Personalvorsorgekasse der Stadt Bern

4.4.2016

Systemwechsel bei Stadtberner Pensionskasse

Die Pensionskasse der Stadt Bern soll 2019 aufs Beitragsprimat umgestellt werden. Das geht aus der Botschaft an den Stadtrat hervor, die Finanzdirektor Alexandre Schmidt am Montag vor den Medien präsentierte.

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Die Arbeitgeberinnen sollen mit einer Übergangseinlage von 68,3 Millionen Franken sicherstellen, dass ältere Versicherte im neuen Beitragsprimatplan aufs bisherige Leistungsniveau kommen. Die Stadt muss einen Anteil von gut 40 Millionen Franken leisten. Finanzieren will sie dies mit einem Teil des Überschusses aus der Rechnung 2015. Auch diesem Vorhaben muss das Parlament noch zustimmen.

Die bereits eingeleitete Sanierung der Pensionskasse werde wie geplant fortgesetzt, hiess es an der Medienorientierung. Der Weg zur Ausfinanzierung sieht bekanntlich vor, den Deckungsgrad von 100 Prozent spätestens im Jahr 2051 zu erreichen.

Innert drei Jahren habe der Deckungsgrad bereits von 79 auf heute 91 Prozent gesteigert werden können, stellte Finanzdirektor Schmidt fest. Der Primatwechsel erfordere deshalb keine neue Diskussion über die Behebung der Deckungslücke und Äufnung einer Wertschwankungsreserve.

Mit dem Beitragsprimat werde die Pensionskasse der Stadt auf ein zeitgemässes Fundament gestellt. Dank Anpassungen beim Koordinationsabzug profitierten Mitarbeitende mit tieferen Einkommen künftig von höheren Leistungen. Bei Mitarbeitenden mit höheren Einkommen sollen die Renten praktisch unverändert bleiben.

Die Inkraftsetzung des Primatwechsels ist per 1. Januar 2019 geplant. Sie bedarf der Zustimmung des Parlaments und wird den Stimmberechtigten freiwillig zum Beschluss unterbreitet werden.

Quelle: Der Bund
04.04.2016

 

4.4.2016

Primatwechsel: Keine Abstriche für Versicherte

Die Stadt Bern hat den Systemwechsel bei ihrer Pensionskasse bereits finanziert. Der Gemeinderat will einen Teil des Gewinns aus der Rechnung 2015 dafür verwenden. Die Arbeitnehmer erhalten damit eine Garantie, dass sie keine Einbussen erleiden.

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Mit «Gelassenheit» könne die Stadt Bern den Systemwechsel bei ihrer Pensionskasse angehen – so formulierte es Finanzdirektor Alexandre Schmidt (FDP) am Montag. Betrachtet man die Fakten, scheint diese Gelassenheit gerechtfertigt zu sein. Denn die Übergangseinlage, mit der sichergestellt wird, dass ältere Versicherte im neuen Beitragsprimat auf ihre bisherige Rente kommen, ist von städtischer Seite finanziert. Die Stadt muss einen Anteil von gut 40 Millionen Franken leisten und nimmt das Geld aus dem Überschuss der Rechnung 2015.

Gewerkschaft zufrieden

Auch von gewerkschaftlicher Seite gab es bei der Präsentation der Vorlage lobende Worte: «Ich stehe voll hinter dieser Reform und sehe nicht, was man dagegen haben könnte», sagte Michel Berger, Regionalsekretär des VPOD Bern.

Eine solche Aussage ist nicht selbstverständlich. Bei einem Wechsel vom Leistungs- ins Beitragsprimat, wie ihn auch der Kanton Bern vollzogen hat, sind die Renten nicht mehr im Voraus fix garantiert, sondern hängen stark von den effektiven Renditen ab. Durch den Primatwechsel entfällt die Solidarität der jungen versicherten Mitarbeitenden zu den älteren Versicherten.

Letztere erreichen dadurch das bisherige Leistungsziel nicht mehr und benötigen eine einmalige Übergangseinlage. Diese beträgt im Fall der städtischen Kasse insgesamt 68,3 Millionen Franken und wird von den Arbeitgebern getragen. Das sind neben der Einwohnergemeinde Bern, deren Anteil von 40 Millionen eben bereits finanziert ist, Bernmobil, Energie Wasser Bern, die ARA Region Bern, die Energiecheck Bern AG, die Gurtenbahn AG, das Kornhausforum und die Wasserverbund Region Bern AG.

