Marktinformation

12.4.2018

Wie Axa-Versicherte bessere Pensionskassen finden

Gestern dominierten die Negativschlagzeilen. Der Versicherer Axa lasse mit seinem Ausstieg aus der Vollversicherung der zweiten Säule 400’000 Versicherten im Regen stehen. Auf die Patrons von 40’000 kleinen und mittelgrossen Betrieben (KMU) würden er­hebliche Risiken überwälzt. Ein Experte vom «Blick» war gar der Ansicht, dass «nun Ende Jahr böse Überraschungen auf die Firmen zukommen» könnten, weil sie allenfalls für Unterdeckungen aufkommen müssen.
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Diesem Pessimismus tritt Sergio Bortolin, Präsident des Verbandes Inter-Pension der unabhängigen Pensionskassen, entgegen. «Das Gegenteil ist der Fall», sagt er. Die weit bessere Alternative für KMU in der zweiten Säule sei der Anschluss bei einer unabhängigen Pensionskasse. Höhere Erträge, tiefere Prämien, tiefere Kosten und komfortable Risikopolster seien ihre Vorteile. Autonome Pensionskassen sind weit verbreitet. Bortolin vertritt vierzig Kassen, die 1,15 Millionen Angestellte versichern und 142 Milliarden Pensionskapital verwalten – ein Siebtel der zweiten Säule.

Bekannte solche Kassen sind Asga, Vita, Nest, Abendrot, Profond, Swisscanto, PKG, Noventus und Gastrosocial. Die Asga gibt es seit über fünfzig Jahren und versichert ähnlich wie die Axa KMU, 12’000 an der Zahl mit rund 120’000 Versicherten. Ähnlich gross ist die Vita-Sammelstiftung. Sie wurde vor fünfzehn ­Jahren vom Versicherer Zurich ab­gespalten. Gastrosocial ist ein prominentes Beispiel einer Branchenpensionskasse von 20’000 Wirten und Hoteliers mit 174’000 Versicherten. Die meisten dieser Pensionskassen sind erfolgreich unterwegs.

Tiefere Kosten, höhere Renten

Wenn die Axa ihren Kunden also vorschlägt, ab 2019 der neuen, unabhängigen Axa-Sammelstiftung beizutreten, können sie den Wettbewerb spielen lassen. Versicherungsbroker reissen sich um solche Firmen. Das jährliche im Juni erscheinende Pensionskassenrating der «SonntagsZeitung» zeigt die attraktivsten Kassen. Welche Vorteile erwarten Versicherte im Vergleich zu den Vollversicherungspolicen von Swisslife, Basler, Helvetia, Al­lianz oder Pax? Bortolin hebt drei Punkte hervor:

  • Höhere Verzinsung: Vollversicherungen sind wegen anhaltend tiefer Zinsen unter Druck, weil sie zwei Drittel ihres Kapitals auf meist schwach rentierende Ob­ligationen setzen. Unabhängige Pensionskassen legen viel mehr in Aktien und weniger in Obligationen an. Ihre Versicherten können erwarten, dass die Erträge in guten Börsenjahren viel stärker steigen und dem Alterskapital regelmässig höhere Zinsen gutgeschrieben werden. Die durchschnittliche Verzinsung unabhängiger Pensionskassen ist derzeit doppelt so hoch oder höher im Vergleich zu vollversicherten Sammelstiftungen (2 Prozent und mehr statt 1 Prozent). Wer 50’000 Franken angespart hat, erhält jährlich mehr als 1000 statt 500 Franken Zins gutgeschrieben.
  • Tiefere Risikoprämien: Versicherte von unabhängigen Sammelstiftungen können um mindestens ein Drittel tiefere Risikoprämien erwarten.
  • Tiefere Verwaltungskosten: Versicherte von unabhängigen Sammelstiftungen können mit viel tieferen Verwaltungskosten rechnen als bei Vollversicherungen. Ein Beispiel ist Gastrosocial. Dort betragen die Kosten 66 Franken, während die durchschnittlichen Verwaltungskosten von Vollversicherern im Schnitt 247 Franken betragen (Basis 2016). Die Differenz kommt Gastrosocial-Versicherten zugute.

«All diese Unterschiede können kumuliert nach vierzig Jahren Alterspaaren gut und gern ein Drittel der Rente ausmachen, je nach Lohnhöhe», sagt Bortolin. Versicherte von unabhängigen Kassen dürfen mit deutlich höheren Renten rechnen als solche von Versicherern.

Kurze Unterdeckung

Lebensversicherer kontern, ihre Vollversicherungen böten die absolute Garantie für Renten, auch in Krisenjahren. Arbeitgeber und Versicherte riskierten nichts. Bortolin entgegnet: «Die Wahrscheinlichkeit, dass Firmen von unabhängigen Pensionskassen Sanierungsbeiträge leisten müssen, ist sehr klein, denn die Risikopolster sind oft hoch.» Sie heissen Schwankungsreserven. Jede unabhängige Kasse hat solche. Bei Gastrosocial beträgt sie momentan ein Fünftel des ver­sprochenen Alterskapitals, bei der Asga 12 Prozent.

Ein Indiz, wie gut unabhängige Pensionskassen eine tiefe Börsenkrise durchstehen, zeigte das Jahr 2008. Damals rutschten die allermeisten Kassen in Unter­deckung. Das heisst, sie hatten weniger Geld in ihren Büchern, als den Versicherten versprochen worden war. Doch bei vielen Kassen dauerte diese Unterdeckung nur einige Monate. Dann stiegen die Börsenkurse wieder an, die Kapitalien erholten sich.

Das Risiko in der Finanzkrise

Die Asga, als Beispiel, war nur vier Monate in Unterdeckung, Gastrosocial kürzer als ein Jahr. ­Einzig die stark in Aktien in­vestierte Profond erwischte es jahrelang, doch ohne Folgen. ­Profond hat heute Reserven von 12 Prozent. «Unter unseren Mitgliedern sind mir keine Fälle bekannt, wo Versicherte einer autonomen Sammelstiftung Sanierungsbeiträge wegen Börsenverlusten der Finanzkrise leisteten», sagt Bortolin.

Hingegen sprach man damals in Bundesbern darüber, dass einzelne, systemrelevante Lebensversicherer in Probleme geraten waren. Auch sie retteten sich vor allem, weil sich die Börsen er­holten.

Quelle: Tages Anzeiger
12.04.2018

12.4.2018

Schweizerischer Baumeisterverband: Frühzeitiger Altersrücktritt ab 60 auf dem Bau gefährdet – Baumeister verabschieden Resolution für eine zukunftsfähige Sanierung des GAV FAR

Weil die demografische Entwicklung unterschätzt wurde, ist die Finanzierung der Frührenten ab 60 auf dem Bau in Frage gestellt. Die Präsidentenkonferenz des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV) hat deshalb am Mittwoch in Bern die «Resolution zukunftsfähige Sanierung des GAV FAR» verabschiedet. Die Baumeister bekennen sich zum frühzeitigen Altersrücktritt FAR im Bauhauptgewerbe mit 60 und sind bereit, im heutigen Umfang auch künftig für die Finanzierung eine grosse Last zu tragen. Gleichzeitig verurteilen sie die gefährliche Blockadehaltung der Gewerkschaften, die eine nachhaltige Sanierung in der Stiftung FAR verhindert.
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Die Sektionspräsidenten des Schweizerischen Baumeisterverbands bekennen sich zum flexiblen frühzeitigen Altersrücktritt im Bauhauptgewerbe. Heute können sich Bauarbeiter ab 60 pensionieren lassen. Finanziert werden diese Übergangsrenten bis zur ordentlichen Pensionierung über die Stiftung FAR, wobei die finanzielle Hauptlast seitens der Arbeitgeber getragen wird.

