Marktinformation

9.5.2017

Pensionskassen erwirtschaften 2016 bessere Rendite

Die Schweizer Pensionskassen haben 2016 besser gewirtschaftet als im Jahr zuvor. Die durchschnittliche Anlagerendite stieg trotz Negativzinsen von 0,8 auf 3,7 Prozent. Eine Finanzierungslücke aber bleibt.

…mehr

Das teilte die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) am Dienstag mit. Der Deckungsgrad blieb im Durchschnitt stabil bei 103,0 Prozent. Dabei gibt es jedoch grosse Unterschiede: 88 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie haben einen Deckungsgrad von mindestens 100 Prozent. Bei jenen mit Staatsgarantie sind es nur 4 Prozent.

Strukturelle Probleme bleiben

Trotz den höheren Renditen bleiben die strukturellen Probleme der beruflichen Vorsorge ungelöst. Obwohl viele Pensionskassen den Umwandlungssatz letztes Jahr gesenkt haben, liegen die künftigen Zinsversprechen noch immer höher als die Renditeerwartungen. Das führt zu einer Finanzierungslücke, die von der aktiven Generation gestopft werden muss.

Nach Ansicht der OAK BV werden daher weitere Anpassungen nötig sein, sofern das Zinsniveau weiterhin so tief bleibt wie heute. Im obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge ist die Kürzung bereits aufgegleist: Im Zuge der Altersvorsorge 2020 soll der Umwandlungssatz von 6,8 Prozent auf 6 Prozent gekürzt werden. Über die Vorlage wird am 24. September 2017 abgestimmt.

Tieferer Umwandlungssatz erst der Anfang

Pierre Triponez, Präsident der OAK BV, sprach gemäss Redetext von einer dringend notwendigen Weichenstellung. Seiner Meinung nach ist das aber nicht das Ende der Reise, sondern erst der «Anfang eines grösseren Wandels».

Quelle: NZZ
09.05.2017

9.5.2017

Sammelstiftungen im Fokus der Aufsicht

Die Oberaufsichtskommission nimmt Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen stärker unter die Lupe. Die Einrichtungen sollten risikoorientiert geführt werden, sie haben allerdings auch ihre Stärken.

…mehr

In der beruflichen Vorsorge ist in der Schweiz seit Jahren ein Konzentrationsprozess zu beobachten. Die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) hat mitgeteilt, dass die Zahl der Vorsorgeeinrichtungen im vergangenen Jahr um 71 auf 1865 gesunken ist. Darin spiegelt sich unter anderem die Entwicklung, dass Unternehmen firmeneigene Pensionskassen schliessen und die berufliche Vorsorge Sammeleinrichtungen übergeben. Die Kassen sind möglicherweise zu klein, oder das Unternehmen möchte die Risiken der beruflichen Vorsorge in einem Umfeld mit negativen Zinsen lieber nicht tragen. Ende 2016 waren mit 2,4 Mio. rund 60% der aktiven Versicherten in der zweiten Säule in Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtungen versichert.

Die grosse Bedeutung der Einrichtungen hat dazu geführt, dass die OAK BV sie stärker unter die Lupe nimmt. In der Tat dürften manche der Einrichtungen die nötigen Senkungen ihrer Umwandlungssätze hinauszögern, um im Wettbewerb um neue Anschlüsse möglichst attraktiv auszusehen. Mit der Konzentration in der beruflichen Vorsorge habe sich die Tendenz zum Eingehen höherer Risiken bei den Einrichtungen verstärkt, teilt die Oberaufsicht mit. Sollte sich die Lage an den Kapitalmärkten verschlechtern, könnten Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen mit kritischer Situation ein Risiko für den Sicherheitsfonds und damit alle Versicherten werden. Die OAK BV gibt dies als einen der Gründe dafür an, dass sie nun neue, jährlich zu erhebende Risikokennzahlen einführen will. Auf die Einrichtungen kommen noch weitere Informationsanforderungen zu. Es ist wichtig, dass Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen risikoorientiert geführt werden. Allerdings sollten auch ihre Stärken berücksichtigt werden. Eine davon ist ihr vorteilhaftes Verhältnis von Aktiven zu Rentnern, das im Durchschnitt bei 10 zu 1 liegt. Davon können viele firmeneigene Pensionskassen nur träumen.

Quelle: NZZ
09.05.2017

12.4.2017

Schweizerischer Arbeitgeberverband: Nein zur Altersvorsorge 2020

Der Schweizerische Arbeitgeberverband hat die Nein-Parole zur Volksabstimmung über die Reform Altersvorsorge 2020 vom 24. September 2017 beschlossen. Die Arbeitgeber erteilen mit ihrem Votum einem unsolidarischen und unterfinanzierten AHV-Ausbau eine Absage. …mehr

Die Mitglieder des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) haben sich an ihrer Vorstandssitzung gegen die Altersvorsorgereform 2020 ausgesprochen, über die das Stimmvolk am 24. September 2017 befindet. Die Arbeitgeber lehnen eine Vorlage ab, die das Parlament – entgegen den Reformzielen und trotz der Ablehnung von «AHVplus» – zu einer überladenen Ausbauvorlage umfunktioniert hat, statt die Altersvorsorge nachhaltig auf eine stabile finanzielle Basis zu stellen. Die strukturellen Probleme, darunter die chronisch defizitäre AHV-Kasse und die Pensionierungswellen der geburtenstarken Jahrgänge, werden nicht nur ausgeblendet, sondern sogar verschärft. So übersteigen die Kosten des AHV-Ausbaus bereits 2030 die Mittel, die durch die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre frei werden.

Eine weitere Schwäche der Reform liegt im unsolidarischen Giesskannenprinzip des AHV-Ausbaus. Monatlich werden 70 Franken an alle Neurentner und sogar bis zu 226 Franken an alle Neurentnerehepaare verteilt – unabhängig von ihrer finanziellen Situation und ungeachtet dessen, ob sie von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge betroffen sind. Der Ausbau, für den viele bezahlen und von dem nur wenige profitieren, führt zu einer AHV zweier Klassen. Zu den grossen Profiteuren zählt die Übergangsgeneration zwischen 45 und 65 Jahren. Sie wird dank Zahlungen aus dem Sicherheitsfonds von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der zweiten Säule verschont und kommt dennoch in den Genuss des AHV-Zustupfs von jährlich 840 Franken.

Die Reform gefährdet überdies den Zusammenhalt zwischen den Generationen. Auf der Verliererseite stehen bisherige Rentner, welche die berufliche Vorsorge aufgebaut haben, aber selber keine Chance mehr haben, ihre Pensionskassenrenten aufzubessern. Vielmehr müssen sie eine im Portemonnaie spürbare Erhöhung der Mehrwertsteuer verkraften, die den AHV-Ausbau mitfinanziert. Schlechter gestellt werden – wie dies bereits bei der deutlich verworfenen AHVplus-Initiative der Fall gewesen wäre – ausgerechnet jene bedürftigen Rentner, denen im Gegenzug zum AHV-Zustupf die steuerbefreiten Ergänzungsleistungen (EL) gekürzt werden. Die grössten Lasten werden aber den Jungen und nachkommenden Generationen aufgebürdet. Sie bezahlen die Zeche für den AHV-Ausbau, da sie ab 2030 zusätzlich zur weiter wachsenden Anzahl Rentner für die ungedeckten Checks der Reform geradestehen müssen.

Eine Annahme der unterfinanzierten Ausbauvorlage würde bereits mittelfristig trotz der Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,6 Prozent sowie der Lohnbeiträge um total 0,7 Prozent wieder grosse Löcher in die AHV-Kasse reissen und den Druck zu weiteren Reformen mit zwangsläufig einschneidenderen Sanierungen erhöhen. Bereits 2025 müsste die nächste Reform umgesetzt werden. Der unsolidarische AHV-Ausbau für arm und reich erhöht daher letztlich nur den Druck, das Rentenalter rascher anheben zu müssen. Die Arbeitgeber stehen weiterhin zu einer Reform der Altersvorsorge mit sicheren Renten auf heutigem Niveau, erteilen einem unsolidarischen AHV-Ausbau aber eine klare Absage. Lehnt das Schweizer Volk am 24. September 2017 zum zweiten Mal innert Jahresfrist einen für unser wichtigstes Sozialwerk gefährlichen Giesskannenausbau ab, wird der Weg endlich frei für eine echte Reform der Altersvorsorge für sichere Renten in beiden Säulen. Teure Experimente hat unsere AHV nicht verdient.

Denn ein Scheitern der Vorlage an der Urne bedeutet nicht das Ende des Reformprozesses. Die zentralen Elemente sind bekannt und liegen auf dem Tisch. Statt einer überladenen Reform braucht es danach zügig separate und verdaubare Portionen, wie sie die Wirtschaft seit Beginn des Reformprozesses stets gefordert hat. Dabei sind die heute selbst von linken Kreisen geforderten Massnahmen anzugehen: als erstes die Angleichung des Rentenalters für Männer und Frauen auf 65. Zweitens braucht es eine Senkung des Mindestumwandlungssatzes mit angemessener Kompensation innerhalb der beruflichen Vorsorge, wozu der Nationalrat einen grundsätzlich gangbaren Weg vorgezeichnet hat. Drittens müssen die politischen und sozialpartnerschaftlichen Akteure in einem sorgfältig zu erarbeitenden breiten Konsens aufzeigen, wie mittelfristig das immer schlechter werdende Umlageverhältnis in der AHV durch eine schrittweise und sozialverträgliche Erhöhung des Rentenalters langfristig sichergestellt werden kann.

Kontakt:

Roland A. Müller, Direktor, Tel. 079 220 52 29,
mueller@arbeitgeber.ch

Martin Kaiser, Ressortleiter Sozialpolitik, Tel. 079 517 68 26,
kaiser@arbeitgeber.ch

Quelle: Presseportal.ch
12.04.2017

29.3.2017

Mehr Zwang beim Zwangssparen

Die Politik erhöht den Druck beim obligatorischen Sparen in der 2. Säule gleich zweifach. Erstens ­sollen wir mehr einzahlen. Zweitens sollen wir das Geld nicht mehr als Kapital, sondern nur noch als Rente beziehen. …mehr

Eine Reform jagt die andere. Soeben hat das Parlament die grosse Reform der Altersvorsorge gezimmert, die am 24. September an die Urne kommt. Noch vorher, im Juni, beginnt im Ständerat die Debatte über die Reform der ­Ergänzungsleistungen (EL).