«Mit dieser Lösung garantieren wir, dass der Systemwechsel nicht auf dem Buckel der Arbeitnehmer vollzogen wird», sagte Finanzdirektor Schmidt. Unter anderem nahm die Stadt zuerst die Ausfinanzierung der Pensionskasse an die Hand und erst in einem letzten Schritt den Primatwechsel.

Kritik von den Grünliberalen

Einigen geht diese «Besitzstandesgarantie» zu weit. Die Grün­liberalen kündigten gestern an, man werde diese Lösung «sehr kritisch» prüfen. Vom Parlament sei nur eine Garantie für ältere Arbeitnehmende gefordert gewesen, nicht für sämtliche Versicherten.

Die Vorlage geht nun in die Vernehmlassung und nach den Sommerferien an den Stadtrat. Der Primatwechsel soll am 1. Januar 2019 in Kraft treten.

Quelle: Berner Zeitung
04.04.2016

 

4.4.2016

Städtische Pensionskasse: Vernehmlassung zum Primatwechsel

Der Gemeinderat schickt die Vorlage zum Primatwechsel in die Vernehmlassung. Anstelle des Leistungsprimats soll die Pensionskasse der Stadt Bern mit dem Beitragsprimat auf ein zeitgemässes Fundament gestellt werden. Mit Anpassungen beim Koordinationsabzug profitieren Mitarbeitende mit tieferen Einkommen von inskünftig höheren Leistungen. Die Kosten für die Übergangseinlage betragen 68 Millionen Franken. Der städtische Anteil von 40,5 Millionen Franken ist über die Zweckbindung des Rechnungsüberschusses 2015 bereits vorfinanziert. Die jährlichen Beiträge werden für alle Arbeitgeberinnen um insgesamt 4,89 Millionen Franken tiefer ausfallen, was die Tragbarkeit der Reform weiter stärkt.

Eine von Gemeinderat Alexandre Schmidt, Direktor für Finanzen, Personal und Informatik, geführte Arbeitsgruppe erarbeitete die Vorlage zum Primatwechsel der PVK. Sodann führte der Gemeinderat Anfang Jahr bei den acht der PVK angeschlossenen Organisationen und den Personalverbänden eine interne Vernehmlassung zum Primatwechsel durch. Die Vorlage zur Totalrevision des Personalvorsorgereglements mit Beitragsprimat ist dabei unbestritten geblieben. Folgende Ziele werden mit der Vorlage erreicht:

  • Fortführung des Finanzierungspfades von 340 Millionen Franken gemäss Stadtratsbeschluss;
  • Verbesserung der Leistungen für Mitarbeitende mit tiefen Einkommen durch Anpassung des Koordinationsabzuges und unwesentlich höhere Beiträge;
  • Beibehaltung des Leistungsniveaus für Mitarbeitende mit höheren Einkommen;
  • Keine Erhöhung der Beitragsbelastung für die versicherten Mitarbeitenden;
  • tiefere Beitragsbelastung der Arbeitgeberinnen;
  • Kompromiss in Bezug auf die finanzielle Tragbarkeit für die Arbeitgeberinnen und den Besitzständen für die versicherten Mitarbeitenden;
  • erhöhte Flexibilisierung bei den Versicherten durch Planwahl um + / – 2 Prozent.
  • Öffnung der PVK für interessierte weitere Arbeitgeberinnen durch zeitgemässe Sparpläne, die angeboten werden können.

Beibehaltung der Ausfinanzierungslösung im System der Teilkapitalisierung

Der Weg zur Ausfinanzierung sieht das Erreichen des Deckungsgrades von 100 Prozent bis spätestens im Jahr 2051 vor. Bereits konnte der Deckungsgrad innert drei Jahren von damals 79 Prozent auf heute 91 Prozent gesteigert werden. Der Wechsel zum Beitragsprimat erfordert deshalb keine neue Diskussion über die Behebung der Deckungslücke und Äufnung einer Wertschwankungsreserve. Die laufenden Massnahmen und die Lastenaufteilung zur Behebung der Unterdeckung werden in den neuen Beitragsprimatplan übernommen. Dadurch werden in der aktuellen Vorlage für den Primatwechsel mit rund 68,3 Millionen Franken für die Übergangseinlagen (Besitzstände) weit tiefere Kosten ausgewiesen als noch im Jahr 2010 mit rund 650 Millionen Franken.