Echte Sanierung anstatt nicht finanzierbare Pflästerlipolitik

Bereits 2016 geriet die Frühpensionierung im Bau finanziell in Schieflage. Damals wurden die Beiträge auf insgesamt 7 Lohnprozente erhöht. 5,5 Prozente tragen die Arbeitgeber, 1,5 Prozente die Arbeitnehmer. Diese erste Sanierungsmassnahme zeigte nicht die erwünschten Wirkungen. Kaum zwei Jahre später weist die Stiftung mit lediglich 92 Prozent immer noch eine Unterdeckung aus. Um die Frühpensionierung im Bau retten zu können, braucht es jetzt echte leistungsseitige Sanierungsmassnahmen. Konkrete Vorschläge, bei denen das Rentenalter 60 beibehalten werden kann, liegen dem Stiftungsrat FAR vor, der die Sanierungsmassnahmen beschliessen muss.

Gewerkschaften blockieren Sanierung und gefährden FAR

Die FAR-Übergangsrenten liegen heute bis 20 Prozent über den staatlichen Renten von AHV und BVG, wie sie ab Alter 65 ausbezahlt werden. Die AHV und die berufliche Vorsorge stehen vor grossen Herausforderungen. Der demografische Wandel wirkt bei den Frührenten auf dem Bau bereits fünf Jahre früher als bei den staatlichen Vorsorgewerken. Es muss dringend leistungsseitig gehandelt werden. Weitere Beitragserhöhungen lösen das Problem nicht und werden von den Sektionspräsidenten klar abgelehnt.

Absolut kein Verständnis haben die Sektionspräsidenten des Schweizerischen Baumeisterverbands für die Blockadehaltung der Gewerkschaften, die seit Monaten die dringend notwendigen Sanierungsmassnahmen in der Stiftung FAR verhindern. Sie spielen auf dem Buckel der Bauarbeiter ein unehrliches Spiel und missbrauchen die finanzielle Schieflage bei der Frühpensionierung, um Stimmung zu machen und sich für die 2018 anstehenden LMV-Verhandlungen zu positionieren. Der Schweizerische Baumeisterverband verurteilt dieses unlautere Taktieren und fordert die Gewerkschaften auf, den frühzeitigen flexiblen Altersrücktritt im Bau nicht länger zu gefährden.

Die «Resolution zukunftsfähige Sanierung des GAV FAR» im Wortlaut: http://ots.ch/ZTwUQQ (PDF)

Kontakt:

Gian-Luca Lardi, Zentralpräsident SBV
Tel.: +41/79/226’19’64
E-Mail: gllardi@baumeister.ch

Benedikt Koch, Direktor SBV
Tel.: +41/79/622’09’40
E-Mail: bkoch@baumeister.ch

 

11.4.2018

BVG-Vollversicherung nicht passé

Nach dem Rückzug von Axa Schweiz aus dem Geschäft mit der BVG-Vollversicherung verbleiben nur noch fünf Anbieter, nämlich Swiss Life, Allianz Suisse, Helvetia, Bâloise und Pax. Einhellig haben diese als Reaktion auf den Axa-Wechsel zu teilautonomen Sammelstiftungen bekanntgegeben, das ganze Sortiment weiterhin anzubieten. Allianz Suisse teilt mit, die Vollversicherung sei ein wichtiger Pfeiler ihres Kollektiv-Leben-Geschäfts. Derzeit sei kein Rückzug geplant. Allianz Suisse betreut 13 600 KMU mit 147 000 Versicherten. Da der Konzern in München ähnlich wie Axa in Paris eine Konzernstrategie verfolgt, war eine solche Zusicherung nicht zum Vorneherein gegeben. Die Eigenkapitalrenditen bewegen sich für alle Schweizer Lebensversicherer im BVG-Geschäft seit einigen Jahren im einstelligen Prozentbereich, wobei der Trend wegen der schwierigen Zinslage nach unten weist.

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Allianz Suisse fordert die Politik auf, raschestmöglich neue Lösungsvorschläge zu erarbeiten, welche die Senkung des zu hohen obligatorischen Umwandlungssatzes und des Garantiezinses im Obligatorium zum Ziel haben. Axa hat am Dienstag klar aufgezeigt, dass ein steigender Anteil des Anlageerfolgs zum Stopfen von Löchern wegen der übersetzten gesetzlichen Leistungsvorgaben eingesetzt werden muss. Laufend müssen Renten nachfinanziert und Gelder für übersetzte Leistungen für Neurentner abgezweigt werden. Diese Problematik wird sich wegen des Eintritts der Babyboomer ins Rentenalter verschärfen.

Fehlt nur noch, dass wegen turbulenter Finanzmärkte die Anlagerendite im Laufe des Jahres ins Minus dreht. Es sei, so schreibt Allianz Suisse weiter, im Interesse vor allem der Versicherten, dass die verbleibenden Anbieter von BVG-Vollversicherungen ihr Geschäft in der Zukunft nachhaltig betreiben könnten.

Swiss Life, Helvetia und Bâloise gaben schon am Dienstag bekannt, zur BVG-Vollversicherung zu stehen. Allerdings wurde auf eine zurückhaltende Zeichnungspolitik bei der Aufnahme neuer Kunden hingewiesen. Alle müssen zurzeit auf die Pflege der Altbestände achten, weil laufend Substanz aufgezehrt wird. Mit Blick auf die Einschränkungen in der Anlagestrategie wegen harter Kapitalvorschriften ist es zurzeit bereits schwierig bis fast unmöglich, den Werterhalt von Prämiengeldern zu garantieren. Auf jeden Fall ist eine Garantie auf Kapitalerhalt zurzeit wertvoll für Kunden. Die Lebensversicherer sind längst dazu übergegangen, ihren Kunden in einem wachsenden Ausmass teilautonome Lösungen zu offerieren, weil ebendiese Garantie so teuer geworden ist.

Quelle: NZZ

10.4.2018

Axa streicht in der beruflichen Vorsorge Vollversicherungen

Axa Schweiz zieht sich aus dem Geschäft mit Vollversicherungen bei der beruflichen Vorsorge zurück. Der Versicherer setzt künftig auf teilautonome Vorsorgeangebote, bei denen die Unternehmen das Anlagerisiko selber tragen.

Axa begründet den Schritt in einer Mitteilung vom Dienstag mit den anhaltend tiefen Zinsen, einer zunehmenden Umverteilung zulasten der Berufstätigen und einem engen Anlagekorsett. Das habe in den letzten Jahren zu einem immer unvorteilhafteren Preis-Leistungs-Verhältnis für die Firmen und ihre Angestellten geführt.

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Bereits in den letzten Jahren hätten deshalb immer mehr Unternehmen ein teilautonomes Vorsorgeangebot gewählt, heisst es in der Mitteilung. Lebensversicherer weltweit hielten sich in den letzten Jahren mit dem Abschluss neuer Vollversicherungsverträge zurück.

Bei der Axa werden nun die bestehenden Vollversicherungsstiftungen per Anfang 2019 in teilautonome Stiftungen umgewandelt. Betroffen sind mehr als 260’000 Versicherte.

Zum Start überträgt Axa aus dem gebundenen Kapital der Vollversicherung 3,5 Milliarden Franken an Bewertungsreserven an die Sammelstiftungen. Insgesamt gehen Anlagen im Wert von rund 31 Milliarden an die Stiftungen über. Bei einem technischen Zins von 2 Prozent belaufe sich der Deckungsgrad Stand heute auf etwa 111 Prozent. Dies biete den Stiftungen eine sehr solide und sichere Ausgangslage, so die Axa.

Die Kunden zahlten ab 2019 im Vergleich zur heutigen Vollversicherung durchschnittlich rund 30 Prozent tiefere Risikoprämien, schreibt die Tochter des französischen Axa-Konzerns.

Der Wechsel bedeutet für die Kunden aber auch, dass sie in Sachen Anlagerisiken keinen Rundumschutz mehr geniessen, sondern diese mittragen müssen. Dieser Schutz habe aber seinen Preis und sei zunehmend teurer geworden, sagte Axa-Chef Fabrizio Petrillo gegenüber der Finanznachrichtenagentur AWP. Für bestehende Altersrentner ändere sich indessen nichts, sie würden zu unveränderten Konditionen bei der Axa verbleiben.

