Gesellschaft und Soziales

30.8.2018

Das Millionen-Debakel um das Schloss Salavaux

Am Fusse des Mont Vully, umgeben von Bäumen und Sträuchern, liegt Schloss Salavaux. Erbaut im 16. Jahrhundert, beherbergt das ehemalige Landgut am westlichen Ufer des Murtensees heute ein Hotel und ein Restaurant. Der breite Sandstrand, für den das waadtländische Salavaux bekannt ist, liegt nur einen Steinwurf weit weg.

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Hinter den Kulissen ist die Idylle jedoch getrübt: Die Besitzer wollen das Schloss loswerden. Für 6,4 Millionen Franken ist das Anwesen auf einer Immobilienseite ausgeschrieben.

Besitzerin ist die Stylos-Sammelstiftung, eine ehemalige Pensionskasse für KMU. Sie ist in ­Liquidation. Grund dafür ist auch das Hotel. Dies bestätigen einerseits die Liquidatoren. Andererseits hat das Berner Wirtschaftsstrafgericht in diesem Zusammenhang Anfang August straf­bare Handlungen festgestellt.

Treuhänder hat Vision

Es begann 2004. Eine Gruppe von Treuhändern gründete die Sammelstiftung Stylos. Einer von ­ihnen, ein Treuhänder aus der Region Bern (57), amtete in der Folge sowohl als Stiftungsratspräsident wie auch als Geschäfts­führer. 2007 kaufte die Stiftung Schloss Salavaux in marodem Zustand – auf Drängen des Berner Treuhänders. Kostenpunkt: 2,3 Millionen Franken. Für den Umbau investierte die Stiftung weitere 6,7 Millionen Franken.

Es ist viel Geld in exklusives Mobiliar investiert worden. Nur das Beste war gut genug.

Für den Betrieb des Hotels gründete der Berner Treuhänder eine GmbH, die er auch selbst führte. Eine Vision für das An­wesen habe er bereits nach der ersten Besichtigung gehabt, sagte er 2010 gegenüber der Branchenzeitschrift «Hotelier»: die Vision eines romantischen Schloss­hotels. Es sei viel Geld in exklusives Mobiliar investiert worden, heisst es im Artikel weiter. «Nur das Beste ist gut genug.»

Zu dieser Zeit war ein Grossteil des Stiftungsvermögens im unrentablen Hotel angelegt. 91 aktiv Versicherte waren der Stylos per Ende 2009 angeschlossen – Neukunden wurden keine akquiriert.

Gericht verurteilt Treuhänder

Wollte der Berner Treuhänder seinen Verpflichtungen nachkommen, oder hat er sich den Traum des eigenen Hotels verwirklicht? Diese Frage stellte sich auch während der Verhandlung am Berner Wirtschaftsstrafgericht. Angeklagt war der Berner Treuhänder, weil er sich zu Unrecht zu hohe Honorare hatte auszahlen lassen.

Die Honorare verrechnete er sich unter anderem für die Aufsicht über die Baustelle während der Sanierung des Schlosses. Als Baubegleiter sei er lediglich tätig gewesen, damit seine Vision Realität würde, argumentierte der Staatsanwalt. Er habe lediglich die anfallenden Aufgaben übernommen, sagte der Treuhänder – alles in Absprache mit dem Stiftungsrat.

Der Beschuldigte habe die fehlende Kontrolle durch die anderen Stiftungsratsmitglieder ausgenutzt, kam die Richterin zum Schluss. Ihr Urteil von Anfang August: 15 Monate bedingt.

Aufsicht handelt zeitversetzt

Pensionskassen müssen Regeln einhalten. Beispielsweise darf nur ein Drittel des Kapitals in ­Immobilien angelegt werden. Ob sie sich an diese Bestimmungen halten, prüft jährlich die Revisionsstelle. Zusätzlich kontrolliert eine Stiftungsaufsicht die Vorsorgeeinrichtungen und deren Revisionsstellen. Im Kanton Bern ist dies die Bernische BVG- und Stiftungsaufsicht (BBSA).

«Das Kapital der Versicherten kann nur teilweise  gesichert werden.»Sprecherin der Berag AG

Doch wie kann eine Pensionskasse trotz Aufsicht praktisch ihr ganzes Kapital in eine Immobilie stecken? Das liege einerseits am zeitlichen Ablauf, erklärt Hansjörg Gurtner, Geschäftsleiter der BBSA. Beim Kauf vom Schloss ­habe die Stylos noch kein gesetzliches Limit verletzt. Überschritten wurde es erst durch die Sanierung – nachdem der Verkehrswert neu geschätzt wurde.

Andererseits habe es mit dem System der Aufsicht zu tun: «Wir üben eine repressive Aufsicht aus, nicht eine präventive», erklärt Gurtner. Wenn Fehler passieren, erfahre die BBSA unter Umständen erst anderthalb Jahre später davon. «Denn die Dokumente, die wir prüfen, erhalten wir grösstenteils erst sechs Monate nach Rechnungsabschluss.»

Stiftung erhält Weisungen

Im Fall der Stylos sei die Stiftungsaufsicht durch den Bericht der Revisionsstelle auf die Mängel aufmerksam geworden. Sie erteilte dem Stiftungsrat daraufhin die Weisung, die Mängel aufzuheben. Das Schloss sollte verkauft werden, der Berner Treuhänder schied aus dem Stiftungsrat aus, und die Geschäftsführung hat die externe Beraterfirma Berag AG übernommen.

Mittlerweile seien keine Firmen mehr der Sammelstiftung Stylos angeschlossen, sagt eine Sprecherin der Berag AG. Die Firmen hätten sich neue Vorsorgeeinrichtungen gesucht, und es seien Übernahmeverträge abgeschlossen worden.

Das Kapital der Versicherten konnte nur teilweise gesichert werden: Für einen Teil der Leistungen – insgesamt 5,3 Millionen Franken – stellte der Sicherheitsfonds Geld zur Verfügung. Er springt ein, wenn Pensionskassen zahlungsunfähig werden. Weitere 6,3 Millionen Franken sind zurzeit nicht gedeckt.

Mit dem Erlös aus dem Verkauf des Schlosses könnte ein Teil dieses Betrags gedeckt werden, erklärt die Sprecherin weiter. «Reichen wird das Geld jedoch nicht.» Denn mit den 6,4 Millionen Franken – der veranschlagte Preis für das Schloss – muss die Stylos zuerst den Vorschuss des Sicherheitsfonds zurückbezahlen.

Hotel wirbt mit Wanderung

Die Sammelstiftung Stylos ist in Liquidation. Der Berner Treuhänder ist als Geschäftsführer und Stiftungsrat aus der Stiftung ausgeschieden. Seine Firma, die das Hotel in Salavaux betrieb, ist längst liquidiert. Heute hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, wie er am Wirtschaftsstrafgericht sagte.

Das Hotel und das Restaurant im Schloss Salavaux sind in Betrieb. Die aktuellen Pächter werben mit einer romantischen Auszeit oder einer Wanderung entlang des Mont Vully. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.08.2018, 06:09 Uhr

29.8.2018

Das wünschen sich die Schweizer von ihrer Pensionskasse

Der demografische Wandel und die Niedrigzinsen setzen die Pensionskassen unter Druck. Seit Jahren suchen sie nach neuen Anlageformen. Doch was wünschen sich die Versicherten? Die Axa-Fondsgesellschaft hat zusammen mit den Meinungsforschern von gfs Zürich Schweizer PK-Versicherte über ihr Wissen zu ihrer eigenen Versicherung und zum Vorsorgesystem in der Schweiz befragt. 

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Demnach steigt das Interesse am Thema Vorsorge – vor allem bei jüngeren Schweizerinnen und Schweizern. Das zunehmende Interesse spiegelt sich allerdings nicht in ihren Kenntnissen über die eigene berufliche Vorsorge wider: Jeder Fünfte weiss nicht, bei welcher Pensionskasse er versichert ist. Dass gerade jüngere Menschen sich mehr für ihre Altersvorsorge freut Werner Rutsch, Leiter des institutionellen Geschäfts von AXA Investment Managers in der Schweiz. «Zweifellos wird das Thema Vorsorge weiter an Bedeutung gewinnen, und auch junge Leute werden sich vermehrt ihrer Pensionskasse widmen. Das bedeutet, dass automatisch genauer beobachtet werden wird, wie Vorsorgeeinrichtungen die Gelder der Versicherten investieren.»

Rentenkürzungen und höheres Rentenalter sind tabu

Die Studienteilnehmer wurden auch zu den anstehenden Reformen befragt. Die Politik arbeitet an der Zukunft der AHV – insbesondere seit der gescheiterten Rentenreform. Doch eine deutliche Mehrheit lehnt die Reformpläne wie Rentenkürzungen und ein höheres Rentenalter ab. Stattdessen wäre eine Mehrheit bereit, durch Steuervergünstigungen freiwillig zu sparen und vor dem 25. Lebensjahr in die Pensionskasse einzuzahlen.

Zwei Drittel der Befragten könnten sich sogar vorstellen, nach dem 65. Geburtstag freiwillig in Teilzeit zu arbeiten. Die Hälfte der Versicherten bevorzugen eine monatliche Rente als Auszahlungsvariante. In den vergangenen beiden Jahren hätte eine Mehrheit der Befragten sich das angesparte Rentenkapital eher auszahlen lassen.

Sicherheit vor hohen Renditen

Das gfs Zürich hat die Schweizerinnen und Schweizer auch gefragt, wie zufrieden sie mit ihrer Pensionskasse sind und welche Kriterien ihnen wichtig sind. Am wichtigsten ist den Befragten die Sicherheit des Kapitals noch vor hohen Renditen und einer guten Verzinsung. Auch verständliche Unterlagen und eine gute Beratung sind für die PK-Versicherten von Bedeutung.

Transparenz ist ebenso wichtig: Die meisten Befragten wollen, dass die Pensionskassen sie darüber informieren, wie ihr Geld angelegt wird. Sie wünschen sich, dass vor allem in sichere Anlagen investiert wird. Dabei sind Immobilien im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie Aktien und Obligationen am beliebtesten.

Alternative Anlagen wie Rohstoffe halten die meisten Versicherten für zu unsicher oder sie haben ethische Bedenken. Wegen eines zu hohen Risikos lehnen viele Befragte auch Aktien ab. Neben der Sicherheit legen Schweizer Versicherte auch Wert auf sozial verantwortliche Investitionen und gesellschaftliche Ziele. Dafür würden sie auch Einbussen bei der Rendite hinnehmen.