Leistungsniveau und Höhe der Gesamtbeiträge

Durch eine veränderte Formel zur Berechnung des versicherten Lohns werden Mitarbeitende mit tieferen Einkommen künftig besser versichert. Bei Mitarbeitenden mit höheren Einkommen bleiben die Renten praktisch unverändert. Durch die Anpassung der Sparbeitragsskala und die Senkung der Risikobeiträge wird eine Entlastung der Gesamtbeiträge von insgesamt 6,7 Prozent pro Jahr erreicht. Von der Reduktion der Beiträge profitieren die Arbeitgeberinnen mit 4,97 Millionen Franken pro Jahr und die Arbeitnehmer mit 0,27 Millionen Franken.

Übergangseinlage und Besitzstände für die versicherten Mitarbeitenden

Durch den Primatwechsel entfallen die Solidaritäten der jungen versicherten Mitarbeitenden zu den älteren versicherten Mitarbeitenden. Letztere erreichen dadurch das bisherige Leistungsziel nicht mehr; und dies obwohl ihre Generation damals die älteren Mitarbeitenden unterstützt hatte. Sie benötigen eine einmalige Übergangseinlage, um im neuen Beitragsprimatplan wieder auf das bisherige Leistungsniveau zu kommen. Diese Übergangseinlage beträgt insgesamt 68,3 Millionen

Franken und wird durch die Arbeitgeberinnen getragen. Die Gesamtlösung ist für die Arbeitgeberinnen deshalb tragbar, weil die Übergangseinlage durch die jährlich wiederkehrende Beitragsentlastung von 4,9 Millionen Franken innerhalb von 14 Jahren amortisiert wird. Die Inkraft-setzung des Primatwechsels ist per 1. Januar 2019 geplant. Sie bedarf der Zustimmung des Parlaments und wird den Stimmberechtigten freiwillig zum Beschluss unterbreitet werden.

Weitere Info: PVK Bern

Quelle: Stadt Bern, Medienmitteilung
04.04.2016

19.10.2014

PVK – Pensionskasse wird saniert

Das Paket zur Sanierung der städtischen Pensionskasse wurde am Donnerstag vom Berner Stadtrat abgesegnet. Ein Antrag der SVP, dass Angestellte bereits mit 22 Jahren einzahlen sollen, wurde abgelehnt.

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«Im Tempo des gehetzten Affen» (O-Ton FDP-Stadträtin Jacqueline Gafner) brachte der Stadtrat im Juli die erste Lesung des Personalvorsorgereglements hinter sich. Hauptthema war damals das Tram Region Bern. Bei der zweiten Lesung am Donnerstagabend holte das Parlament deshalb die Grundsatzdebatte über die millionenschwere und unabdingbare Sanierung der Pensionskasse nach. Inhaltlich änderte der Stadtrat aber nichts mehr: So müssen Angestellte von Stadt, EWB und Bernmobil beispielsweise neu schon ab dem 23. Altersjahr Beiträge einzahlen.

Zwei Baustellen bleiben

Diese Neuerung wurde von der Fraktion GFL/EVP kritisiert: «Für uns geht bei dieser Sanierung zu vieles zulasten der Jungen», sagte Matthias Stürmer. Auch die SP und die Fraktion GB/JA schmerzt es, dass die städtischen Angestellten früher mit dem Alterssparen beginnen müssen. Dies vor allem, weil die Beitragsjahre eben erst von 36 auf 38 Jahre angehoben worden seien und man nun schon bei 40 Jahren angelangt sei. Wäre es nach dem Willen der SVP gegangen, wäre gar noch ein Beitragsjahr dazu gekommen. Ihr Antrag, die Angestellten bereits mit 22 Jahren zu Zahlungen zu verpflichten, wurde aber mit 59 zu 9 Stimmen deutlich abgelehnt.

Parteiübergreifend wurde betont, dass mit dem schlussendlichen Ja zum Sanierungspaket, dass mit 64 zu 4 Stimmen klar ausfiel, zwei grosse Baustellen bestehen blieben. Das heutige Rentenalter von 63 Jahren soll nicht mehr fix sein. Von links-grüner Seite zeigte man sich offen für eine Anpassung nach oben. «Freiwilligkeit muss aber das Zauberwort sein», sagte Lena Sorg (SP). Wer eine schwere körperliche Arbeit leiste, müsse weiterhin mit 63 Jahren in Rente gehen können.