Durch die Neuausrichtung verkleinert sich das Prämienvolumen der Axa um rund 5,5 Milliarden Franken, weil die Sparbeiträge der Versicherten künftig in der jeweiligen teilautonomen Stiftung verbucht werden.

Der Jahresgewinn wird um rund 30 Millionen Franken tiefer ausfallen. Die Umstellen hat zudem eine einmalige Abschreibung von rund 400 Millionen Franken zur Folge. Gleichzeitig würden 2,5 Milliarden Franken an Risikokapital frei, schreibt Axa weiter.

Offen bleibt, welche Auswirkungen der Schritt der Axa in der Beruflichen Vorsorge auf den Gesamtmarkt haben wird und für welchen Weg sich Anbieter wie Swiss Life, Allianz Suisse oder Helvetia entscheiden werden. Sie hatten vor allem im vergangenen Jahr weniger Geschäfte mit Vollversicherungen gezeichnet, sich aber für den Erhalt des Angebots stark gemacht.

Das Prämienvolumen der privaten Schweizer Lebensversicherer in der beruflichen Vorsorge ist ist laut Zahlen der Finanzmarktaufsicht Finma 2016 um 6 Prozent auf 23 Milliarden Franken gesunken. Das zeige, dass die Lebensversicherer das Neugeschäft in der Vollversicherung immer stärker beschränkten, schrieb die Finma bei der Präsentation dieser Zahlen im letzten September.

Kein Lebensversicherer bot zusätzliche Kapazität an und neue Anbieter habe es seit über zehn Jahren keine mehr gegeben. Die Hauptursache ortete die Finma in der ungenügenden Entschädigung für das notwendige Kapital zur Absicherung der Leistungsversprechen.

Laut Zahlen des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV war Axa mit einem Marktanteil von 29 Prozent 2016 in der Schweiz die zweitgrösste Anbieterin von Kollektivlebensversicherungen nach Swiss Life.

(SDA)

4.4.2018

Grosse Vermögen der Schweizer Pensionskassen

Die Vermögen von Schweizer Vorsorgeeinrichtungen haben 2017 bei 133% des Bruttoinlandprodukts (BIP) gelegen. Dieser im internationalen Vergleich sehr hohe Anteil zeigt die Bedeutung der beruflichen Vorsorge in der Schweiz. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Willis Towers Watson liegt die Schweiz beim Verhältnis der Pensionsvermögen zum BIP international gesehen hinter den Niederlanden (194%) und Australien (138%) auf dem dritten Platz. Die Relation ist in den vergangenen Jahren gestiegen, 2007 lag er noch bei 112%.

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Die Studie vergleicht die Vermögen in den 22 grössten Pensionsmärkten weltweit. Neben Australien, Grossbritannien, Japan, Kanada, den Niederlanden und den USA gehört die vergleichsweise kleine Schweiz sogar zu den «P7», den weltweit sieben grössten Pensionsmärkten. Auf diese entfallen knapp 92% der Vermögen der 22 grössten Pensionsmärkte. Laut der Studie hat die Schweiz an den weltweiten Pensionsvermögen einen Anteil von 2,2%. Den grössten haben die USA mit 61,4%, gefolgt von Grossbritannien (7,5%) und Japan (7,4%).

Die Vermögen in den 22 grössten Pensionsmärkten sind laut der Studie im vergangenen Jahr vor allem aufgrund der starken Entwicklung der Aktienmärkte um hohe 13% auf 41,3 Bio. $ gewachsen. Damit haben sie den höchsten Stand seit dem Start der Untersuchung im Jahr 1997 erreicht. Die Vermögen der Schweizer Pensionskassen sind im vergangenen Jahrzehnt, gemessen in Franken, um 3,8% pro Jahr gewachsen.

Die kurzfristigen Wachstumsdaten bei den Pensionsvermögen seien auf ungewöhnlich hohe Marktrenditen zurückzuführen, hiess es bei der Beratungsgesellschaft. Blicke man aber auf die vergangenen 20 Jahre zurück, seien die Entwicklungen ermutigend. Das Vermögen in den 22 grössten Pensionsmärkten sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 6,2% pro Jahr gewachsen, allerdings in Dollar gerechnet.

Quelle: NZZ
04.04.2018

4.4.2018

Millionengewinn für Novartis wegen Pensionskassen-Revision

Eine Gesetzesänderung im BVG hat der Novartis einen Millionengewinn beschert. Das bestätigt der Basler Pharmakonzern gegenüber der Handelszeitung. Demnach konnte das Unternehmen Ende 2017 Vorsorgeverpflichtungen im Umfang von 216 Millionen Franken auflösen, weil es für Gelder in seinen Kader-Pensionskassen nicht mehr haften muss. Dabei handelt es sich um sogenannte 1e- Plan-Kaderkassen, bei denen die Versicherten selber bestimmen können, wie das Kapital angelegt wird.
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Die im November 2017 in Kraft getretene Gesetzesänderung sorgt für Goldgräberstimmung im Vorsorgegeschäft. Nicht nur Pensionskassen, Sammelstiftungen und Versicherungskonzerne bringen sich in Stellung für das Geschäft mit 1e-Geldern. Auch Banken wie UBS und Credit Suisse drängen mit eigenen Vorsorgestiftungen neu ins Pensionskassengeschäft.

100 bis 200 Milliarden Franken schwerer Markt für Kaderkassen

Das Marktpotenzial ist gross. Von den 1000 Milliarden Franken, die in der beruflichen Vorsorge verwaltet werden, qualifizierten wohl 100 bis 200 Milliarden für 1e-Pläne, schätzt Hans-Jakob Stahel, Leiter Unternehmenskunden beim Lebensversicherer Swiss Life.

Über 1e-Pläne können sie lukrative Kundschaft akquirieren, da diese Kaderkassen lediglich Personen offenstehen, die mehr als 126’900 Franken pro Jahr verdienen. Weil sie als überobligatorisch gelten, sind 1e-Kassen weniger streng reglementiert als normale Pensionskassen.

Flucht aus der Umverteilung

Das neue Geschäft hat auch volkswirtschaftliche Auswirkungen. Es entzieht Pensionskassen und BVG-Vollversicherungen überobligatorisches Kapital. Über das Umlagern von Vorsorgegeldern von normalen Pensionskassen in 1e-Kaderkassen könnten sich Gutverdienende der Umverteilung im BVG entziehen, sagt Stahel. «Das ist eines der Verkaufsargumente für 1e.»

Wegen der Auftrennung können Beiträge in die Kaderkassen nicht für die Quersubventionierung von Pensionskassen-Renten verwendet werden. Je länger ein zu hoher Mindestumwandlungssatz gelte, desto mehr werde Wachstum ausserhalb des BVG-Obligatoriums gefördert, konstatiert Stahel. Es bringe nichts, das zu kritisieren, solange man die Gesetze nicht ändere.

Quelle: Handelszeitung
04.04.2018

4.4.2018

Die Pensionskasse BVK erhält Gebühren in Millionenhöhe zurück

Jefferies und der Trick mit den Retrozessionen: Die US-Investmentbank muss der BVK Gebühren zurückzahlen.

Die amerikanische Investmentbank ­Jefferies muss der kantonalen Zürcher Beamtenpensionskasse BVK 20 Millionen Franken Gebühren zurückzahlen. Dabei geht es um verdeckte Kick-back-Zahlungen, sogenannte Retrozessionen. Damit endet ein langjähriger Rechtsstreit, der Ende letzten Jahres zugunsten der BVK entschieden wurde. Das Zürcher Handelsgericht hatte das Urteil bereits am 23. März gefällt, allerdings ohne Namensnennung der US-Investmentbank.

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Die BVK geriet vor bald acht Jahren in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass sich Daniel Gloor, der langjährige Chef der BVK-Vermögensverwaltung, bestechen liess. Das System mit den Retrozessionen bei Jefferies flog auf, weil nach Bekanntwerden der BVK-Korrup­tionsaffäre im Jahr 2010 alle Verträge der Pensionskasse mit Vermögensverwaltern überprüft wurden. Damals fiel auf, dass die BVK viel höhere Vermögensverwaltungskosten hatte als vergleichbare Kassen. Was im Falle Jefferies genau lief, geht aus dem Urteil des Handelsgerichts hervor, das dieser Zeitung vorliegt.