Am Dienstag hat die Sozialkommission dazu erste Vorentscheide gefällt. Die zwei Projekte überlagern sich in einem politisch sensiblen Punkt: Beide ­sehen beim ­obligatorischen Teil der 2. Säule (Pensionskassen) wichtige Veränderungen vor, die sich gegenseitig verstärken.

Der Verdacht

Zuerst einmal wird mit der Renten­reform das staatlich erzwungene Alterssparen markant ausgebaut. Hier geht es um das Doppelproblem der tiefen Renditen und der gestiegenen Lebenserwartung. Als Reaktion darauf will das ­Parlament mit der Reform den Mindestumwandlungssatz der Pensionskassen senken, womit es künftig pro angespartem Franken weniger Rente gibt. Das ­effektive Rentenniveau soll aber nicht sinken.

Deshalb müssen Arbeitnehmer zusammen mit ihren Arbeit­gebern in Zukunft während des gesamten Berufslebens mehr Geld in die Pensionskasse ein­zahlen. So erhöht sich zum Beispiel das Zwangssparen bis zur Pensionierung für einen Angestellten mit einem Lohnniveau von 4500 Franken im Monat um insgesamt 30’000 Franken.

Unmittelbar betroffen sind zwar nur etwa 15 Prozent ­aller Angestellten, da die Mehrheit in Pensions­kassen versichert ist, deren Leistungen über das obligatorische Alterssparen hinausgehen.

Doch zusammen mit der EL-Reform sind plötzlich alle Angestellten betroffen. Hier setzt der Bundesrat den Hebel ebenfalls bei der 2. Säule an. Er will die Möglichkeiten einschränken, das angesparte Geld bei der Pensionierung als Kapital zu beziehen, statt es in monatliche Renten ­umwandeln zu lassen.

Konkret will der Bundesrat verbieten, im Rahmen der obligatorischen ­Vorsorge angesparte Gelder als ­Kapital zu beziehen. Stattdessen müsste man sich diesen Teil des Kapitals neu zwingend in eine Rente umwandeln lassen. Dieser Vorschlag war zwar bisher umstritten, die Sozialkommission des Ständerats hiess ihn gestern aber einstimmig gut, wie aus ihrer Mitteilung hervorgeht.

Die Einschränkungen beim Kapitalbezug sollen dazu bei­tragen, dass künftig weniger Rentner auf EL angewiesen sind. Dahinter steht der Verdacht, dass die Rentner das bezogene Kapital weniger gut verwalten und an­legen werden als ihre Pensionskasse. Oder dass sie es im schlimmsten Fall verprassen, im Wissen, dass sie danach EL beantragen können.

«Schnell ausgegeben»

Der Bundesrat formuliert es in der Botschaft freundlicher: «Das Altersguthaben kann schnell ausgegeben werden. Ist es einmal aufgebraucht, steht die betroffene Person unter Umständen mittellos da.» Eine Rente hingegen garantiere ein regelmässiges Einkommen während der gesamten Dauer des Rentenalters, auch wenn man sehr alt werde.

Die Beschränkung des Kapitalbezugs wirkt sich zusammen mit dem Ausbau des obligatorischen Sparens in der Rentenreform flächen­deckend aus. Bei allen Arbeit­nehmern – auch bei jenen in gross­zügigen Pensionskassen – entfällt künftig ein grösserer Teil des Alterskapitals auf das ­Obligatorium. Und dieses soll von der Kapitalauszahlung neu ausgeschlossen werden.

Geld für Selbstständige?

Der Bundesrat will den Schutz der obligatorischen Vorsorge mit der EL-Reform noch anderweitig ausbauen. Wer sich selbstständig macht, kann heute als Starthilfe einen Teil ­des Pensionskassen­kapitals beziehen. Auch dies wäre neu nur noch bei dem Teil erlaubt, der über das Obligatorium hinausgeht. Hier ist aber mit Widerstand zu rechnen.

Die Mehrheit der Kommission will den ­Kapitalbezug in diesen Fällen nicht verbieten, sondern nur einschränken.

Quelle: Berner Zeitung
29.03.2017

3.3.2017

Alternativanlagen sind im Sinn der Versicherten

Fortschrittliche Pensionskassen liefern mit Alternativanlagen beste Beweise dafür, dass sich Offenheit im Anlegen lohnt. Eine Neubeurteilung nichttraditioneller Anlagen drängt sich im Interesse aller aktiven Beitragszahler der zweiten Säule auf – nicht nur wegen des Ertragsdrucks, auch weil einige Angebote transparenter und günstiger geworden sind.

…mehr

Es lässt sich zwar nicht abstreiten, dass in einem Universum von über 20 000 äusserst heterogenen Anbietern auch schwarze Schafe auftauchen. Aber einige Manager nahmen die teils berechtigten Vorwürfe ernst und bieten heute trans­parente, kosteneffiziente und attraktive Anlagelösungen an.

Zwei Beispiele dazu: Senior Secured Loans sind Darlehen an kleine und mittelgrosse Firmen. Sie ähneln den High Yield Bonds, d. h. Anleihen von Schuldnern mit niedrigem Rating, die gemäss den Anlageregeln der beruflichen Vorsorge als traditionelle Obligationen klassifiziert werden. Loans sind aber risikoärmer, weil sie in der Kapitalstruktur einer Firma über den Anleihen liegen, besichert sind und historisch geringere Kapitalverluste wegen Firmenkonkursen erlitten.

Zudem sind die Loans als Floating Rate mit einem Zinszuschlag gegenüber Libor konzipiert. Damit sind sie bei einer Verschiebung der Zinskurve weniger preissensitiv als Anleihen. Gewisse Funds sind bis auf die einzelnen Titel transparent, falls sich Anleger dafür interessieren.

Erkennbar wird, wie umfangreich der Manager diversifiziert, welche Sektoren im Vordergrund stehen, welche Titel gefährdet erscheinen oder wie hoch die erwartete Rendite ist. Loan-ETF, die renditemässig weit hinter den kaum replizier­baren Indizes landen, sind nicht günstiger, und ebenso wenig sind es viele aktive Funds, sowohl solche für Qualitätsanleihen (Investment Grade) als auch für High Yield Bonds.

Ein zweites Beispiel sind Hedge Funds mit Trendfolgestrategien (CTA). Sie suchen mit mathematischen Modellen in zahlreichen Märkten nach Preistrends und wetten auf deren Fortsetzung. Ihr Diversifikationspotenzial ist deshalb gross. Gerade in heftigeren Krisen, wenn Aktienmärkte, Rohstoffe oder Währungen anhaltend an Wert verlieren, verhalten sich CTA im Gesamtportfolio stabilisierend.

Zentral ist ihr systematisches Anlagevorgehen. Entscheide werden nicht nach Bauchgefühl von Managern getroffen, sondern über Modelle gesteuert. Fortschrittliche Anbieter stellen diese Modelle den Anlegern zur Verfügung und zeigen ihre Positionen auf täglicher Basis.

Transparente Lösungen finden sich auch in weiteren Segmenten des Alternativmarkts, etwa in Insurance Linked Securities (Versicherungsverbriefungen wie bspw. Cat Bonds) und Private Debt Funds.

Im stark umkämpften Markt liegen die Gebühren für erstklassige Loan Funds und für ausgewählte CTA heute zwischen 0,3 und 1% jährlich ohne Performance­gebühr. Der Pauschalvorwurf, alle Alternativanlagen seien intransparent und teuer, ist unseriös und überholt.

Die Transparenz der genannten Beispiele bietet professionell aufgestellten oder beratenen Anlegern die Chance, mit Sorgfalt und Komfort in Alternative zu ­investieren. Damit dürfte sich dank geringerer Gebühren nicht nur die Diversifikation, sondern auch die erwartete Rendite verbessern, was im Niedrigzinsumfeld höchst willkommen ist.

Quelle: Finanz und Wirtschaft
03.03.2017

Merken

Merken

Merken

22.2.2017

Diversifikation, aber richtig

Für jüngere Menschen ist der Aktienanteil der Pensionskasse zu klein. Sie müssen deshalb für ihre eigene Vorsorge möglichst viel in Aktien investieren. Ein Kommentar des stv. Chefredaktors Clifford Padevit. …mehr

Ausnahmen bestätigen die Regel: Das stimmt auch für die langfristigen Renditen von Aktien und Obligationen. Dass Obligationen, sogar die sichersten unter ihnen – Staatsanleihen –, seit 2000 besser abgeschnitten haben als Aktien, ist die Ausnahme. Das zeigt die jährliche Auswertung von Anlagerenditen von drei Professoren im Auftrag der Credit Suisse eindrücklich. Und damit ist die Regel bestätigt: Aktien sind auf lange Sicht die Anlageklasse, die am meisten einbringt und die Risiken mit dem höheren Ertrag abgilt.

Nur ist es so eine Sache mit Aktien. Wer zum falschen Zeitpunkt einsteigt, reduziert seine eigenen Renditeaussichten. Ein extremer Zeitpunkt in dieser Hinsicht war das Jahr 1999. Wer damals investiert hatte, sass wegen der Baisse kurz danach ­sowie der Finanzkrise ab 2007 über zehn Jahre auf einem Verlust.

Wer aber auf lange Sicht finanziellen Erfolg haben will, der muss sich auch an der langen Sicht orientieren. Darum führt an Aktien für den persönlichen Vermögensaufbau kein Weg vorbei. Je eher junge Sparer in Aktien investieren, desto besser.

Privatpersonen sollten sich bei der Vermögensaufteilung von einer Gesamtsicht leiten lassen, die auch die eigenen Pensionskassenvermögen einschliesst. Im Schnitt halten die Pensionskassen derzeit rund 30% der Vermögen in Aktien. Das ist für jüngere Menschen viel zu wenig. Sie sollten deshalb für ihre eigene Vorsorge möglichst viel in Aktien investieren, um die geringere Allokation der Pensionskasse auszugleichen. Wenn sie dann auch noch regelmässig zukaufen, müssen sie sich auch nicht um den richtigen Zeitpunkt der Investition kümmern.