Quelle: Thuner Tagblatt/Berner Zeitung

16.10.2014

PVK – Stadtrat unterstützt Reform der Pensionskasse

Die Personalvorsorgekasse der Stadt Bern wird in den nächsten Jahren saniert, wobei die Versicherten eine längere Beitragsdauer in Kauf zu nehmen haben.

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Das Stadtparlament hat am Donnerstag einer Reglementsrevision zugestimmt.

Die Legislative stellte sich nach zweiter Lesung mit 64 zu 4 Stimmen klar hinter die vom Gemeinderat beantragte Sanierung. Diese war zuvor bereits von der Verwaltungskommission der Pensionskasse gutgeheissen worden, in der Arbeitnehmer und -geber vertreten sind.

Sämtliche Fraktionen stimmten dem unter dem Strich als ausgewogen empfundenen Paket zu, obwohl niemand mit der Teilrevision vollständig glücklich war. Die wenigen Gegenstimmen kamen aus der SVP- und der FDP-Fraktion. Ziel ist es, die städtische Personalvorsorgekasse in den nächsten maximal 40 Jahren auszufinanzieren. Der Sanierungsbedarf sei gross, bekräftigte Finanzdirektor Alexandre Schmidt (FDP): «Aber wir sind nicht in Not, die Ausfinanzierung wird gelingen.»

Längeres Alterssparen

Weil die Pensionskasse den technischen Zinssatz auf 2,75 Prozent gesenkt hat, besteht eine beträchtliche Unterdeckung. Es fehlen 340 Millionen Franken, wie Ende 2012 errechnet wurde. Jährlich entsteht ein Beitragsloch von 14 Millionen Franken. Mit verschiedenen Massnahmen soll ab 2015 das Loch gestopft werden. Dazu gehören höhere Beiträge der Arbeitgeber, zu denen neben der Stadt unter anderen auch die Betriebe EWB und Bern Mobil gehören. Die Stadtkasse wird dadurch in den kommenden Jahren mit jährlich fast 7 Millionen Franken belastet.

Doch auch die Arbeitnehmer müssen ihren Beitrag leisten. Zwar wird das Rentenziel nicht angetastet, doch die städtischen Angestellten müssen künftig zwei Jahre länger einzahlen als bisher, um dieselbe Maximalrente zu erhalten. Das Rentenalter wird nicht erhöht, dafür beginnt die Zahlungspflicht bereits am dem 23. Altersjahr. Die Beitragsdauer erhöht sich somit von 38 auf 40 Jahre.

Kompromiss nicht gefährden

Die SP taxierte dies als «schwere Belastung» der Arbeitnehmer. Die Sanierung erfolge auf Kosten der Jungen, kritisierte die Fraktion GFL/EVP. Die SVP hingegen wollte das Alterssparen gar noch um ein weiteres Jahr verlängern und die Angestellten bereits ab 22 Jahren zur Kasse bitten. Doch dies lehnte der Rat deutlich ab.

Nicht umstritten waren die weiteren Sanierungsmassnahmen, wie zum Beispiel die Kürzung der Ehegattenrente. Mehrfach mahnten Sprecherinnen und Sprecher quer durch die Fraktionen, den erzielten Kompromiss nicht durch Herausbrechen einer Einzelmassnahme zu gefährden. So gelinge die Sanierung, ohne dass Steuern oder Strom- und ÖV-Tarife erhöht werden müssten, gab Gemeinderat Schmidt zu bedenken.

Strittige Punkte vertagt

Davon liess sich der Stadtrat vorerst überzeugen – doch die wirklich strittigen Punkte wurden bloss vertagt, wie die Debatte zeigte. Mitte-Rechts drängt auf eine Erhöhung des Rentenalters von heute 63 auf 65 Jahre, die Linke kündigt Widerstand an. Schon 2012 überwies das Parlament zudem einen verbindlichen Vorstoss für einen Wechsel vom Leistungsprimat, das die Renten garantiert, zum Beitragsprimat.