Am 4. Februar 2002 unterschrieben die BVK und Jefferies (Schweiz) einen Vertrag, mit dem die Bank beauftragt wurde, für die BVK ausländische Wandelanleihen im Wert von etwas über 600 Millionen Franken zu verwalten. Vereinbart wurden damals auch die Gebühren. Sie schienen auf den ersten Blick bescheiden. 30 Basispunkte für Anlagen bis 75 Millionen Franken. Wenn es um über 400 Millionen ging, nur noch 5 Basispunkte, so lauteten die Bedingungen. 100 Basispunkte entsprechen jeweils einem Prozent.

Jefferies reklamierte Gebühren

Allerdings hatte der Vertrag einen kleinen Zusatz. Wenn Jefferies mit dem Geld der BVK Finanzprodukte oder einen Fonds kaufte, was wiederum Gebühren verursacht, dann ging das auf Kosten der BVK. Jefferies (Schweiz) konnte nicht direkt an den Börsen in London und New York internationale Wandelanleihen kaufen, das taten die jeweiligen Tochtergesellschaften der Jefferies-Bank vor Ort. Diese stellten ihre Dienste ihren Schweizer Kollegen in Rechnung.

So weit, so gut. Dass bei solchen Geschäften Gebühren anfallen, ist normal. In einem zweiten Schritt floss aber ein Teil der in London und New York in Rechnung gestellten Dienstleistungen in Form von sogenannten Retrozessionen oder Kick-backs wieder an die Jefferies Schweiz zurück. Das ist zwar durchaus üblich und kann mit einer Art Mengenrabatt verglichen werden, nur stellt sich die Frage, wem diese Kick-backs gehören: der Bank oder dem Kunden?
Nun fliessen Gebühren in Höhe von 12,5 Millionen Franken an die BVK zurück. Hinzu kommen Verzugszinsen in Höhe von 7,5 Millionen Franken.
Vor sechs Jahren hat das Bundesgericht diese Frage in einem aufsehenerregenden Urteil beantwortet: Banken müssen die Provisionen, die sie beim Verkauf von Finanzprodukten von Drittanbietern erhalten, an ihre Kunden weitergeben. Diese Forderungen verjähren nach zehn Jahren. Gemäss dem inzwischen rechtskräftigen Urteil des Handelsgerichts gilt das auch für innerhalb des Jefferies-Konzerns ausgerichtete Transferzahlungen von London und New York an Jefferies Schweiz.

Was so klar scheint, war im vorliegenden Fall heftig umstritten. «Auf die Forderung der BVK auf sofortige Herausgabe von zu Unrecht vereinnahmten Retrozessionen eines beauftragten Vermögensverwalters wurde nicht eingegangen», schreibt die BVK in einer Stellungnahme. Erst weigerte sich Jefferies sogar, den Umfang der Kick-backs bekannt zu machen, obwohl sie dazu vertraglich explizit verpflichtet war, wie das Gericht feststellte. Daraufhin stellte die BVK unter neuer Führung 2011 ganz einfach die Zahlung von Gebühren ein. Erst dann gab Jefferies eine Liste mit Zahlungen in Höhe von total 9,6 Millionen Franken heraus. Doch diese war offensichtlich unvollständig. 2014 schob Jefferies Informationen über weitere Zahlungen von rund 2,5 Millionen Franken nach.

Das Urteil ist rechtskräftig

Dabei flog noch etwas anderes auf. Am 1. Oktober 2003 wurde der Auftrag zur Absicherung der Fremdwährungsrisiken an die Lehmann Partner Vermögensverwaltung (LPV) vergeben, dabei wurden sogenannte Vermittlungsprovisionen vereinbart. Der Gründer der LPV wurde am 26. November 2012 wegen Bestechung verurteilt. Er hatte Gloor mit 7 Prozent an den Einnahmen seiner Firma beteiligt. Eine abenteuerliche Geschichte. Der LPV-Gründer steckte Gloor das Geld jeweils in bar, versteckt in Couverts, auf dem Parkplatz vor dem Restaurant Aurelio in Zürich zu. Insgesamt kamen so 863 000 Franken zusammen. Dabei ging es nicht nur um die Fremdwährungsanleihen, sondern um alle Devisenabsicherungen, die LPV für die BVK tätigte.

Was das Verhältnis zu Jefferies betrifft, so floss auch ein Teil der Gebühren, die LPV für seine Dienste einkassierte, an Jefferies zurück. Auch diese muss Jefferies an die BVK auszahlen. Dabei geht es um den eher geringen Betrag von rund 300 000 Franken.

Insgesamt fliessen nun Gebühren in Höhe von 12,5 Millionen Franken an die BVK zurück. Hinzu kommen Verzugszinsen in Höhe von 7,5 Millionen Franken. «Das Urteil ist rechtskräftig, das heisst endgültig», sagt BVK-Chef Thomas Schönbächler auf Anfrage. Jefferies-Sprecherin Sara Boyes wollte keine Stellung nehmen.

Quelle: Tages Anzeiger
04.04.2018

22.12.2017

Was bedeutet der Rentenreformplan des Bundesrates für die Pensionskassen?

Der Bundesrat will die Reformen der AHV und der zweiten Säule trennen. Die zweite Säule hat nur noch zweite Priorität. Doch die Pensionskassen können sich selber helfen.

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Nun ist es amtlich. Der Bundesrat will die Rentenreform aufspalten. Wie Sozialminister Alain Berset am Mittwoch verkündete, soll die AHV gegenüber der Reform der zweiten Säule Priorität haben (NZZ 21. 12. 17). Die Reform der ersten Säule ist dringlicher, weil sich die AHV ohne Gesetzesänderung im Unterschied zu den Pensionskassen nicht selber helfen kann und bald mit jährlichen Milliardenverlusten rechnen müsste.

Doch ganz ohne Verbindung der beiden Säulen dürfte es nicht gehen, wie befragte Fachleute betonen. Die vom Bundesrat vorgesehene Flexibilisierung des Rentenalters in der AHV zwischen 62 und 70 Jahren bedinge eine Koordination mit der beruflichen Vorsorge. Auch die geplante Erhöhung des AHV-Referenzrentenalters für Frauen von 64 auf 65 Jahre sollte sinnvollerweise ebenfalls für die zweite Säule gelten.

Verzögerung «nicht tragisch»

Der Kern der separaten Vorlage zur beruflichen Vorsorge betrifft den Umwandlungssatz. Über dieses Dossier sollen sich nun zunächst die Sozialpartner beugen, um die Grundlagen für eine mehrheitsfähige Lösung zu schaffen. Für das obligatorische Alterskapital gilt immer noch ein Mindestumwandlungssatz von 6,8%. Pro 100 000 Fr. Alterskapital fliesst damit eine Jahresrente von 6800 Fr. In der vom Volk abgelehnten Vorlage war eine Senkung auf 6,0% vorgesehen.

Hinter dem Umwandlungssatz stecken Annahmen über die Lebenserwartung und die nominalen Anlagerenditen. Die Lebenserwartung ist in der Schweiz laufend am Steigen, die Renditeerwartungen aber sind deutlich gesunken. Viele Pensionskassenexperten betrachten heute einen Umwandlungssatz um 5% als rechnerisch einigermassen korrekt. Ist dieser Satz zu hoch angesetzt, werden Rentner faktisch durch Jüngere subventioniert.

Was wären die Folgen für die Pensionskassen, wenn es noch jahrelang beim Minimum von 6,8% bliebe? «Das wäre nicht tragisch», sagt Peter Zanella von der Beratungsfirma Willis Towers Watson: «Die meisten Pensionskassen können dies durch die Senkung des Umwandlungssatzes auf dem überobligatorischen Kapital kompensieren.» Beim überobligatorischen Kapital gibt es kein gesetzliches Minimum für den Umwandlungssatz.