Diversifikation richtig angegangen heisst also vor allem Aktien kaufen.

Quelle: Finanz und Wirtschaft
22.02.2017

Merken

17.2.2017

Bei groben Fehlentscheiden haften Stiftungsräte

Das Bundesgericht hat entschieden, dass der Stiftungsrat der Sammelstiftung Provitas für die Folgen von verfehlten Anlageentscheiden haften soll. Dabei spielt auch der Fall Behring eine Rolle. …mehr

Stiftungsrat einer Pensionskasse zu sein, kann bei Fehlentscheiden teuer werden. Dies zeigt ein jüngst veröffentlichter Entscheid des Lausanner Bundesgerichts. Dieser sieht vor, dass der Stiftungsrat der Sammelstiftung Provitas für die Folgen von Anlageentscheiden zur Zeit des Platzens der Internetblase haften soll. Dabei waren auch Anlagen bei dem Basler Financier Dieter Behring im Spiel, dessen Geschäft 2004 kollabierte und einen Verlust von 800 Mio. Fr. sowie rund 2000 Geschädigte zurückliess. Das Bundesgericht heisst in seinem Urteil eine Beschwerde des Sicherheitsfonds BVG gegen einen Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich teilweise gut und erteilt Letzterem einen Rüffel.

«Trader» sollte es richten

Worum geht es bei dem Fall Provitas? Wie die Advokatin Franziska Bur Bürgin von der Kanzlei Ludwig + Partner in einem Blog-Eintrag ausführt, hat die 1994 gegründete Sammelstiftung mit einer garantierten Verzinsung der Altersguthaben von 5% bei dreijährigen Verträgen geworben. Mit dem Platzen der Internetblase brach der Deckungsgrad der Provitas jedoch ein, Ende September 2001 betrug er noch 81,55%. Wie das Bundesgericht in dem Entscheid ausführt, entschloss sich der Stiftungsrat daraufhin zu einer Sanierung.

Bei diesem Versuch wurden die Aktienanlagen an einen «Trader» – laut Bur Bürgin dürfte es sich dabei um Behring handeln – übergeben, der eine jährliche Rendite von 15% erreichen sollte. Allerdings fiel der Deckungsgrad der Provitas bis Juni 2002 auf 71%, und im April 2003 ordnete das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) die Aufhebung der Sammelstiftung an. Der Sicherheitsfonds BVG schoss anschliessend im Zeitraum November 2003 bis August 2004 rund 49,4 Mio. Fr. ein, um gesetzliche Leistungen sicherzustellen. Der Sicherheitsfonds erhob dann 2012 eine Klage unter anderem gegen die Stiftungsräte beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich und forderte die Erstattung des Schadens von rund 8,4 Mio. Fr. zuzüglich Zinsen.

Wie Bur Bürgin schreibt, lautete der Vorwurf des Sicherheitsfonds, die Anlagestrategie der Provitas sei wegen fehlender Wertschwankungsreserven von Anfang an zu riskant gewesen und mit der Einsetzung des «Traders» noch riskanter gemacht worden. Damit sei der im Berufliche-Vorsorge-Gesetz ausgeführte Grundsatz der Sicherheit (Art. 71 BVG) verletzt worden. Das Sozialversicherungsgericht wies die Klage des Sicherheitsfonds BVG aber im September 2015 ab. Daraufhin erhob dieser Beschwerde beim Bundesgericht.

Dessen Urteil fiel Ende Dezember 2016. Darin übt das Bundesgericht deutliche Kritik an dem Entscheid des Sozialversicherungsgerichts. Das Neue an dem Entscheid sei, dass das Bundesgericht die Bedeutung der Risikofähigkeit einer Vorsorgeeinrichtung im Zusammenhang mit der Zulässigkeit von Anlageentscheiden stark betone, sagt Laurence Uttinger, Partnerin bei der Anwaltskanzlei Niederer Kraft & Frey. In dem Entscheid wird Risikofähigkeit als die Fähigkeit bezeichnet, «erfahrungsgemäss zu erwartende marktbedingte Schwankungen des Gesamtvermögens auszugleichen und über genügend liquide bzw. liquidierbare Mittel zu verfügen, um laufende und künftige Verpflichtungen (z. B. Rentenzahlungen, Freizügigkeitsleistungen) erfüllen zu können».

Das Bundesgericht halte in dem Entscheid fest, das Sozialversicherungsgericht habe den Begriff der Risikofähigkeit nicht richtig verstanden, schreibt Bur Bürgin. Zudem habe es nicht verstanden, die Schwankungsreserven als wesentliches Element der Risikofähigkeit in Relation zum Aktienengagement zu setzen. So habe es nicht der Gesamtsituation Rechnung getragen. Sie zitiert aus dem Bundesgerichtsurteil, wonach im Jahr 2000 der Provitas-Stiftungsrat die Aktienquote auf 33,9% erhöht habe, so dass Ende 2000 Aktienanlagen von rund einem Drittel des Gesamtvermögens lediglich noch Wertschwankungsreserven in Höhe von 2,6% gegenübergestanden seien. Dies bezeichnet das Bundesgericht als «klar unzureichend».

Was die von dem «Trader» angestrebte Rendite von 15% angeht, hebt Bur Bürgin die Klarstellung des Bundesgerichts hervor, wonach es bei einem Anlageentscheid nicht massgeblich sei, ob die versprochene Rendite erreichbar scheine, sondern einzig, ob das Engagement der Risikofähigkeit einer Vorsorgeeinrichtung entspreche oder nicht. Laut dem Bundesgericht habe der Stiftungsrat die Führungspflicht und damit seine Sorgfaltspflicht verletzt.

Uttinger weist zudem darauf hin, dass manche Stiftungsräte vor allem auf die Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV2) schauten und sich ausschliesslich an den dort ausgewiesenen Grenzwerten für Anlagen orientierten. Das Bundesgericht erinnere jedoch zu Recht daran, dass die Grundsätze in Artikel 71 BVG – wie beispielsweise derjenige der Sicherheit – den Anlagegrenzwerten der Verordnung übergeordnet und deshalb unabhängig davon einzuhalten seien.

Welche Folgen dürfte der Entscheid des Bundesgerichts haben? Laut Roger Baumann von der St. Galler Beratungsgesellschaft «c-alm» zeigt er, welch grosse Verantwortung Stiftungsräte einer Pensionskasse haben. Heute müsse man als Stiftungsrat umsichtig vorgehen, sonst hafte man selber für Anlageentscheide, die für die Pensionskasse getroffen würden. Das Bundesgericht zeige den Stiftungsräten, dass sie bei Versuchen, einen niedrigen Deckungsgrad durch riskante Anlage-Manöver zu verbessern («gambling for resurrection»), haftbar gemacht werden könnten. Tatsächlich hätte der Stiftungsrat bei dem genannten Fall ganz klar sehen müssen, dass das Engagement bei dem «Trader» mit hohen Risiken verbunden gewesen sei. Da der Gesetzgeber mit Regulierungen wie der BVG-Strukturreform die Verantwortung des Stiftungsrats noch vergrössert habe, sei es gut möglich, dass ähnliche Fälle in den Fokus rückten – beispielsweise aus der Zeit der Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2009.

«Fronarbeit» Stiftungsrat

Uttinger glaubt indessen nicht, dass der Entscheid des Bundesgerichts in der Praxis riesige Auswirkungen haben wird. Viel mehr ähnliche Fälle dürfte es aus ihrer Sicht in Zukunft wohl nicht geben, denn der Sicherheitsfonds BVG habe auch in der Vergangenheit schon bei notleidenden Stiftungen, bei denen er habe einspringen müssen, Klagen geprüft. Fälle wie Provitas, bei denen der Stiftungsrat trotz Vorliegen einer Unterdeckung das Aktienengagement erhöhe und entscheide, einem zweifelhaften «Trader» freie Hand über rund einen Viertel des Vermögens zu geben, seien glücklicherweise selten. Wenn sich Stiftungsräte an die Vorgabe des sorgfältigen Wirtschaftens hielten, sei es unwahrscheinlich, dass ihnen Haftungsfolgen drohten.

Es werde mit solchen Haftungsfällen unattraktiver, ein Amt als Stiftungsrat einer Vorsorgeeinrichtung zu übernehmen, sagt Baumann. Schliesslich handle es sich in der Regel um eine «Fronarbeit». Zudem erhielten Stiftungsräte von ihrem Arbeitgeber oft immer noch nicht die nötigen Möglichkeiten und die Zeit, sich in die Materie einzuarbeiten und sich auszubilden. Baumann fordert, Stiftungsräte von Pensionskassen müssten eine der Verantwortung angemessene Entschädigung erhalten – wie ein Verwaltungsrat in einem Unternehmen.

Quelle: NZZ
17.02.2017

15.2.2017

Bankiers warnen die Pensionskassen

Die Performance ist durch vorweggenommene Erträge aufgebläht. Der Bankenverband will eine Lockerung der Regeln und empfiehlt Umschichtungen. …mehr

Der Schweizer Bankenverband fordert die Pensionskassen auf, das kumuliert 800 Mrd. Fr. grosse Treuhandvermögen rascher als bisher auf renditeträchtigere Anlagesemente umzulagern. Verbandspräsident Herbert Scheidt warnte an einer Medienveranstaltung, die künftige Rendite der Pensionsvermögen werde ohne Gegensteuer nicht mehr genügen, die Garantieleistungen der Kassen zu decken: «Die Konzentration auf kotierte Obligationen und Aktien wird sich nicht mehr bewähren.»

Die zuletzt üppigen Performancezahlen der Vorsorgeeinrichtungen «basieren wesentlich auf vorweggenommenen Erträgen», kritisierte Scheidt, der auch Präsident der Vontobel-Gruppe ist. Die Niedrigzinslage habe die Anleihekurse aufgewertet, doch bis Fälligkeit der Schuldpapiere würden solche Buchgewinne wieder wegfallen. Scheidt propagiert, Pensionskassen sollten in grösserem Stil illiquide Investments wie Private Equity, Private Debt und Infrastruktur nutzen.