Der Sanierungspfad sei erst in Angriff genommen werden, befand FDP-Sprecher Bernhard Eicher: «Wir sind noch lange nicht am Ziel.» Nach der Ausfinanzierung folge die nächste Phase, befand auch Peter Ammann namens der Grünliberalen.

Der Gemeinderat verspricht, bis 2016 eine Vorlage zum Primatswechsel auszuarbeiten. Er zeigt sich auch bereit, über eine Flexibilisierung des Rentenalters zu diskutieren.Der städtischen Personalvorsorgekasse gehören knapp 9000 Versicherte an, davon sind rund 3700 Rentnerinnen und Rentner.

Quelle: Der Bund/SDA

15.10.2014

PVK – Pensionskasse: Sanfte Reform soll Unterdeckung beheben

Die Personalvorsorgekasse will den technischen Zinssatz senken. Dadurch steigt der Fehlbetrag auf 340 Millionen Franken an. Eine «Schritt-für-Schritt-Sanierung» soll das Loch stopfen

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Ginge es bei der städtischen Personalvorsorgekasse (PVK) mit den gleichen Strukturen weiter wie bisher, würde die Deckungslücke von Tag zu Tag wachsen. Heute beträgt der Deckungsgrad 94,4 Prozent. «Bei einem Wert unter 80 Prozent wäre die Stadt gesetzlich zur Sanierung verpflichtet», sagt Alexandre Schmidt, FDP-Gemeinderat und Präsident der Verwaltungskommission der PVK. Dem 80-Prozent-Wert kommt die Kasse nahe, wenn die Reformpläne umgesetzt werden, welche die Kommission vorschlägt. Sie will 2014 den technischen Zinssatz von 3,75 auf 2,75 Prozent senken. Der Wert drückt aus, welche Erträge eine Pensionskasse auf dem Kapitalmarkt zu erwirtschaften erhofft. Der tiefere Satz hat zur Folge, dass der Deckungsgrad auf 84,5 Prozent sinkt. Der Fehlbetrag wird von 108 Millionen auf 340 Millionen Franken steigen.

14 Millionen mehr pro Jahr

Um der drohenden Entwicklung mit der wachsenden Unterdeckung entgegenzuwirken, schlägt die Kommission Reformen vor. Sie haben zum Ziel, dass der Deckungsgrad innerhalb von 20 bis 40 Jahren 100 Prozent beträgt. Schmidt spricht von einer unaufgeregten «Schritt-für-Schritt-Sanierung». Wolle man die Ausfinanzierung deutlich früher erreichen, wäre ein «überharter Schritt» nötig, der politisch schwer durchsetzbar wäre. Auch mit dem nun vorgeschlagenen Tempo würden die Reformen von den Versicherten und den Arbeitgebern aber «grosse finanzielle Opfer verlangen», wie es in den Unterlagen heisst. Jährlich braucht es zusätzliche Beiträge von Arbeitgebern und Versicherten in Höhe von 14 Millionen Franken. Klar ist für die Verwaltungskommission, dass für die Sanierung das System der Teilkapitalisierung gewählt wird. Drei Varianten stehen in der Vernehmlassung bis 13.November zur Diskussion.

Die drei Varianten

Variante Basis-Mix: Arbeitgeber und Versicherte sollen «ausgewogen» belastet werden. Vorgesehen sind auf Leistungsseite drei Massnahmen für 6 Millionen Franken. So sollen die maximalen Vorsorgeleistungen neu erst ab 40 statt 38 Versicherungsjahren erhältlich sein. 8 Millionen Franken werden durch Beitragserhöhungen finanziert. Der Zeithorizont beträgt 25 Jahre. Variante Maxi-Ver: Sie unterscheidet sich von der Basisvariante bezüglich Aufteilung der Lasten auf Arbeitgeber und Versicherte. Die Arbeitgeber werden mit 59, die Versicherten mit 41 Prozent belastet. Für eine Person mit einem Bruttolohn von monatlich 6000 Franken bedeutet diese eine zusätzliche Beitragsbelastung von 9 Franken pro Monat.

Variante Minim-AG: Zeithorizont von 40 Jahren. Arbeitgeber sollen finanziell nur so viel an die Unterdeckung beitragen wie unbedingt nötig. Arbeitgeber sind nebst der Stadt Unternehmen wie EWB, Bernmobil, ARA Region Bern oder die Gurtenbahn.

Rentenalter soll bleiben

Kein Thema ist für die Verwaltungskommission eine Erhöhung des Rentenalters von heute 63 auf 64 oder 65 Jahre. Nach hinten geschoben ist zudem der Primatwechsel. Im März 2012 erklärte der Stadtrat eine Motion als erheblich, die den Wechsel vom Leistungs- ins Beitragsprimat vorsieht. Diese Änderung soll nun erst zum Thema werden, wenn die Reformvorschläge beschlossen sind, sagt Alexandre Schmidt. Soll die Reform wie geplant 2015 in Kraft treten, müsste das Geschäft vor den Sommerferien 2014 dem Stadtrat vorliegen.

FDP gegen Steuererhöhung

Die FDP begrüsst die schrittweise Sanierung, fordert eine gerechte Aufteilung der Kosten und spricht sich gegen eine Steuererhöhung aus. Das Grüne Bündnis (GB) ist «erleichtert», dass keine Vollkapitalisierung angestrebt wird. Die Reform entspreche jedoch nicht einer echten Teilkapitalisierung. Das GB schlägt vor, eine Teilkapitalisierung mit Zieldeckungsgrad von unter 100 Prozent zu prüfen.

Die Personalvorsorgekasse der Stadt Bern (PVK) zählt 5258 aktiv Versicherte und 3718 Rentenberechtigte. Ende 2012 betrug der Deckungsgrad 94,4 Prozent. Der Fehlbetrag belief sich auf 108 Millionen Franken, das verfügbare Vermögen auf 1,83 Milliarden Franken. Die Kasse wurde 1910 gegründet. Seit Januar 2013 ist sie eine öffentlich-rechtliche Anstalt der Stadt. Diese rechtliche Änderung sowie indirekt auch der Druck zur Sanierung gehen auf neues Bundesrecht zurück. Diese neuen Vorschriften verlangen, dass die Pensionskassen öffentlichen Rechts verselbstständigt werden. Leitungsorgan der PVK ist die Verwaltungskommission.wrs

Quelle: Thuner Tagblatt

14.12.2013

PVK – Die Stadt lässt sich mit der Pensionskasse Zeit bis 2055

Die Stadt Bern will ihre Pensionskasse auf die sanfte Tour sanieren. Alles steht und fällt mit den Kapitalmärkten. Die Arbeitgeber zahlen 25 Prozent mehr ein. Und die Angestellten sollen ab 23-jährig Beiträge einzahlen.

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Auch in der Pensionskasse der Stadt Bern (PVK) klafft ein Loch. Ende 2012 lag der Deckungsgrad bei 94 Prozent, doch geht die Kasse bisher von unrealistisch hohen Renditeerwartungen aus. Dies will sie nun korrigieren und den «technischen Zins» auf 2,75 Prozent senken. Damit wächst die Lücke stark, weil die PVK immer noch im Leistungsprimat ist und die künftigen Renten fix garantiert. Der Deckungsgrad sinkt auf 85 Prozent, es fehlen 340 Millionen Franken (Stand Ende 2012).

Am Freitag erklärten die Kassenverantwortlichen um Präsident Alexandre Schmidt, wie sie die Probleme lösen wollen. Die Sanierung ist auf maximal 40 Jahre Jahre angelegt und soll 2015 beginnen. Zurzeit geht die PVK-Spitze davon aus, dass die Lücke mit den geplanten Massnahmen nach 34 Jahren getilgt ist, wobei die Unsicherheiten naturgemäss gross sind. Eine Übersicht:

  • Arbeitgeber zahlen mehr: Die Stadt und die anderen PVK-Betriebe wie EWB oder Bernmobil sind bereit, ab 2015 rund 53 statt 43 Millionen Franken einzuzahlen, bis die Lücke eliminiert ist. Der Grossteil der Mehrbelastung entfällt auf die Stadt. Mit den höheren Zahlungen wird die Aufteilung für das Personal noch attraktiver: Die Arbeitgeber zahlen schon heute 60 Prozent, über die Lohnabzüge tragen die Angestellten nur 40 Prozent bei. Zählt man auch die Nachzahlungen nach Lohnerhöhungen hinzu, beträgt die Verteilung sogar personalfreundliche 65:35. Davon profitieren primär Angestellte mit steiler Lohnkurve.
  • Angestellte zahlen früher: Die PVK sieht auch Leistungsreduktionen vor, tastet aber das Rentenziel – 61 Prozent des letzten versicherten Lohns – nicht an. Den Angestellten wird zudem der volle Besitzstand garantiert, auf Kosten der Kasse; wichtig ist das für alle, die bald pensioniert werden. Da die Stadt ihr Personal weiterhin mit 63 Jahren pensioniert, kam auch eine Erhöhung des Rentenalters nicht in Frage. Stattdessen sollen die Angestellten früher einzahlen: Statt ab 25 müssten sie neu ab dem 23.Altersjahr Beiträge an die Kasse zahlen. Damit müssen sie 40 statt 38 Jahre lang Beiträge einzahlen, um dieselbe Rente zu erhalten wie bisher. Für Akademiker, die nach 23 zu arbeiten anfangen, heisst das, dass sie sich später verstärkt einkaufen müssten.
  • Tiefere Witwenrente: Stirbt ein PVK-Rentner, erhält die Ehefrau bisher 70 Prozent der Rente. Künftig sollen es noch 60 Prozent sein, wie das etwa auch bei den kantonalen Pensionskassen gilt.
  • Keine Teuerungszulagen: Die PVK löst eine Reserve von 8,6 Millionen Franken auf, die dazu gedacht war, die Renten der heutigen Pensionierten künftig an die Teuerung anzupassen. Damit leisten indirekt auch die Rentner einen Beitrag.
  • «Überschussrendite»: Die PVK setzt ihre Renditeerwartungen (technischer Zins) bewusst tief an – tiefer, als dies angesichts ihrer eigenen Prognosen nötig wäre. Effektiv rechnet die Kasse mit Renditen von 3,7 Prozent. Das ergibt eine «Überschussrendite» von jeweils knapp 0,5 Prozent. Damit will die PVK in den nächsten 34 Jahren 200 Millionen an die Unterdeckung von 340 Millionen beitragen.

Auffällig ist, dass die Renditeprognose der PVK klar höher ist als jene der kantonalen Pensionskassen. Geschäftsführer Jürg Schad begründete dies damit, dass die PVK einen höheren Anteil ihres Kapitals in Immobilien investiert habe. Schad, Schmidt und Vizepräsident Michel Berger von der Gewerkschaft VPOD stritten unisono ab, dass die PVK auf das Prinzip Hoffnung baue.

Sämtliche Massnahmen hat die Verwaltungskommission der PVK, in der Arbeitnehmer und -geber gleichermassen vertreten sind, einstimmig verabschiedet. Zu den Leistungskürzungen hat aber der Stadtrat das letzte Wort, wobei auch ein Referendum möglich ist.

Keine Steuererhöhung
Alexandre Schmidt nahm auch gleich als Finanzdirektor der Stadt Bern Stellung zu den Plänen der Pensionskasse PVK. «Der Beitrag, den die Arbeitgeber leisten müssen, ist happig», hielt er fest. Die Stadt muss nach Plan ab 2015 während 34 Jahren eine Mehrbelastung von jeweils 6,8 Millionen Franken verdauen. Dadurch werden unweigerlich andere Aufgaben verdrängt. So oder so werde es in der Stadt Bern künftig noch schwieriger sein, das finanzielle Gleichgewicht zu halten, sagte Schmidt. Er bezeichnete es jedoch als Glücksfall, dass die Stadt vom Entlastungspaket, das der Grosse Rat auf Kantonsebene kürzlich beschlossen hat, mitprofitieren kann – und zwar ebenfalls im Umfang von rund 7 Millionen Franken im Jahr. Somit bleibe das notwendige Sparziel für die nächsten Jahre in der Stadt bei rund 20 Millionen Franken. Laut Schmidt sollte die Sanierung der Pensionskasse jedenfalls ohne Steuererhöhung abgewickelt werden können.

In Zahlen

  • Bei der PVK sind 5200 erwerbstätige Angestellte und 3700 Rentner versichert.
  • 62 Prozent des Vorsorgekapitals entfallen auf die Rentner, was ein ungünstig hoher Wert ist, da
  • Ausgehend von den neuen, tieferen Renditeprognosen der PVK liegt ihr Deckungsgrad bei noch 85 Prozent. Der Kasse fehlen somit 340 Millionen oder 38’000 Franken pro Versicherten.
  • die Rentner an einer Sanierung nicht beteiligt werden können

Quelle: Thuner Tagblatt