Gemäss Daten der Oberaufsichtsbehörde sind rund 85% der Versicherten in Pensionskassen versichert, die genügend überobligatorisches Kapital hätten, um den Umwandlungssatz für den Durchschnitt des Gesamtkapitals auf etwa 5% zu senken. Laut einer Branchenumfrage von Swisscanto lag heuer der Durchschnitt des Umwandlungssatzes für Neurentner noch bei etwa 6%. Viele Senkungen sind aber schon aufgegleist, so dass das Mittel in fünf Jahren nahe bei 5,5% liegen könnte. Vorsorgeeinrichtungen ohne überobligatorisches Kapital müssten früher oder später die Lohnbeiträge erhöhen. Laut Zanella würde dies für die Betroffenen «Transparenz schaffen über die Kosten des hohen Mindestumwandlungssatzes». Vielleicht führe dies «in einigen Jahren zu einem Umdenken».

Ausbau statt Abbau

Gemessen an der Rhetorik auf der Politbühne, heisst Senkung des Umwandlungssatzes automatisch «Leistungsabbau». Bei der Einführung des Gesetzes für die berufliche Vorsorge (BVG) 1985 lag der gesetzliche Mindestumwandlungssatz bei 7,2%. Eine Senkung von 7,2 auf 5% reduziert bei unverändertem Kapital die nominale Jahresrente um rund 30%. Doch von einem Leistungsabbau in diesem Ausmass kann keine Rede sein. Beim Start des BVG 1985 steckte hinter dem damaligen Umwandlungssatz faktisch eine Renditegarantie (im Jargon: technischer Zinssatz) für die Neurentner von nominal 4%. Und hinter einem Umwandlungssatz um 5% steht heute faktisch eine Renditegarantie von nominal gut 2%. Rund drei Viertel der Differenz zwischen den erwarteten Nominalrenditen von 1985 und jenen von heute werden aber durch die Reduktion der Teuerung kompensiert, und somit wird die Kaufkraft der Jahresrenten kaum geschmälert. Die durchschnittliche Inflation von 1985 bis 2005 (als die erste BVG-Revision in Kraft trat) betrug 1,8% pro Jahr, seither belief sich die Inflationsrate im Mittel nur auf 0,2%. Politiker und Lobbyisten räumen dies in Gesprächen zwar ein, entgegnen aber, dass man dies dem Publikum nicht erklären könne.

Hinzu kommt, dass die Lebenserwartung für 65-Jährige seit 1985 um einen Viertel gestiegen ist – von 17 auf über 21 Jahre (Durchschnitt von Frauen und Männern). Entsprechend fallen mehr Jahresrenten an, was einen Ausbau der gesamten Rentenleistung bedeutet.

Trotzdem herrscht in der Politik in einem Punkt fast Einigkeit: Die nominalen Jahresrenten sollen insgesamt nicht sinken. Das ist auch die Prämisse vor dem Start der Verhandlungen der Sozialpartner. Auch der Arbeitgeberverband teilt diese Ansicht, wie dessen Direktor Roland Müller bestätigt.

Die nun vom Bundesrat gewünschten Verhandlungen der Sozialpartner waren ein Anliegen der Arbeitgeber. Die ersten Gespräche sollen Anfang des nächsten Jahres starten. «Unser Ziel wäre, dass sich die Sozialpartner bis Ende des nächsten Jahres auf eine Grobvorlage einigen», sagt Arbeitgeberverbands-Direktor Müller. Er hofft, dass die Reform der zweiten Säule am Ende «mit nicht mehr als einjähriger Verspätung auf die Vorlage zur ersten Säule in Kraft treten kann».

Ob es zu einer Einigung kommt, ist völlig offen. Die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern waren jüngst nicht die besten, und die Differenzen in der Rentenfrage sind erheblich. Sollte es per saldo wie bei der abgelehnten Vorlage eine weitgehende oder gar volle «Kompensation» der Senkung des Mindestumwandlungssatzes geben, könnte man auf die Senkung wohl auch gleich verzichten. Die Umverteilung von Jung zu Alt könnten die Pensionskassen weitgehend selber eliminieren, es bliebe die Umverteilung von den Gross- zu den Kleinverdienern.

Verteuerung der Arbeit

Will man die besagten Kompensationen, heisst dies wohl höhere Lohnbeiträge und für eine Übergangsgeneration auch eine Zusatzfinanzierung; die abgelehnte Vorlage hatte dafür eine Subventionierung über den Sicherheitsfonds vorgesehen, der von allen Pensionskassen gefüttert wird. Dies würde eine Umverteilung zwischen den Pensionskassen in Gang setzen. Eine Erhöhung der Lohnbeiträge brächte derweil eine Verteuerung der Arbeit. Die Arbeitgeber würden jedoch sicherlich versuchen, mindestens einen Teil der Zusatzkosten zu überwälzen – auf die Angestellten (tieferer Lohnanstieg), die Konsumenten (Preiserhöhungen) und die Arbeitslosen (Stellenabbau).

Das heuer im Parlament diskutierte Kompensationsmodell des Nationalrats könnte mit der Verteuerung der Arbeitskosten einige tausend Stellen kosten. Der Arbeitgeberverband bezeichnet dieses Modell heute als «zu teuer», doch Varianten davon könnten nun wieder aufs Tapet kommen.

Quelle: NZZ
22.12.2017

10.12.2017

Rentenabbau macht Kapitalbezug attraktiver

Die Pensionskassen senken die Renten. Dagegen hilft ein Kapitalbezug – nun aber droht eine Beschränkung.

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Eine Kürzung der Rente um bis zu 10% ist verkraftbar. Dies hat das Bundesparlament diese Woche entschieden. Den Stein ins Rollen brachte die Pensionskasse des Bundes Publica. Denn die mit 64 000 Versicherten grösste PK des Landes senkt den Umwandlungssatz (UWS) per Anfang 2019 von 5,65% auf 5,09%. Pro 100 000 Fr. Alterskapital reduziert sich die jährliche Rente somit von 5650 auf 5090 Fr.

Diese Kürzung wollte der Bundesrat durch einen einmaligen Sonderbeitrag von 160 Mio. Fr. sowie eine jährliche Unterstützung von 40 Mio. Fr. abfedern, was die eidgenössischen Räte jedoch abgelehnt haben.

Umwandlungssätze ausgewählter Pensionskassen

Zwar ist der Spardruck bei der Publica grösser als bei anderen Pensionskassen, weil sie nur über knappe Reserven verfügt. Dennoch hat die Massnahme Signalcharakter: Viele andere PK haben den UWS ebenfalls schon unter 5,5% gesenkt. Den gesetzlich vorgeschriebenen Satz von 6,8% verwenden nur noch wenige Vorsorgeeinrichtungen. Dieser gilt einzig für die gesetzlichen Minimalleistungen bis zu einem Lohn von 84 600 Fr. Weil aber die meisten Pensionskassen bei den Sparbeiträgen über dieses Obligatorium hinausgehen, haben sie bei der Festsetzung des UWS freie Hand.

Die zweite Säule werde aufgrund des ständigen Abbaus kritischer beurteilt als früher, beobachtet Florian Schubiger, Mitgründer der Beratungsfirma Vermögenspartner: «Die Versicherten prüfen vermehrt Möglichkeiten, um den Rentenkürzungen zu entgehen.» Der beste Zeitpunkt dazu ist vor der Pensionierung: Dann muss sich jeder entscheiden, ob er sein Altersguthaben als Kapitalauszahlung oder als Rente beziehen will. Bei dieser Weichenstellung geht es um Hunderttausende Franken – umso reiflicher sollte man sich die Wahl überlegen.

Entscheidend ist das Alter

Das wichtigste Kriterium ist der Gesundheitszustand: Wer davon ausgeht, dass er sehr alt wird, fährt mit der Rentenlösung besser. Bei einer unterdurchschnittlichen Lebenserwartung dagegen empfiehlt sich der Kapitalbezug.

Die unten stehende Grafik verdeutlicht den Zusammenhang. Die Modellrechnung basiert auf einem Altersguthaben von 500 000 Fr. Mit einem UWS von 6,8% erreicht die jährliche Rente 34 000 Fr. Wer nach der Pensionierung noch 30 Jahre lebt, kommt auf Einnahmen vor Steuern von 1 020 000 Fr. Gegenüber dem Kapitalbezug ergibt dies einen Vorteil von mehr als 300 000 Fr., wenn die Rendite auf dem Kapital 1,5% beträgt.

Falls jemand aber schon mit 70 stirbt, profitiert er nur fünf Jahre von der PK-Rente. Mit dem Kapitalbezug hätte für ihn respektive seine Nachkommen 320 000 Fr. mehr herausgeschaut. Wie die Grafik zeigt, führen die beiden Varianten bei einer Lebenserwartung von 83 Jahren zu einer ausgeglichenen Bilanz.

Beträgt der Umwandlungssatz dagegen nur noch 5%, verliert die Rentenlösung an Attraktivität. In der Modellrechnung verschiebt sich das Alter, ab welchem der Kapitalbezug nicht mehr zum besseren Ergebnis führt, auf das 90. Lebensjahr. Und wer mit 95 stirbt, erzielt mit der Rente einen deutlich kleineren Vorteil von lediglich 100 000 Fr.

In der Praxis wird die Abwägung durch weitere Faktoren beeinflusst: Bei einem geringen Alterskapital ist die Sicherheit besonders wichtig, was tendenziell für die Rente spricht. Abzuklären ist ebenso, ob man sich zutraut, das bezogene Guthaben selber anzulegen. Neben der erwarteten Rendite ist zudem die Inflationsprognose wichtig: Im Falle einer starken Teuerung bietet der Kapitalbezug den besseren Schutz.

Auch ein hoher Steuersatz spricht tendenziell für den Kapitalbezug. Umgekehrt wählen Verheiratete eher die Rente, weil die Pensionskassen eine Hinterbliebenenrente auszahlen, welche in der Regel 60% beträgt. Ins Gewicht fällt dies vor allem, wenn die Partnerin oder der Partner deutlich jünger ist. Vielfach empfiehlt sich auch eine Mischlösung, also ein teilweiser Kapitalbezug. Im Mittel beträgt das ausbezahlte Guthaben 170 000 Fr.

Bund will eine Beschränkung

Nun allerdings wollen der Bundesrat wie auch der Ständerat den Kapitalbezug begrenzen. Demnach bleibt dieser nur noch beim überobligatorischen Altersguthaben zulässig. Die Neuerung soll verhindern, dass Pensionäre ihr Geld verjubeln und danach auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind.

Der Nationalrat entscheidet voraussichtlich im nächsten Frühling, ob die Einschränkung rechtsgültig wird. Laut Florian Schubiger bedeutet der Vorschlag eine problematische Zäsur für die zweite Säule: «Bisher galt der Grundsatz, dass die Guthaben in der beruflichen Vorsorge den einzelnen Versicherten gehören. Wenn die Wahlfreiheit aber wegfällt, wird dieses Prinzip infrage gestellt.»

Die Leistungen der zweiten Säule sind deutlich geringer als noch vor wenigen Jahren. Neben der tieferen Verzinsung führen die sinkenden Umwandlungssätze zu einer spürbaren Reduktion der Renten. Die vorgesehene Begrenzung des Kapitalbezugs schmälert die Attraktivität zusätzlich.

Immerhin hielt das Parlament für die Versicherten der Publica ein Trostpflaster bereit. Den Sonderbeitrag lehnte es zwar ab, dafür genehmigte es eine Lohnerhöhung von 0,6% – nachdem es in den beiden Vorjahren jeweils eine Nullrunde gab.

Quelle: NZZ
09.12.2017

9.5.2017

Pensionskassen erwirtschaften 2016 bessere Rendite

Die Schweizer Pensionskassen haben 2016 besser gewirtschaftet als im Jahr zuvor. Die durchschnittliche Anlagerendite stieg trotz Negativzinsen von 0,8 auf 3,7 Prozent. Eine Finanzierungslücke aber bleibt.

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Das teilte die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) am Dienstag mit. Der Deckungsgrad blieb im Durchschnitt stabil bei 103,0 Prozent. Dabei gibt es jedoch grosse Unterschiede: 88 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie haben einen Deckungsgrad von mindestens 100 Prozent. Bei jenen mit Staatsgarantie sind es nur 4 Prozent.

Strukturelle Probleme bleiben

Trotz den höheren Renditen bleiben die strukturellen Probleme der beruflichen Vorsorge ungelöst. Obwohl viele Pensionskassen den Umwandlungssatz letztes Jahr gesenkt haben, liegen die künftigen Zinsversprechen noch immer höher als die Renditeerwartungen. Das führt zu einer Finanzierungslücke, die von der aktiven Generation gestopft werden muss.

Nach Ansicht der OAK BV werden daher weitere Anpassungen nötig sein, sofern das Zinsniveau weiterhin so tief bleibt wie heute. Im obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge ist die Kürzung bereits aufgegleist: Im Zuge der Altersvorsorge 2020 soll der Umwandlungssatz von 6,8 Prozent auf 6 Prozent gekürzt werden. Über die Vorlage wird am 24. September 2017 abgestimmt.

Tieferer Umwandlungssatz erst der Anfang

Pierre Triponez, Präsident der OAK BV, sprach gemäss Redetext von einer dringend notwendigen Weichenstellung. Seiner Meinung nach ist das aber nicht das Ende der Reise, sondern erst der «Anfang eines grösseren Wandels».

Quelle: NZZ
09.05.2017

9.5.2017

Sammelstiftungen im Fokus der Aufsicht

Die Oberaufsichtskommission nimmt Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen stärker unter die Lupe. Die Einrichtungen sollten risikoorientiert geführt werden, sie haben allerdings auch ihre Stärken.

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In der beruflichen Vorsorge ist in der Schweiz seit Jahren ein Konzentrationsprozess zu beobachten. Die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) hat mitgeteilt, dass die Zahl der Vorsorgeeinrichtungen im vergangenen Jahr um 71 auf 1865 gesunken ist. Darin spiegelt sich unter anderem die Entwicklung, dass Unternehmen firmeneigene Pensionskassen schliessen und die berufliche Vorsorge Sammeleinrichtungen übergeben. Die Kassen sind möglicherweise zu klein, oder das Unternehmen möchte die Risiken der beruflichen Vorsorge in einem Umfeld mit negativen Zinsen lieber nicht tragen. Ende 2016 waren mit 2,4 Mio. rund 60% der aktiven Versicherten in der zweiten Säule in Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtungen versichert.

Die grosse Bedeutung der Einrichtungen hat dazu geführt, dass die OAK BV sie stärker unter die Lupe nimmt. In der Tat dürften manche der Einrichtungen die nötigen Senkungen ihrer Umwandlungssätze hinauszögern, um im Wettbewerb um neue Anschlüsse möglichst attraktiv auszusehen. Mit der Konzentration in der beruflichen Vorsorge habe sich die Tendenz zum Eingehen höherer Risiken bei den Einrichtungen verstärkt, teilt die Oberaufsicht mit. Sollte sich die Lage an den Kapitalmärkten verschlechtern, könnten Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen mit kritischer Situation ein Risiko für den Sicherheitsfonds und damit alle Versicherten werden. Die OAK BV gibt dies als einen der Gründe dafür an, dass sie nun neue, jährlich zu erhebende Risikokennzahlen einführen will. Auf die Einrichtungen kommen noch weitere Informationsanforderungen zu. Es ist wichtig, dass Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen risikoorientiert geführt werden. Allerdings sollten auch ihre Stärken berücksichtigt werden. Eine davon ist ihr vorteilhaftes Verhältnis von Aktiven zu Rentnern, das im Durchschnitt bei 10 zu 1 liegt. Davon können viele firmeneigene Pensionskassen nur träumen.

Quelle: NZZ
09.05.2017

12.4.2017

Schweizerischer Arbeitgeberverband: Nein zur Altersvorsorge 2020

Der Schweizerische Arbeitgeberverband hat die Nein-Parole zur Volksabstimmung über die Reform Altersvorsorge 2020 vom 24. September 2017 beschlossen. Die Arbeitgeber erteilen mit ihrem Votum einem unsolidarischen und unterfinanzierten AHV-Ausbau eine Absage. …mehr

Die Mitglieder des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) haben sich an ihrer Vorstandssitzung gegen die Altersvorsorgereform 2020 ausgesprochen, über die das Stimmvolk am 24. September 2017 befindet. Die Arbeitgeber lehnen eine Vorlage ab, die das Parlament – entgegen den Reformzielen und trotz der Ablehnung von «AHVplus» – zu einer überladenen Ausbauvorlage umfunktioniert hat, statt die Altersvorsorge nachhaltig auf eine stabile finanzielle Basis zu stellen. Die strukturellen Probleme, darunter die chronisch defizitäre AHV-Kasse und die Pensionierungswellen der geburtenstarken Jahrgänge, werden nicht nur ausgeblendet, sondern sogar verschärft. So übersteigen die Kosten des AHV-Ausbaus bereits 2030 die Mittel, die durch die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre frei werden.

Eine weitere Schwäche der Reform liegt im unsolidarischen Giesskannenprinzip des AHV-Ausbaus. Monatlich werden 70 Franken an alle Neurentner und sogar bis zu 226 Franken an alle Neurentnerehepaare verteilt – unabhängig von ihrer finanziellen Situation und ungeachtet dessen, ob sie von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge betroffen sind. Der Ausbau, für den viele bezahlen und von dem nur wenige profitieren, führt zu einer AHV zweier Klassen. Zu den grossen Profiteuren zählt die Übergangsgeneration zwischen 45 und 65 Jahren. Sie wird dank Zahlungen aus dem Sicherheitsfonds von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der zweiten Säule verschont und kommt dennoch in den Genuss des AHV-Zustupfs von jährlich 840 Franken.

Die Reform gefährdet überdies den Zusammenhalt zwischen den Generationen. Auf der Verliererseite stehen bisherige Rentner, welche die berufliche Vorsorge aufgebaut haben, aber selber keine Chance mehr haben, ihre Pensionskassenrenten aufzubessern. Vielmehr müssen sie eine im Portemonnaie spürbare Erhöhung der Mehrwertsteuer verkraften, die den AHV-Ausbau mitfinanziert. Schlechter gestellt werden – wie dies bereits bei der deutlich verworfenen AHVplus-Initiative der Fall gewesen wäre – ausgerechnet jene bedürftigen Rentner, denen im Gegenzug zum AHV-Zustupf die steuerbefreiten Ergänzungsleistungen (EL) gekürzt werden. Die grössten Lasten werden aber den Jungen und nachkommenden Generationen aufgebürdet. Sie bezahlen die Zeche für den AHV-Ausbau, da sie ab 2030 zusätzlich zur weiter wachsenden Anzahl Rentner für die ungedeckten Checks der Reform geradestehen müssen.

Eine Annahme der unterfinanzierten Ausbauvorlage würde bereits mittelfristig trotz der Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,6 Prozent sowie der Lohnbeiträge um total 0,7 Prozent wieder grosse Löcher in die AHV-Kasse reissen und den Druck zu weiteren Reformen mit zwangsläufig einschneidenderen Sanierungen erhöhen. Bereits 2025 müsste die nächste Reform umgesetzt werden. Der unsolidarische AHV-Ausbau für arm und reich erhöht daher letztlich nur den Druck, das Rentenalter rascher anheben zu müssen. Die Arbeitgeber stehen weiterhin zu einer Reform der Altersvorsorge mit sicheren Renten auf heutigem Niveau, erteilen einem unsolidarischen AHV-Ausbau aber eine klare Absage. Lehnt das Schweizer Volk am 24. September 2017 zum zweiten Mal innert Jahresfrist einen für unser wichtigstes Sozialwerk gefährlichen Giesskannenausbau ab, wird der Weg endlich frei für eine echte Reform der Altersvorsorge für sichere Renten in beiden Säulen. Teure Experimente hat unsere AHV nicht verdient.

Denn ein Scheitern der Vorlage an der Urne bedeutet nicht das Ende des Reformprozesses. Die zentralen Elemente sind bekannt und liegen auf dem Tisch. Statt einer überladenen Reform braucht es danach zügig separate und verdaubare Portionen, wie sie die Wirtschaft seit Beginn des Reformprozesses stets gefordert hat. Dabei sind die heute selbst von linken Kreisen geforderten Massnahmen anzugehen: als erstes die Angleichung des Rentenalters für Männer und Frauen auf 65. Zweitens braucht es eine Senkung des Mindestumwandlungssatzes mit angemessener Kompensation innerhalb der beruflichen Vorsorge, wozu der Nationalrat einen grundsätzlich gangbaren Weg vorgezeichnet hat. Drittens müssen die politischen und sozialpartnerschaftlichen Akteure in einem sorgfältig zu erarbeitenden breiten Konsens aufzeigen, wie mittelfristig das immer schlechter werdende Umlageverhältnis in der AHV durch eine schrittweise und sozialverträgliche Erhöhung des Rentenalters langfristig sichergestellt werden kann.

Kontakt:

Roland A. Müller, Direktor, Tel. 079 220 52 29,
mueller@arbeitgeber.ch

Martin Kaiser, Ressortleiter Sozialpolitik, Tel. 079 517 68 26,
kaiser@arbeitgeber.ch

Quelle: Presseportal.ch
12.04.2017

29.3.2017

Mehr Zwang beim Zwangssparen

Die Politik erhöht den Druck beim obligatorischen Sparen in der 2. Säule gleich zweifach. Erstens ­sollen wir mehr einzahlen. Zweitens sollen wir das Geld nicht mehr als Kapital, sondern nur noch als Rente beziehen. …mehr

Eine Reform jagt die andere. Soeben hat das Parlament die grosse Reform der Altersvorsorge gezimmert, die am 24. September an die Urne kommt. Noch vorher, im Juni, beginnt im Ständerat die Debatte über die Reform der ­Ergänzungsleistungen (EL).

Am Dienstag hat die Sozialkommission dazu erste Vorentscheide gefällt. Die zwei Projekte überlagern sich in einem politisch sensiblen Punkt: Beide ­sehen beim ­obligatorischen Teil der 2. Säule (Pensionskassen) wichtige Veränderungen vor, die sich gegenseitig verstärken.

Der Verdacht

Zuerst einmal wird mit der Renten­reform das staatlich erzwungene Alterssparen markant ausgebaut. Hier geht es um das Doppelproblem der tiefen Renditen und der gestiegenen Lebenserwartung. Als Reaktion darauf will das ­Parlament mit der Reform den Mindestumwandlungssatz der Pensionskassen senken, womit es künftig pro angespartem Franken weniger Rente gibt. Das ­effektive Rentenniveau soll aber nicht sinken.

Deshalb müssen Arbeitnehmer zusammen mit ihren Arbeit­gebern in Zukunft während des gesamten Berufslebens mehr Geld in die Pensionskasse ein­zahlen. So erhöht sich zum Beispiel das Zwangssparen bis zur Pensionierung für einen Angestellten mit einem Lohnniveau von 4500 Franken im Monat um insgesamt 30’000 Franken.

Unmittelbar betroffen sind zwar nur etwa 15 Prozent ­aller Angestellten, da die Mehrheit in Pensions­kassen versichert ist, deren Leistungen über das obligatorische Alterssparen hinausgehen.

Doch zusammen mit der EL-Reform sind plötzlich alle Angestellten betroffen. Hier setzt der Bundesrat den Hebel ebenfalls bei der 2. Säule an. Er will die Möglichkeiten einschränken, das angesparte Geld bei der Pensionierung als Kapital zu beziehen, statt es in monatliche Renten ­umwandeln zu lassen.

Konkret will der Bundesrat verbieten, im Rahmen der obligatorischen ­Vorsorge angesparte Gelder als ­Kapital zu beziehen. Stattdessen müsste man sich diesen Teil des Kapitals neu zwingend in eine Rente umwandeln lassen. Dieser Vorschlag war zwar bisher umstritten, die Sozialkommission des Ständerats hiess ihn gestern aber einstimmig gut, wie aus ihrer Mitteilung hervorgeht.

Die Einschränkungen beim Kapitalbezug sollen dazu bei­tragen, dass künftig weniger Rentner auf EL angewiesen sind. Dahinter steht der Verdacht, dass die Rentner das bezogene Kapital weniger gut verwalten und an­legen werden als ihre Pensionskasse. Oder dass sie es im schlimmsten Fall verprassen, im Wissen, dass sie danach EL beantragen können.

«Schnell ausgegeben»

Der Bundesrat formuliert es in der Botschaft freundlicher: «Das Altersguthaben kann schnell ausgegeben werden. Ist es einmal aufgebraucht, steht die betroffene Person unter Umständen mittellos da.» Eine Rente hingegen garantiere ein regelmässiges Einkommen während der gesamten Dauer des Rentenalters, auch wenn man sehr alt werde.

Die Beschränkung des Kapitalbezugs wirkt sich zusammen mit dem Ausbau des obligatorischen Sparens in der Rentenreform flächen­deckend aus. Bei allen Arbeit­nehmern – auch bei jenen in gross­zügigen Pensionskassen – entfällt künftig ein grösserer Teil des Alterskapitals auf das ­Obligatorium. Und dieses soll von der Kapitalauszahlung neu ausgeschlossen werden.

Geld für Selbstständige?

Der Bundesrat will den Schutz der obligatorischen Vorsorge mit der EL-Reform noch anderweitig ausbauen. Wer sich selbstständig macht, kann heute als Starthilfe einen Teil ­des Pensionskassen­kapitals beziehen. Auch dies wäre neu nur noch bei dem Teil erlaubt, der über das Obligatorium hinausgeht. Hier ist aber mit Widerstand zu rechnen.

Die Mehrheit der Kommission will den ­Kapitalbezug in diesen Fällen nicht verbieten, sondern nur einschränken.

Quelle: Berner Zeitung
29.03.2017

3.3.2017

Alternativanlagen sind im Sinn der Versicherten

Fortschrittliche Pensionskassen liefern mit Alternativanlagen beste Beweise dafür, dass sich Offenheit im Anlegen lohnt. Eine Neubeurteilung nichttraditioneller Anlagen drängt sich im Interesse aller aktiven Beitragszahler der zweiten Säule auf – nicht nur wegen des Ertragsdrucks, auch weil einige Angebote transparenter und günstiger geworden sind.

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Es lässt sich zwar nicht abstreiten, dass in einem Universum von über 20 000 äusserst heterogenen Anbietern auch schwarze Schafe auftauchen. Aber einige Manager nahmen die teils berechtigten Vorwürfe ernst und bieten heute trans­parente, kosteneffiziente und attraktive Anlagelösungen an.

Zwei Beispiele dazu: Senior Secured Loans sind Darlehen an kleine und mittelgrosse Firmen. Sie ähneln den High Yield Bonds, d. h. Anleihen von Schuldnern mit niedrigem Rating, die gemäss den Anlageregeln der beruflichen Vorsorge als traditionelle Obligationen klassifiziert werden. Loans sind aber risikoärmer, weil sie in der Kapitalstruktur einer Firma über den Anleihen liegen, besichert sind und historisch geringere Kapitalverluste wegen Firmenkonkursen erlitten.

Zudem sind die Loans als Floating Rate mit einem Zinszuschlag gegenüber Libor konzipiert. Damit sind sie bei einer Verschiebung der Zinskurve weniger preissensitiv als Anleihen. Gewisse Funds sind bis auf die einzelnen Titel transparent, falls sich Anleger dafür interessieren.

Erkennbar wird, wie umfangreich der Manager diversifiziert, welche Sektoren im Vordergrund stehen, welche Titel gefährdet erscheinen oder wie hoch die erwartete Rendite ist. Loan-ETF, die renditemässig weit hinter den kaum replizier­baren Indizes landen, sind nicht günstiger, und ebenso wenig sind es viele aktive Funds, sowohl solche für Qualitätsanleihen (Investment Grade) als auch für High Yield Bonds.

Ein zweites Beispiel sind Hedge Funds mit Trendfolgestrategien (CTA). Sie suchen mit mathematischen Modellen in zahlreichen Märkten nach Preistrends und wetten auf deren Fortsetzung. Ihr Diversifikationspotenzial ist deshalb gross. Gerade in heftigeren Krisen, wenn Aktienmärkte, Rohstoffe oder Währungen anhaltend an Wert verlieren, verhalten sich CTA im Gesamtportfolio stabilisierend.

Zentral ist ihr systematisches Anlagevorgehen. Entscheide werden nicht nach Bauchgefühl von Managern getroffen, sondern über Modelle gesteuert. Fortschrittliche Anbieter stellen diese Modelle den Anlegern zur Verfügung und zeigen ihre Positionen auf täglicher Basis.

Transparente Lösungen finden sich auch in weiteren Segmenten des Alternativmarkts, etwa in Insurance Linked Securities (Versicherungsverbriefungen wie bspw. Cat Bonds) und Private Debt Funds.

Im stark umkämpften Markt liegen die Gebühren für erstklassige Loan Funds und für ausgewählte CTA heute zwischen 0,3 und 1% jährlich ohne Performance­gebühr. Der Pauschalvorwurf, alle Alternativanlagen seien intransparent und teuer, ist unseriös und überholt.

Die Transparenz der genannten Beispiele bietet professionell aufgestellten oder beratenen Anlegern die Chance, mit Sorgfalt und Komfort in Alternative zu ­investieren. Damit dürfte sich dank geringerer Gebühren nicht nur die Diversifikation, sondern auch die erwartete Rendite verbessern, was im Niedrigzinsumfeld höchst willkommen ist.

Quelle: Finanz und Wirtschaft
03.03.2017

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22.2.2017

Diversifikation, aber richtig

Für jüngere Menschen ist der Aktienanteil der Pensionskasse zu klein. Sie müssen deshalb für ihre eigene Vorsorge möglichst viel in Aktien investieren. Ein Kommentar des stv. Chefredaktors Clifford Padevit. …mehr

Ausnahmen bestätigen die Regel: Das stimmt auch für die langfristigen Renditen von Aktien und Obligationen. Dass Obligationen, sogar die sichersten unter ihnen – Staatsanleihen –, seit 2000 besser abgeschnitten haben als Aktien, ist die Ausnahme. Das zeigt die jährliche Auswertung von Anlagerenditen von drei Professoren im Auftrag der Credit Suisse eindrücklich. Und damit ist die Regel bestätigt: Aktien sind auf lange Sicht die Anlageklasse, die am meisten einbringt und die Risiken mit dem höheren Ertrag abgilt.

Nur ist es so eine Sache mit Aktien. Wer zum falschen Zeitpunkt einsteigt, reduziert seine eigenen Renditeaussichten. Ein extremer Zeitpunkt in dieser Hinsicht war das Jahr 1999. Wer damals investiert hatte, sass wegen der Baisse kurz danach ­sowie der Finanzkrise ab 2007 über zehn Jahre auf einem Verlust.

Wer aber auf lange Sicht finanziellen Erfolg haben will, der muss sich auch an der langen Sicht orientieren. Darum führt an Aktien für den persönlichen Vermögensaufbau kein Weg vorbei. Je eher junge Sparer in Aktien investieren, desto besser.

Privatpersonen sollten sich bei der Vermögensaufteilung von einer Gesamtsicht leiten lassen, die auch die eigenen Pensionskassenvermögen einschliesst. Im Schnitt halten die Pensionskassen derzeit rund 30% der Vermögen in Aktien. Das ist für jüngere Menschen viel zu wenig. Sie sollten deshalb für ihre eigene Vorsorge möglichst viel in Aktien investieren, um die geringere Allokation der Pensionskasse auszugleichen. Wenn sie dann auch noch regelmässig zukaufen, müssen sie sich auch nicht um den richtigen Zeitpunkt der Investition kümmern.

Diversifikation richtig angegangen heisst also vor allem Aktien kaufen.

Quelle: Finanz und Wirtschaft
22.02.2017

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