Vorwurf der Zögerlichkeit

Seiner Ansicht nach schichten die Pensionskassenchefs zu zögerlich zu ertragskräftigeren Investments um. Iwan Deplazes, Fachleiter Asset Management der Bankiervereinigung, erinnerte an der Veranstaltung daran, dass die Vorsorgeeinrichtungen das Gewicht der Zinsanlagen in ihren Portefeuilles trotz stetig geringerer Zinsperspektiven erst wenig vermindert haben, von durchschnittlich 36,7% im Jahr 2010 auf 33,3% im 2015.

Bankierspräsident Scheidt macht im Anlageregulativ der beruflichen Vorsorge eine bremsende Wirkung aus. Die Statik im Anlagevorgehen der Pensionskassen erinnere ihn an Vorgaben der einst in kommunistischen Regimes gebräuchlichen Fünfjahrespläne. Eine Lockerung sei nötig, um «eine Änderung des Anlageverhaltens» herbeizuführen.

Nach geltendem Regulativ dürfen Pensionskassen die Hälfte des Vermögens in Aktien halten. Das Gewicht von Immobilienanlagen ist auf 30% des Vermögens begrenzt. Alternativanlagen dürfen höchstens einen Anteil von 15% erreichen; dazu zählen u.a. Hedge Funds, Rohstoffinvestments sowie illiquide Unternehmensbeteiligungen (Private Equity) und Darlehensportfolios (Private Debt).

«Illiquidität ist nichts Böses»

Gemäss Deplazes sollten höhere Aktien- und Immobilienquoten erlaubt werden: «Die Pensionskassen sind durchaus fähig, im Sinne des umsichtigen Anlegers bzw. des Prudent Investors eigenverantwortlicher als heute zu agieren.» Die Bankiervereinigung empfiehlt, Aktienanlagen bis 75% des Vermögens zuzulassen, Realwertinvestments in Immobilien und Infrastruktur bis 50%.

In das jeweilige Maximum würden auch illiquide oder nur sporadisch handelbare Umsetzungsformen eingerechnet. Private Equity und die Beteiligung an privatwirtschaftlicher Infrastruktur beispielsweise sollten dabei je 15% des Vorsorgevermögens ausmachen dürfen.

Privatmarktliche Anlagen in Aktien (Private Equity) und Firmenfinanzierungen (Private Debt) binden die Investoren über zumeist zehn Jahre. Im Gegenzug würde ihnen jedoch eine Illiquiditätsprämie von jährlich bis zu 4 Prozentpunkten geboten, betonte Deplazes: «Illiquidität ist an sich nichts Böses oder Schlechtes.» Er wies darauf, dass Neuanlagen in börsengehandelte Obligationen kaum mehr rentieren. Hochprozentige Anleihen früherer Jahre würden bis Fälligkeit die aktuelle Aufwertung wieder einbüssen.

Resultat nach Kosten zählt

Jede der schweizweit knapp 2000 Pensionskassen muss für sich selbst entscheiden, welcher Anteil des Vermögens langfristig gebunden werden kann. Im Vorteil sind in dieser Hinsicht Vorsorgeeinrichtungen expandierender Arbeitgeber sowie Kassen, deren fixe Verpflichtungen an Rentenbeziehende erst einen geringen Teil des Gesamtvermögens blockieren.

Die Bankiervereinigung verfolgt mit der Propagierung privatmarktlicher Investments ein Stück weit eigene Interessen. Die hiesige Finanzbranche will im Asset Management an Statur gewinnen. Private Equity, Private Debt und weitere Alternativanlagen erlauben den Anbietern, happige Gebühren zu verrechnen.

Bankierspräsident Scheidt entgegnete am Informationsanlass auf diesen Einwand, die Investoren sollten die Vermögensverwaltungskosten mit dem Renditepotenzial vergleichen und auf das Nettoanlageresultat fokussieren. Pensionskassen-Manager sind somit gut beraten, die Leistung der Finanzproduktanbieter regelmässig zu vergleichen und Ungenügende auszumerzen.

Quelle: Finanz und Wirtschaft
15.02.2017

13.2.2017

Alternativanlagen haben es schwer

Das Publikum bekommt mit kotierten Hedge Funds und Privatmarktfonds einen Zugang zu den Investments der Grossen. Warum das Interesse dennoch begrenzt ist. …mehr


Alternativanlagen bilden als privatmarktliche, aber illiquide Investments einen Gegenpol zu den jederzeit handelbaren Dividenden- und Zinspapieren. Börsennotierte Alternativanlagen wie Castle Alternative Invest oder Private Equity Holding werben damit, eine Brücke zwischen den Polen zu schlagen. Sie machen sonst allein den Grossanlegern vorbehaltene Investmentsegmente – besonders Hedge Funds bzw. Private Equity – dem privaten Anleger zugänglich. Realität ist jedoch, dass über ihre Aktien die illiquiden Investmentinhalte dem täglichen Börsenhandel ausgesetzt sind. Das geht nicht ohne Probleme.

Hedge Funds und Private Equity werden im internationalen Anlagegeschäft reihum als Diversifikation eines Gesamtvermögens empfohlen. Als Vorzug wird hervorgehoben, ihr Wert würde sich dekorreliert bzw. teilweise isoliert vom Auf und Ab der Aktien- und Anleihemärkte entwickeln. Dem stehen jedoch eine lange Kapitalbindung und hohe Verwaltungsgebühren gegenüber. Kritik bleibt deshalb nicht aus.

Für Vergleich mehr Fairness

Die Marktzahlen sind imposant. Der Datenanbieter Preqin registriert mehr als 23 000 Hedge Funds. Gemeint sind damit hochaktiv handelnde Akteure, denen die Nutzung verschiedenster Anlageinstrumente zugestanden werden muss. Beinahe ebenso zahlreich sind Private-Equity-Fonds, die als Sammelvermögen für die Finanzierung von Firmengründungen und Übernahmen agieren.

Im kumulierten Vermögen der Schweizer Pensionskassen machen gemäss Credit Suisse die Hedge Funds 3% und Private Equity 1% aus. Diese Anlageorientierung wird oft mit derjenigen von US-Pensionsfonds verglichen. Die kalifornische Beamtenkasse Calpers zum Beispiel hält keine Hedge Funds, dotiert aber 9% des Vermögens für Private Equity. Bei solchen Vergleichen wird jedoch oft ausser Acht gelassen, dass schweizerische Vorsorgeeinrichtungen im Sinne einer Alternativanlage rund ein Viertel des Vermögens in Immobilien halten; Calpers etwa aber nur 10%.

Begüterte Private risikoavers

Familienvermögen verhalten sich nicht wesentlich anders. In einer vom Beratungsunternehmen Complementa 2015 mitgetragenen Studie charakterisierten sich mehr als neun von zehn Family Offices als «nicht risikofreudig». Nur wenige gaben an, Hedge Funds zu nutzen. Verbreitet ist aber die Bereitschaft zu illiquiden Aktieninvestments. Langjährig ausgelegte Private-Equity-Anlagen bezeichnen drei Viertel der Family Offices als wichtig.

Die an der Schweizer Börse kotierten Alternativvermögen sind allerdings in Anzahl und Volumen rückläufig. Nachteilig ist, das ihre Aktien oft lediglich sporadisch und zudem meist deutlich unter dem Portfoliowert gehandelt werden.

Vom Discountjäger Alpine Select geschluckt wurde schon Absolute Invest. Gleich geht es jetzt der von Banque Syz lancierten Altin. Acorn und Creinvest sind vor Jahren schon vom Markt genommen worden. Um Aufmerksamkeit kämpfen weiterhin Castle Alternative Invest, die deshalb zum Rückkauf eigener Aktien greift, und Private Equity Holding. Sie lockt mit substanziellen Dividenden.

Ungleiche Alternative

Die Entwicklung der kotierten Schweizer Alternativ-Geldverwalter Partners Group und LumX (vormals Gottex) könnte nicht unterschiedlicher sein. Die Zuger Partners Group hat jährlich 17% mehr Kundengeld für Unternehmensbeteiligungen (Private Equity), Firmendarlehen (Private Debt) und Infrastrukturanlagen einzusetzen. Die Vermögenssumme hat sich binnen vier Jahre auf 54 Mrd. € verdoppelt.

Das Westschweizer Hedge-Funds-Unternehmen LumX hingegen musste zeitweise  massiven Abfluss von Kundengeld wegstecken. Die Einnahmen aus den nur mehr gut 6 Mrd. Fr. betreuter Vermögen decken die Kosten nicht. Die Gesellschaft erlitt in den Jahren 2012 bis 2015 Verluste.

Partners Group ist an der Börse beinahe 14 Mrd. Fr. wert. Die drei Gründeraktionäre halten noch je 10% des Kapitals. Präsidiert wird das 1996 gegründete Unternehmen seit 2014 vom ehemaligen UBS-Chef Peter Wuffli. Die 1992 vom Finanzakteur Joachim Gottschalk gegründete LumX hingegen ist auf einen Börsenwert von 32 Mio. Fr. zurückgefallen, obschon das Kapital 2016 mit zwei Transaktionen erhöht wurde. Grossaktionäre sind die Familien von Präsident Arpad Busson und von Joachim Gottschalk sowie Anlagefonds der Finanzgesellschaften Quaero und Artemis.

Busson ist in gesellschaftlichen Kreisen eine schillernde Persönlichkeit. Er ist treibende Kraft und Unterstützer des Kinderhilfswerks ARK Absolute Return for Kids. Gesprächsstoff liefern seine frühere Ehe mit Model Elle Macpherson und seine Beziehung mit der Schauspielerin Uma Thurman.

Mit dem Namenswechsel von Gottex zu LumX werden Risikomanagementdienste in den Vordergrund gestellt. Gemäss Unternehmensangaben werden Investorenrisiken transparent dargestellt und ausgeleuchtet («Illuminating Risk»). Weitere Aktivitäten bestehen darin, für grosse Investoren Hedge-Funds-ähnliche Anlageleistungen zu erbringen. Die Perspektiven von LumX lassen sich nicht verlässlich beurteilen, weshalb von Engagements abzuraten ist.

