Ständerat, dass er von seinem Modell abrückt und die Linie des Nationalrats übernimmt. Umgekehrt wird es am Nationalrat sein, in andern Differenzpunkten auf die Linie des Ständerats einzuschwenken, darunter die Frage des Bundesbeitrags an die AHV. Mit Blick auf die Bundesfinanzen muss aus Sicht der Spitzenverbände auf die Erhöhung des Bundesbeitrags auf 20 Prozent verzichtet werden.

SCHWEIZERISCHER ARBEITGEBERVERBAND und economiesuisse


Roland A. Müller, Direktor Schweizerischer Arbeitgeberverband, 079 220 52 29, mueller@arbeitgeber.ch

Martin Kaiser, Ressortleiter Sozialpolitik, Schweizerischer Arbeitgeberverband, 079 517 68 26, kaiser@arbeitgeber.ch

Medienstelle economiesuisse, michael.wiesner@economiesuisse.ch


Quelle: Economiesuisse
13.01.2017

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10.1.2017

Altersvorsorge 2020: ASIP warnt zum Jahresstart erneut vor dem Spiel mit dem Feuer

Am Dienstagnachmittag hielt der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP seine traditionelle Jahresstart-Veranstaltung ab, die thematisch ganz im Zeichen der Reform „Altersvorsorge 2020“ stand. Im Hinblick auf die bevorstehende Differenzbereinigung des Geschäfts, appellierte er an die Kompromissbereitschaft der Politik.

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An der Jahresstart-Veranstaltung behandelte der ASIP die anstehenden vorsorgepolitischen Fragestellungen mit seinen Mitgliedern. Bundesrat Alain Berset sagte in seinem Referat:“ Die Altersvorsorge ist existentiell wichtig, deshalb müssen sämtliche politischen Akteure Kompromisse eingehen“. Eine mehrheitsfähige Lösung sei jetzt dringend notwendig: „Die Geschichte der gescheiterten Reformen der letzten 20 Jahre zeigt, dass Volk und Stände nur einem ausgewogenen Paket zustimmen.“

An der anschliessenden Podiumsdiskussion zum Thema „Altersvorsorge 2020“ diskutierten: Kathrin Bertschy, NR und Co-Präsidentin alliance F, (GLP); Ruth Hummel, NR (CVP); Alex Ruprecht, SR (SVP), Paul Rechsteiner, SR und Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SP); Martin Kaiser, Schweizerischer Arbeitgeberverband, Mitglied der Geschäftsleitung, sowie Hanspeter Konrad, Direktor ASIP, der die Podiumsdiskussion moderierte.

In der Frühjahrssession wird das Geschäft mit der Differenzbereinigung abgeschlossen und hoffentlich vom Parlament verabschiedet. Der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP appelliert weiterhin an alle politischen Akteure, im Rahmen der Behandlung der Vorlage „Altersvorsorge 2020“ Kompromisse einzugehen, und warnt vor allzu einseitigen Sichtweisen. Diese sind ein Spiel mit dem Feuer, denn nur ein ausgewogenes Paket wird letztlich Chancen haben, von Parlament und Stimmvolk angenommen zu werden.

Aus Sicht ASIP sollte die zuständige Kommission des Nationalrates nun nochmals vertieft prüfen, in welcher Form eine Kompensation der Senkung des BVG-Umwandlungssatzes zum Leistungserhalt innerhalb des BVG erfolgen kann. Mit einer entsprechenden Kombination der Regelung des Koordinationsabzuges, der Altersgutschriften und des Beginns des Sparprozesses lassen sich Lösungen innerhalb der beruflichen Vorsorge finden, die das BVG-Leistungsniveau sicherstellen. Ein wichtiger und für dessen Stabilität entscheidender Erfolgsfaktor des Schweizer Drei-Säulen-Systems ist nämlich letztlich die Trennung der drei Säulen. Zu berücksichtigen ist aber auch, dass der Reformvorschlag in einer späteren Volksabstimmung zu bestehen hat. All diese Überlegungen gilt es jetzt bei der Suche nach einem für alle Seiten akzeptablen Kompromiss zu beachten.

Für den ASIP ist die finanzielle Sicherung der Altersvorsorge dringend notwendig. Aufgrund der sich stellenden ökonomischen und demografischen Herausforderungen darf diese Reform aus Sicht ASIP auf keinen Fall scheitern. Im Vordergrund steht für den ASIP die ganzheitliche Sicherung der Altersvorsorge im Bereich der 1. und 2. Säule ohne Leistungsreduktionen. Alle Akteure müssen im Rahmen dieses Prozesses ihren Beitrag für eine erfolgreiche Reform leisten.


Weitere Informationen:

Hanspeter Konrad, Direktor
Telefon +41 43 243 74 15
E-Mail konrad@asip.ch
ASIP, Kreuzstrasse 26, CH-8008 Zürich
oder Jean Rémy Roulet, Präsident (Genf); 022 949 19 19

Bis 17 Uhr wenden Sie sich bitte an Peter Metzinger: +41 79 628 61 26


Quelle: Presseportal.ch
10.01.2017

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19.12.2016

Rettet ein technischer Kniff die Rentenreform?

Mit einem neuen Vorschlag sollen die Frauen sowie die GLP für eine Mehrheit gewonnen werden.
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Allein der Name schreckt ab: Koordinationsabzug. Doch dieses technische Vehikel entscheidet nicht nur, wie hoch die Rente aus der zweiten Säule dereinst ausfallen wird. Der Abzug entpuppt sich nun auch als möglicher Schlüssel, wie die Altersreform im Parlament gerettet werden kann.

Grund genug, den Koordinationsabzug etwas genauer zu betrachten: Während jeder Arbeitnehmer über Lohnabgaben in die AHV einzahlt und nach der Pensionierung Anspruch auf eine Rente hat, ist das bei der beruflichen Vorsorge nicht der Fall. In der zweiten Säule (Pensionskasse) spart jeder

sein eigenes Altersguthaben an. Dies ist heute aber nur möglich, wenn der Lohn hoch genug ist. Denn Pensionskassen können vom Bruttolohn den Koordinationsabzug abziehen. Nur was danach vom Lohn übrig bleibt, ist versichert (siehe Grafik). Tiefe Einkommen, Teilzeitpensen und Personen mit mehreren Arbeitgebern sind durch diese Regel benachteiligt, weil sie keine oder nur eine sehr kleine zweite Säule aufbauen können.

Wie der Koordinationsabzug funktionieren würde

Langjähriger Streit um den Abzug

Seit Jahren wollen SP und Gewerkschaften den Koordinationsabzug abschaffen, um allen Erwerbstätigen dieselbe Chance zu geben, für das Rentenalter vorzusorgen. Das bestätigen Sozialpolitikerinnen wie Bea Heim (SO) und Silvia Schenker (BS). Und beide geben an, sie seien mit der Absicht die Altersreform angegangen, diese Ungerechtigkeit aus dem Weg zu räumen. In diese Richtung ging überdies auch der Vorschlag von Bundesrat Alain Berset. Doch nun, da eine rechts-bürgerliche Mehrheit des Nationalrats genau dies vorschlägt, lehnen sie es ab. Der Grund: Anstatt an der (ungeliebten) zweiten Säule herumzuflicken, hat der Ständerat einen Vorschlag ausgearbeitet, der die erste Säule stärkt: Für Neurentner soll die AHV um 70 Franken pro Monat aufgebessert werden. SP-Ständerat und Gewerkschaftsboss Paul Rechsteiner (SG) sagt, das Modell sei sozialer, weil es gerade bei tieferen Einkommen einen stärkeren Effekt hat als die minime Verbesserung der Pensionskasse.