29.8.2018

Pensionskassen sollen vor allem sicher anlegen – Umfrage GFS Bern

Die immer längere Lebenserwartung, niedrige Zinsen und mangelnde Reformen bringen das Schweizer Altersvorsorgesystem zunehmend in Schieflage. Welche Korrekturmassnahmen wären für die Schweizerinnen und Schweizer akzeptabel? 83% können sich nicht vorstellen, niedrigere Renten zu beziehen, und 70% wenden sich dagegen, länger zu arbeiten, um das Rentenniveau zu halten. Dies sind Ergebnisse der jährlichen Studie der Anlagegesellschaft Axa Investment Managers zum Wissensstand und zur Einstellung der Schweizer Bevölkerung zur beruflichen Vorsorge unter rund 700 Versicherten.

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Eine Ende Juli präsentierte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfS Bern hatte jüngst auf einen möglichen Meinungsumschwung beim Thema Rentenalter hingedeutet. Gemäss dieser äusserte sich eine Mehrheit der Befragten positiv zu einer Anhebung des Frauenrentenalters von 64 auf 65 Jahre – und zwar sowohl Frauen als auch Männer. Zudem gab eine knappe Mehrheit der Befragten an, sich vorstellen zu können, etwas länger zu arbeiten. Politische Vorstösse, das Rentenalter zu erhöhen, hatte das Schweizer Stimmvolk in den vergangenen Jahren mehrmals an der Urne abgelehnt.

Die Axa-Umfrage ergab derweil, dass die Befragten als politische Korrekturmassnahmen vorziehen, das freiwillige Sparen durch Steuervergünstigungen zu fördern. Dafür sprachen sich 81% der Befragten aus. Der Verband Vorsorge Schweiz (VVS) hat dazu den Vorschlag in die Debatte eingebracht, Bürger sollten die Möglichkeit zu Einkäufen in die Säule 3a erhalten – sie sollten also verpasste Möglichkeiten von Einzahlungen in die Säule 3a später wettmachen können. Als weitere Korrekturmöglichkeit, um das Rentenniveau zu halten, befürworteten in der Axa-Umfrage ausserdem drei Viertel der Befragten die Möglichkeit, schon vor dem 25. Lebensjahr in die berufliche Vorsorge einzuzahlen.

Angesichts der Herausforderungen und der spürbaren Konsequenzen gaben in der Umfrage 77% der Befragten an, sich grundsätzlich für das Thema Vorsorge zu interessieren. Trotzdem zeigte die Umfrage auch einmal mehr, dass 18% der Befragten nicht einmal wissen, bei welcher Pensionskasse sie versichert sind. Im vergangenen Jahr waren es allerdings 20% und 2016 sogar 27%.

Bei der Anlage der Vorsorgegelder wünschen sich viele Versicherte, dass die Pensionskassen dabei die Sicherheit grossschreiben. Für rund drei Viertel der Befragten ist Sicherheit hier sehr wichtig. Das Erzielen einer hohen Rendite steht indessen nur für 36% der Befragten im Vordergrund. Fast zwei Drittel wünschen sich laut der Umfrage, dass ihre Vorsorgeeinrichtung in sozial verantwortliche Anlagen investiert, auch wenn das möglicherweise mit einer niedrigeren Rendite verbunden wäre.

Bei den Anlagen für die eigene Vorsorgeeinrichtung haben die Befragten einen klaren Favoriten: Immobilien. 52% der Befragten gaben an, sie wünschten sich, dass ihre Pensionskasse am stärksten in Liegenschaften investiere. Bei Obligationen waren es nur 10%, bei Aktien 12 und bei alternativen Anlagen 13%. Bei Aktien und alternativen Anlagen nannten die Befragten als Hauptgrund für die Zurückhaltung jeweils, solche Investitionen seien unsicher und die Risiken zu hoch. Gegen Obligationen spricht laut den Befragten vor allem die geringe Rendite.

Offensichtlich blendeten viele Befragte aus, dass man mit Immobilien auch Geld verlieren könne, sagte Werner Rutsch von Axa Investment Managers bei der Präsentation der Studie, und wies auf die Immobilienkrise in der Schweiz in den neunziger Jahren hin. Blieben die Zinsen auf ihren sehr niedrigen Niveaus, könnten sich die Preise für Liegenschaften aber auch weiterhin gut entwickeln. Bei den Immobilienanlagen gaben 72% der Befragten an, die Pensionskassen sollten dabei gesellschaftliche Ziele verfolgen.

29.8.2018

Analyse zum Credit-Suisse-Jugendbarometer: Die gut gerüstete Generation

Jugendbefragungen sind eine wunderbare Sache. Es ist gut zu wissen, wie die nächsten Generationen denken, fühlen und was sie wollen. Und die Antworten, welche die Jugend im Credit Suisse Sorgenbarometer gibt, stimmen alles in allem hoffnungsvoll. Man geht in der Schweiz, in den USA, in Singapur, aber auch in Brasilien einigermassen zuversichtlich in die Zukunft. Dass sich die Jugend in der Schweiz Sorgen um die AHV macht, ist gleichzeitig verständlich, andererseits auch ein bisschen befremdlich. Wenn man schon in seinen Zwanzigern den Horizont so genau absteckt, dass man gleich ans Alter denkt – na, ja. Andererseits zeugt es auch vom Vertrauen, das unsere Institutionen – und die AHV ist in der Tat eine unserer wichtigsten – geniessen. Denn wie gross das Vertrauen in etwas ist, zeigt sich paradoxerweise gerade dort und dann, wenn es als nicht mehr völlig intakt wahrgenommen wird. Je eher ich mir Sorgen um die AHV mache, desto mehr vertraue ich darauf – oder habe ich vertraut –, dass sie auch funktioniert.

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Legen wir es uns so zurecht: Das AHV-/Rentenproblem ist eines, das man leicht durchschaut. Jeder kann rechnen oder wenigstens die Zusammenhänge sehen, wenn mehr Leistungen anfallen und weniger erwirtschaftet werden kann (bei der 2. Säule). Und die Jugend hält das Problem für politisch lösbar. So interpretieren es wenigstens die Leute, welche die Umfrage gemacht haben. Die Politiker sollen sich endlich zusammenreissen und sich bei einer Lösung finden! So schwer kann das doch nicht sein.

Die nächste Generation ist nicht Z, sondern die «Generation Hoffnung»

Die nächste Generation, aber auch ihre Nachfolger, das sind Individuen, so gut ausgebildet wie noch keine Generation vor ihr; sie ist im Zeitalter des Internets aufgewachsen, das heisst: sie hat die Möglichkeiten, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten zu erweitern und zu ergänzen wie keine Generation vor ihr. Noch nie war es so einfach, sich Kenntnisse und Informationen zu beschaffen. Und – so weit ich das beurteilen kann – sie hat auch die Reife und die Bereitschaft, sich dieser Möglichkeiten gezielt zu bedienen. Sie ist, auch wenn das einzugestehen für Ältere nicht ganz leicht ist, die bestausgerüstete Generation für die anstehenden Probleme.

Das ist die optimistische Seite der Medaille. Wir wissen alle, dass an die Jüngeren andere Anforderungen gestellt werden. Dass keine schönen Arbeitsbiografien mit automatischem Aufstieg mehr auf sie warten, sondern mehr oder weniger prekäre – oder wenn man will: flexible – Beschäftigungsverhältnisse; dass auch Bildung keine Aufstiegsgarantie mehr ist, sondern, weil sie vermehrt wurde, eine günstigere Ressource geworden ist, die auch weniger abwirft. Das Paradies wartet nicht auf diese Generation.

Wie tief – oder wie weit – reicht unser Bewusstsein?

Die entsprechenden Fragen wurden der Jugend im Rahmen des Jugendbarometers gestellt. Und die Jungen sehen ihre eigene Zukunft mehrheitlich «eher zuversichtlich» und die Zukunft der Gesellschaft mehrheitlich «gemischt, mal so, mal so». Die Jugend macht sich keine Illusionen, glaubt aber doch, damit zurechtzukommen.

Ausrüstung stimmt, Mentalität stimmt – und doch sind viele Unternehmen fehlgeschlagen, auch wenn die Voraussetzungen gestimmt haben. Was fehlt, ist oft Tiefe. Gedankliche Tiefe. Man hat sich geistig nicht genügend vorbereitet auf das, was da kommen könnte. Woran es mangelt, ist zeitliche Tiefe. «Die Entdeckung der Tiefenzeit» nannte Stephen Jay Gould sein Buch über das Erstaunen, dass die Erde eine Geschichte hat, die in Milliarden Jahren gemessen wird.

Unsere Zivilisation hat eine Geschichte von vielleicht 10 000 Jahren. Vor rund 6000 Jahren beobachtete man zum ersten Mal ein merkbares Wachstum der Bevölkerung. Die Römerzeit hob die Kurve um einen weiteren Hauch. Beide Hebungen sind praktisch unsichtbar, weil die Kurve seit rund 200 Jahren senkrecht nach oben steigt. Seit 200 Jahren leben wir in einem Wirtschaftssystem, das auf Wachstum beruht. Ohne Wachstum geht nichts, aber Wachstum geht nicht unendlich. Haben wir das begriffen? Wirklich? Wie weit reicht unser Bewusstsein? Bis zur Familie, bis zur Gruppe, bis zur Nation, bis zur Menschheit? Leider reicht das nicht. Es sollte auch die Biosphäre umfassen. Denn der Mensch, der nur an den Menschen denkt, ist definitiv zum Untergang verurteilt.

23.8.2018

ASIP: Klares Zeichen seitens Politik und Sozialpartner für eine starke zweite …

Der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP fordert eine rasche BVG-Revision, in der insbesondere der BVG-Umwandlungssatz endlich auf eine technisch korrekte Grösse gesenkt wird (Zeithorizont: 2021/22). Es geht insbesondere darum, die systemfremde Umverteilung von den aktiven Versicherten hin zu den Rentnern zu reduzieren. Gemäss OAK BV sind dies rund CHF 7.1 Mia. pro Jahr. Für die aktiven Versicherten und für die Stabilität sowie Akzeptanz des Systems ist diese Situation nicht länger haltbar. Für den ASIP, der die durch die Sozialpartner paritätisch geführten (teil-) autonomen Pensionskassen vertritt, ist daher die BVG-Revision ebenso dringlich wie die AHV-Revision.

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Zur Abfederung der Renteneinbussen (kurzfristige Kompensation) steht für den ASIP eine prozentuale Erhöhung des BVG-Altersguthabens im Fokus. Die Finanzierung soll dezentral erfolgen, d.h. innerhalb der einzelnen Pensionskassen und ohne aufwendigen Umweg über den Sicherheitsfonds. Mit einem solchen Vorgehen werden zusätzliche, systemfremde und unfaire Umverteilungen zwischen den Pensionskassen verhindert. Ausserdem ist diese Lösung kostengünstiger als eine zentrale Lösung über den Sicherheitsfonds.

Aus Sicht ASIP ist das Rentenalter für Frauen und Männer im Sinne einer raschen Angleichung bei 65 Jahren festzulegen und in einem zweiten Schritt eine politische Diskussion über eine allfällige Erhöhung zu führen.

Mittelfristig sind weitere Vorschläge, wie die Reduktion der Regulierungsdichte und Komplexität sowie die Entpolitisierung der Parameter unter Vorgabe eines sozialpolitischen Leistungsziels zu diskutieren. Es ist falsch, einen Umwandlungssatz auf Stufe Gesetz festzulegen, weil die massgebenden externen Faktoren wie Zinsniveau oder Demographie ebenfalls nicht durch die Politik beeinflusst werden können.

Der ASIP erwartet von den Sozialpartnern innerhalb der gesetzten Jahresfrist (bis März/ April 2019) einen Revisionsvorschlag für das BVG zuhanden des Parlamentes. In diesem Zusammenhang darf die Verknüpfung der Steuervorlage 17 mit der AHV nicht zu einer Verzögerung der BVG-Revision führen.

Die Positionen und Forderungen des ASIP werden unterstützt durch eine übergeornete, gesamtheitliche Betrachtung dreier Studien, die im Rahmen der Medienkonferenz durch deren Autoren vorgestellt wurden. Sie analysieren die Situation der zweiten Säule aus unterschiedlichen Blickwinkeln und enthalten wertvolle Informationen, u.a. bezüglich des wichtigen Stellenwertes der beruflichen Vorsorge (vgl. www.asip.ch/Aktuell/News). Dass darin auch andere Sichtweisen zu Wort kommen, liegt darin begründet, dass der ASIP als Fachverband auch die Aufgabe hat, unter Einbezug aller – nicht nur der ökonomischen – Faktoren eine Auslegeordnung zu machen. Für den ASIP sind zur langfristigen Sicherung der zweiten Säule folgende Punkte wichtig:

   - ein langfristig ausgerichtetes, vielfältig strukturiertes 
     Vorsorgesystem
   - faire, generationengerechte Vorsorgelösungen
   - ökonomisch realistisch definierte Leistungsziele (Abbau/ 
     Reduktion der ungewollten Umverteilung)
   - einfache, praxistaugliche Vorsorgelösungen
   - sozialpartnerschaftlich und dezentral geführte PK sowie
   - eigenverantwortlich handelnde, gut ausgebildete Führungsorgane. 

ASIP-Präsident Jean Rémy Roulet fordert daher Politik und Sozialpartner auf, ein klares Zeichen für eine starke zweite Säule zu setzen. Der ASIP fokussiert sich im Rahmen dieses Prozesses auf fachliche Inputs und das Aufzeigen der Konsequenzen vorgeschlagener politischer Massnahmen für die Pensionskassen und die Versicherten. Gleichzeitig achtet er darauf, dass die Massnahmen im Vollzug auch mit vertretbarem Aufwand umgesetzt werden können.

Der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP mit Sitz in Zürich ist der Dachverband für rund 930 Pensionskassen. Er vertritt über die Mitglieder rund zwei Drittel der Versicherten in der beruflichen Vorsorge sowie ein Vorsorgevermögen von über CHF 550 Mia. Der ASIP bezweckt die Erhaltung und Förderung der beruflichen Vorsorge auf freiheitlicher und dezentraler Basis und setzt sich für das Drei-Säulen-Konzept in ausgewogener Gewichtung ein.

Kontakt:

Jean Rémy Roulet, Präsident (Genf),
Telefon + 41 22 949 19 19
Hanspeter Konrad, Direktor
Telefon +41 43 243 74 15
E-Mail konrad@asip.ch
ASIP, Kreuzstrasse 26, CH-8008 Zürich

http://www.asip.ch
http://twitter.com/pensionskassen

 

21.8.2018

Wohin mit den 50 Milliarden PK-Geldern, die einfach so brachliegen?

Mehr als 50 Milliarden Franken Spargelder der beruflichen Vorsorge sind auf einem gesperrten Bankkonto geparkt – das sind 6 Prozent aller Pensionsvermögen. Es sind Guthaben der zweiten Säule, die von der Pensionskasse wegen Unterbruchs der Erwerbstätigkeit der versicherten Person ausgesondert wurden. Auf diesen Geldern besteht kein Anspruch auf den BVG-Mindestzins und auch nicht auf eine spätere Rente.

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Die meisten Banken bieten für solche Sperrkonten derzeit höchstens 0,2 Prozent Jahreszins. Die Pensionskassen haben jedoch den gewöhnlichen Vorsorgegeldern in den Jahren 2014 bis 2017 gemäss neuester Swisscanto-Umfrage jährlich 1,7 bis 2,5 Prozent Zins gutgeschrieben.

Zum Zinsnachteil kommt hinzu, dass bei unterbrochener oder reduzierter Erwerbstätigkeit keine oder nur mehr geringe weitere Geldeinlagen entstehen. Das ausgesonderte Freizügigkeitsgeld stagniert, weshalb das ursprünglich angepeilte Vorsorgeziel illusorisch wird.

Besser Aktien als nur Konto allein

Das Freizügigkeitsgesetz gilt seit 1995 und besagt, dass austretende Mitarbeitende vollen Anspruch auf das in der betriebseigenen Pensionskasse Gesparte haben. Diese Freizügigkeit muss jedoch als separiertes Vorsorgegeld bestehen bleiben. Es ist bei Aufnahme einer nächsten Erwerbstätigkeit als Starteinlage auf das eigene Konto in der Vorsorgeeinrichtung des neuen Arbeitgebers einzuzahlen.

Die Berechtigten von Freizügigkeitsgeldern halten über 80 Prozent der Beträge in Kontoform, sagt Beat Bühlmann vom Vorsorgedienstleister Finpension: «Dabei beträgt die Haltedauer solcher Gelder oft mehrere Jahre und eine Anlage in Wertschriften über kollektive Investments ist erlaubt.» Es gelten dafür dieselben Regeln wie für das Vorsorgesparen 3a: der Aktienanteil darf bis 50 Prozent des Vermögens betragen, toleriert sind bis 80 Prozent, wenn entsprechende Risikofähigkeit ausgewiesen ist, bspw. bei Alter unter fünfzig Jahren oder wenn substanzielle weitere private Vermögensteile bestehen.

Die geringe Nutzung von Wertschriftenlösungen für die gesperrten Gelder führt Bühlmann auf mangelhafte Information und auf überteuerte Angebote zurück: «Viele Vorsorgefonds belasten jährlich rund 1,2 Prozent Gesamtkosten, obschon bei den Institutionen der beruflichen Vorsorge die Vermögensverwaltungskosten über die vergangenen Jahre deutlich verringert wurden.»

Finpension arbeite daran, Wertschrifteninvestments zu einer Gebühr von jährlich weniger als 0,5 Prozent des Vermögens anzubieten. Auf den Geldern der Pensionskassen fielen 2017 im Medianwert 0,44 Prozent Gebühren an.

Ein Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle aus dem Jahr 2016 belegt, dass die Summe der Freizügigkeitsgelder im Zeitraum 2007 bis 2013 von 30 Milliarden Franken auf knapp 50 Milliarden Franken gestiegen ist. Der Verein Vorsorge Schweiz, in dem die Anbieter von Vorsorgelösungen organisiert sind, schätzt das Volumen per Ende 2017 auf 52 Milliarden Franken Das übertrifft bei weitem das gesamte Vermögen der staatlichen ersten Vorsorgesäule (AHV/IV/ EO) von zuletzt 37 Milliarden Franken und ist rund halb so viel wie auf 3a-Konten und -Depots liegt.

Gelder der schweizerischen Altersvorsorge

 

Wichtigste Anbieterin ist die Stiftung Auffangeinrichtung BVG. Sie führt rund 1,1 Millionen Freizügigkeitskonten mit einer Summe von 10,2 Milliarden Franken per Ende 2017. Im vergangenen Jahr waren nach 2,2 Milliarden Franken Zufluss und 1,2 Milliarden Franken Geldrückzügen netto 1 Milliarden Franken dazugekommen. Geschäftsführer Marc Gamba bemerkt dazu auf Anfrage, Pensionskassen würden den Geldanspruch ausgetretener Versicherter rascher als früher aus ihrer Bilanz entfernen und auszahlen – wohl wegen Negativzinsen auf dem Bankkontokorrent.

Rund zwei Drittel der Freizügigkeitskonten bei der Auffangeinrichtung sind ohne aktuelle Kontaktadresse, davon 80 Prozent mit einem Saldo unter 5000 Franken Die Namen der Begünstigten und ihre AHV-Nummer sind der Auffangeinrichtung bekannt und werden der Zentralstelle zweite Säule in Bern gemeldet, wo sich jede Person über allfällig gestrandete Guthaben erkundigen kann.

Wenn die neue Pensionskasse ablehnt

Dass Vorsorgegeld länger oder gar dauerhaft nicht in einer Pensionskasse platziert werden kann, hängt nicht nur mit der im Alter 50+ tendenziell länger dauernden Erwerbslosigkeit zusammen. Wenn in einem neuen Job das Salär niedriger als zuvor oder der Beschäftigungsgrad reduziert ist, lässt sich nicht immer die gesamte Freizügigkeit in die neue PK einbringen. Deren Reglement bestimmt nämlich, wie hoch das Vorsorgeguthaben ausgehend von Salär und Alter höchstens sein darf.

Helfen kann in einer solchen Konstellation eine Umschichtung vom Freizügigkeitskonto auf Wertschriftenanlagen, die zur eigenen Risikofähigkeit passen. Die Alternative ist, mit dem blockierten Vorsorgegeld Hypotheken auf selbst genutztem Wohneigentum abzuzahlen. Ein Barbezug des Freizügigkeitsgelds ist frühestens ab Alter 60 für Männer und Alter 64 für Frauen erlaubt.

Fakten zum Thema Freizügigkeit

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Kaum Rendite auf Freizügigkeitskonten

Den Menschen in der Schweiz gehören 1000 Milliarden Franken Vorsorgegeld. Davon liegen insgesamt 850 Milliarden Franken bei den Pensionskassen. Rund 150 Milliarden Franken Vorsorgegeld steckt auf gesperrten Konten und Depots; etwa 100 Milliarden Franken in der Vorsorgesäule 3a, weitere rund 50 Milliarden Franken auf Freizügigkeitskonten. Die jährliche Verzinsung dieser Kategorien klafft dabei weit auseinander.

In den zurückliegenden Jahren hat sich besonders jenes Vorsorgevermögen lukrativ entwickelt, das in den Pensionskassen steckt: Die Erwerbstätigen haben letztes Jahr im Schnitt 2,5 Prozent Zins erhalten, wie die ZKB-Tochtergesellschaft Swisscanto im Frühling in einer Umfrage erhoben hat. In den Jahren zuvor lag der Mittelwert der Zinsgutschriften zwischen 1,7 und 2,6 Prozent.

Bei den gesperrten Geldern kann die Performance stärker variieren, denn die Kontoinhaber dürfen verschiedene Formen von Wertschrifteninvestments wählen. Mehr als drei Viertel der gesamten Geldsumme liegt allerdings auf schlecht rentierenden Bank- und Versicherungskonten, wie der Verein Vorsorge Schweiz ermittelt hat. In ihm sind die Anbieter von Vorsorgekonten organisiert.

Wertschriftenanlagen können Nerven belasten

Auf 3a- und Freizügigkeitskonten zahlen die meisten Geldinstitute derzeit Zinsen von höchstens 0,2 Prozent – mehr bieten nur ganz wenige, oft nur lokal tätige Banken. Diversifizierte Wertschriftenanlagen mit Aktien und Anleihen versprechen über den Mehrjahreszeitraum eine kräftigere Rendite. Allerdings müssen dann entsprechende Wertschwankungen und zeitweilige Börsenkorrekturen nervlich ausgehalten werden können.

Wer sein 3a-Vermögen – und gegebenenfalls auch den längere Zeit blockiert bleibenden Teil des Freizügigkeitsguthabens – analog zur Anlagestrategie der Pensionskassen investiert hat, erreichte in den vergangenen Jahren Performances zwischen –0,6 Prozent im Jahr 2011 und +8,1 Prozent im zurückliegenden Jahr. Seit Beginn des laufenden Jahres haben die Pensionskassenportefeuilles, die im Schnitt zu rund 30 Prozent in Aktien und knapp 25 Prozent in Immobilien investiert sind, etwa ein halbes Prozent eingebüsst. Die Aufwärtsbewegung der Aktienbörse im Juli hat das Jahresmanko wettgemacht. Und längst ist noch nicht Ende Jahr. (Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 16.08.2018, 18:32 Uhr

17.8.2018

Teilzeitarbeit wird zur Vorsorgefalle

Ich arbeite schon seit einigen Jahren Teilzeit mit mehreren Jobs, weil ich neben der Arbeit noch andere Dinge pflegen möchte, die mir wichtig sind, und weil ich viel Musik mache. Auch wenn ich nicht oft ans Alter denke, frage ich mich: Habe ich wegen der Teilzeitarbeit Nachteile im Alter? U.J.

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Ja. Teilzeit zu arbeiten, ist in und dürfte in den nächsten Jahren noch weiter stark an Bedeutung gewinnen. Gerade viele Männer und Frauen aus der jüngeren Generation können sich heute nicht mehr vorstellen, jederzeit hundert Prozent zu arbeiten.

Viele Paare teilen sich heute die Betreuung der Kinder. Alte Rollenbilder verlieren an Bedeutung. Und viele Menschen, auch ohne Kinder, möchten so wie Sie ein für sie wichtiges Hobby intensiv betreiben und auch sonst mehr Zeit für sich selbst haben.

Teilzeit zu arbeiten, hat neben der positiven Seite, dass man mehr Freizeit für andere Interessen hat, in der Regel zwei Nachteile: Man hat weniger Geld für seinen Lebensunterhalt zur Verfügung und kann weniger für seine Altersvorsorge sparen.

Der erste Aspekt ist meist kein Problem: Wer Teilzeit arbeitet, nimmt oft bewusst ein tieferes Einkommen in Kauf und kompensiert dies mit der in seinem Empfinden gewonnenen Lebensqualität.

Heikel ist indes der zweite Aspekt: die Altersvorsorge. Das aufgrund der Teilzeitarbeit geringere Einkommen führt zwangsläufig dazu, dass man in der beruflichen Altersvorsorge deutlich weniger sparen kann.

Viele Teilzeitarbeiter wie Sie, die mehrere Kleinpensen haben, riskieren, bei der Pensionskasse durch die Masche zu fallen. Denn die Eintrittsschwelle bei der zweiten Säule – also bei der Pensionskasse – liegt bei 21’150 Franken.

Wenn man mit seinem Teilzeitpensum bei einem einzelnen Job weniger verdient, wird man nicht in die Pensionskasse aufgenommen. Wenn man aber wie Sie mehrere Teilzeitjobs mit Kleinstpensen hat, aber doch gesamthaft einen Lohn über der Schwelle erwirtschaftet, kann man sich freiwillig versichern und auch die übrigen Jobs einbinden.

Möglich ist dies bei der Kasse von einem Ihrer Arbeitgeber oder aber bei der Stiftung Auffangeinrichtung. Die Stiftung Auffangeinrichtung BVG ist eine nationale Vorsorgeeinrichtung und wirkt im Auftrag des Bundes als Auffangbecken und Sicherheitsnetz der zweiten Säule.

Als einzige Pensionskasse in der Schweiz nimmt sie ausnahmslos jeden anschlusswilligen Arbeitgeber und jede anschlusswillige Einzelperson auf, vorausgesetzt, dass die gesetzlichen Bedingungen erfüllt sind.

Selbst wenn jemand bereits über der Eintrittsschwelle liegt und damit einer Pensionskasse angehört, führt der Koordinationsabzug dazu, dass bei Teilzeitarbeitern oft nur wenig Einkommen über die Pensionskasse versichert ist.

Die Vorsorge über die Pensionskasse ist besonders wichtig, weil Sie im Rahmen der zweiten Säule nicht nur allein fürs Alter sparen, sondern auch die Arbeitgeber Beiträge leisten müssen. Wenn Sie dies nicht nutzen, verzichten Sie faktisch auf einen zusätzlichen Lohnbestandteil.

Sobald Sie sich freiwillig versichert haben und auch die anderen Pensen miteinschliessen, müssen auch die Arbeitgeber Beiträge leisten. Auch der wichtige Risikoschutz ist bei Teilzeitarbeitern meist tief.

Ich rate Ihnen, sich von der für Sie zuständigen Pensionskasse oder Ihrer Versicherung oder Bank über Ihre Möglichkeiten beraten zu lassen. Jedenfalls ist es ein fataler Fehler, wenn man sich über Jahre hinweg nicht um seine Altersvorsorge kümmert. Dann fehlen Ihnen im Alter nicht nur all die Beiträge von Ihnen und Ihren Arbeitgebern, sondern auch die Rendite, welche über all die Jahre auf dem Vorsorgegeld zusätzlich angespart würde.

Gerade wer Teilzeit arbeitet, sollte seine Vorsorgesituation genau prüfen und mögliche Lücken füllen.

Zusätzlich zur zu prüfenden freiwilligen Versicherung in der zweiten Säule rate ich Ihnen, möglichst auch eine steuerbegünstigte Säule 3a aufzubauen, damit Sie Ihre Altersvorsorge zusätzlich etwas aufbessern können.

Welche Massnahmen in Ihrem Fall wirklich sinnvoll sind, muss eine detaillierte Abklärung anhand Ihrer konkreten Lebenssituation und Ihrer Einkommen mit einem Vorsorgeberater zeigen.

Gerade wenn Sie Teilzeit arbeiten, sollten Sie erst recht die Zeit für eine solche Abklärung investieren.

12.4.2018

Schweizerischer Baumeisterverband: Frühzeitiger Altersrücktritt ab 60 auf dem Bau gefährdet – Baumeister verabschieden Resolution für eine zukunftsfähige Sanierung des GAV FAR

Weil die demografische Entwicklung unterschätzt wurde, ist die Finanzierung der Frührenten ab 60 auf dem Bau in Frage gestellt. Die Präsidentenkonferenz des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) hat deshalb am Mittwoch in Bern die «Resolution zukunftsfähige Sanierung des GAV FAR» verabschiedet. Die Baumeister bekennen sich zum frühzeitigen Altersrücktritt FAR im Bauhauptgewerbe mit 60 und sind bereit, im heutigen Umfang auch künftig für die Finanzierung eine grosse Last zu tragen. Gleichzeitig verurteilen sie die gefährliche Blockadehaltung der Gewerkschaften, die eine nachhaltige Sanierung in der Stiftung FAR verhindert.
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Die Sektionspräsidenten des Schweizerischen Baumeisterverbands bekennen sich zum flexiblen frühzeitigen Altersrücktritt im Bauhauptgewerbe. Heute können sich Bauarbeiter ab 60 pensionieren lassen. Finanziert werden diese Übergangsrenten bis zur ordentlichen Pensionierung über die Stiftung FAR, wobei die finanzielle Hauptlast seitens der Arbeitgeber getragen wird.

Echte Sanierung anstatt nicht finanzierbare Pflästerlipolitik

Bereits 2016 geriet die Frühpensionierung im Bau finanziell in Schieflage. Damals wurden die Beiträge auf insgesamt 7 Lohnprozente erhöht. 5,5 Prozente tragen die Arbeitgeber, 1,5 Prozente die Arbeitnehmer. Diese erste Sanierungsmassnahme zeigte nicht die erwünschten Wirkungen. Kaum zwei Jahre später weist die Stiftung mit lediglich 92 Prozent immer noch eine Unterdeckung aus. Um die Frühpensionierung im Bau retten zu können, braucht es jetzt echte leistungsseitige Sanierungsmassnahmen. Konkrete Vorschläge, bei denen das Rentenalter 60 beibehalten werden kann, liegen dem Stiftungsrat FAR vor, der die Sanierungsmassnahmen beschliessen muss.

Gewerkschaften blockieren Sanierung und gefährden FAR

Die FAR-Übergangsrenten liegen heute bis 20 Prozent über den staatlichen Renten von AHV und BVG, wie sie ab Alter 65 ausbezahlt werden. Die AHV und die berufliche Vorsorge stehen vor grossen Herausforderungen. Der demografische Wandel wirkt bei den Frührenten auf dem Bau bereits fünf Jahre früher als bei den staatlichen Vorsorgewerken. Es muss dringend leistungsseitig gehandelt werden. Weitere Beitragserhöhungen lösen das Problem nicht und werden von den Sektionspräsidenten klar abgelehnt.

Absolut kein Verständnis haben die Sektionspräsidenten des Schweizerischen Baumeisterverbands für die Blockadehaltung der Gewerkschaften, die seit Monaten die dringend notwendigen Sanierungsmassnahmen in der Stiftung FAR verhindern. Sie spielen auf dem Buckel der Bauarbeiter ein unehrliches Spiel und missbrauchen die finanzielle Schieflage bei der Frühpensionierung, um Stimmung zu machen und sich für die 2018 anstehenden LMV-Verhandlungen zu positionieren. Der Schweizerische Baumeisterverband verurteilt dieses unlautere Taktieren und fordert die Gewerkschaften auf, den frühzeitigen flexiblen Altersrücktritt im Bau nicht länger zu gefährden.

Die «Resolution zukunftsfähige Sanierung des GAV FAR» im Wortlaut: http://ots.ch/ZTwUQQ (PDF)

Kontakt:

Gian-Luca Lardi, Zentralpräsident SBV
Tel.: +41/79/226’19’64
E-Mail: gllardi@baumeister.ch

Benedikt Koch, Direktor SBV
Tel.: +41/79/622’09’40
E-Mail: bkoch@baumeister.ch

 

4.4.2018

Millionengewinn für Novartis wegen Pensionskassen-Revision

Eine Gesetzesänderung im BVG hat der Novartis einen Millionengewinn beschert. Das bestätigt der Basler Pharmakonzern gegenüber der Handelszeitung. Demnach konnte das Unternehmen Ende 2017 Vorsorgeverpflichtungen im Umfang von 216 Millionen Franken auflösen, weil es für Gelder in seinen Kader-Pensionskassen nicht mehr haften muss. Dabei handelt es sich um sogenannte 1e- Plan-Kaderkassen, bei denen die Versicherten selber bestimmen können, wie das Kapital angelegt wird.
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Die im November 2017 in Kraft getretene Gesetzesänderung sorgt für Goldgräberstimmung im Vorsorgegeschäft. Nicht nur Pensionskassen, Sammelstiftungen und Versicherungskonzerne bringen sich in Stellung für das Geschäft mit 1e-Geldern. Auch Banken wie UBS und Credit Suisse drängen mit eigenen Vorsorgestiftungen neu ins Pensionskassengeschäft.

100 bis 200 Milliarden Franken schwerer Markt für Kaderkassen

Das Marktpotenzial ist gross. Von den 1000 Milliarden Franken, die in der beruflichen Vorsorge verwaltet werden, qualifizierten wohl 100 bis 200 Milliarden für 1e-Pläne, schätzt Hans-Jakob Stahel, Leiter Unternehmenskunden beim Lebensversicherer Swiss Life.

Über 1e-Pläne können sie lukrative Kundschaft akquirieren, da diese Kaderkassen lediglich Personen offenstehen, die mehr als 126’900 Franken pro Jahr verdienen. Weil sie als überobligatorisch gelten, sind 1e-Kassen weniger streng reglementiert als normale Pensionskassen.

Flucht aus der Umverteilung

Das neue Geschäft hat auch volkswirtschaftliche Auswirkungen. Es entzieht Pensionskassen und BVG-Vollversicherungen überobligatorisches Kapital. Über das Umlagern von Vorsorgegeldern von normalen Pensionskassen in 1e-Kaderkassen könnten sich Gutverdienende der Umverteilung im BVG entziehen, sagt Stahel. «Das ist eines der Verkaufsargumente für 1e.»

Wegen der Auftrennung können Beiträge in die Kaderkassen nicht für die Quersubventionierung von Pensionskassen-Renten verwendet werden. Je länger ein zu hoher Mindestumwandlungssatz gelte, desto mehr werde Wachstum ausserhalb des BVG-Obligatoriums gefördert, konstatiert Stahel. Es bringe nichts, das zu kritisieren, solange man die Gesetze nicht ändere.

Quelle: Handelszeitung
04.04.2018

4.4.2018

Die Pensionskasse BVK erhält Gebühren in Millionenhöhe zurück

Jefferies und der Trick mit den Retrozessionen: Die US-Investmentbank muss der BVK Gebühren zurückzahlen.

Die amerikanische Investmentbank ­Jefferies muss der kantonalen Zürcher Beamtenpensionskasse BVK 20 Millionen Franken Gebühren zurückzahlen. Dabei geht es um verdeckte Kick-back-Zahlungen, sogenannte Retrozessionen. Damit endet ein langjähriger Rechtsstreit, der Ende letzten Jahres zugunsten der BVK entschieden wurde. Das Zürcher Handelsgericht hatte das Urteil bereits am 23. März gefällt, allerdings ohne Namensnennung der US-Investmentbank.

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Die BVK geriet vor bald acht Jahren in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass sich Daniel Gloor, der langjährige Chef der BVK-Vermögensverwaltung, bestechen liess. Das System mit den Retrozessionen bei Jefferies flog auf, weil nach Bekanntwerden der BVK-Korrup­tionsaffäre im Jahr 2010 alle Verträge der Pensionskasse mit Vermögensverwaltern überprüft wurden. Damals fiel auf, dass die BVK viel höhere Vermögensverwaltungskosten hatte als vergleichbare Kassen. Was im Falle Jefferies genau lief, geht aus dem Urteil des Handelsgerichts hervor, das dieser Zeitung vorliegt.

Am 4. Februar 2002 unterschrieben die BVK und Jefferies (Schweiz) einen Vertrag, mit dem die Bank beauftragt wurde, für die BVK ausländische Wandelanleihen im Wert von etwas über 600 Millionen Franken zu verwalten. Vereinbart wurden damals auch die Gebühren. Sie schienen auf den ersten Blick bescheiden. 30 Basispunkte für Anlagen bis 75 Millionen Franken. Wenn es um über 400 Millionen ging, nur noch 5 Basispunkte, so lauteten die Bedingungen. 100 Basispunkte entsprechen jeweils einem Prozent.

Jefferies reklamierte Gebühren

Allerdings hatte der Vertrag einen kleinen Zusatz. Wenn Jefferies mit dem Geld der BVK Finanzprodukte oder einen Fonds kaufte, was wiederum Gebühren verursacht, dann ging das auf Kosten der BVK. Jefferies (Schweiz) konnte nicht direkt an den Börsen in London und New York internationale Wandelanleihen kaufen, das taten die jeweiligen Tochtergesellschaften der Jefferies-Bank vor Ort. Diese stellten ihre Dienste ihren Schweizer Kollegen in Rechnung.

So weit, so gut. Dass bei solchen Geschäften Gebühren anfallen, ist normal. In einem zweiten Schritt floss aber ein Teil der in London und New York in Rechnung gestellten Dienstleistungen in Form von sogenannten Retrozessionen oder Kick-backs wieder an die Jefferies Schweiz zurück. Das ist zwar durchaus üblich und kann mit einer Art Mengenrabatt verglichen werden, nur stellt sich die Frage, wem diese Kick-backs gehören: der Bank oder dem Kunden?
Nun fliessen Gebühren in Höhe von 12,5 Millionen Franken an die BVK zurück. Hinzu kommen Verzugszinsen in Höhe von 7,5 Millionen Franken.
Vor sechs Jahren hat das Bundesgericht diese Frage in einem aufsehenerregenden Urteil beantwortet: Banken müssen die Provisionen, die sie beim Verkauf von Finanzprodukten von Drittanbietern erhalten, an ihre Kunden weitergeben. Diese Forderungen verjähren nach zehn Jahren. Gemäss dem inzwischen rechtskräftigen Urteil des Handelsgerichts gilt das auch für innerhalb des Jefferies-Konzerns ausgerichtete Transferzahlungen von London und New York an Jefferies Schweiz.

Was so klar scheint, war im vorliegenden Fall heftig umstritten. «Auf die Forderung der BVK auf sofortige Herausgabe von zu Unrecht vereinnahmten Retrozessionen eines beauftragten Vermögensverwalters wurde nicht eingegangen», schreibt die BVK in einer Stellungnahme. Erst weigerte sich Jefferies sogar, den Umfang der Kick-backs bekannt zu machen, obwohl sie dazu vertraglich explizit verpflichtet war, wie das Gericht feststellte. Daraufhin stellte die BVK unter neuer Führung 2011 ganz einfach die Zahlung von Gebühren ein. Erst dann gab Jefferies eine Liste mit Zahlungen in Höhe von total 9,6 Millionen Franken heraus. Doch diese war offensichtlich unvollständig. 2014 schob Jefferies Informationen über weitere Zahlungen von rund 2,5 Millionen Franken nach.

Das Urteil ist rechtskräftig

Dabei flog noch etwas anderes auf. Am 1. Oktober 2003 wurde der Auftrag zur Absicherung der Fremdwährungsrisiken an die Lehmann Partner Vermögensverwaltung (LPV) vergeben, dabei wurden sogenannte Vermittlungsprovisionen vereinbart. Der Gründer der LPV wurde am 26. November 2012 wegen Bestechung verurteilt. Er hatte Gloor mit 7 Prozent an den Einnahmen seiner Firma beteiligt. Eine abenteuerliche Geschichte. Der LPV-Gründer steckte Gloor das Geld jeweils in bar, versteckt in Couverts, auf dem Parkplatz vor dem Restaurant Aurelio in Zürich zu. Insgesamt kamen so 863 000 Franken zusammen. Dabei ging es nicht nur um die Fremdwährungsanleihen, sondern um alle Devisenabsicherungen, die LPV für die BVK tätigte.

Was das Verhältnis zu Jefferies betrifft, so floss auch ein Teil der Gebühren, die LPV für seine Dienste einkassierte, an Jefferies zurück. Auch diese muss Jefferies an die BVK auszahlen. Dabei geht es um den eher geringen Betrag von rund 300 000 Franken.

Insgesamt fliessen nun Gebühren in Höhe von 12,5 Millionen Franken an die BVK zurück. Hinzu kommen Verzugszinsen in Höhe von 7,5 Millionen Franken. «Das Urteil ist rechtskräftig, das heisst endgültig», sagt BVK-Chef Thomas Schönbächler auf Anfrage. Jefferies-Sprecherin Sara Boyes wollte keine Stellung nehmen.

Quelle: Tages Anzeiger
04.04.2018

22.12.2017

Was bedeutet der Rentenreformplan des Bundesrates für die Pensionskassen?

Der Bundesrat will die Reformen der AHV und der zweiten Säule trennen. Die zweite Säule hat nur noch zweite Priorität. Doch die Pensionskassen können sich selber helfen.

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Nun ist es amtlich. Der Bundesrat will die Rentenreform aufspalten. Wie Sozialminister Alain Berset am Mittwoch verkündete, soll die AHV gegenüber der Reform der zweiten Säule Priorität haben (NZZ 21. 12. 17). Die Reform der ersten Säule ist dringlicher, weil sich die AHV ohne Gesetzesänderung im Unterschied zu den Pensionskassen nicht selber helfen kann und bald mit jährlichen Milliardenverlusten rechnen müsste.

Doch ganz ohne Verbindung der beiden Säulen dürfte es nicht gehen, wie befragte Fachleute betonen. Die vom Bundesrat vorgesehene Flexibilisierung des Rentenalters in der AHV zwischen 62 und 70 Jahren bedinge eine Koordination mit der beruflichen Vorsorge. Auch die geplante Erhöhung des AHV-Referenzrentenalters für Frauen von 64 auf 65 Jahre sollte sinnvollerweise ebenfalls für die zweite Säule gelten.

Verzögerung «nicht tragisch»

Der Kern der separaten Vorlage zur beruflichen Vorsorge betrifft den Umwandlungssatz. Über dieses Dossier sollen sich nun zunächst die Sozialpartner beugen, um die Grundlagen für eine mehrheitsfähige Lösung zu schaffen. Für das obligatorische Alterskapital gilt immer noch ein Mindestumwandlungssatz von 6,8%. Pro 100 000 Fr. Alterskapital fliesst damit eine Jahresrente von 6800 Fr. In der vom Volk abgelehnten Vorlage war eine Senkung auf 6,0% vorgesehen.

Hinter dem Umwandlungssatz stecken Annahmen über die Lebenserwartung und die nominalen Anlagerenditen. Die Lebenserwartung ist in der Schweiz laufend am Steigen, die Renditeerwartungen aber sind deutlich gesunken. Viele Pensionskassenexperten betrachten heute einen Umwandlungssatz um 5% als rechnerisch einigermassen korrekt. Ist dieser Satz zu hoch angesetzt, werden Rentner faktisch durch Jüngere subventioniert.

Was wären die Folgen für die Pensionskassen, wenn es noch jahrelang beim Minimum von 6,8% bliebe? «Das wäre nicht tragisch», sagt Peter Zanella von der Beratungsfirma Willis Towers Watson: «Die meisten Pensionskassen können dies durch die Senkung des Umwandlungssatzes auf dem überobligatorischen Kapital kompensieren.» Beim überobligatorischen Kapital gibt es kein gesetzliches Minimum für den Umwandlungssatz.

Gemäss Daten der Oberaufsichtsbehörde sind rund 85% der Versicherten in Pensionskassen versichert, die genügend überobligatorisches Kapital hätten, um den Umwandlungssatz für den Durchschnitt des Gesamtkapitals auf etwa 5% zu senken. Laut einer Branchenumfrage von Swisscanto lag heuer der Durchschnitt des Umwandlungssatzes für Neurentner noch bei etwa 6%. Viele Senkungen sind aber schon aufgegleist, so dass das Mittel in fünf Jahren nahe bei 5,5% liegen könnte. Vorsorgeeinrichtungen ohne überobligatorisches Kapital müssten früher oder später die Lohnbeiträge erhöhen. Laut Zanella würde dies für die Betroffenen «Transparenz schaffen über die Kosten des hohen Mindestumwandlungssatzes». Vielleicht führe dies «in einigen Jahren zu einem Umdenken».

Ausbau statt Abbau

Gemessen an der Rhetorik auf der Politbühne, heisst Senkung des Umwandlungssatzes automatisch «Leistungsabbau». Bei der Einführung des Gesetzes für die berufliche Vorsorge (BVG) 1985 lag der gesetzliche Mindestumwandlungssatz bei 7,2%. Eine Senkung von 7,2 auf 5% reduziert bei unverändertem Kapital die nominale Jahresrente um rund 30%. Doch von einem Leistungsabbau in diesem Ausmass kann keine Rede sein. Beim Start des BVG 1985 steckte hinter dem damaligen Umwandlungssatz faktisch eine Renditegarantie (im Jargon: technischer Zinssatz) für die Neurentner von nominal 4%. Und hinter einem Umwandlungssatz um 5% steht heute faktisch eine Renditegarantie von nominal gut 2%. Rund drei Viertel der Differenz zwischen den erwarteten Nominalrenditen von 1985 und jenen von heute werden aber durch die Reduktion der Teuerung kompensiert, und somit wird die Kaufkraft der Jahresrenten kaum geschmälert. Die durchschnittliche Inflation von 1985 bis 2005 (als die erste BVG-Revision in Kraft trat) betrug 1,8% pro Jahr, seither belief sich die Inflationsrate im Mittel nur auf 0,2%. Politiker und Lobbyisten räumen dies in Gesprächen zwar ein, entgegnen aber, dass man dies dem Publikum nicht erklären könne.

Hinzu kommt, dass die Lebenserwartung für 65-Jährige seit 1985 um einen Viertel gestiegen ist – von 17 auf über 21 Jahre (Durchschnitt von Frauen und Männern). Entsprechend fallen mehr Jahresrenten an, was einen Ausbau der gesamten Rentenleistung bedeutet.

Trotzdem herrscht in der Politik in einem Punkt fast Einigkeit: Die nominalen Jahresrenten sollen insgesamt nicht sinken. Das ist auch die Prämisse vor dem Start der Verhandlungen der Sozialpartner. Auch der Arbeitgeberverband teilt diese Ansicht, wie dessen Direktor Roland Müller bestätigt.

Die nun vom Bundesrat gewünschten Verhandlungen der Sozialpartner waren ein Anliegen der Arbeitgeber. Die ersten Gespräche sollen Anfang des nächsten Jahres starten. «Unser Ziel wäre, dass sich die Sozialpartner bis Ende des nächsten Jahres auf eine Grobvorlage einigen», sagt Arbeitgeberverbands-Direktor Müller. Er hofft, dass die Reform der zweiten Säule am Ende «mit nicht mehr als einjähriger Verspätung auf die Vorlage zur ersten Säule in Kraft treten kann».

Ob es zu einer Einigung kommt, ist völlig offen. Die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern waren jüngst nicht die besten, und die Differenzen in der Rentenfrage sind erheblich. Sollte es per saldo wie bei der abgelehnten Vorlage eine weitgehende oder gar volle «Kompensation» der Senkung des Mindestumwandlungssatzes geben, könnte man auf die Senkung wohl auch gleich verzichten. Die Umverteilung von Jung zu Alt könnten die Pensionskassen weitgehend selber eliminieren, es bliebe die Umverteilung von den Gross- zu den Kleinverdienern.

Verteuerung der Arbeit

Will man die besagten Kompensationen, heisst dies wohl höhere Lohnbeiträge und für eine Übergangsgeneration auch eine Zusatzfinanzierung; die abgelehnte Vorlage hatte dafür eine Subventionierung über den Sicherheitsfonds vorgesehen, der von allen Pensionskassen gefüttert wird. Dies würde eine Umverteilung zwischen den Pensionskassen in Gang setzen. Eine Erhöhung der Lohnbeiträge brächte derweil eine Verteuerung der Arbeit. Die Arbeitgeber würden jedoch sicherlich versuchen, mindestens einen Teil der Zusatzkosten zu überwälzen – auf die Angestellten (tieferer Lohnanstieg), die Konsumenten (Preiserhöhungen) und die Arbeitslosen (Stellenabbau).

Das heuer im Parlament diskutierte Kompensationsmodell des Nationalrats könnte mit der Verteuerung der Arbeitskosten einige tausend Stellen kosten. Der Arbeitgeberverband bezeichnet dieses Modell heute als «zu teuer», doch Varianten davon könnten nun wieder aufs Tapet kommen.

Quelle: NZZ
22.12.2017

10.12.2017

Rentenabbau macht Kapitalbezug attraktiver

Die Pensionskassen senken die Renten. Dagegen hilft ein Kapitalbezug – nun aber droht eine Beschränkung.

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Eine Kürzung der Rente um bis zu 10% ist verkraftbar. Dies hat das Bundesparlament diese Woche entschieden. Den Stein ins Rollen brachte die Pensionskasse des Bundes Publica. Denn die mit 64 000 Versicherten grösste PK des Landes senkt den Umwandlungssatz (UWS) per Anfang 2019 von 5,65% auf 5,09%. Pro 100 000 Fr. Alterskapital reduziert sich die jährliche Rente somit von 5650 auf 5090 Fr.

Diese Kürzung wollte der Bundesrat durch einen einmaligen Sonderbeitrag von 160 Mio. Fr. sowie eine jährliche Unterstützung von 40 Mio. Fr. abfedern, was die eidgenössischen Räte jedoch abgelehnt haben.

Zwar ist der Spardruck bei der Publica grösser als bei anderen Pensionskassen, weil sie nur über knappe Reserven verfügt. Dennoch hat die Massnahme Signalcharakter: Viele andere PK haben den UWS ebenfalls schon unter 5,5% gesenkt. Den gesetzlich vorgeschriebenen Satz von 6,8% verwenden nur noch wenige Vorsorgeeinrichtungen. Dieser gilt einzig für die gesetzlichen Minimalleistungen bis zu einem Lohn von 84 600 Fr. Weil aber die meisten Pensionskassen bei den Sparbeiträgen über dieses Obligatorium hinausgehen, haben sie bei der Festsetzung des UWS freie Hand.

Die zweite Säule werde aufgrund des ständigen Abbaus kritischer beurteilt als früher, beobachtet Florian Schubiger, Mitgründer der Beratungsfirma Vermögenspartner: «Die Versicherten prüfen vermehrt Möglichkeiten, um den Rentenkürzungen zu entgehen.» Der beste Zeitpunkt dazu ist vor der Pensionierung: Dann muss sich jeder entscheiden, ob er sein Altersguthaben als Kapitalauszahlung oder als Rente beziehen will. Bei dieser Weichenstellung geht es um Hunderttausende Franken – umso reiflicher sollte man sich die Wahl überlegen.

Entscheidend ist das Alter

Das wichtigste Kriterium ist der Gesundheitszustand: Wer davon ausgeht, dass er sehr alt wird, fährt mit der Rentenlösung besser. Bei einer unterdurchschnittlichen Lebenserwartung dagegen empfiehlt sich der Kapitalbezug.

Die unten stehende Grafik verdeutlicht den Zusammenhang. Die Modellrechnung basiert auf einem Altersguthaben von 500 000 Fr. Mit einem UWS von 6,8% erreicht die jährliche Rente 34 000 Fr. Wer nach der Pensionierung noch 30 Jahre lebt, kommt auf Einnahmen vor Steuern von 1 020 000 Fr. Gegenüber dem Kapitalbezug ergibt dies einen Vorteil von mehr als 300 000 Fr., wenn die Rendite auf dem Kapital 1,5% beträgt.

Falls jemand aber schon mit 70 stirbt, profitiert er nur fünf Jahre von der PK-Rente. Mit dem Kapitalbezug hätte für ihn respektive seine Nachkommen 320 000 Fr. mehr herausgeschaut. Wie die Grafik zeigt, führen die beiden Varianten bei einer Lebenserwartung von 83 Jahren zu einer ausgeglichenen Bilanz.

Beträgt der Umwandlungssatz dagegen nur noch 5%, verliert die Rentenlösung an Attraktivität. In der Modellrechnung verschiebt sich das Alter, ab welchem der Kapitalbezug nicht mehr zum besseren Ergebnis führt, auf das 90. Lebensjahr. Und wer mit 95 stirbt, erzielt mit der Rente einen deutlich kleineren Vorteil von lediglich 100 000 Fr.

In der Praxis wird die Abwägung durch weitere Faktoren beeinflusst: Bei einem geringen Alterskapital ist die Sicherheit besonders wichtig, was tendenziell für die Rente spricht. Abzuklären ist ebenso, ob man sich zutraut, das bezogene Guthaben selber anzulegen. Neben der erwarteten Rendite ist zudem die Inflationsprognose wichtig: Im Falle einer starken Teuerung bietet der Kapitalbezug den besseren Schutz.

Auch ein hoher Steuersatz spricht tendenziell für den Kapitalbezug. Umgekehrt wählen Verheiratete eher die Rente, weil die Pensionskassen eine Hinterbliebenenrente auszahlen, welche in der Regel 60% beträgt. Ins Gewicht fällt dies vor allem, wenn die Partnerin oder der Partner deutlich jünger ist. Vielfach empfiehlt sich auch eine Mischlösung, also ein teilweiser Kapitalbezug. Im Mittel beträgt das ausbezahlte Guthaben 170 000 Fr.

Bund will eine Beschränkung

Nun allerdings wollen der Bundesrat wie auch der Ständerat den Kapitalbezug begrenzen. Demnach bleibt dieser nur noch beim überobligatorischen Altersguthaben zulässig. Die Neuerung soll verhindern, dass Pensionäre ihr Geld verjubeln und danach auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind.

Der Nationalrat entscheidet voraussichtlich im nächsten Frühling, ob die Einschränkung rechtsgültig wird. Laut Florian Schubiger bedeutet der Vorschlag eine problematische Zäsur für die zweite Säule: «Bisher galt der Grundsatz, dass die Guthaben in der beruflichen Vorsorge den einzelnen Versicherten gehören. Wenn die Wahlfreiheit aber wegfällt, wird dieses Prinzip infrage gestellt.»

Die Leistungen der zweiten Säule sind deutlich geringer als noch vor wenigen Jahren. Neben der tieferen Verzinsung führen die sinkenden Umwandlungssätze zu einer spürbaren Reduktion der Renten. Die vorgesehene Begrenzung des Kapitalbezugs schmälert die Attraktivität zusätzlich.

Immerhin hielt das Parlament für die Versicherten der Publica ein Trostpflaster bereit. Den Sonderbeitrag lehnte es zwar ab, dafür genehmigte es eine Lohnerhöhung von 0,6% – nachdem es in den beiden Vorjahren jeweils eine Nullrunde gab.

Quelle: NZZ
09.12.2017

12.4.2017

Schweizerischer Arbeitgeberverband: Nein zur Altersvorsorge 2020

Der Schweizerische Arbeitgeberverband hat die Nein-Parole zur Volksabstimmung über die Reform Altersvorsorge 2020 vom 24. September 2017 beschlossen. Die Arbeitgeber erteilen mit ihrem Votum einem unsolidarischen und unterfinanzierten AHV-Ausbau eine Absage. …mehr

Die Mitglieder des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) haben sich an ihrer Vorstandssitzung gegen die Altersvorsorgereform 2020 ausgesprochen, über die das Stimmvolk am 24. September 2017 befindet. Die Arbeitgeber lehnen eine Vorlage ab, die das Parlament – entgegen den Reformzielen und trotz der Ablehnung von «AHVplus» – zu einer überladenen Ausbauvorlage umfunktioniert hat, statt die Altersvorsorge nachhaltig auf eine stabile finanzielle Basis zu stellen. Die strukturellen Probleme, darunter die chronisch defizitäre AHV-Kasse und die Pensionierungswellen der geburtenstarken Jahrgänge, werden nicht nur ausgeblendet, sondern sogar verschärft. So übersteigen die Kosten des AHV-Ausbaus bereits 2030 die Mittel, die durch die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre frei werden.

Eine weitere Schwäche der Reform liegt im unsolidarischen Giesskannenprinzip des AHV-Ausbaus. Monatlich werden 70 Franken an alle Neurentner und sogar bis zu 226 Franken an alle Neurentnerehepaare verteilt – unabhängig von ihrer finanziellen Situation und ungeachtet dessen, ob sie von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge betroffen sind. Der Ausbau, für den viele bezahlen und von dem nur wenige profitieren, führt zu einer AHV zweier Klassen. Zu den grossen Profiteuren zählt die Übergangsgeneration zwischen 45 und 65 Jahren. Sie wird dank Zahlungen aus dem Sicherheitsfonds von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der zweiten Säule verschont und kommt dennoch in den Genuss des AHV-Zustupfs von jährlich 840 Franken.

Die Reform gefährdet überdies den Zusammenhalt zwischen den Generationen. Auf der Verliererseite stehen bisherige Rentner, welche die berufliche Vorsorge aufgebaut haben, aber selber keine Chance mehr haben, ihre Pensionskassenrenten aufzubessern. Vielmehr müssen sie eine im Portemonnaie spürbare Erhöhung der Mehrwertsteuer verkraften, die den AHV-Ausbau mitfinanziert. Schlechter gestellt werden – wie dies bereits bei der deutlich verworfenen AHVplus-Initiative der Fall gewesen wäre – ausgerechnet jene bedürftigen Rentner, denen im Gegenzug zum AHV-Zustupf die steuerbefreiten Ergänzungsleistungen (EL) gekürzt werden. Die grössten Lasten werden aber den Jungen und nachkommenden Generationen aufgebürdet. Sie bezahlen die Zeche für den AHV-Ausbau, da sie ab 2030 zusätzlich zur weiter wachsenden Anzahl Rentner für die ungedeckten Checks der Reform geradestehen müssen.

Eine Annahme der unterfinanzierten Ausbauvorlage würde bereits mittelfristig trotz der Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,6 Prozent sowie der Lohnbeiträge um total 0,7 Prozent wieder grosse Löcher in die AHV-Kasse reissen und den Druck zu weiteren Reformen mit zwangsläufig einschneidenderen Sanierungen erhöhen. Bereits 2025 müsste die nächste Reform umgesetzt werden. Der unsolidarische AHV-Ausbau für arm und reich erhöht daher letztlich nur den Druck, das Rentenalter rascher anheben zu müssen. Die Arbeitgeber stehen weiterhin zu einer Reform der Altersvorsorge mit sicheren Renten auf heutigem Niveau, erteilen einem unsolidarischen AHV-Ausbau aber eine klare Absage. Lehnt das Schweizer Volk am 24. September 2017 zum zweiten Mal innert Jahresfrist einen für unser wichtigstes Sozialwerk gefährlichen Giesskannenausbau ab, wird der Weg endlich frei für eine echte Reform der Altersvorsorge für sichere Renten in beiden Säulen. Teure Experimente hat unsere AHV nicht verdient.

Denn ein Scheitern der Vorlage an der Urne bedeutet nicht das Ende des Reformprozesses. Die zentralen Elemente sind bekannt und liegen auf dem Tisch. Statt einer überladenen Reform braucht es danach zügig separate und verdaubare Portionen, wie sie die Wirtschaft seit Beginn des Reformprozesses stets gefordert hat. Dabei sind die heute selbst von linken Kreisen geforderten Massnahmen anzugehen: als erstes die Angleichung des Rentenalters für Männer und Frauen auf 65. Zweitens braucht es eine Senkung des Mindestumwandlungssatzes mit angemessener Kompensation innerhalb der beruflichen Vorsorge, wozu der Nationalrat einen grundsätzlich gangbaren Weg vorgezeichnet hat. Drittens müssen die politischen und sozialpartnerschaftlichen Akteure in einem sorgfältig zu erarbeitenden breiten Konsens aufzeigen, wie mittelfristig das immer schlechter werdende Umlageverhältnis in der AHV durch eine schrittweise und sozialverträgliche Erhöhung des Rentenalters langfristig sichergestellt werden kann.

Kontakt:

Roland A. Müller, Direktor, Tel. 079 220 52 29,
mueller@arbeitgeber.ch

Martin Kaiser, Ressortleiter Sozialpolitik, Tel. 079 517 68 26,
kaiser@arbeitgeber.ch

Quelle: Presseportal.ch
12.04.2017

29.3.2017

Mehr Zwang beim Zwangssparen

Die Politik erhöht den Druck beim obligatorischen Sparen in der 2. Säule gleich zweifach. Erstens ­sollen wir mehr einzahlen. Zweitens sollen wir das Geld nicht mehr als Kapital, sondern nur noch als Rente beziehen. …mehr

Eine Reform jagt die andere. Soeben hat das Parlament die grosse Reform der Altersvorsorge gezimmert, die am 24. September an die Urne kommt. Noch vorher, im Juni, beginnt im Ständerat die Debatte über die Reform der ­Ergänzungsleistungen (EL).

Am Dienstag hat die Sozialkommission dazu erste Vorentscheide gefällt. Die zwei Projekte überlagern sich in einem politisch sensiblen Punkt: Beide ­sehen beim ­obligatorischen Teil der 2. Säule (Pensionskassen) wichtige Veränderungen vor, die sich gegenseitig verstärken.

Der Verdacht

Zuerst einmal wird mit der Renten­reform das staatlich erzwungene Alterssparen markant ausgebaut. Hier geht es um das Doppelproblem der tiefen Renditen und der gestiegenen Lebenserwartung. Als Reaktion darauf will das ­Parlament mit der Reform den Mindestumwandlungssatz der Pensionskassen senken, womit es künftig pro angespartem Franken weniger Rente gibt. Das ­effektive Rentenniveau soll aber nicht sinken.

Deshalb müssen Arbeitnehmer zusammen mit ihren Arbeit­gebern in Zukunft während des gesamten Berufslebens mehr Geld in die Pensionskasse ein­zahlen. So erhöht sich zum Beispiel das Zwangssparen bis zur Pensionierung für einen Angestellten mit einem Lohnniveau von 4500 Franken im Monat um insgesamt 30’000 Franken.

Unmittelbar betroffen sind zwar nur etwa 15 Prozent ­aller Angestellten, da die Mehrheit in Pensions­kassen versichert ist, deren Leistungen über das obligatorische Alterssparen hinausgehen.

Doch zusammen mit der EL-Reform sind plötzlich alle Angestellten betroffen. Hier setzt der Bundesrat den Hebel ebenfalls bei der 2. Säule an. Er will die Möglichkeiten einschränken, das angesparte Geld bei der Pensionierung als Kapital zu beziehen, statt es in monatliche Renten ­umwandeln zu lassen.

Konkret will der Bundesrat verbieten, im Rahmen der obligatorischen ­Vorsorge angesparte Gelder als ­Kapital zu beziehen. Stattdessen müsste man sich diesen Teil des Kapitals neu zwingend in eine Rente umwandeln lassen. Dieser Vorschlag war zwar bisher umstritten, die Sozialkommission des Ständerats hiess ihn gestern aber einstimmig gut, wie aus ihrer Mitteilung hervorgeht.

Die Einschränkungen beim Kapitalbezug sollen dazu bei­tragen, dass künftig weniger Rentner auf EL angewiesen sind. Dahinter steht der Verdacht, dass die Rentner das bezogene Kapital weniger gut verwalten und an­legen werden als ihre Pensionskasse. Oder dass sie es im schlimmsten Fall verprassen, im Wissen, dass sie danach EL beantragen können.

«Schnell ausgegeben»

Der Bundesrat formuliert es in der Botschaft freundlicher: «Das Altersguthaben kann schnell ausgegeben werden. Ist es einmal aufgebraucht, steht die betroffene Person unter Umständen mittellos da.» Eine Rente hingegen garantiere ein regelmässiges Einkommen während der gesamten Dauer des Rentenalters, auch wenn man sehr alt werde.

Die Beschränkung des Kapitalbezugs wirkt sich zusammen mit dem Ausbau des obligatorischen Sparens in der Rentenreform flächen­deckend aus. Bei allen Arbeit­nehmern – auch bei jenen in gross­zügigen Pensionskassen – entfällt künftig ein grösserer Teil des Alterskapitals auf das ­Obligatorium. Und dieses soll von der Kapitalauszahlung neu ausgeschlossen werden.

Geld für Selbstständige?

Der Bundesrat will den Schutz der obligatorischen Vorsorge mit der EL-Reform noch anderweitig ausbauen. Wer sich selbstständig macht, kann heute als Starthilfe einen Teil ­des Pensionskassen­kapitals beziehen. Auch dies wäre neu nur noch bei dem Teil erlaubt, der über das Obligatorium hinausgeht. Hier ist aber mit Widerstand zu rechnen.

Die Mehrheit der Kommission will den ­Kapitalbezug in diesen Fällen nicht verbieten, sondern nur einschränken.

Quelle: Berner Zeitung
29.03.2017

31.1.2017

Beschönigen die Pensionskassen ihre finanzielle Situation?

Viele Schweizer Pensionskassen reagieren zurzeit auf die ultraniedrigen Zinsen mit Rentenkürzungen. Die Kassen wiesen zu hohe Deckungsgrade aus, kritisieren manche Beobachter. …mehr

Wären die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen Flugzeuge, so würden einige von ihnen viel niedriger fliegen, als ihr Höhenmesser anzeigt. Mit dieser Metapher hat Pascal Renaud, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Kammer der Pensionskassen-Experten, an den Informationstagen zur beruflichen Vorsorge auf die bedenkliche Entwicklung in der beruflichen Vorsorge aufmerksam gemacht. Die Kassen wiesen zu hohe Deckungsgrade und damit eine vermeintlich zu gute finanzielle Situation aus und riskierten damit Fehlentscheidungen, sagte Renaud an der jährlichen Veranstaltung der BVG- und Stiftungsaufsicht des Kantons Zürich (BVS). Der Deckungsgrad errechnet sich aus dem Verhältnis zwischen dem verfügbaren Vermögen und den Vorsorgeverpflichtungen einer Pensionskasse. Gemäss der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) betrug der durchschnittliche Deckungsgrad von Schweizer Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie 2015 105,1%, bei Pensionskassen mit Staatsgarantie lag er bei 76,1%.

Lücken bei den Renditen

Laut Renaud ist derzeit eine jährliche Anlagerendite von 5% nötig, um den BVG-Umwandlungssatz von 6,8% für die Altersrentner zu finanzieren. Selbst wenn die Rentenreform verabschiedet würde und der BVG-Mindestumwandlungssatz von 6,8% auf 6% sänke, würden die Vorsorgeeinrichtungen noch eine jährliche Anlagerendite von 4% brauchen, um die Neurenten zu finanzieren. Gegenüber der erwarteten Rendite einer durchschnittlichen Anlagestrategie einer Kasse fehlten derzeit Jahr für Jahr bei der Rendite 2 Prozentpunkte, und die aktiven Versicherten müssten zur Finanzierung dieser Lücken eine tiefere Verzinsung ihrer Altersguthaben in Kauf nehmen.

Der Umwandlungssatz ist der Prozentsatz des in der Pensionskasse angesparten Vermögens, der einem Versicherten nach der Pensionierung jährlich ausbezahlt wird. Die ultraniedrigen bis negativen Zinsen zwingen die Vorsorgeeinrichtungen zu massiven Senkungen der technischen Zinssätze. Die Pensionskassen hätten diese nicht stark und nicht schnell genug gesenkt, sagte Renaud, der auch Partner des Pensionskassenexperten-Büros Toptima ist.

Verpflichtungen unterbewertet?

Bei der Berechnung des Deckungsgrads ist der technische Zinssatz sehr wichtig. Mit diesem Satz diskontiert eine Pensionskasse die zukünftigen reglementarischen Leistungen. Verwendet sie einen zu hohen technischen Zinssatz, weist sie zu tiefe Verpflichtungen und einen zu hohen Deckungsgrad aus. So seien die Rentenverpflichtungen vieler Vorsorgeeinrichtungen unterbewertet, sagte Renaud. Er empfiehlt, den technischen Zinssatz prinzipienbasiert anhand einer Zinsstrukturkurve entsprechend den Verpflichtungen festzulegen, anstatt ihn jedes Jahr durch den Stiftungsrat zu beschliessen. Das Ausweisen eines zu hohen Deckungsgrades sei problematisch, denn dies könne beispielsweise dazu führen, dass die Verantwortlichen von Vorsorgeeinrichtungen die Lage ihrer Kasse zu rosig einschätzten, sagte Renaud. Folgen davon könnten Investitionen in zu riskante Anlagen oder zu grosszügige Leistungen für aktive Versicherte und Rentner sein.

«Eingeschlagener Weg stimmt»

Laut Beobachtern fühlen sich derzeit die Stiftungsräte in einigen Pensionskassen zum Handeln gezwungen und senken die technischen Zinsen deutlich. Für grosses Aufsehen haben in diesem Zusammenhang die BVK und die Pensionskasse der Credit Suisse gesorgt, die die Leistungen ihrer Versicherten deutlich gekürzt haben. Laut Roger Tischhauser, Direktor der BVS, haben viele Vorsorgeeinrichtungen aus dem Kanton Zürich die Umwandlungssätze und technischen Zinsen reduziert, um künftige Pensionierungsverluste und die Verteilung der Lasten auf die aktiven Versicherten zu reduzieren. Er betont, der von den Pensionskassen im Kanton Zürich eingeschlagene Weg stimme, es brauche aber weitere mutige Entscheidungen. Ob die Anpassungen ausreichen, müsse für jede einzelne Kasse beurteilt werden. Falls notwendig, greife die BVS ein, der Risikodialog zwischen Vorsorgeeinrichtung und Aufsicht sei jedoch in den meisten Fällen zielführend. Aus Sicht von Tischhauser haben die Pensionskassen auch ihre Wertschwankungsreserven so weit gestärkt, dass sie auf Verwerfungen am Kapitalmarkt reagieren könnten. Die BVG- und Stiftungsaufsicht Zürich kontrolliert nach eigenen Angaben 820 Vorsorgeeinrichtungen mit verwalteten Vermögen von rund 300 Mrd. Fr.

Sammelstiftungen im Fokus

Eine Herausforderung sieht Tischhauser unterdessen in der Entwicklung zu mehr rentnerlastigen Vorsorgeeinrichtungen oder sogar reinen Rentnerkassen. Der Anteil der Rentner am Gesamtvorsorgevermögen steige stetig, auf weniger Aktive kämen immer mehr Rentner. Dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Da die Möglichkeit einer strukturellen Sanierung dieser Vorsorgeeinrichtungen eingeschränkt sei, müsse eine ausreichende Finanzierung sichergestellt sein. Die Arbeitgeber seien in der Pflicht. Die BVS überwache dies und greife bei Fehlentwicklungen ein.

Als weiteren Schwerpunkt der Aufsichtstätigkeit nennt Tischhauser die Überwachung der Sammelstiftungen. Solchen Einrichtungen schliessen sich oft Firmen an, die zu klein sind, um eine eigene Pensionskasse zu betreiben. Im Aufsichtsgebiet der BVS sind über 70% der Versicherten Sammelstiftungen angeschlossen. Im Markt der Sammeleinrichtungen herrsche ein harter Wettbewerb, einige dieser Einrichtungen seien deshalb zurückhaltend mit der Senkung von Umwandlungssätzen und technischen Zinsen, sagt Tischhauser. Es sei wichtig, dass die Sammelstiftungen risikoorientiert geführt und beaufsichtigt würden, sonst könnten sie sich zu einem Systemrisiko entwickeln.

Quelle: NZZ
31.01.2017