Partners Group indessen reitet auf der Erfolgswelle. Die Niedrigzinslage bewegt Staats- und Pensionsfonds, weitere Teile ihrer Vermögen in Privatmarktanlagen umzuschichten. Hier sind die Gelder während zehn oder mehr Jahren gebunden. Für Partners Group hat dies den Vorteil, dass die darauf verrechneten Kommissionen ebenfalls langjährig gesichert sind. Für deren Aktionäre bedeutet es, dass das Gewinn- und Dividendenpotenzial noch längst nicht erschöpft ist.

Quelle: Finanz und Wirtschaft
13.02.2017

Merken

Merken

Merken

Merken

31.1.2017

Beschönigen die Pensionskassen ihre finanzielle Situation?

Viele Schweizer Pensionskassen reagieren zurzeit auf die ultraniedrigen Zinsen mit Rentenkürzungen. Die Kassen wiesen zu hohe Deckungsgrade aus, kritisieren manche Beobachter. …mehr

Wären die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen Flugzeuge, so würden einige von ihnen viel niedriger fliegen, als ihr Höhenmesser anzeigt. Mit dieser Metapher hat Pascal Renaud, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Kammer der Pensionskassen-Experten, an den Informationstagen zur beruflichen Vorsorge auf die bedenkliche Entwicklung in der beruflichen Vorsorge aufmerksam gemacht. Die Kassen wiesen zu hohe Deckungsgrade und damit eine vermeintlich zu gute finanzielle Situation aus und riskierten damit Fehlentscheidungen, sagte Renaud an der jährlichen Veranstaltung der BVG- und Stiftungsaufsicht des Kantons Zürich (BVS). Der Deckungsgrad errechnet sich aus dem Verhältnis zwischen dem verfügbaren Vermögen und den Vorsorgeverpflichtungen einer Pensionskasse. Gemäss der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) betrug der durchschnittliche Deckungsgrad von Schweizer Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie 2015 105,1%, bei Pensionskassen mit Staatsgarantie lag er bei 76,1%.

Lücken bei den Renditen

Laut Renaud ist derzeit eine jährliche Anlagerendite von 5% nötig, um den BVG-Umwandlungssatz von 6,8% für die Altersrentner zu finanzieren. Selbst wenn die Rentenreform verabschiedet würde und der BVG-Mindestumwandlungssatz von 6,8% auf 6% sänke, würden die Vorsorgeeinrichtungen noch eine jährliche Anlagerendite von 4% brauchen, um die Neurenten zu finanzieren. Gegenüber der erwarteten Rendite einer durchschnittlichen Anlagestrategie einer Kasse fehlten derzeit Jahr für Jahr bei der Rendite 2 Prozentpunkte, und die aktiven Versicherten müssten zur Finanzierung dieser Lücken eine tiefere Verzinsung ihrer Altersguthaben in Kauf nehmen.

Der Umwandlungssatz ist der Prozentsatz des in der Pensionskasse angesparten Vermögens, der einem Versicherten nach der Pensionierung jährlich ausbezahlt wird. Die ultraniedrigen bis negativen Zinsen zwingen die Vorsorgeeinrichtungen zu massiven Senkungen der technischen Zinssätze. Die Pensionskassen hätten diese nicht stark und nicht schnell genug gesenkt, sagte Renaud, der auch Partner des Pensionskassenexperten-Büros Toptima ist.

Verpflichtungen unterbewertet?

Bei der Berechnung des Deckungsgrads ist der technische Zinssatz sehr wichtig. Mit diesem Satz diskontiert eine Pensionskasse die zukünftigen reglementarischen Leistungen. Verwendet sie einen zu hohen technischen Zinssatz, weist sie zu tiefe Verpflichtungen und einen zu hohen Deckungsgrad aus. So seien die Rentenverpflichtungen vieler Vorsorgeeinrichtungen unterbewertet, sagte Renaud. Er empfiehlt, den technischen Zinssatz prinzipienbasiert anhand einer Zinsstrukturkurve entsprechend den Verpflichtungen festzulegen, anstatt ihn jedes Jahr durch den Stiftungsrat zu beschliessen. Das Ausweisen eines zu hohen Deckungsgrades sei problematisch, denn dies könne beispielsweise dazu führen, dass die Verantwortlichen von Vorsorgeeinrichtungen die Lage ihrer Kasse zu rosig einschätzten, sagte Renaud. Folgen davon könnten Investitionen in zu riskante Anlagen oder zu grosszügige Leistungen für aktive Versicherte und Rentner sein.

«Eingeschlagener Weg stimmt»

Laut Beobachtern fühlen sich derzeit die Stiftungsräte in einigen Pensionskassen zum Handeln gezwungen und senken die technischen Zinsen deutlich. Für grosses Aufsehen haben in diesem Zusammenhang die BVK und die Pensionskasse der Credit Suisse gesorgt, die die Leistungen ihrer Versicherten deutlich gekürzt haben. Laut Roger Tischhauser, Direktor der BVS, haben viele Vorsorgeeinrichtungen aus dem Kanton Zürich die Umwandlungssätze und technischen Zinsen reduziert, um künftige Pensionierungsverluste und die Verteilung der Lasten auf die aktiven Versicherten zu reduzieren. Er betont, der von den Pensionskassen im Kanton Zürich eingeschlagene Weg stimme, es brauche aber weitere mutige Entscheidungen. Ob die Anpassungen ausreichen, müsse für jede einzelne Kasse beurteilt werden. Falls notwendig, greife die BVS ein, der Risikodialog zwischen Vorsorgeeinrichtung und Aufsicht sei jedoch in den meisten Fällen zielführend. Aus Sicht von Tischhauser haben die Pensionskassen auch ihre Wertschwankungsreserven so weit gestärkt, dass sie auf Verwerfungen am Kapitalmarkt reagieren könnten. Die BVG- und Stiftungsaufsicht Zürich kontrolliert nach eigenen Angaben 820 Vorsorgeeinrichtungen mit verwalteten Vermögen von rund 300 Mrd. Fr.

Sammelstiftungen im Fokus

Eine Herausforderung sieht Tischhauser unterdessen in der Entwicklung zu mehr rentnerlastigen Vorsorgeeinrichtungen oder sogar reinen Rentnerkassen. Der Anteil der Rentner am Gesamtvorsorgevermögen steige stetig, auf weniger Aktive kämen immer mehr Rentner. Dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Da die Möglichkeit einer strukturellen Sanierung dieser Vorsorgeeinrichtungen eingeschränkt sei, müsse eine ausreichende Finanzierung sichergestellt sein. Die Arbeitgeber seien in der Pflicht. Die BVS überwache dies und greife bei Fehlentwicklungen ein.

Als weiteren Schwerpunkt der Aufsichtstätigkeit nennt Tischhauser die Überwachung der Sammelstiftungen. Solchen Einrichtungen schliessen sich oft Firmen an, die zu klein sind, um eine eigene Pensionskasse zu betreiben. Im Aufsichtsgebiet der BVS sind über 70% der Versicherten Sammelstiftungen angeschlossen. Im Markt der Sammeleinrichtungen herrsche ein harter Wettbewerb, einige dieser Einrichtungen seien deshalb zurückhaltend mit der Senkung von Umwandlungssätzen und technischen Zinsen, sagt Tischhauser. Es sei wichtig, dass die Sammelstiftungen risikoorientiert geführt und beaufsichtigt würden, sonst könnten sie sich zu einem Systemrisiko entwickeln.

Quelle: NZZ
31.01.2017

20.1.2017

Pensionskassen springen auf den Ökozug auf

Nicht nur Private, auch Unternehmen und Pensionskassen setzen vermehrt auf nachhaltige Finanzanlagen, die ökologische, soziale und ethische Grundregeln befolgen. Sie tun es nicht wegen des Gewissens.

…mehr

Nachhaltiges Investieren erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Das hört man zwar schon seit langer Zeit. Doch in den letzten Jahren scheint sich der Trend zu ­beschleunigen. Grüne Fonds, wie sie vor allem von Privatanlegern gekauft werden, verzeichnen zwar nur leichte Zuwächse.

Doch ein markanter Sprung um 166 Prozent ist bei den Mandaten zu beobachten, die von institutionellen Anlegern ihren Vermögensverwaltern vergeben werden.

Das geht so: Eine Pensionskasse erteilt der Bank X zum Beispiel den Auftrag, eine halbe Milliarde Dollar in US-Aktien zu investieren. Wobei die Bank X nur solche US-Aktien auswählen darf, die als nachhaltig gelten. Und nachhaltig ist ein Unternehmen dann, wenn es ökologische, soziale und ethische Prinzipien einhält. In der Fachwelt hat sich für dieses Verhalten das Kürzel ESG durchgesetzt: Environmental, Social, Governance.

Gewissen oder Rendite?

Warum haben Grossinvestoren wie Pensionskassen oder Unternehmen plötzlich nachhaltige Anlagen entdeckt? Tun sie das, um das Gewissen zu beruhigen, oder tun sie es, weil sie sich mit nachhaltigen Anlagen eine höhere Rendite erhoffen? «Privatanleger tun es mehrheitlich wegen des Gewissens.

Institutionelle Anleger vor allem auch wegen der Rendite», sagt Sabine Döbeli, Geschäftsleiterin von Swiss Sustainable Finance. Denn mehr und mehr scheint sich die Einsicht durchzusetzen, dass Unternehmen, welche gegen ökologische, soziale und ethische Regeln verstossen, langfristig Probleme bekommen werden.

Kohle? Nein, danke

Beispiel Publica: Die Pensionskasse des Bundes hat vor zwei Jahren alle Aktien von Kohleproduzenten aus dem Portefeuille genommen. Nicht wegen des ­Gewissens, sondern «aufgrund der potenziellen wirtschaftlichen ­Risiken», erklärt Publica-Direktor Dieter Stohler.

Zu diesem Ausschluss sei man gekommen, nachdem man die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vermögensanlagen vertieft untersucht gehabt habe. «Wir gehen nicht davon aus, dass der Ansatz von Publica automatisch zu einer besseren Performance führt.

Hingegen vermuten wir, dass umsichtig und gut geführte Unternehmen längerfristig weniger ­finanzielle Risiken haben als solche, die immer wieder im Konflikt mit Gesetz und internationalen Normen sind», so Stohler.