Die doppelte Ungerechtigkeit

Obwohl er von einem «frauenfreundlichen» Ansatz spricht, überzeugen die 70 Franken den Frauendachverband Alliance F nicht. Co-Präsidentin Kathrin Bertschy (GLP/BE) sagt: «Wenn wir schon die Altersvorsorge reformieren, dann müssen wir auch den Koordinationsabzug endlich anpassen.» Denn Frauen seien überproportional von den Nachteilen in der zweiten Säule betroffen: Sie verdienen weniger und arbeiten häufiger Teilzeit. Der ursprüngliche Vorschlag des Ständerats habe die Frauen schlicht vergessen, so Bertschy. «Sie müssten länger arbeiten, ohne im Gegenzug etwas zu erhalten.»

Das Problem: Tieflohnbranchen wehren sich gegen die Senkung des Koordinationsabzugs. Denn das bedeutet teurere Löhne für Arbeitgeber und weniger Lohn für Arbeitnehmer. Darauf entgegnet Bertschy: «Dass der Lohn etwas tiefer ausfällt, ist kurzfristig gedacht.» Es werde vernachlässigt, dass zu jedem Franken, den ein Arbeitnehmer in die Pensionskasse einzahlt, auch der Arbeitgeber einen Franken beisteuern muss. Genau deshalb sei der Status quo gegenüber Frauen doppelt unfair. Sie verdienen weniger und können kaum eine zweite Säule ansparen.

Zwei Fliegen mit einer Klatsche

Bertschy wirbt deshalb für eine Änderung, die nicht nur Teilzeitarbeit und tiefen Einkommen entgegenkommt, sondern alle Familienmodelle gleichberechtigt. Wenn der Koordinationsabzug kein absoluter Betrag mehr ist, sondern ein relativer (siehe Grafik), dann wird nicht mehr der Einverdienerhaushalt mit hohem Einkommen bevorzugt. Denn neu könnten zwei kleinere Einkommen gleich viel ansparen. Diesen Ansatz hat nun die Aargauer SP-Ständerätin Pascale Bruderer zusätzlich zum 70-Franken-Zustupf eingebracht. Sie sieht die Vorteile erstens in der Gleichbehandlung: Die Höhe des versicherten Lohns hängt nicht davon ab, ob jemand 50 oder 100 Prozent arbeitet. Zweitens sei die Umsetzung einfach.

Auch wenn möglicherweise noch darüber gestritten wird, ob der Abzug nun 25 oder 40 Prozent sein soll: Mit diesem Schachzug könnten die Frauen besser abgeholt werden, was gerade im Hinblick auf eine Volksabstimmung Sinn macht. Zweitens könnten Nationalrätin Bertschy und ihre Fraktion als Mehrheitsbeschafferin die Reform vor dem Absturz retten: Die sieben Stimmen der GLP haben im Nationalrat den Unterschied gemacht.

Quelle: Basellandschaftliche Zeitung
19.12.2016

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13.12.2016

Rentenreform 2020 – Starrsinnig am Ausweg vorbei

Der Ständerat beharrt auf 70 Franken mehr AHV. Damit erreichen SP und CVP aber kaum eine Mehrheit. Geht weiter Parteiprofilierung über Pragmatismus, ist die ganze Reform der Altersvorsorge gefährdet.

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Bei der Rentenreform 2020 könnte das Parlament beweisen, dass es nach langem Streit doch zu tragfähigen Kompromissen imstande ist. Die beiden Räte sind sich einig, dass es eine Reform braucht, die die Altersvorsorge für die nächsten Jahrzehnte auf eine sichere Basis stellt, das Leistungsniveau möglichst beibehält und die Lasten fair verteilt. Und alle wissen, dass die Reform in einer Volksabstimmung bestehen muss. Aber obwohl die Zeit knapp wird, haben sich die Volksvertreter nicht weiter auf den Kompromiss zubewegt.

Stur hält der Ständerat daran fest, die Einbussen in der zweiten Säule infolge der Senkung des Umwandlungssatzes mit 70 Franken mehr AHV pro Monat zu kompensieren. Dabei sind die Mängel dieses Modells aus den Hinterzimmern von SP und CVP offensichtlich: Es vermengt die AHV und die berufliche Vorsorge, die nach unterschiedlichen Prinzipien finanziert werden müssen, und leistet der Umverteilung Vorschub. Die Erhöhung schafft eine Zwei-Klassen-AHV, denn sie käme nur Neurentnern zugute. Junge Erwerbstätige würden über Lohnabzüge und jetzige Rentner via Mehrwertsteuer mehr belastet. Sie kommt mit der Giesskanne auch Reichen zugute, die sie nicht brauchen, und jenen, die als Übergangsgeneration bereits mit andern Mitteln schadlos gehalten werden. Sie belastet den Bund, der anderswo sparen müsste. Und schliesslich sind die Zusatzrenten nur bis 2030 finanziert, so dass sich das AHV-Defizit erhöhte und weitere Lohnprozente nötig würden, wenn die Babyboom-Jahrgänge in Rente gehen.

SP und CVP stellen dies nun resolut als einzige Lösung dar, obwohl so kein Brückenschlag zu FDP und SVP möglich ist, den es für eine tragfähige Mehrheit braucht. Dabei hatten im Ständerat Alex Kuprecht (Schwyz, SVP.) und Karin Keller-Sutter (St. Gallen, FDP.) den Königsweg gewiesen, der auch im Nationalrat Chancen hätte: Der Zugang zur beruflichen Vorsorge soll früher möglich sein und der Koordinationsabzug tiefer liegen, so dass mit Beiträgen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber länger und damit mehr eigene Rentenfranken gespart werden können. Dies verbunden mit einer erleichterten vorzeitigen Pensionierung für Kleinverdienende, die früh ins Erwerbsleben traten. Eine solche Lösung würde Einbussen innerhalb der zweiten Säule kompensieren, weniger Umverteilung auslösen, Frauen etwas für die Erhöhung des Rentenalters auf 65 entschädigen, die AHV nicht gleich wieder in Defizite reiten und die Selbstverantwortung für die Vorsorge belohnen.

Der Ständerat bog nicht auf den Königsweg ein, aber dieser steht immer noch offen. Das Volk erwartet bei der Rentenreform nicht Parteiprofilierung, sondern am Ende ausreichende und vor allem sichere Renten für alle.

Quelle: NZZ
13.12.2016

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13.12.2016

Altersvorsorge 2020 – keine Reform nur der Reform willen

Die Ständeratsmehrheit versucht weiterhin, dem Volk die Reform mit einem AHV-Zuschlag von monatlich 70 Franken für Neurentner schmackhaft zu machen. Sie will damit ein Konzept durchboxen, das zu höheren Renteneinbussen führt als alternative Modelle. Vor allem bisherige Rentner und erwerbstätige BVG-Versicherte unter 50 wären benachteiligt. Zudem würden sich die Strukturprobleme in der AHV mittelfristig zusätzlich verschärfen. Eine solche Reform können die Spitzenverbände der Wirtschaft nicht mittragen.

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Eine Mehrheit des Ständerats beharrt weiterhin auf einem AHV-Ausbau mit der Giesskanne: Neurentner sollen künftig 70 Franken pro Monat mehr AHV-Rente erhalten. Mit dieser Rentenerhöhung will der Ständerat der Bevölkerung die Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge (BVG) schmackhaft machen. Dies, obschon sich das Schweizer Stimmvolk im Herbst gegen die AHVplus-Initiative und somit gegen einen nicht finanzierbaren Ausbau der AHV auch für jene, die gar nicht darauf angewiesen sind, ausgesprochen hat.

Im Gegensatz zu diesem Ausbau setzen sich die beiden Spitzenverbände der Schweizer Wirtschaft, der Schweizerische Arbeitgeberverband und economiesuisse, für eine Reform ein, die das gegenwärtige Rentenniveau gemäss Auftrag der Bundesverfassung nachhaltig sichert. Sie bieten weiterhin Hand für eine ausgewogene Lösung und sind auch bereit, weit gehende Zusatzfinanzierungen mitzutragen. Eine Reform nur der Reform willen lehnt die Wirtschaft jedoch ab.

Um die Senkung des BVG-Mindestumwandlungssatzes zu kompensieren, liesse sich das ursprüngliche Modell des Ständerats ohne AHV-Ausbau mit demjenigen des Nationalrats verbinden. Die Kompensation muss dabei zwingend innerhalb der zweiten Säule erfolgen. Auf eine Vermischung mit der ersten Säule ist daher zu verzichten. Wäre der Ständerat den Minderheiten Kuprecht und Keller-Sutter gefolgt, hätte er diesem Prinzip entsprochen und zugleich die Reform um eine sinnvolle sozialpolitische Massnahme ergänzt. Letztere käme vor allem auch Frauen zugute, die früh ins Erwerbsleben eingetreten sind und ihr Leben lang gearbeitet haben, ohne jedoch für ihr Rentenalter genügend vorsorgen zu können. Damit hätte der Ständerat im Differenzbereinigungsverfahren einen wichtigen Schritt auf den Nationalrat zugemacht.

Mit Blick auf die Finanzierung der AHV werden die Schwächen der Lösung der ständerätlichen Mehrheit immer offensichtlicher. Der anvisierte Giesskannenausbau führt aufgrund der jährlich stark steigenden Neurentnerzahlen mittelfristig zu einem zusätzlichen Kostendruck. So wären allein für diesen Ausbau bereits 2035 erneut 0,15 Prozent an Lohnbeiträgen nötig. Um das dann klaffende Finanzloch der AHV zu stopfen, werden rund 1,5 Prozent an weiteren Lohnbeiträgen oder an Mehrwertsteuer fällig. Weil dies für den Werkplatz Schweiz und die Angestellten nicht verkraftbar ist, wird das Rentenalter schon bald massiv steigen müssen. Die Reform wird damit zum Fass ohne Boden statt zu einer echten strukturellen Sicherung der AHV. Vielmehr braucht es eine sinnvolle Massnahme im BVG sowie die vom Nationalrat beschlossene Stabilisierungsregel für die AHV.

Selbst der Status quo wäre besser als die Option des Ständerats. Doch so weit darf es nicht kommen, denn der Reformbedarf ist für beide Säulen klar ausgewiesen. Es liegt nun erneut am Nationalrat, die Reform wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Die Zeit drängt. In der Frühjahrssession 2017 müssen sich die beiden Räte auf ein tragfähiges Konzept einigen, das auch Bevölkerung und Wirtschaft zu überzeugen vermag.

Quelle: Economiesuisse
13.12.2016

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8.11.2016

Ständeratskommission hält an AHV-Zuschlag fest

Bei der Reform der Altersvorsorge zeichnet sich keine rasche Einigung ab. Die Sozialkommission des Ständerats hält am AHV-Zuschlag von 70 Franken fest. Ein Rentenalter 67 lehnt sie einstimmig ab.

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Ziel der Rentenreform ist es, AHV und berufliche Vorsorge auf eine gesunde finanzielle Basis zu stellen. National- und Ständerat sind sich einig, dass dazu unter anderem der Umwandlungssatz in der obligatorischen beruflichen Vorsorge von 6,8 auf 6 Prozent gesenkt werden muss. Die Renten sinken dadurch auf einen Schlag um 12 Prozent.

Der Nationalrat will diese Einbussen im Wesentlichen durch höhere Pensionskassenbeiträge ausgleichen. Einbussen in der zweiten Säule müssten in der zweiten Säule ausgeglichen werden, sagte die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter, die dieses Konzept in der Kommission vertrat.

Mit 8 zu 5 Stimmen beschloss die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) jedoch, an den Beschlüssen des Ständerats vom Herbst 2015 festhalten: Auf neuen AHV-Renten soll ein Zuschlag von 70 Franken gezahlt werden. Auch die Ehepaarrenten würden steigen.

Deutlich höhere Kosten

Kommissionspräsident Konrad Graber (cvp., Luzern) argumentierte mit den Kosten: Bis 2030 sei die Lösung des Nationalrats 24 Milliarden Franken teurer als jene des Ständerats, sagte er nach der Sitzung am Dienstag. Graber stützte sich dabei auf neue Berechnungen der Verwaltung.

Der von SVP und FDP dominierte Nationalrat hält die höheren Kosten für gerechtfertigt, weil das Geld in der zweiten Säule direkt dem Alterskonto der Versicherten gutgeschrieben wird. Die kleine Kammer, in der SP und CVP die Mehrheit stellen, setzt hingegen auf die AHV.

Diese habe bei der heutigen Zinssituation ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis, sagte SGK-Mitglied Paul Rechsteiner (sp., St. Gallen). «Wer rechnet, stellt fest, dass man in der AHV für die gleiche Rente viel weniger zahlt.»

Politisches Kalkül

Einstimmig lehnte die Kommission die sogenannte Stabilisierungsregel für die AHV ab. Nach dem Willen des Nationalrats soll das Rentenalter automatisch auf 67 Jahre ansteigen, falls der AHV-Fonds unter 80 Prozent einer Jahresausgabe fällt. Parallel dazu würde die Mehrwertsteuer um 0,4 Prozent angehoben.

Im Hinblick auf eine Volksabstimmung will die SGK auf diesen Automatismus verzichten. Über ein höheres Rentenalter müsse im Rahmen einer späteren AHV-Reform diskutiert werden, erklärte Graber.

Neben der Kompensation und der Stabilisierungsregel gibt es weitere umstrittene Punkte. Diese betreffen den Koordinationsabzug, die für die AHV nötigen Mehrwertsteuer-Erhöhungen, den Bundesbeitrag, die Kinder- sowie die Waisen- und Witwenrenten. Unter dem Strich kostet das Paket der Ständeratskommission 3,3 Milliarden Franken im Jahr 2030, gegenüber 4,5 Milliarden Franken in der Version des Nationalrats.

Enger Zeitplan

Die Reform der Altersvorsorge kommt in der Wintersession zum zweiten Mal in den Ständerat. In der Frühjahrssession soll die Vorlage bereinigt werden. Die Eile ist geboten, denn Ende 2017 läuft die Zusatzfinanzierung der IV von 0,4 Prozent aus. Ab 2018 sollen 0,3 Prozent davon nahtlos für die AHV verwendet werden. Der letztmögliche Abstimmungstermin für die nötige Verfassungsänderung ist der 24. September 2017.

Quelle: NZZ
08.11.2016

8.11.2016

Altersvorsorge 2020 – SGK-S gefährdet die Reform

Nachdem der Nationalrat in der vergangenen Session die Altersvorsorgereform 2020 auf Erfolgskurs getrimmt hat, zeigt sich die vorberatende Kommission des Ständerats zum Auftakt des Differenzbereinigungsverfahrens unbeirrt. Die Mehrheit der Kommission hält an der bisherigen Position des Ständerats und somit am unverantwortlichen Ausbau der AHV fest. Sie ignoriert damit den jüngsten Volksentscheid und riskiert ein Scheitern der Reform.

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Die Mehrheit der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Ständerats (SGK-S) hält an der Erhöhung der AHV-Rente um 70 Franken für Neurentner fest. Damit will sie die Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge versüssen. Die Kommission ignoriert damit sowohl das deutliche Nein aus der Volksabstimmung zum AHV-Ausbau als auch die grosse demografische Herausforderung, vor der die AHV steht. Statt die AHV strukturell zu entlasten, führt der AHV-Ausbau trotz spürbarer Erhöhungen von Mehrwertsteuer und Lohnbeiträgen bereits ab 2030 wieder zu einem wachsenden Defizit des wichtigsten Schweizer Sozialwerks in Milliardenhöhe. Damit nicht genug, erhöhen die Beschlüsse der SGK-S den Spardruck im Bundeshaushalt wie zum Beispiel in Bildung, Landwirtschaft und Militär bereits ab Inkrafttreten der Reform um gegen eine Milliarde Franken. Weitere spürbare Einschnitte in diesen Bereichen werden die Folge sein.

Die beiden Spitzenverbände der Schweizer Wirtschaft stehen ohne Abstriche hinter dem Reformziel, das gegenwärtige Leistungsniveau zu erhalten. Die Kompensation für die Senkung des Mindestumwandlungssatzes muss aber zwingend innerhalb der 2. Säule erfolgen, wie das auch der Nationalrat entschieden hat. Gemäss Schätzung des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) hätte das Nationalratsmodell gegenüber dem geltenden System Mehrkosten von 4,45 Milliarden Franken zur Folge. Der Schweizerische Arbeitgeberverband beziffert die tatsächlichen Mehrkosten derweil weit günstiger auf knapp 3,1 Milliarden Franken. Seine Berechnungsgrundlagen hat der Dachverband transparent für die Öffentlichkeit publiziert.

Wie weit die Kompensation innerhalb der beruflichen Vorsorge gehen soll, ist letztlich eine politische Frage, bei der sich die beiden Räte finden müssen. Die Mehrheit der SGK-S zeigt sich in der ersten Runde des Differenzbereinigungsverfahrens uneinsichtig und sperrt sich gegen eine tragfähige Lösung. Dies zeugt nicht von einer hohen Bereitschaft, diese wichtige Reform über den Dialog mehrheitsfähig zu machen. Eine konstruktive Minderheit der Kommission (Keller-Sutter/Kuprecht) wollte hingegen mit gezielten Vorschlägen auf den Nationalrat zugehen. Dabei respektiert sie insbesondere den Grundsatz, wonach die Säulen nicht zu vermischen sind. Stattdessen will sie eine hinreichende Kompensation innerhalb der beruflichen Vorsorge – ergänzt um gezielte sozialpolitische Massnahmen in der 1. Säule. Das Plenum des Ständerats hat es nun in der Hand, die notwendige Kurskorrektur zu vollziehen.

Im Gegensatz zum Nationalrat möchte die SGK-S zudem nichts von einer Stabilisierungsregel für die AHV wissen. Damit verpasst sie es, die AHV langfristig und nachhaltig zu sichern.

In der Gesamtbeurteilung führen die SGK-S-Beschlüsse in dieser Form gemäss den beiden Spitzenverbänden der Schweizer Wirtschaft zu einer Nullrunde im Differenzbereinigungsverfahren. Eine solche Vorlage gefährdet die Altersvorsorgereform 2020 und wird von der Wirtschaft nicht unterstützt. Mit Blick auf die Schlussrunde in der Frühjahrssession 2017 pokert die Kommission hoch. Die Wirtschaft steht nach wie vor hinter der Reform Altersvorsorge 2020 – aber nicht um jeden Preis.


Roland A. Müller
Direktor Schweizerischer Arbeitgeberverband
Tel. 079 220 52 29, mueller@arbeitgeber.ch

Martin Kaiser
Ressortleiter Sozialpolitik, Schweizerischer Arbeitgeberverband
Tel. 079 517 68 26, kaiser@arbeitgeber.ch

Medienstelle economiesuisse
Tel. 044 421 35 55, michael.wiesner@economiesuisse.ch


Quelle: Economiesuisse
08.11.2016

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28.9.2016

Rentenreform: Nur Zucker für das Volk?

Die Linke will die AHV für Neurentner um 70 Franken erhöhen. Auch die CVP macht sich für den «politischen Preis» stark. FDP und SVP bekämpfen die Vermischung der ersten und der zweiten Säule vehement.

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Einer der grössten Knackpunkte der Altersvorsorge-Reform 2020 wird die Kompensation bei der beruflichen Vorsorge sein, wie die Debatte am Montag im Nationalrat gezeigt hat. Heute ist der Umwandlungssatz aufgrund der steigenden Lebenserwartung und der tiefen Anlagerenditen zu hoch. Die vom Bundesrat vorgesehene Senkung von 6,8 auf 6 Prozent im obligatorischen Teil (Löhne oder Lohnanteile bis 84 600 Franken) erhält breite Unterstützung. Ebenfalls unbestritten ist, dass die damit verbundenen Einbussen bei den Renten von rund 12 Prozent kompensiert werden.

Gar nicht einig sind sich die Parteien jedoch, was Modalitäten und Umfang der Kompensation anbelangt. SP und CVP verfechten das Modell des Ständerats. Wer bei Inkrafttreten der Reform 50 Jahre und älter ist, erleidet keine Einbussen. Die Lücken werden vom Sicherheitsfonds gestopft, in den die Vorsorgeeinrichtungen einzahlen. Kürzungen bei den unter 50-Jährigen möchte der Ständerat über eine allgemeine Erhöhung der monatlichen AHV-Rente um 70 Franken kompensieren. Finanziert wird der Aufschlag über 0,3 Lohnprozente, was 2030 mit 1,4 Milliarden Franken zu Buche schlagen wird.

Einer der grössten Knackpunkte der Altersvorsorge-Reform 2020 wird die Kompensation bei der beruflichen Vorsorge sein, wie die Debatte am Montag im Nationalrat gezeigt hat. Heute ist der Umwandlungssatz aufgrund der steigenden Lebenserwartung und der tiefen Anlagerenditen zu hoch. Die vom Bundesrat vorgesehene Senkung von 6,8 auf 6 Prozent im obligatorischen Teil (Löhne oder Lohnanteile bis 84 600 Franken) erhält breite Unterstützung. Ebenfalls unbestritten ist, dass die damit verbundenen Einbussen bei den Renten von rund 12 Prozent kompensiert werden.

Gar nicht einig sind sich die Parteien jedoch, was Modalitäten und Umfang der Kompensation anbelangt. SP und CVP verfechten das Modell des Ständerats. Wer bei Inkrafttreten der Reform 50 Jahre und älter ist, erleidet keine Einbussen. Die Lücken werden vom Sicherheitsfonds gestopft, in den die Vorsorgeeinrichtungen einzahlen. Kürzungen bei den unter 50-Jährigen möchte der Ständerat über eine allgemeine Erhöhung der monatlichen AHV-Rente um 70 Franken kompensieren. Finanziert wird der Aufschlag über 0,3 Lohnprozente, was 2030 mit 1,4 Milliarden Franken zu Buche schlagen wird.

Quelle: NZZ
28.09.2016

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26.9.2016

Nationalrat: Rentenreform auf Schlingerkurs

Die Auftakt-Debatte in der grossen Kammer zeigt, dass ein Scheitern der Rentenreform inzwischen ein plausibles Szenario geworden ist. Eine mehrheitsfähige Linie ist nicht erkennbar. …mehr

Die Altersvorsorge-Reform 2020 wäre nicht die erste Rentenvorlage, die bereits im Parlament scheitert. So geschehen ist es mit der 11. AHV-Revision, die der Nationalrat 2010 in der Schlussabstimmung versenkt hat. Jetzt ist die Aufgabe noch viel schwieriger, weil der Bundesrat die erste und zweite Säule gleichzeitig sanieren will. Weitere erschwerende Faktoren kommen hinzu. Aus dem Ständerat kommt eine Vorlage, die von einer Mitte-Links-Allianz geprägt ist. In der grossen Kammer hingegen will die Mehrheit aus FDP und SVP dem Paket ihren Stempel aufdrücken. Nicht schlüssig sind zudem die Entscheide der vorberatenden Nationalratskommission. Gerade in einem derart komplexen Dossier wäre eine klare Linie gefordert, die dem Plenum als Orientierung dienen würde. Doch nur 10 von 25 Kommissionsmitgliedern standen am Schluss hinter der Vorlage. Ein solches Geschäft würde normalerweise auf die nächste Session verschoben, sagte Kommissionssprecherin Isabel Moret (fdp., Neuenburg) am Montag. Doch die Zeit drängt: Um die 0,3 Mehrwertsteuerprozente aus der IV-Zusatzfinanzierung ohne hohe Umstellungskosten für die Wirtschaft direkt für die AHV verwenden zu können, muss die Vorlage 2017 zu Ende beraten sein.

Zur allgemeinen Verwirrung beigetragen haben in den vergangenen Tagen der – vom Nationalrat am Montag abgelehnte – Antrag der SVP nach Stückelung des Pakets in drei Teile und der Vorschlag der FDP für eine bessere Kompensation der Senkung des Umwandlungssatzes in der Pensionskasse. Bundesrat Alain Berset ist sich der heiklen Lage bewusst, wenn er sagt, nicht mehr viel scheine zu halten.

«Nicht mehr enkeltauglich»

Im Grundsatz ist man sich einig, dass es eine Reform braucht. «Die Altersvorsorge ist nicht mehr enkeltauglich», sagte Kathrin Bertschy (glp., Bern). Bei der Einführung der AHV 1948 betrug das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Pensionierten 6 zu 1. In 20 Jahren, wenn das Gros der Babyboomer das Rentenalter erreicht haben wird, wird dieses Verhältnis auf 2 zu 1 sinken. Die – erfreulicherweise – gestiegene Lebenserwartung führt dazu, dass die Menschen länger Rente beziehen, was wiederum finanziert werden muss. Auch die zweite Säule leidet unter der steigenden Lebenserwartung, gepaart mit tiefen Anlagerenditen. Dies führt zu einer milliardenschweren Umverteilung von Aktiven zu Pensionierten.

Immerhin sind wichtige Eckpfeiler des bundesrätlichen Vorschlags zur Konsolidierung der Vorsorgewerke in beiden Räten mehrheitsfähig. Dazu gehören das Rentenalter 65 für Frauen, die flexible Pensionierung zwischen 62 und 70 Jahren, die Senkung des Umwandlungssatzes auf 6 Prozent und eine Zusatzfinanzierung für die AHV. Bei dieser ist jedoch die Höhe umstritten. Die Varianten reichen von 0,6 (Kommission Nationalrat) über 1 (Ständerat) bis maximal 1,5 Prozentpunkte (Bundesrat).

Vehement bekämpft von Mitte-Links wird der von der Kommission vorgeschlagene Interventionsmechanismus, der als Ultima Ratio Rentenalter 67 vorsieht. Lorenz Hess (bdp., Bern) sprach von einem «Killerfaktor» für das ganze Paket. Die Notwendigkeit einer Rentenaltererhöhung bestritt Hess aber nicht. Am Tag 1 nach Inkrafttreten der aktuellen Reform gehöre diese Frage auf den Tisch.

Die CVP hat es in der Hand

Zu einem kniffligen Punkt sind Umfang und Modalitäten der Kompensation des tieferen Umwandlungssatzes in der zweiten Säule geworden. Der Ständerat sieht dafür unter anderem eine monatliche Rentenerhöhung von 70 Franken in der AHV vor. Sie stösst im Nationalrat auf massive Kritik. Bertschy spricht von Rentengeschenken an Reiche. Die Übergangsgeneration, die von einer Besitzstandswahrung profitiert, wird damit überkompensiert. Für Ruth Humbel (cvp., Aargau) ist es hingegen das effizienteste und günstigste Instrument.

Das Modell der Nationalratskommission weist indes Lücken bei der Kompensation auf, die aufgrund von wechselnden Mehrheiten entstanden. FDP und GLP haben gleichlautende Anträge eingereicht, die einen praktisch lückenlosen Ausgleich innerhalb der zweiten Säule vorsehen. Berset zeigte sich offen, den Vorschlag zu prüfen. Die CVP hat es in der Hand, dieser Lösung zum Durchbruch zu verhelfen. – Der Nationalrat debattiert am Mittwoch weiter.

Quelle: NZZ
26.09.2016

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23.9.2016

«Schönreden ist unehrlich» – Strukturelle Probleme des Vorsorgesystems müssen angegangen werden

In einem Interview in der «Finanz und Wirtschaft» spricht unser Forschungsleiter Sozialpolitik über den Druck, unter dem die Vorsorge heute an allen Fronten steht. Jérôme Cosandey konstatiert, dass es eine Rentenreform brauche, die Opfer von Jung und Alt verlangt. Das ist politisch zwar nicht attraktiv, aber die Realität.

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«Finanz und Wirtschaft»: Herr Cosandey, wie beurteilt die Denkfabrik Avenir Suisse die Belastung durch Demografie und Niedrigzinsen für unser Vorsorgesystem?

Jérôme Cosandey: Diversifikation ist ein wichtiges, stabilisierendes Element unserer Altersvorsorge: Während die AHV vor allem Risiken der Demografie und der inländischen Konjunktur ausgesetzt ist, sind zweite und dritte Säule primär den internationalen Kapitalmärkten ausgeliefert. Trotz Diversifikation steht die Vorsorge heute an allen Fronten unter Druck. Anpassungen sind in jeder Säule nötig, ohne aber das Gesamtsystem infrage stellen zu müssen.

Wann ist die Belastungsgrenze für die jüngeren Generationen, die einer wachsenden Zahl älterer Leute gegenüberstehen, überschritten?

Die AHV schrieb 2014 rote Zahlen von 0,5 Mrd. Fr., und in der beruflichen Vorsorge finden systemwidrige Umverteilungen von bis 50 000 fr. pro Neurentner statt – auf Kosten der aktiven Bevölkerung. Die Frage lautet nicht, wann die Belastungsgrenze überschritten ist, sondern, wie lange man solche Zustände dulden will. Es braucht eine Lösung, die Opfer von Jung und Alt verlangt. Das ist politisch zwar nicht attraktiv, aber die Realität. Schönreden ist unehrlich.

Alterspyramide

Mit der «Altersvorsorge 2020» will der Bundesrat AHV und berufliche Vorsorge revidieren. Wie sind die Erfolgsaussichten?

Der Ständerat hat die Vorlage mit einem Ausbau der AHV angereichert. Das hat in einer Reform, die vor allem die finanzielle Sicherheit gewährleisten muss, keinen Platz. Die Kommission des Nationalrats hat dies korrigiert, dafür die Reform mit politisch heiklen Vorschlägen beladen: Kürzung der Witwenrente, unvollständige Kompensation der Senkung des Umwandlungssatzes. Die Bereinigung zwischen beiden Kammern wird dadurch komplex. Es braucht einen Kraftakt, um rechtzeitig ein mehrheitsfähiges Paket zu schnüren.

Warum tut sich die Schweiz so schwer mit der Reform der Vorsorge?

Vorsorgereformen sind überall schwierig. Anders als bei einer Revision der Invaliden- oder der Arbeitslosenversicherung hoffen bei der Altersvorsorge alle, einmal eine Rente zu erhalten. Leistungsanpassungen sind deshalb unpopulär. Zudem geht es uns in der Schweiz immer noch gut, die Renten werden bezahlt, die Staatsverschuldung ist niedrig. In anderen Ländern, die vor allem staatlich finanzierte Vorsorgesysteme kennen, hat die prekäre Haushaltsituation geholfen, die Reformdiskussionen zu fokussieren. So wurde in achtzehn OECD-Ländern ein gesetzliches Rentenalter von 67 bzw. 68 Jahren bereits beschlossen. Die Schweiz hinkt trotz einer der höchsten Lebenserwartungen der Welt hinterher.

Würde man das Vorsorgesystem heute neu bauen, wie sähe es aus?

Grundsätzlich würde ich weiterhin auf dem bewährten Dreisäulenkonzept aufbauen. In der ersten Säule wäre jedoch auf die Rentenanpassung mit dem Mischindex zu verzichten. Dafür würde ich für die Bestimmung der Pension von Neurentnern zwar die Lohnentwicklung berücksichtigen, die so ermittelte Rente nachher jedoch nur noch an die Teuerung anpassen.

Und in der zweiten Säule?

Ich würde, wie in Liechtenstein, Mindestzins und Umwandlungssatz nicht im Gesetz verankern, sondern den paritätisch besetzen Stiftungsräten übertragen. Auf den Koordinationsabzug, der Teilzeitangestellte benachteiligt, wäre zu verzichten. Die Arbeitnehmer sollten für die Verwaltung ihrer BVG-Ersparnisse die Pensionskasse wählen können, und in beiden Säulen sollte das Pensionsalter voll flexibilisiert werden.

Wie sieht das Schweizer Vorsorgewesen in zehn Jahren aus?

Ich gehe davon aus, dass das Parlament eine Reform des kleinsten gemeinsamen Nenners verabschieden wird. Das gibt Luft für höchstens zehn Jahre, ohne dass strukturelle Probleme wie dasjenige des Rentenalters angegangen werden. Bedenkt man, dass die AHV letztmals 1994 und die berufliche Vorsorge 2003 revidiert wurde, ist für die nächsten Anpassungen keine Zeit zu verlieren. Es wird also gleich die nächste Reform anstehen.


Dr. Cosandey setzt sich seit 2011 als Senior Fellow und Forschungsleiter Sozialpolitik von Avenir Suisse mit dem Reformbedarf in der Altersvorsorge, der Organisation und Finanzierung der Alterspflege und Fragen der Altersarbeit auseinander. Nach seiner Promotion an der ETH war er mehrere Jahre als Strategieberater bei The Boston Consulting Group, danach bei der UBS tätig. Jérôme Cosandey hält zudem einen Master der Universität Genf in internationaler Wirtschaftsgeschichte.

Quelle: Avenir Suisse
23.09.2016

18.8.2016

Rentenarithmetik mit links

Der Gewerkschaftsbund erneuert die gängigen Regeln der Mathematik. Seine Berechnungen ergeben Rentenkürzungen, auch wenn die AHV-Renten garantiert nicht sinken.

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Im Poker um die Altersvorsorge zählt der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) zu den stärksten Spielern. Früh hat er der Debatte mit dem Schlagwort «Rentenklau» den gewünschten Dreh gegeben. Wer immer am gesetzlichen Umwandlungssatz von 6,8 Prozent rütteln wollte, bekam von links sauber eins auf den Deckel.

Und was macht der SGB nun? Erstens stellte er seine eigene Pensionskasse Anfang Jahr auf den Beitragsprimat um, womit die Angestellten ihre Leistungsgarantien verloren – gemessen an der reinen syndikalistischen Lehre ist das bereits ein Sakrileg.

Damit nicht genug: Obendrein legte der SGB den Umwandlungssatz bei 6,25 Prozent fest – weit unter dem gesetzlichen Minimum. Damit liegt die Gewerkschafterkasse im Mittelfeld aller Vorsorgewerke. Das ist zulässig, da die SGB-Pensionskasse gut ausgebaut ist und das gesetzliche Minimum übertrifft.

Mit diesem Schritt zeigt sich der SGB erstaunlich flexibel. Als das Parlament den Mindestumwandlungssatz schon nur auf 6,4 Prozent senken wollte, ging er auf die Barrikaden. Das Volk lehnte diesen Schritt 2010 denn auch haushoch ab. Der Umwandlungssatz entscheidet über die Höhe neuer Renten. Ein Satz von 6 Prozent ergibt pro 100'000 Franken Alterskapital noch eine Rente von 6000 Franken im Jahr.

Ist nun also der SGB selber zum «Rentenklauer» geworden? Sprecher Thomas Zimmermann wehrt ab. Der SGB hat als Arbeitgeber genügend Geld in die Pensionskasse eingeschossen, um die älteren Versicherten vor Renteneinbussen zu schützen. Das Personal muss auch keine höheren Lohnabzüge hinnehmen. Glücklich, wer so gross­zügige Arbeit­geber respektive Mitglieder hat.

Darf man denn nun annehmen, dass der SGB inzwischen einsichtig ist und die geplante Reduktion des Mindestumwandlungssatzes auf 6 Prozent unterstützt? Weit gefehlt. Zimmermann sagt, der SGB sehe den tiefen Umwandlungssatz als «hoffentlich kurzfristige» Massnahme wegen der tiefen bis negativen Zinsen. Eine dauerhafte Reduktion lehnt er ab, da es ­mit den Zinsen sicher wieder aufwärtsgehen werde.

Merke: Eine wichtige Variable gewerkschaftlicher Rentenarithmetik ist das Prinzip Hoffnung.

Die argumentative Gymnastik ist noch in einem zweiten Fall imposant. Auf einem SGB-Flugblatt für die grosse «Rentendemo» am 10. September in Bern ist folgende Hiobsbotschaft zu lesen: «Die rechtsbürgerliche Mehrheit im Nationalrat greift die AHV an. Sie fordert Rentenkürzungen (…).»

Ja hoppla! Rentenkürzungen in der AHV? Sind FDP und SVP vom Wahnsinn umzingelt, dass sie ein solches Himmelfahrtskommando planen? Und warum weiss die Öffentlichkeit nichts von dieser Attacke?

Weil es sie nicht gibt. Niemand will die AHV-Renten kürzen – schon gar keine Politiker, die ­wiedergewählt werden wollen.

Also lügen die Gewerkschafter? Sprecher Zimmermann winkt wieder ab. Er verweist darauf, dass SVP und FDP eine Art «AHV-Schuldenbremse» planen, die das Rentenalter mittelfristig schrittweise auf 67 Jahre erhöhen würde. Somit müsste man länger in die AHV einzahlen und bekäme weniger lang eine Rente – nach allen Regeln der Gewerkschaftsmathematik eine glasklare Rentenkürzung.

Nun gut. Beugen wir uns der linken Logik und schauen kurz auf die letzten Jahrzehnte zurück. Obwohl die Lebenserwartung massiv stieg, verharrt das Rentenalter unter der hochheiligen 65er-Schallgrenze. Wir beziehen also immer länger AHV – nach gewerkschaftlicher Rechenkunst eine glasklare Rentenerhöhung. Seltsam nur, dass der SGB auf diesen endlosen AHV-Ausbau nie hinweist. Stattdessen ortet er allenthalben «Rentenabbau».

Fazit: In der Rentendebatte muss man weiterhin mit dem SGB rechnen. Auch wenn nicht immer logisch ist, was dabei herauskommt.

Quelle: Berner Zeitung
18.08.2016

25.5.2015

Worum geht es bei der Altersvorsorge 2020?

Die Menschen werden immer älter und ihre Altersvorsorge muss länger halten. Dies stellt die Altersvorsorge vor neue Probleme. Die Finanzierung muss langfristig gesichert werden. Dazu prüft der Bundesrat Schritte, damit Ausgaben und Einnahmen auch in Zukunft ausgeglichen sind und künftige Generationen von den Sozialversicherungen profitieren können.

Basierend auf diesen Erkenntnissen hat Bundesrat Alain Berset die Leitlinien am 21. November 2012 geformt. Am 21. Juni 2013 hat der Bundesrat die folgenden Eckwerte verabschiedet:

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Eckwerte der Reform “Altersvorsorge 2020″ (AV2020)

  • Das Referenzalter für Männer und Frauen ist 65, und zwar bei AHV und Pensionskasse
  • Gleitende und Teilpensionierung möglich ab 62 (aktuell 58 im BVG)
  • Senkung des Mindestumwandlungssatzes im BVG von 6,8% auf 6,0% in Teilschritten
  • Beginn Sparprozessvor Alter 25
  • BVG-Lohnprozente für 25 – 34-jährige   7,0% (bleibt)
  • BVG-Lohnprozente für 35 – 44-jährige11,5% (aktuell 10%)
  • BVG-Lohnprozente für 45 – 54-jährige17,5% (aktuell 15%)
  • BVG-Lohnprozente für 55 – 65-jährige 17,5% (aktuell 18%)
  • Eintritt ins BVG bereits ab CHF 14’000 (statt ab CHF 21’060)
  • Waisenrenten werden erhöht
  • Renten für Witwen werden gekürzt, für kinderlose Witwen ganz aufgehoben
  • Zusatzfinanzierung in der AHV: maximal 2% Mehrwertsteuererhöhung
    +1,0% MWST ab 2020 / bei Bedarf +1,0% MWST ab 2030
  • Interventionsmechanismus (Schuldenbremse) bei der AHV
    (Autopilot wenn Fondsstand >70%; z.B. automatischer Teuerungsausgleich bei der AHV abschaffen)
  • Bundesbeteiligung wird neu definiert.

Details zu den Eckwerten AV2020 Schweizerische Eidgenossenschaft (PDF 21 Seiten)

Reaktionen auf die Eckwerte der Reform

(Quelle: Beobachter, Axel Springer Schweiz AG)

  • Die SVP fordert eine raschere Angleichung des Rentenalters für Mann und Frau auf 65 und eine Schuldenbremse bei der AHV, die nicht einseitig über Mehreinnahmen saniert werden soll.
  • Die SP meint, dass die Umwandlungssätze nicht angetastet werden dürfen und das höhere Rentenalter für Frauen werde erst diskutiert, wenn Lohngleichheit herrsche und Frühpensionierungen für alle Einkommen möglich seinen. Die SP fordert höhere AHV-Renten (AHV-Plus).
  • Die CVP möchte, dass der Umwandlungssatz nicht mehr gesetzlich, sondern nach einer technischen Formel festgelegt wird. Alle sollen bereits mit 20 in die zweite Säule einzahlen und das Alterskapital soll primär als Rente bezogen werden. Die CVP wehrt sich gegen Einsparungen bei der Witwenrente.
  • Die FDP möchte die Mittel (Erhöhung Rentenalter der Frauen) für die Stabilisierung der AHV verwenden. Die vorgesehene Schuldenbremse der AHV greife zu wenig. Zudem müssten in der ‘Beruflichen Vorsorge’ (BVG, Pensionskasse) die Parameter entpolitisiert und die Umverteilung (Anmerkung: von Erwerbstätigen zu Rentnern) gestoppt werden.
  • Die BDP hält es für einen Fehler am Referenzalter 65 festzuhalten. Sie fordert eine schrittweise Erhöhung des Rentenalters, die sich automatisch der Lebenserwartung anpassen soll. Eine Vermischung von AHV (erste Säule) und BVG (zweite Säule) lehnt BDP ab.
  • Der SGB (Gewerkschaftsbund) will die Senkung des Umwandlungssatzes auf 6,0% nicht hinnehmen. Der SGB will mit der Initiative ‘AHV-Plus’ höhere Renten durchsetzen. Er lehnt das höhere Rentenalter für Frauen (64 -> 65) sowie das Pensionierungsfenster 62/70 ab.
  • Der Arbeitgeberverband findet die Finanzierung über Mehreinnahmen sei einseitig und überrissen. Die Altersvorsorge müsse rascher reformiert werden und einzelne Teile müssten vorgezogen werden. Moderate Mehrwertsteuererhöhungen gäbe es nur, wenn auch das Rentenalter schrittweise angehoben werde.
  • Der Gewerbeverband findet die Reform drossle Konsum und Wirtschaftswachstum, weil sie nur auf Mehreinnahmen setze. Erwerbstätige koste die Reform CHF 1’000 pro Jahr. Man müsse das Rentenalter in Monatsschritten erhöhen.
  • Der Pensionskassenverband findet die Reform sei eine gute Diskussionsgrundlage. Das Fuder dürfe aber nicht überladen werden. Wichtig sei das Referenzalter 65, ein Umwandlungssatz von 6,0% und die Erhaltung des heutigen Leistungsniveaus. Abzulehnen sei, dass man erst mit 62 in Pension gehen darf.

NZZ, 22.03.2014: ‘SP stützt Berset nicht’

Die SP bleibt bei den Postionen (siehe oben).

Tagesanzeiger, 22.03.2014: Berset bangt um seine Rentenreform

Der SP-Bundesrat hält an einem Gesamtpaket fest, obwohl Wirtschaft und bürgerliche Parteien die Altersvorsorge etappenweise sanieren wollen. Möglicherweise verzichtet er auf Abstriche bei der Witwenrente und auf ein Mehrwertsteuerprozent. Im Natioanlrat droht ein ‘Nein’. Im Ständerat sind die Chancen intakt, dass bis Herbst 2015 die Reform zu Ende beraten wird.

Tagesanzeiger, 25.03.2014:

Arbeitgeberverband und der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse will die Mehrwertsteuer um 0,6% erhöhen und die Beiträge in der Pensionskasse erhöhen. Ziel sei es, die Rentenhöhe für mindestens zehn Jahre zu garantieren. Das Rentenalter soll bei einer Schieflage der AHV um maximal 24 Monate (Alter 67) erhöht werden, wenn eine zusätzliche Erhöhung der MWST um 0,4% nicht genügt. Diese Massnahme würde die ‘Schuldenbremse’ von BR Berset ersetzen. Die Reform soll bereits im 2018 in Kraft treten.

13.4.2015

Die Angst um Teilzeitjobs

In der beruflichen Vorsorge will der Bundesrat den Mindestumwandlungssatz auf 6,0 Prozent senken. Damit die Renten nicht sinken, wird das BVG-System umgebaut. Eine Studie benennt, was die Folgen der Massnahmen für den Arbeitsmarkt sind.

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Der Umwandlungssatz in der zweiten Säule ist eine rechnerische Grösse, die derzeit politisch festgelegt wird. Bestimmend für die Berechnung des Satzes sind Anlagerenditen und Lebenserwartung. Für den derzeitigen BVG-Mindestumwandlungssatz von 6,8 Prozent sind die Zinsen seit langer Zeit zu tief und die Lebenserwartung zu hoch. Die meisten Pensionskassen und alle Lebensversicherer sind deshalb zu einer Umverteilung von Jung zu Alt gezwungen, die immer dramatischere Ausmasse annimmt (vgl. Zusatz). Der Bundesrat möchte mit der «Altersvorsorge 2020» den Umwandlungssatz zumindest ein wenig den Realitäten anpassen und ihn auf 6,0 Prozent senken.

Unliebsame Folgen

Oberstes Gebot der bundesrätlichen Rentenreform ist, dass die aus erster und zweiter Säule zusammengesetzte Rentensumme nicht sinkt. Aus diesem Grund sieht die Reform in der zweiten Säule Ausgleichsmassnahmen vor: Neben Regelungen für die Übergangsgeneration sind dies die Abschaffung des Koordinationsabzugs, die Erhöhung der Gesamtaltersgutschriften sowie die Senkung der BVG-Eintrittsschwelle. Diese Neuregelungen verbessern die Situation von Teilzeiterwerbstätigen, von Personen mit tiefen Einkommen oder mehreren Arbeitsverhältnissen. Es sollen, so steht es in der Botschaft, insbesondere Frauen profitieren.

Eine vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) in Auftrag gegebene Studie benennt jedoch unliebsame Folgen der Massnahmen für den Arbeitsmarkt. Es könnten just jene getroffen werden, welchen mit der Reform geholfen werden soll. Zwar seien die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen «relativ gering», heisst es in der Untersuchung des Beratungs- und Forschungsunternehmens Ecoplan. Doch immerhin rechnet die Studie mit einem Minus von 3000 Vollzeitstellen. Ein Drittel des Beschäftigungsverlusts seien auf die Senkung der Eintrittsschwelle zurückzuführen, zwei Drittel auf die Erhöhung der Altersgutschriften.

Ausgerechnet bei Frauen, Teilzeitbeschäftigten und tiefen Haushalteinkommen wären die Einbussen am grössten. Für Arbeitgeber würde es weniger attraktiv, Teilzeitjobs anzubieten: Am stärksten stiegen die Arbeitskosten bei den Teilzeiterwerbstätigen mit einem Pensum zwischen 20 und 49 Prozent. Der Beschäftigungsrückgang wäre bei Frauen rund doppelt so hoch wie bei Männern. Bei Teilzeitbeschäftigten mit einem Pensum von 20 bis 49 Prozent würde der Nettolohn spürbar sinken, um durchschnittlich 2,4 Prozent. Die Reform würde laut der Studie überdies jene Sektoren am stärksten treffen, in welchen die Durchdringung mit Gesamtarbeitsverträgen hoch ist. Genannt werden Industrie und Gewerbe, Bau, Handel und Verkehr. Am stärksten würden die Arbeitskosten in der Gastrobranche steigen, um 2,6 Prozent.

«Enorme Zusatzbelastung»

Der Bundesrat schreibt in der Botschaft, dass sich die «höheren Lohnnebenkosten in geringem Masse auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auswirken». Die Risiken dürften sich «in Grenzen halten». Aus Sicht des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) ist dies Schönfärberei. «Diesen Leistungsausbau in der beruflichen Vorsorge lehnen wir entschieden ab», sagt Martin Kaiser vom SAV. Der Cocktail aus Senkung der Eintrittsschwelle auf rund 14 000 Franken und Streichung des Koordinationsabzugs führe zu einer enormen Zusatzbelastung des Faktors Arbeit. Dies habe mit Sicherheit schädliche Folgen für die Arbeitsplätze. Der SAV rechnet mit mehr als 3000 Jobs, die verschwinden würden. Die Annahmen in der Studie seien viel zu optimistisch, betont Kaiser. Die KMU müssten bis zu 40 Prozent höhere Beiträge für die berufliche Vorsorge entrichten. Als bessere Variante erachten es die Arbeitgeber, den Koordinationsabzug an den Beschäftigungsgrad zu binden.

Wird der Umwandlungssatz in der zweiten Säule nicht gesenkt, verschärft sich die Diskrepanz zwischen den vom Gesetz versprochenen Mindestleistungen und ihrer Finanzierung. Derzeit werden, um die gesetzlichen Leistungen erfüllen zu können, systemwidrig hohe Summen von Jung zu Alt umverteilt. Das heisst: Die heutigen Rentner erhalten Mittel, welche die Aktiven eigentlich für ihre eigene, künftige Renten zwangssparen. Sie leben auf Kosten der jungen Generation. Der Lebensversicherer Axa Winterthur schätzt die jährliche Umverteilung total auf 3,5 Milliarden Franken (NZZ 4. 4. 15). Allein bei Axa Winterthur wurde 2013 die Summe von 416 Millionen Franken umverteilt. Sollte es nicht gelingen, den BVG-Mindestumwandlungssatz zu senken, wird die Umverteilung in der zweiten Säule weiter zunehmen. Im Gegensatz zur umlagefinanzierten AHV ist eine Umverteilung in der zweiten Säule nicht vorgesehen.

Quelle: NZZ