Und auf die Frage, weshalb sich die Pensionskasse der Post auf verschiedenen Ebenen für nachhaltige Anlagen starkmacht, erklärt Geschäftsführerin Françoise Bruderer: «Wegen der sozialen Verantwortung und der Überzeugung, dass nachhaltige Anlagen längerfristig mindestens so gut rentieren wie andere.»

Nachhaltige Anlagen in der Schweiz

Was heisst nachhaltig?

Doch was nachhaltig ist und was nicht, ist keine exakte Wissenschaft. So gibt es die unterschiedlichsten Anlagestrategien dazu, der Nachhaltigkeit gerecht zu werden. Man kann gewisse Branchen ausschliessen, die per Definition mit nachhaltigen Werten im Widerspruch stehen.

Rüstungs- und Tabakindustrie sind solche Industriezweige. Bekannt ist auch der Best-in-Class-Ansatz, wie er häufig bei grünen Fonds für Privatanleger zur Anwendung kommt.

Hier sucht man jene Aktiengesellschaften heraus, die innerhalb ihrer Branche am meisten für den Umweltschutz tun. Das führt dazu, dass auch klassische Umweltverschmutzer in ein Anlageportefeuille geraten. Für Sabine Döbeli ist das insofern gerechtfertigt, als sich umweltschonende Massnahmen in verschmutzenden Branchen besonders stark auswirken.

Lange Jahre galt BP innerhalb der Ölindustrie als Vorzeigeunternehmen, weshalb BP-Aktien in gewissen grünen Fonds zu finden waren. Bis dann im April 2010 die Bohrplattform Deep­water Horizon in Brand geriet und im Golf von Mexiko die grösste Ölpest der Geschichte verursachte.

Anlageberater sind nicht grün

Gemäss einer Umfrage von GFS im Jahr 2014 sprachen sich 72 Prozent der befragten Schweizer dafür aus, dass bei der Verwaltung ihrer Pensionskassengelder nachhaltige Kriterien berücksichtigt werden. Und gemäss einem «World Wealth Report» aus dem Jahr 2015 geht hervor, dass 92 Prozent von vermögenden Privatkunden mit ihrem Vermögen auch positive Wirkungen erzielen möchten.

Interessant ist jedoch der Befund von Schroders. Der international tätige Ver­mögensverwalter mit Hauptsitz London will herausgefunden haben, dass Anlageberater weniger Gewicht auf nachhaltige Aspekte legen als Anleger.

Womöglich zweifeln sie daran, dass nachhaltige Anlagen punkto Rendite mindestens so gut abschneiden wie konventionelle. Denn es gehört zu den unan­genehmeren Pflichten eines Anlageberaters, dem Kunden ge­genüber unterdurchschnittliche Renditen zu rechtfertigen. Womit sich die Frage aufdrängt: ­Rentieren nachhaltige Anlagen schlechter als herkömmliche?

Je nachdem, mit welchem Börsenindex der Vergleich herangezogen wird, rentierten Aktien mit einem ESG-Ansatz besser oder auch schlechter. Doch Sabine Döbeli ist überzeugt: «Mit nachhaltigen Anlagen erzielt man eine marktgerechte Performance.»

Tabak? Nein, danke

Die Deutsche Asset Management und die Universität Hamburg wollen mit einer Studie belegt ­haben, dass sich nachhaltiges ­Investieren finanziell lohnt. Andere Untersuchungen kommen zu einem anderen Schluss. Und dann gibt es das Beispiel von Calpers, der Pensionskasse für die Angestellten des US-Staats Kalifornien. Im Jahr 2000 hat sie sämtliche Tabakfirmen aus dem Portefeuille verbannt.

Gemäss einer Studie sollen dadurch Calpers zwischen 2001 und 2014 gut 3 Milliarden Dollar entgangen sein. Trotzdem hat Calpers gemäss Medienberichten diesen Entscheid sogar noch bestärkt und beschlossen, auch für extern verwaltete Vermögen Tabakfirmen auszuschliessen. Die Begründung: erwartete langfristige finanzielle Risiken wegen drohender Klagen.

Zum Schluss noch dies: Von wem stammt der folgende Satz? «Eine Erwärmung unseres Planeten durch Treibhausemissionen führt zu substanziellen Risiken für die globale Wirtschaft und wird umfangreiche Auswirkungen auf praktisch alle Sektoren haben.» Nun, es war nicht Marco Lambertini, der Generaldirektor vom WWF. Auch nicht Nicholas Stern, Autor des «Stern-Reports».

Es war der Multimilliardär Michael Bloomberg, Gründer der Finanzdatenagentur Bloomberg LG und ehemalige Bürgermeister von New York. Bloomberg war es auch, der Donald Trump wiederholt kritisierte – auch wegen dessen Äusserungen zur Klimaveränderung.

Quelle: Berner Zeitung
20.01.2017

Merken

Merken

Merken

Merken

19.1.2017

Gegen starre Anlagevorschriften – Der sichere Tod der zweiten Säule

Sicherheitsdenken wird in der zweiten Säule oft mit Investitionen in solide Inlandobligationen gleichgesetzt. Das Risiko, wegen eines plötzlichen Zinsanstiegs Kapitalverluste zu erleiden, ist gross.

…mehr

Die heutige Regulierung erlaubt es den Pensionskassen, ihr ganzes Vermögen in Obligationen zu halten, die derzeit aber keine oder gar negative Renditen abwerfen. Der dritte Beitragszahler, der Zins, fällt damit gänzlich aus, und das Kapitaldeckungsverfahren droht seine Existenzberechtigung zu verlieren. Denn im Vergleich mit dem Umlageverfahren ist die zweite Säule volkswirtschaftlich nur sinnvoll, wenn der akkumulierte Kapitalstock eine Rendite abwirft. Um die Sollrenditen von 2% bis 3% zu erreichen, braucht es deshalb andere anlagestrategische Grundsätze und Leitlinien.

Langfristig investieren

Angenommen, eine Pensionskasse mit einem verfügbaren und (bei einem technischen Zins von 2%) notwendigen Vermögen von 100 Mio. Fr. investiere 60 Mio. Fr. in Schweizer Aktien, 38 Mio. Fr. in inländische Immobilien und halte den Rest als Liquiditätsreserve. Bei einem Deckungsgrad von 100%, also fehlenden Wertschwankungsreserven, würden Pensionskassenexperten und Aufsichtsbehörden von einer unverantwortlich aggressiven Anlagestrategie sprechen – auch weil die Limiten für Aktien (50%) und Immobilien (30%) verletzt sind.

Mit Blick auf zufliessende Cashflows ergibt sich jedoch ein fundamental anderes Bild: Bei der gegenwärtigen Dividendenrendite des Swiss-Performance-Indexes von 3,4% (abzüglich 0,2% Gebühren) und Nettorenditen der Immobilien von 2,8% liefert das Portefeuille einen Zahlungsstrom von fast 3 Mio. Fr. bzw. bezogen auf das notwendige Vermögen 3%. Der Erfüllungsgrad der Sollrendite liegt daher über 100%. Der Cashflow erlaubt es der Pensionskasse sogar, die Aktiven wie die Rentner mit einer zusätzlichen Verzinsung über die 2% hinaus zu beglücken.

Was passiert bei einem Crash?

Bei einem Kursrückgang an den Aktien- und Immobilienmärkten von 50% würde sich das vorhandene Vermögen annähernd halbieren. Der gängige Deckungsgrad läge demzufolge bei katastrophalen 51%, was im heutigen regulatorischen Umfeld hektische Sanierungsbemühungen auslösen und möglicherweise zu einem panikartigen Abbau der Aktien- und Immobilienquote führen würde. Selbst wenn der Kurssturz mit einer markanten Abnahme der grundsätzlich viel weniger volatilen Cashflows um 30% verbunden wäre (in der Dotcom-Krise brachen die Dividenden bloss um einen Zehntel ein), läge die Dividendenrendite bei 4,8% (netto 4,6%) und die Nettorendite der Immobilien bei 3,9%. Der Zahlungsstrom würde mit 2,1 Mio. Fr. oder 2,1% auf dem notwendigen Vermögen noch immer einen Sollrendite-Erfüllungsgrad von über 100% indizieren. All jene Pensionskassen, die beim Crash über Obligationenbestände verfügen, müssten sich ernsthaft überlegen, dieselben in die bezüglich Cashflow nunmehr noch attraktiveren Aktien und Immobilien zu tauschen – dies umso mehr, als sich Kursstürze meist als vorübergehend erwiesen haben.

Für die Finanzierung der Altersvorsorge sind weniger kurz- und mittelfristige Schwankungen an den Finanzmärkten entscheidend als vielmehr die Nachhaltigkeit der Cashflows. Problematisch sind Einbrüche bei den Zahlungsströmen, wie wir sie in den letzten Jahren bei den Anleihen hoher Bonität beobachten mussten. Der Regulator täte gut daran, sich vom Paradigma einer Sicherung der nominellen Renten zu verabschieden und den Pensionskassen diesbezüglich mehr unternehmerische Freiheit zu gewähren. Alternativen (wie Aktien und Immobilien) sollten daher von geltenden regulatorischen Beschränkungen befreit werden. Mit den heutigen regulatorischen Anforderungen zur Sicherung der Pensionskassen läuft der Regulator Gefahr, selbst zu deren Zerstörung beizutragen – «todsichere» Obligationen ohne Rendite sind der sichere Tod der zweiten Säule.

Selbst wenn Renten nominal garantiert werden könnten, verbliebe ein erhebliches Risiko hinsichtlich deren Kaufkraft. Bei der seit Jahren liquiditätstreibenden Geldpolitik ist es sehr wohl möglich, dass inflationäre Tendenzen die Renten dereinst real schmälern werden. Mit einer auf Sachwerte gerichteten Anlagestrategie kann dies teilweise kompensiert werden, weil die Cashflows von Aktien und Immobilien mit der Inflation tendenziell zunehmen.

Gastkommentar von Christoph Zenger, Geschäftsleitungsmitglied der Firma Covasys Wyttenbach & Zenger

Quelle: NZZ
19.01.2017

Merken

Merken

Merken

13.1.2017

BSV bestätigt Überlegenheit des Nationalratsmodells

Die Sozialkommission des Nationalrats (SGK-N) hat ihr Kompensationsmodell zur Reform der Altersvorsorge 2020 entscheidend verbessert. Es wirkt deutlich besser und kostet Arbeitnehmer und Arbeitgeber Hunderte Millionen Franken weniger pro Jahr als das Modell des Ständerats. Dies bestätigt nun auch das Bundesamt für Sozialversicherungen. Die bescheinigten Anpassungen machen den Weg frei für eine mehrheitsfähige Reform der Altersvorsorge.

…mehr

Die Sozialkommission des Nationalrats (SGK-N) hat sich an ihrer Sitzung zur Reform der Altersvorsorge 2020 für eine verbesserte Version des Nationalratsmodells ausgesprochen. Die Kommission trägt damit den wesentlichen Kritikpunkten an ihrem ursprünglichen Reformmodell Rechnung. Ein Bericht des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) bestätigt jetzt: Das von der Kommission modifizierte Modell des Nationalrats vermag die Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge deutlich besser und günstiger zu kompensieren als das Modell des Ständerats. Es führt gleichzeitig zu einer spürbaren Verbesserung der Vorsorge für Teilzeitangestellte sowie Erwerbstätige mit tieferen Einkommen und bietet eine Lösung für das wachsende Phänomen der Mehrfachbeschäftigung.

Mit seinen Anpassungen im Kompensationsmodell besinnt sich die SGK-N im Wesentlichen auf jenen Vorschlag, den der Bundesrat bereits in seiner Botschaft unterbreitet hatte. Für die Kompensation der Senkung des Mindestumwandlungssatzes sollen rund 0,6 Prozent Lohnbeiträge eingesetzt werden, zur Sicherung der AHV-Renten auf jetzigem Niveau zusätzlich 0,6 Prozentpunkte Mehrwertsteuer. Damit belaufen sich die Gesamtkosten der Reform auf knapp 5 Milliarden Franken, was eine jährliche Reduktion von knapp 2 Milliarden Franken gegenüber dem Modell des Ständerats bedeutet.

Die nationalrätliche Lösung erfüllt die Zielsetzung der Reform in idealer Weise: Sie sichert das Rentenniveau langfristig – auch in einer alternden Gesellschaft. Die berufliche Vorsorge wird durch die Abschaffung des Koordinationsabzugs vereinfacht, wodurch Verwaltungskosten reduziert werden. Dank weiterer Massnahmen ist die Lösung nun auch für die KMU-Wirtschaft und für jüngere Erwerbstätige gut verkraftbar. Zudem ist die maximal mögliche Renteneinbusse durch die Senkung des Mindestumwandlungssatzes spürbar tiefer als im Modell des Ständerats. Die Lösung führt ebenfalls zu einer spürbaren Besserstellung von teilzeiterwerbenden Personen – besonders von Frauen. Wer früh Beiträge in die AHV bezahlt hat und trotz lebenslanger Erwerbsarbeit auf bescheidenerem Einkommensniveau verharrt, soll die AHV nach dem Willen der SGK-N privilegiert vorbeziehen können. Auch von dieser fokussierten Massnahme, die ebenfalls bereits in der bundesrätlichen Botschaft zur Diskussion gestellt wurde, werden vor allem Frauen in Niedriglohnberufen profitieren. Mit diesen Verbesserungen nimmt die SGK-N die Anliegen einer sozialverträglicheren Reform auf und schafft die Voraussetzungen für einen tragfähigen Kompromiss, der auch vor dem Volk bestehen kann.

Der Schweizerische Arbeitgeberverband und economiesuisse begrüssen, dass die SGK-N an der Stabilisierungsregel für die AHV festhält, um die AHV-Renten selbst über den Zeithorizont von 2030 hinaus zu sichern. Demgegenüber würde ein Rentenausbau um 70 Franken für Neurentnerinnen und Neurentner, wie ihn der Ständerat fordert, die strukturellen Probleme der AHV weiter verschärfen. Bereits 2035 würde gemäss Lösung des Ständerats in der AHV wieder ein Finanzloch von über 5 Milliarden Franken klaffen. Zudem käme ein AHV-Ausbau mit der Giesskanne nach dem klaren Plebiszit gegen AHVplus einer Zwängerei gleich. Überdies würde mit dem Ausbau der AHV für Neurentner um 70 Franken eine Zweiklassengesellschaft unter den Rentnern geschaffen, indem bisherige Rentner zwar massiv mitfinanzieren müssten, aber leer ausgingen. Aus diesen Gründen ist ein Rentenausbau um 70 Franken an der Urne chancenlos.

Jetzt liegt es am Plenum des Nationalrats, seiner Kommission zu folgen und damit dem Ständerat zu ermöglichen, auf den Weg zu einer wirksamen und breit abgestützten Reform der Altersvorsorge einzuschwenken. In Anbetracht der vom BSV attestierten Überlegenheit des SGK-N-Modells sind die Vorbehalte der Kleinen Kammer nicht mehr begründet. Darum erwarten die Spitzenverbände der Schweizer Wirtschaft vom Ständerat, dass er von seinem Modell abrückt und die Linie des Nationalrats übernimmt. Umgekehrt wird es am Nationalrat sein, in andern Differenzpunkten auf die Linie des Ständerats einzuschwenken, darunter die Frage des Bundesbeitrags an die AHV. Mit Blick auf die Bundesfinanzen muss aus Sicht der Spitzenverbände auf die Erhöhung des Bundesbeitrags auf 20 Prozent verzichtet werden.

SCHWEIZERISCHER ARBEITGEBERVERBAND und economiesuisse


Roland A. Müller, Direktor Schweizerischer Arbeitgeberverband, 079 220 52 29, mueller@arbeitgeber.ch

Martin Kaiser, Ressortleiter Sozialpolitik, Schweizerischer Arbeitgeberverband, 079 517 68 26, kaiser@arbeitgeber.ch

Medienstelle economiesuisse, michael.wiesner@economiesuisse.ch


Quelle: Economiesuisse
13.01.2017

Merken

10.1.2017

Altersvorsorge 2020: ASIP warnt zum Jahresstart erneut vor dem Spiel mit dem Feuer

Am Dienstagnachmittag hielt der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP seine traditionelle Jahresstart-Veranstaltung ab, die thematisch ganz im Zeichen der Reform „Altersvorsorge 2020“ stand. Im Hinblick auf die bevorstehende Differenzbereinigung des Geschäfts, appellierte er an die Kompromissbereitschaft der Politik.

…mehr

An der Jahresstart-Veranstaltung behandelte der ASIP die anstehenden vorsorgepolitischen Fragestellungen mit seinen Mitgliedern. Bundesrat Alain Berset sagte in seinem Referat:“ Die Altersvorsorge ist existentiell wichtig, deshalb müssen sämtliche politischen Akteure Kompromisse eingehen“. Eine mehrheitsfähige Lösung sei jetzt dringend notwendig: „Die Geschichte der gescheiterten Reformen der letzten 20 Jahre zeigt, dass Volk und Stände nur einem ausgewogenen Paket zustimmen.“

An der anschliessenden Podiumsdiskussion zum Thema „Altersvorsorge 2020“ diskutierten: Kathrin Bertschy, NR und Co-Präsidentin alliance F, (GLP); Ruth Hummel, NR (CVP); Alex Ruprecht, SR (SVP), Paul Rechsteiner, SR und Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SP); Martin Kaiser, Schweizerischer Arbeitgeberverband, Mitglied der Geschäftsleitung, sowie Hanspeter Konrad, Direktor ASIP, der die Podiumsdiskussion moderierte.

In der Frühjahrssession wird das Geschäft mit der Differenzbereinigung abgeschlossen und hoffentlich vom Parlament verabschiedet. Der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP appelliert weiterhin an alle politischen Akteure, im Rahmen der Behandlung der Vorlage „Altersvorsorge 2020“ Kompromisse einzugehen, und warnt vor allzu einseitigen Sichtweisen. Diese sind ein Spiel mit dem Feuer, denn nur ein ausgewogenes Paket wird letztlich Chancen haben, von Parlament und Stimmvolk angenommen zu werden.

Aus Sicht ASIP sollte die zuständige Kommission des Nationalrates nun nochmals vertieft prüfen, in welcher Form eine Kompensation der Senkung des BVG-Umwandlungssatzes zum Leistungserhalt innerhalb des BVG erfolgen kann. Mit einer entsprechenden Kombination der Regelung des Koordinationsabzuges, der Altersgutschriften und des Beginns des Sparprozesses lassen sich Lösungen innerhalb der beruflichen Vorsorge finden, die das BVG-Leistungsniveau sicherstellen. Ein wichtiger und für dessen Stabilität entscheidender Erfolgsfaktor des Schweizer Drei-Säulen-Systems ist nämlich letztlich die Trennung der drei Säulen. Zu berücksichtigen ist aber auch, dass der Reformvorschlag in einer späteren Volksabstimmung zu bestehen hat. All diese Überlegungen gilt es jetzt bei der Suche nach einem für alle Seiten akzeptablen Kompromiss zu beachten.

Für den ASIP ist die finanzielle Sicherung der Altersvorsorge dringend notwendig. Aufgrund der sich stellenden ökonomischen und demografischen Herausforderungen darf diese Reform aus Sicht ASIP auf keinen Fall scheitern. Im Vordergrund steht für den ASIP die ganzheitliche Sicherung der Altersvorsorge im Bereich der 1. und 2. Säule ohne Leistungsreduktionen. Alle Akteure müssen im Rahmen dieses Prozesses ihren Beitrag für eine erfolgreiche Reform leisten.


Weitere Informationen:

Hanspeter Konrad, Direktor
Telefon +41 43 243 74 15
E-Mail konrad@asip.ch
ASIP, Kreuzstrasse 26, CH-8008 Zürich
oder Jean Rémy Roulet, Präsident (Genf); 022 949 19 19

Bis 17 Uhr wenden Sie sich bitte an Peter Metzinger: +41 79 628 61 26


Quelle: Presseportal.ch
10.01.2017

Merken

23.12.2016

Kürzungen bei Rentenleistungen – Immer mehr Kassen greifen zum Rotstift

Den Versicherten drohen schmerzhafte Kürzungen bei den Rentenleistungen in der beruflichen Vorsorge. Ein Experte erwartet «ein dramatisches Jahr 2017».

…mehr

Grosse Vorsorgeeinrichtungen wie die BVK oder die Pensionskasse der Credit Suisse haben es vorgemacht, nun dürften einige andere Vorsorgeeinrichtungen folgen: Den Versicherten drohen schmerzhafte Kürzungen bei den Rentenleistungen in der beruflichen Vorsorge. Angesichts der anhaltend schwierigen Lage am Kapitalmarkt und von Negativzinsen realisierten die Stiftungsräte in vielen Pensionskassen, dass sie Entwicklungen zum Teil «verschlafen» hätten, sagt Stefan Thurnherr vom VZ Vermögenszentrum. Er erwartet in dieser Hinsicht «ein dramatisches Jahr 2017». Viele Vorsorgeeinrichtungen rechneten mit einem zu hohen technischen Zins und hätten sich in der Vergangenheit in falscher Sicherheit gewiegt. Nun fühlten sie sich gezwungen zu agieren.

«Entwicklung verschlafen»

Auch Ueli Mettler von der Beratungsgesellschaft «c-alm» geht davon aus, dass viele Vorsorgeeinrichtungen nicht umhinkommen, das Leistungsniveau anzupassen – vor allem im überobligatorischen Teil. Einige Pensionskassen hätten hier Nachholbedarf. Thurnherr erwartet, dass einige Vorsorgeeinrichtungen ihre Änderungen im Frühjahr 2017 kommunizieren, am 1. Januar 2018 dürften diese dann in Kraft treten.

Der technische Zins ist die Kennzahl, mit der eine Pensionskasse die Höhe ihrer künftigen Erträge einschätzt. Wird der Zins zu hoch eingestuft, führt dies nicht nur dazu, dass eine Vorsorgeeinrichtung einen zu hohen Deckungsgrad ausweist. Sie schafft damit auch massive Umverteilungen zwischen Aktiven und Rentnern. Wie ein Warnschuss gegen zu hohe technische Zinsen dürfte derweil für viele Vorsorgeeinrichtungen die jüngst publizierte Empfehlung der Schweizerischen Kammer der Pensionskassenexperten (SKPE) gewirkt haben. Per Ende September dieses Jahres hat sie unter Berufung auf die Fachrichtlinie FRP 4 den Pensionskassen empfohlen, für die kommenden Jahresabschlüsse einen technischen Zins von 2,25% anzuwenden – eine Senkung um 0,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Eigentlich steht es im Ermessen des Stiftungsrats einer Pensionskasse, den technischen Zins nach Massgabe ihrer Zielrenditen, ihrer Einschätzung der Marktentwicklung sowie dem Zustand der Vorsorgeeinrichtung festzulegen. In der Praxis aber kämen die Stiftungsräte aus dem Korsett der SKPE-Empfehlung kaum heraus, sagt Thurnherr. Derzeit sei zu beobachten, dass die Vorsorgeeinrichtungen in der Deutschschweiz ihre technischen Zinsen grossflächig auf 2% senkten, sagt Mettler. Sie «übererfüllen» die Empfehlung also sogar.

entwicklung-technischer-zins-bei-schweizer-pensionskassen

Weiterer Druck für die Vorsorgeeinrichtungen entsteht derweil dadurch, dass ihnen mit jeder neu entstehenden Rente sogenannte Pensionierungsverluste drohen, wenn sie zu hohe Umwandlungssätze anwenden (vgl. Zusatz). Der Umwandlungssatz ist der Prozentsatz des gesparten Vermögens in der Pensionskasse, der einem Rentner jährlich ausbezahlt wird. Ist er zu hoch angesetzt, führt dies dazu, dass Rentenverpflichtungen nicht ausfinanziert sind. Zudem stehen in den kommenden Jahren viele Pensionierungen von «Babyboomern», also Personen aus den starken Nachkriegsjahrgängen, an. Reagieren die Vorsorgeeinrichtungen nicht auf die Situation, könnten dadurch hohe Pensionierungsverluste entstehen.

Folglich senkten viele Pensionskassen derzeit ihre Umwandlungssätze geradezu abrupt, sagt Thurnherr. Als Beispiele für solche Senkungen führt er neben der BVK und der Pensionskasse der Credit Suisse die Vorsorgeeinrichtung des Bundes Publica an. Diese senkt ihren technischen Zins Mitte 2018 auf 2% und ihren Umwandlungssatz auf 5,09% nach zuvor 5,65%. Andere, kleinere und mittelgrosse Pensionskassen dürften nun folgen, erwartet Thurnherr. Da grosse Vorsorgeeinrichtungen bereits solch unpopuläre Massnahmen ergriffen hätten, fühlten sie sich nun «in guter Gesellschaft».

Zudem ist ein Trend zu beobachten, dass Pensionskassen versuchen, Versicherte in oberen Gehaltsetagen dazu zu bringen, sich ihr angesammeltes Kapital auszahlen zu lassen, anstatt es als Rente zu beziehen. So hätten bereits Vorsorgeeinrichtungen mit der Einführung eines Kapitalzwangs für Besserverdienende beim Bezug von Pensionskassengeldern reagiert, sagt der VZ-Vorsorgespezialist. Wenn Versicherte statt einer Rente eine Kapitalauszahlung erhalten, übernehmen sie anstatt der Vorsorgeeinrichtung das Risiko der Verwaltung der Gelder. Das Thema ist in diesem Jahr mit den Ankündigungen der Pensionskasse der Credit Suisse, einen solchen Kapitalzwang einzuführen, auf den Tisch gekommen. Auch die Pensionskasse IBM hat laut Thurnherr einen solchen Zwang eingeführt, und zwar im Überobligatorium. Bei der Pensionskasse 2 von Novartis ist die Entwicklung ebenfalls zu beobachten, sie zahlt nur noch Renten für Gehälter bis 150 000 Fr. Angestellte des Basler Pharmakonzerns, die mehr verdienen, müssen sich die entsprechenden Teile des Vorsorgekapitals ebenfalls als Kapital auszahlen lassen.

Neue Rechnungslegung

Einer der Gründe für solche Massnahmen dürfte auch der in den internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS) enthaltene, jüngst überarbeitete Standard IAS 19 sein. Weil Unternehmen wegen IAS 19 die Vorsorgeverpflichtungen und den Vorsorgeaufwand in den Jahresrechnungen erhöhen müssen, droht die Gefahr, dass sie Vorsorgepläne zum Nachteil von Versicherten anpassen.

Ein weiterer Trend sind die sogenannten 1e-Pläne, bei denen Versicherte ab einem Jahresgehalt von 126 900 Fr. selbst ihre Anlagestrategie bestimmen können – für die Teile des Lohns, die über dieser Grenze liegen. Dies gibt Mitarbeitern mit höheren Löhnen Freiheitsgrade bei der Anlage, sie tragen aber dann in diesem Bereich auch die Risiken der Anlagestrategie – anstelle der Pensionskasse.

Laut Mettler hat die zu beobachtende Entwicklung ihre Grenzen. Schliesslich lebe die zweite Säule auch von Solidaritäten. Solidarität brauche es, damit sich gute und schlechte Anlagezyklen über Generationen hinweg ausgleichen. Wenn man die zweite Säule zunehmend entsolidarisiere und individualisiere, werde die Idee des generationenübergreifenden Versichertenkollektivs und damit der Risikokapazität, solche Zyklen auszuhalten, ausgehöhlt. Die in der zweiten Säule geltenden Rahmenbedingungen – namentlich das Obligatorium und die Arbeitgeberbindung der beruflichen Vorsorge – sorgten zumindest bei konstanten Arbeitgeberverhältnissen für einen langen Anlagehorizont und dadurch für eine hohe Risikofähigkeit, sagt er. Mit der Ausstattung der zweiten Säule mit diesen Rahmenbedingungen gehe aber auch ein Leistungsauftrag einher, diese Risikofähigkeit zu nutzen und ein entsprechendes Rendite- bzw. Leistungsziel anzustreben. Ein immer stärkerer Transfer von Risiken von Arbeitgebern zu den Arbeitnehmern könne auch als Verweigerung dieses Leistungsauftrags aufgefasst werden. Dies spiele der politischen Linken in die Hände, die die Existenzberechtigung der zweiten Säule infrage stelle und die Sozialversicherung in die erste Säule verlagern möchte.


Pensionierungsverlust

Wie entsteht ein Pensionierungsverlust bei einer Vorsorgeeinrichtung? Als Beispiel kann folgende Rechnung des Finanzdienstleisters VZ Vermögenszentrum dienen. So wird derzeit die Altersrente eines 65-jährigen in Pension gehenden Arbeitnehmers mit einem obligatorischen Altersguthaben von 100 000 Fr. mit dem BVG-Mindestumwandlungssatz von 6,8% berechnet. Er erhält also eine jährliche Rente von 6800 Fr. je 100 000 Fr.

Der rechnerisch korrekte Umwandlungssatz läge aber nur bei 5,3%, eigentlich dürfte die Rente nur 5300 Fr. betragen. Folglich bezahlt die Pensionskasse jährlich auf 100 000 Fr. Vorsorgevermögen 1500 Fr. zu viel Rente aus und muss diese als Kapital zurückstellen. Wie Vertreter des Finanzdienstleisters ausführen, wird wiederum mit den korrekten 5,3% kapitalisiert – die Rechnung lautet also 1500 Fr. dividiert durch 5,3% – was einen Zusatzbedarf von 28 302 Fr. zu den 100 000 Fr. Altersguthaben ergebe.

Damit die versicherte Person bei der Pensionierung die garantierte Altersrente von 6800 Fr. erhält, werde ein Altersguthaben von 128 302 Fr. benötigt. Die Vorsorgeeinrichtung finanziere das fehlende Altersguthaben von 28 303 Fr. je 100 000 Fr. Jedem Neu-Rentner würden also fast 30% Zusatzkapital geschenkt.


Quelle: NZZ
23.12.2016

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken