Politik & Recht

30.8.2018

Das Millionen-Debakel um das Schloss Salavaux

Am Fusse des Mont Vully, umgeben von Bäumen und Sträuchern, liegt Schloss Salavaux. Erbaut im 16. Jahrhundert, beherbergt das ehemalige Landgut am westlichen Ufer des Murtensees heute ein Hotel und ein Restaurant. Der breite Sandstrand, für den das waadtländische Salavaux bekannt ist, liegt nur einen Steinwurf weit weg.

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Hinter den Kulissen ist die Idylle jedoch getrübt: Die Besitzer wollen das Schloss loswerden. Für 6,4 Millionen Franken ist das Anwesen auf einer Immobilienseite ausgeschrieben.

Besitzerin ist die Stylos-Sammelstiftung, eine ehemalige Pensionskasse für KMU. Sie ist in ­Liquidation. Grund dafür ist auch das Hotel. Dies bestätigen einerseits die Liquidatoren. Andererseits hat das Berner Wirtschaftsstrafgericht in diesem Zusammenhang Anfang August straf­bare Handlungen festgestellt.

Treuhänder hat Vision

Es begann 2004. Eine Gruppe von Treuhändern gründete die Sammelstiftung Stylos. Einer von ­ihnen, ein Treuhänder aus der Region Bern (57), amtete in der Folge sowohl als Stiftungsratspräsident wie auch als Geschäfts­führer. 2007 kaufte die Stiftung Schloss Salavaux in marodem Zustand – auf Drängen des Berner Treuhänders. Kostenpunkt: 2,3 Millionen Franken. Für den Umbau investierte die Stiftung weitere 6,7 Millionen Franken.

Es ist viel Geld in exklusives Mobiliar investiert worden. Nur das Beste war gut genug.

Für den Betrieb des Hotels gründete der Berner Treuhänder eine GmbH, die er auch selbst führte. Eine Vision für das An­wesen habe er bereits nach der ersten Besichtigung gehabt, sagte er 2010 gegenüber der Branchenzeitschrift «Hotelier»: die Vision eines romantischen Schloss­hotels. Es sei viel Geld in exklusives Mobiliar investiert worden, heisst es im Artikel weiter. «Nur das Beste ist gut genug.»

Zu dieser Zeit war ein Grossteil des Stiftungsvermögens im unrentablen Hotel angelegt. 91 aktiv Versicherte waren der Stylos per Ende 2009 angeschlossen – Neukunden wurden keine akquiriert.

Gericht verurteilt Treuhänder

Wollte der Berner Treuhänder seinen Verpflichtungen nachkommen, oder hat er sich den Traum des eigenen Hotels verwirklicht? Diese Frage stellte sich auch während der Verhandlung am Berner Wirtschaftsstrafgericht. Angeklagt war der Berner Treuhänder, weil er sich zu Unrecht zu hohe Honorare hatte auszahlen lassen.

Die Honorare verrechnete er sich unter anderem für die Aufsicht über die Baustelle während der Sanierung des Schlosses. Als Baubegleiter sei er lediglich tätig gewesen, damit seine Vision Realität würde, argumentierte der Staatsanwalt. Er habe lediglich die anfallenden Aufgaben übernommen, sagte der Treuhänder – alles in Absprache mit dem Stiftungsrat.

Der Beschuldigte habe die fehlende Kontrolle durch die anderen Stiftungsratsmitglieder ausgenutzt, kam die Richterin zum Schluss. Ihr Urteil von Anfang August: 15 Monate bedingt.

Aufsicht handelt zeitversetzt

Pensionskassen müssen Regeln einhalten. Beispielsweise darf nur ein Drittel des Kapitals in ­Immobilien angelegt werden. Ob sie sich an diese Bestimmungen halten, prüft jährlich die Revisionsstelle. Zusätzlich kontrolliert eine Stiftungsaufsicht die Vorsorgeeinrichtungen und deren Revisionsstellen. Im Kanton Bern ist dies die Bernische BVG- und Stiftungsaufsicht (BBSA).

«Das Kapital der Versicherten kann nur teilweise  gesichert werden.»Sprecherin der Berag AG

Doch wie kann eine Pensionskasse trotz Aufsicht praktisch ihr ganzes Kapital in eine Immobilie stecken? Das liege einerseits am zeitlichen Ablauf, erklärt Hansjörg Gurtner, Geschäftsleiter der BBSA. Beim Kauf vom Schloss ­habe die Stylos noch kein gesetzliches Limit verletzt. Überschritten wurde es erst durch die Sanierung – nachdem der Verkehrswert neu geschätzt wurde.

Andererseits habe es mit dem System der Aufsicht zu tun: «Wir üben eine repressive Aufsicht aus, nicht eine präventive», erklärt Gurtner. Wenn Fehler passieren, erfahre die BBSA unter Umständen erst anderthalb Jahre später davon. «Denn die Dokumente, die wir prüfen, erhalten wir grösstenteils erst sechs Monate nach Rechnungsabschluss.»

Stiftung erhält Weisungen

Im Fall der Stylos sei die Stiftungsaufsicht durch den Bericht der Revisionsstelle auf die Mängel aufmerksam geworden. Sie erteilte dem Stiftungsrat daraufhin die Weisung, die Mängel aufzuheben. Das Schloss sollte verkauft werden, der Berner Treuhänder schied aus dem Stiftungsrat aus, und die Geschäftsführung hat die externe Beraterfirma Berag AG übernommen.

Mittlerweile seien keine Firmen mehr der Sammelstiftung Stylos angeschlossen, sagt eine Sprecherin der Berag AG. Die Firmen hätten sich neue Vorsorgeeinrichtungen gesucht, und es seien Übernahmeverträge abgeschlossen worden.

Das Kapital der Versicherten konnte nur teilweise gesichert werden: Für einen Teil der Leistungen – insgesamt 5,3 Millionen Franken – stellte der Sicherheitsfonds Geld zur Verfügung. Er springt ein, wenn Pensionskassen zahlungsunfähig werden. Weitere 6,3 Millionen Franken sind zurzeit nicht gedeckt.

Mit dem Erlös aus dem Verkauf des Schlosses könnte ein Teil dieses Betrags gedeckt werden, erklärt die Sprecherin weiter. «Reichen wird das Geld jedoch nicht.» Denn mit den 6,4 Millionen Franken – der veranschlagte Preis für das Schloss – muss die Stylos zuerst den Vorschuss des Sicherheitsfonds zurückbezahlen.

Hotel wirbt mit Wanderung

Die Sammelstiftung Stylos ist in Liquidation. Der Berner Treuhänder ist als Geschäftsführer und Stiftungsrat aus der Stiftung ausgeschieden. Seine Firma, die das Hotel in Salavaux betrieb, ist längst liquidiert. Heute hält er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, wie er am Wirtschaftsstrafgericht sagte.

Das Hotel und das Restaurant im Schloss Salavaux sind in Betrieb. Die aktuellen Pächter werben mit einer romantischen Auszeit oder einer Wanderung entlang des Mont Vully. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.08.2018, 06:09 Uhr

23.8.2018

ASIP: Klares Zeichen seitens Politik und Sozialpartner für eine starke zweite …

Der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP fordert eine rasche BVG-Revision, in der insbesondere der BVG-Umwandlungssatz endlich auf eine technisch korrekte Grösse gesenkt wird (Zeithorizont: 2021/22). Es geht insbesondere darum, die systemfremde Umverteilung von den aktiven Versicherten hin zu den Rentnern zu reduzieren. Gemäss OAK BV sind dies rund CHF 7.1 Mia. pro Jahr. Für die aktiven Versicherten und für die Stabilität sowie Akzeptanz des Systems ist diese Situation nicht länger haltbar. Für den ASIP, der die durch die Sozialpartner paritätisch geführten (teil-) autonomen Pensionskassen vertritt, ist daher die BVG-Revision ebenso dringlich wie die AHV-Revision.

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Zur Abfederung der Renteneinbussen (kurzfristige Kompensation) steht für den ASIP eine prozentuale Erhöhung des BVG-Altersguthabens im Fokus. Die Finanzierung soll dezentral erfolgen, d.h. innerhalb der einzelnen Pensionskassen und ohne aufwendigen Umweg über den Sicherheitsfonds. Mit einem solchen Vorgehen werden zusätzliche, systemfremde und unfaire Umverteilungen zwischen den Pensionskassen verhindert. Ausserdem ist diese Lösung kostengünstiger als eine zentrale Lösung über den Sicherheitsfonds.

Aus Sicht ASIP ist das Rentenalter für Frauen und Männer im Sinne einer raschen Angleichung bei 65 Jahren festzulegen und in einem zweiten Schritt eine politische Diskussion über eine allfällige Erhöhung zu führen.

Mittelfristig sind weitere Vorschläge, wie die Reduktion der Regulierungsdichte und Komplexität sowie die Entpolitisierung der Parameter unter Vorgabe eines sozialpolitischen Leistungsziels zu diskutieren. Es ist falsch, einen Umwandlungssatz auf Stufe Gesetz festzulegen, weil die massgebenden externen Faktoren wie Zinsniveau oder Demographie ebenfalls nicht durch die Politik beeinflusst werden können.

Der ASIP erwartet von den Sozialpartnern innerhalb der gesetzten Jahresfrist (bis März/ April 2019) einen Revisionsvorschlag für das BVG zuhanden des Parlamentes. In diesem Zusammenhang darf die Verknüpfung der Steuervorlage 17 mit der AHV nicht zu einer Verzögerung der BVG-Revision führen.

Die Positionen und Forderungen des ASIP werden unterstützt durch eine übergeornete, gesamtheitliche Betrachtung dreier Studien, die im Rahmen der Medienkonferenz durch deren Autoren vorgestellt wurden. Sie analysieren die Situation der zweiten Säule aus unterschiedlichen Blickwinkeln und enthalten wertvolle Informationen, u.a. bezüglich des wichtigen Stellenwertes der beruflichen Vorsorge (vgl. www.asip.ch/Aktuell/News). Dass darin auch andere Sichtweisen zu Wort kommen, liegt darin begründet, dass der ASIP als Fachverband auch die Aufgabe hat, unter Einbezug aller – nicht nur der ökonomischen – Faktoren eine Auslegeordnung zu machen. Für den ASIP sind zur langfristigen Sicherung der zweiten Säule folgende Punkte wichtig:

   - ein langfristig ausgerichtetes, vielfältig strukturiertes 
     Vorsorgesystem
   - faire, generationengerechte Vorsorgelösungen
   - ökonomisch realistisch definierte Leistungsziele (Abbau/ 
     Reduktion der ungewollten Umverteilung)
   - einfache, praxistaugliche Vorsorgelösungen
   - sozialpartnerschaftlich und dezentral geführte PK sowie
   - eigenverantwortlich handelnde, gut ausgebildete Führungsorgane. 

ASIP-Präsident Jean Rémy Roulet fordert daher Politik und Sozialpartner auf, ein klares Zeichen für eine starke zweite Säule zu setzen. Der ASIP fokussiert sich im Rahmen dieses Prozesses auf fachliche Inputs und das Aufzeigen der Konsequenzen vorgeschlagener politischer Massnahmen für die Pensionskassen und die Versicherten. Gleichzeitig achtet er darauf, dass die Massnahmen im Vollzug auch mit vertretbarem Aufwand umgesetzt werden können.

Der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP mit Sitz in Zürich ist der Dachverband für rund 930 Pensionskassen. Er vertritt über die Mitglieder rund zwei Drittel der Versicherten in der beruflichen Vorsorge sowie ein Vorsorgevermögen von über CHF 550 Mia. Der ASIP bezweckt die Erhaltung und Förderung der beruflichen Vorsorge auf freiheitlicher und dezentraler Basis und setzt sich für das Drei-Säulen-Konzept in ausgewogener Gewichtung ein.

Kontakt:

Jean Rémy Roulet, Präsident (Genf),
Telefon + 41 22 949 19 19
Hanspeter Konrad, Direktor
Telefon +41 43 243 74 15
E-Mail konrad@asip.ch
ASIP, Kreuzstrasse 26, CH-8008 Zürich

http://www.asip.ch
http://twitter.com/pensionskassen

 

21.8.2018

Wohin mit den 50 Milliarden PK-Geldern, die einfach so brachliegen?

Mehr als 50 Milliarden Franken Spargelder der beruflichen Vorsorge sind auf einem gesperrten Bankkonto geparkt – das sind 6 Prozent aller Pensionsvermögen. Es sind Guthaben der zweiten Säule, die von der Pensionskasse wegen Unterbruchs der Erwerbstätigkeit der versicherten Person ausgesondert wurden. Auf diesen Geldern besteht kein Anspruch auf den BVG-Mindestzins und auch nicht auf eine spätere Rente.

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Die meisten Banken bieten für solche Sperrkonten derzeit höchstens 0,2 Prozent Jahreszins. Die Pensionskassen haben jedoch den gewöhnlichen Vorsorgegeldern in den Jahren 2014 bis 2017 gemäss neuester Swisscanto-Umfrage jährlich 1,7 bis 2,5 Prozent Zins gutgeschrieben.

Zum Zinsnachteil kommt hinzu, dass bei unterbrochener oder reduzierter Erwerbstätigkeit keine oder nur mehr geringe weitere Geldeinlagen entstehen. Das ausgesonderte Freizügigkeitsgeld stagniert, weshalb das ursprünglich angepeilte Vorsorgeziel illusorisch wird.

Besser Aktien als nur Konto allein

Das Freizügigkeitsgesetz gilt seit 1995 und besagt, dass austretende Mitarbeitende vollen Anspruch auf das in der betriebseigenen Pensionskasse Gesparte haben. Diese Freizügigkeit muss jedoch als separiertes Vorsorgegeld bestehen bleiben. Es ist bei Aufnahme einer nächsten Erwerbstätigkeit als Starteinlage auf das eigene Konto in der Vorsorgeeinrichtung des neuen Arbeitgebers einzuzahlen.

Die Berechtigten von Freizügigkeitsgeldern halten über 80 Prozent der Beträge in Kontoform, sagt Beat Bühlmann vom Vorsorgedienstleister Finpension: «Dabei beträgt die Haltedauer solcher Gelder oft mehrere Jahre und eine Anlage in Wertschriften über kollektive Investments ist erlaubt.» Es gelten dafür dieselben Regeln wie für das Vorsorgesparen 3a: der Aktienanteil darf bis 50 Prozent des Vermögens betragen, toleriert sind bis 80 Prozent, wenn entsprechende Risikofähigkeit ausgewiesen ist, bspw. bei Alter unter fünfzig Jahren oder wenn substanzielle weitere private Vermögensteile bestehen.

Die geringe Nutzung von Wertschriftenlösungen für die gesperrten Gelder führt Bühlmann auf mangelhafte Information und auf überteuerte Angebote zurück: «Viele Vorsorgefonds belasten jährlich rund 1,2 Prozent Gesamtkosten, obschon bei den Institutionen der beruflichen Vorsorge die Vermögensverwaltungskosten über die vergangenen Jahre deutlich verringert wurden.»

Finpension arbeite daran, Wertschrifteninvestments zu einer Gebühr von jährlich weniger als 0,5 Prozent des Vermögens anzubieten. Auf den Geldern der Pensionskassen fielen 2017 im Medianwert 0,44 Prozent Gebühren an.

Ein Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle aus dem Jahr 2016 belegt, dass die Summe der Freizügigkeitsgelder im Zeitraum 2007 bis 2013 von 30 Milliarden Franken auf knapp 50 Milliarden Franken gestiegen ist. Der Verein Vorsorge Schweiz, in dem die Anbieter von Vorsorgelösungen organisiert sind, schätzt das Volumen per Ende 2017 auf 52 Milliarden Franken Das übertrifft bei weitem das gesamte Vermögen der staatlichen ersten Vorsorgesäule (AHV/IV/ EO) von zuletzt 37 Milliarden Franken und ist rund halb so viel wie auf 3a-Konten und -Depots liegt.

Gelder der schweizerischen Altersvorsorge

 

Wichtigste Anbieterin ist die Stiftung Auffangeinrichtung BVG. Sie führt rund 1,1 Millionen Freizügigkeitskonten mit einer Summe von 10,2 Milliarden Franken per Ende 2017. Im vergangenen Jahr waren nach 2,2 Milliarden Franken Zufluss und 1,2 Milliarden Franken Geldrückzügen netto 1 Milliarden Franken dazugekommen. Geschäftsführer Marc Gamba bemerkt dazu auf Anfrage, Pensionskassen würden den Geldanspruch ausgetretener Versicherter rascher als früher aus ihrer Bilanz entfernen und auszahlen – wohl wegen Negativzinsen auf dem Bankkontokorrent.

Rund zwei Drittel der Freizügigkeitskonten bei der Auffangeinrichtung sind ohne aktuelle Kontaktadresse, davon 80 Prozent mit einem Saldo unter 5000 Franken Die Namen der Begünstigten und ihre AHV-Nummer sind der Auffangeinrichtung bekannt und werden der Zentralstelle zweite Säule in Bern gemeldet, wo sich jede Person über allfällig gestrandete Guthaben erkundigen kann.

Wenn die neue Pensionskasse ablehnt

Dass Vorsorgegeld länger oder gar dauerhaft nicht in einer Pensionskasse platziert werden kann, hängt nicht nur mit der im Alter 50+ tendenziell länger dauernden Erwerbslosigkeit zusammen. Wenn in einem neuen Job das Salär niedriger als zuvor oder der Beschäftigungsgrad reduziert ist, lässt sich nicht immer die gesamte Freizügigkeit in die neue PK einbringen. Deren Reglement bestimmt nämlich, wie hoch das Vorsorgeguthaben ausgehend von Salär und Alter höchstens sein darf.

Helfen kann in einer solchen Konstellation eine Umschichtung vom Freizügigkeitskonto auf Wertschriftenanlagen, die zur eigenen Risikofähigkeit passen. Die Alternative ist, mit dem blockierten Vorsorgegeld Hypotheken auf selbst genutztem Wohneigentum abzuzahlen. Ein Barbezug des Freizügigkeitsgelds ist frühestens ab Alter 60 für Männer und Alter 64 für Frauen erlaubt.

Fakten zum Thema Freizügigkeit

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Kaum Rendite auf Freizügigkeitskonten

Den Menschen in der Schweiz gehören 1000 Milliarden Franken Vorsorgegeld. Davon liegen insgesamt 850 Milliarden Franken bei den Pensionskassen. Rund 150 Milliarden Franken Vorsorgegeld steckt auf gesperrten Konten und Depots; etwa 100 Milliarden Franken in der Vorsorgesäule 3a, weitere rund 50 Milliarden Franken auf Freizügigkeitskonten. Die jährliche Verzinsung dieser Kategorien klafft dabei weit auseinander.

In den zurückliegenden Jahren hat sich besonders jenes Vorsorgevermögen lukrativ entwickelt, das in den Pensionskassen steckt: Die Erwerbstätigen haben letztes Jahr im Schnitt 2,5 Prozent Zins erhalten, wie die ZKB-Tochtergesellschaft Swisscanto im Frühling in einer Umfrage erhoben hat. In den Jahren zuvor lag der Mittelwert der Zinsgutschriften zwischen 1,7 und 2,6 Prozent.

Bei den gesperrten Geldern kann die Performance stärker variieren, denn die Kontoinhaber dürfen verschiedene Formen von Wertschrifteninvestments wählen. Mehr als drei Viertel der gesamten Geldsumme liegt allerdings auf schlecht rentierenden Bank- und Versicherungskonten, wie der Verein Vorsorge Schweiz ermittelt hat. In ihm sind die Anbieter von Vorsorgekonten organisiert.

Wertschriftenanlagen können Nerven belasten

Auf 3a- und Freizügigkeitskonten zahlen die meisten Geldinstitute derzeit Zinsen von höchstens 0,2 Prozent – mehr bieten nur ganz wenige, oft nur lokal tätige Banken. Diversifizierte Wertschriftenanlagen mit Aktien und Anleihen versprechen über den Mehrjahreszeitraum eine kräftigere Rendite. Allerdings müssen dann entsprechende Wertschwankungen und zeitweilige Börsenkorrekturen nervlich ausgehalten werden können.

Wer sein 3a-Vermögen – und gegebenenfalls auch den längere Zeit blockiert bleibenden Teil des Freizügigkeitsguthabens – analog zur Anlagestrategie der Pensionskassen investiert hat, erreichte in den vergangenen Jahren Performances zwischen –0,6 Prozent im Jahr 2011 und +8,1 Prozent im zurückliegenden Jahr. Seit Beginn des laufenden Jahres haben die Pensionskassenportefeuilles, die im Schnitt zu rund 30 Prozent in Aktien und knapp 25 Prozent in Immobilien investiert sind, etwa ein halbes Prozent eingebüsst. Die Aufwärtsbewegung der Aktienbörse im Juli hat das Jahresmanko wettgemacht. Und längst ist noch nicht Ende Jahr. (Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 16.08.2018, 18:32 Uhr

22.12.2017

Was bedeutet der Rentenreformplan des Bundesrates für die Pensionskassen?

Der Bundesrat will die Reformen der AHV und der zweiten Säule trennen. Die zweite Säule hat nur noch zweite Priorität. Doch die Pensionskassen können sich selber helfen.

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Nun ist es amtlich. Der Bundesrat will die Rentenreform aufspalten. Wie Sozialminister Alain Berset am Mittwoch verkündete, soll die AHV gegenüber der Reform der zweiten Säule Priorität haben (NZZ 21. 12. 17). Die Reform der ersten Säule ist dringlicher, weil sich die AHV ohne Gesetzesänderung im Unterschied zu den Pensionskassen nicht selber helfen kann und bald mit jährlichen Milliardenverlusten rechnen müsste.

Doch ganz ohne Verbindung der beiden Säulen dürfte es nicht gehen, wie befragte Fachleute betonen. Die vom Bundesrat vorgesehene Flexibilisierung des Rentenalters in der AHV zwischen 62 und 70 Jahren bedinge eine Koordination mit der beruflichen Vorsorge. Auch die geplante Erhöhung des AHV-Referenzrentenalters für Frauen von 64 auf 65 Jahre sollte sinnvollerweise ebenfalls für die zweite Säule gelten.

Verzögerung «nicht tragisch»

Der Kern der separaten Vorlage zur beruflichen Vorsorge betrifft den Umwandlungssatz. Über dieses Dossier sollen sich nun zunächst die Sozialpartner beugen, um die Grundlagen für eine mehrheitsfähige Lösung zu schaffen. Für das obligatorische Alterskapital gilt immer noch ein Mindestumwandlungssatz von 6,8%. Pro 100 000 Fr. Alterskapital fliesst damit eine Jahresrente von 6800 Fr. In der vom Volk abgelehnten Vorlage war eine Senkung auf 6,0% vorgesehen.

Hinter dem Umwandlungssatz stecken Annahmen über die Lebenserwartung und die nominalen Anlagerenditen. Die Lebenserwartung ist in der Schweiz laufend am Steigen, die Renditeerwartungen aber sind deutlich gesunken. Viele Pensionskassenexperten betrachten heute einen Umwandlungssatz um 5% als rechnerisch einigermassen korrekt. Ist dieser Satz zu hoch angesetzt, werden Rentner faktisch durch Jüngere subventioniert.

Was wären die Folgen für die Pensionskassen, wenn es noch jahrelang beim Minimum von 6,8% bliebe? «Das wäre nicht tragisch», sagt Peter Zanella von der Beratungsfirma Willis Towers Watson: «Die meisten Pensionskassen können dies durch die Senkung des Umwandlungssatzes auf dem überobligatorischen Kapital kompensieren.» Beim überobligatorischen Kapital gibt es kein gesetzliches Minimum für den Umwandlungssatz.

Gemäss Daten der Oberaufsichtsbehörde sind rund 85% der Versicherten in Pensionskassen versichert, die genügend überobligatorisches Kapital hätten, um den Umwandlungssatz für den Durchschnitt des Gesamtkapitals auf etwa 5% zu senken. Laut einer Branchenumfrage von Swisscanto lag heuer der Durchschnitt des Umwandlungssatzes für Neurentner noch bei etwa 6%. Viele Senkungen sind aber schon aufgegleist, so dass das Mittel in fünf Jahren nahe bei 5,5% liegen könnte. Vorsorgeeinrichtungen ohne überobligatorisches Kapital müssten früher oder später die Lohnbeiträge erhöhen. Laut Zanella würde dies für die Betroffenen «Transparenz schaffen über die Kosten des hohen Mindestumwandlungssatzes». Vielleicht führe dies «in einigen Jahren zu einem Umdenken».

Ausbau statt Abbau

Gemessen an der Rhetorik auf der Politbühne, heisst Senkung des Umwandlungssatzes automatisch «Leistungsabbau». Bei der Einführung des Gesetzes für die berufliche Vorsorge (BVG) 1985 lag der gesetzliche Mindestumwandlungssatz bei 7,2%. Eine Senkung von 7,2 auf 5% reduziert bei unverändertem Kapital die nominale Jahresrente um rund 30%. Doch von einem Leistungsabbau in diesem Ausmass kann keine Rede sein. Beim Start des BVG 1985 steckte hinter dem damaligen Umwandlungssatz faktisch eine Renditegarantie (im Jargon: technischer Zinssatz) für die Neurentner von nominal 4%. Und hinter einem Umwandlungssatz um 5% steht heute faktisch eine Renditegarantie von nominal gut 2%. Rund drei Viertel der Differenz zwischen den erwarteten Nominalrenditen von 1985 und jenen von heute werden aber durch die Reduktion der Teuerung kompensiert, und somit wird die Kaufkraft der Jahresrenten kaum geschmälert. Die durchschnittliche Inflation von 1985 bis 2005 (als die erste BVG-Revision in Kraft trat) betrug 1,8% pro Jahr, seither belief sich die Inflationsrate im Mittel nur auf 0,2%. Politiker und Lobbyisten räumen dies in Gesprächen zwar ein, entgegnen aber, dass man dies dem Publikum nicht erklären könne.

Hinzu kommt, dass die Lebenserwartung für 65-Jährige seit 1985 um einen Viertel gestiegen ist – von 17 auf über 21 Jahre (Durchschnitt von Frauen und Männern). Entsprechend fallen mehr Jahresrenten an, was einen Ausbau der gesamten Rentenleistung bedeutet.

Trotzdem herrscht in der Politik in einem Punkt fast Einigkeit: Die nominalen Jahresrenten sollen insgesamt nicht sinken. Das ist auch die Prämisse vor dem Start der Verhandlungen der Sozialpartner. Auch der Arbeitgeberverband teilt diese Ansicht, wie dessen Direktor Roland Müller bestätigt.

Die nun vom Bundesrat gewünschten Verhandlungen der Sozialpartner waren ein Anliegen der Arbeitgeber. Die ersten Gespräche sollen Anfang des nächsten Jahres starten. «Unser Ziel wäre, dass sich die Sozialpartner bis Ende des nächsten Jahres auf eine Grobvorlage einigen», sagt Arbeitgeberverbands-Direktor Müller. Er hofft, dass die Reform der zweiten Säule am Ende «mit nicht mehr als einjähriger Verspätung auf die Vorlage zur ersten Säule in Kraft treten kann».

Ob es zu einer Einigung kommt, ist völlig offen. Die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern waren jüngst nicht die besten, und die Differenzen in der Rentenfrage sind erheblich. Sollte es per saldo wie bei der abgelehnten Vorlage eine weitgehende oder gar volle «Kompensation» der Senkung des Mindestumwandlungssatzes geben, könnte man auf die Senkung wohl auch gleich verzichten. Die Umverteilung von Jung zu Alt könnten die Pensionskassen weitgehend selber eliminieren, es bliebe die Umverteilung von den Gross- zu den Kleinverdienern.

Verteuerung der Arbeit

Will man die besagten Kompensationen, heisst dies wohl höhere Lohnbeiträge und für eine Übergangsgeneration auch eine Zusatzfinanzierung; die abgelehnte Vorlage hatte dafür eine Subventionierung über den Sicherheitsfonds vorgesehen, der von allen Pensionskassen gefüttert wird. Dies würde eine Umverteilung zwischen den Pensionskassen in Gang setzen. Eine Erhöhung der Lohnbeiträge brächte derweil eine Verteuerung der Arbeit. Die Arbeitgeber würden jedoch sicherlich versuchen, mindestens einen Teil der Zusatzkosten zu überwälzen – auf die Angestellten (tieferer Lohnanstieg), die Konsumenten (Preiserhöhungen) und die Arbeitslosen (Stellenabbau).

Das heuer im Parlament diskutierte Kompensationsmodell des Nationalrats könnte mit der Verteuerung der Arbeitskosten einige tausend Stellen kosten. Der Arbeitgeberverband bezeichnet dieses Modell heute als «zu teuer», doch Varianten davon könnten nun wieder aufs Tapet kommen.

Quelle: NZZ
22.12.2017

10.12.2017

Rentenabbau macht Kapitalbezug attraktiver

Die Pensionskassen senken die Renten. Dagegen hilft ein Kapitalbezug – nun aber droht eine Beschränkung.

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Eine Kürzung der Rente um bis zu 10% ist verkraftbar. Dies hat das Bundesparlament diese Woche entschieden. Den Stein ins Rollen brachte die Pensionskasse des Bundes Publica. Denn die mit 64 000 Versicherten grösste PK des Landes senkt den Umwandlungssatz (UWS) per Anfang 2019 von 5,65% auf 5,09%. Pro 100 000 Fr. Alterskapital reduziert sich die jährliche Rente somit von 5650 auf 5090 Fr.

Diese Kürzung wollte der Bundesrat durch einen einmaligen Sonderbeitrag von 160 Mio. Fr. sowie eine jährliche Unterstützung von 40 Mio. Fr. abfedern, was die eidgenössischen Räte jedoch abgelehnt haben.

Zwar ist der Spardruck bei der Publica grösser als bei anderen Pensionskassen, weil sie nur über knappe Reserven verfügt. Dennoch hat die Massnahme Signalcharakter: Viele andere PK haben den UWS ebenfalls schon unter 5,5% gesenkt. Den gesetzlich vorgeschriebenen Satz von 6,8% verwenden nur noch wenige Vorsorgeeinrichtungen. Dieser gilt einzig für die gesetzlichen Minimalleistungen bis zu einem Lohn von 84 600 Fr. Weil aber die meisten Pensionskassen bei den Sparbeiträgen über dieses Obligatorium hinausgehen, haben sie bei der Festsetzung des UWS freie Hand.

Die zweite Säule werde aufgrund des ständigen Abbaus kritischer beurteilt als früher, beobachtet Florian Schubiger, Mitgründer der Beratungsfirma Vermögenspartner: «Die Versicherten prüfen vermehrt Möglichkeiten, um den Rentenkürzungen zu entgehen.» Der beste Zeitpunkt dazu ist vor der Pensionierung: Dann muss sich jeder entscheiden, ob er sein Altersguthaben als Kapitalauszahlung oder als Rente beziehen will. Bei dieser Weichenstellung geht es um Hunderttausende Franken – umso reiflicher sollte man sich die Wahl überlegen.

Entscheidend ist das Alter

Das wichtigste Kriterium ist der Gesundheitszustand: Wer davon ausgeht, dass er sehr alt wird, fährt mit der Rentenlösung besser. Bei einer unterdurchschnittlichen Lebenserwartung dagegen empfiehlt sich der Kapitalbezug.

Die unten stehende Grafik verdeutlicht den Zusammenhang. Die Modellrechnung basiert auf einem Altersguthaben von 500 000 Fr. Mit einem UWS von 6,8% erreicht die jährliche Rente 34 000 Fr. Wer nach der Pensionierung noch 30 Jahre lebt, kommt auf Einnahmen vor Steuern von 1 020 000 Fr. Gegenüber dem Kapitalbezug ergibt dies einen Vorteil von mehr als 300 000 Fr., wenn die Rendite auf dem Kapital 1,5% beträgt.

Falls jemand aber schon mit 70 stirbt, profitiert er nur fünf Jahre von der PK-Rente. Mit dem Kapitalbezug hätte für ihn respektive seine Nachkommen 320 000 Fr. mehr herausgeschaut. Wie die Grafik zeigt, führen die beiden Varianten bei einer Lebenserwartung von 83 Jahren zu einer ausgeglichenen Bilanz.

Beträgt der Umwandlungssatz dagegen nur noch 5%, verliert die Rentenlösung an Attraktivität. In der Modellrechnung verschiebt sich das Alter, ab welchem der Kapitalbezug nicht mehr zum besseren Ergebnis führt, auf das 90. Lebensjahr. Und wer mit 95 stirbt, erzielt mit der Rente einen deutlich kleineren Vorteil von lediglich 100 000 Fr.

In der Praxis wird die Abwägung durch weitere Faktoren beeinflusst: Bei einem geringen Alterskapital ist die Sicherheit besonders wichtig, was tendenziell für die Rente spricht. Abzuklären ist ebenso, ob man sich zutraut, das bezogene Guthaben selber anzulegen. Neben der erwarteten Rendite ist zudem die Inflationsprognose wichtig: Im Falle einer starken Teuerung bietet der Kapitalbezug den besseren Schutz.

Auch ein hoher Steuersatz spricht tendenziell für den Kapitalbezug. Umgekehrt wählen Verheiratete eher die Rente, weil die Pensionskassen eine Hinterbliebenenrente auszahlen, welche in der Regel 60% beträgt. Ins Gewicht fällt dies vor allem, wenn die Partnerin oder der Partner deutlich jünger ist. Vielfach empfiehlt sich auch eine Mischlösung, also ein teilweiser Kapitalbezug. Im Mittel beträgt das ausbezahlte Guthaben 170 000 Fr.

Bund will eine Beschränkung

Nun allerdings wollen der Bundesrat wie auch der Ständerat den Kapitalbezug begrenzen. Demnach bleibt dieser nur noch beim überobligatorischen Altersguthaben zulässig. Die Neuerung soll verhindern, dass Pensionäre ihr Geld verjubeln und danach auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind.

Der Nationalrat entscheidet voraussichtlich im nächsten Frühling, ob die Einschränkung rechtsgültig wird. Laut Florian Schubiger bedeutet der Vorschlag eine problematische Zäsur für die zweite Säule: «Bisher galt der Grundsatz, dass die Guthaben in der beruflichen Vorsorge den einzelnen Versicherten gehören. Wenn die Wahlfreiheit aber wegfällt, wird dieses Prinzip infrage gestellt.»

Die Leistungen der zweiten Säule sind deutlich geringer als noch vor wenigen Jahren. Neben der tieferen Verzinsung führen die sinkenden Umwandlungssätze zu einer spürbaren Reduktion der Renten. Die vorgesehene Begrenzung des Kapitalbezugs schmälert die Attraktivität zusätzlich.

Immerhin hielt das Parlament für die Versicherten der Publica ein Trostpflaster bereit. Den Sonderbeitrag lehnte es zwar ab, dafür genehmigte es eine Lohnerhöhung von 0,6% – nachdem es in den beiden Vorjahren jeweils eine Nullrunde gab.

Quelle: NZZ
09.12.2017

9.5.2017

Sammelstiftungen im Fokus der Aufsicht

Die Oberaufsichtskommission nimmt Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen stärker unter die Lupe. Die Einrichtungen sollten risikoorientiert geführt werden, sie haben allerdings auch ihre Stärken.

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In der beruflichen Vorsorge ist in der Schweiz seit Jahren ein Konzentrationsprozess zu beobachten. Die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) hat mitgeteilt, dass die Zahl der Vorsorgeeinrichtungen im vergangenen Jahr um 71 auf 1865 gesunken ist. Darin spiegelt sich unter anderem die Entwicklung, dass Unternehmen firmeneigene Pensionskassen schliessen und die berufliche Vorsorge Sammeleinrichtungen übergeben. Die Kassen sind möglicherweise zu klein, oder das Unternehmen möchte die Risiken der beruflichen Vorsorge in einem Umfeld mit negativen Zinsen lieber nicht tragen. Ende 2016 waren mit 2,4 Mio. rund 60% der aktiven Versicherten in der zweiten Säule in Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtungen versichert.

Die grosse Bedeutung der Einrichtungen hat dazu geführt, dass die OAK BV sie stärker unter die Lupe nimmt. In der Tat dürften manche der Einrichtungen die nötigen Senkungen ihrer Umwandlungssätze hinauszögern, um im Wettbewerb um neue Anschlüsse möglichst attraktiv auszusehen. Mit der Konzentration in der beruflichen Vorsorge habe sich die Tendenz zum Eingehen höherer Risiken bei den Einrichtungen verstärkt, teilt die Oberaufsicht mit. Sollte sich die Lage an den Kapitalmärkten verschlechtern, könnten Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen mit kritischer Situation ein Risiko für den Sicherheitsfonds und damit alle Versicherten werden. Die OAK BV gibt dies als einen der Gründe dafür an, dass sie nun neue, jährlich zu erhebende Risikokennzahlen einführen will. Auf die Einrichtungen kommen noch weitere Informationsanforderungen zu. Es ist wichtig, dass Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen risikoorientiert geführt werden. Allerdings sollten auch ihre Stärken berücksichtigt werden. Eine davon ist ihr vorteilhaftes Verhältnis von Aktiven zu Rentnern, das im Durchschnitt bei 10 zu 1 liegt. Davon können viele firmeneigene Pensionskassen nur träumen.

Quelle: NZZ
09.05.2017

12.4.2017

Schweizerischer Arbeitgeberverband: Nein zur Altersvorsorge 2020

Der Schweizerische Arbeitgeberverband hat die Nein-Parole zur Volksabstimmung über die Reform Altersvorsorge 2020 vom 24. September 2017 beschlossen. Die Arbeitgeber erteilen mit ihrem Votum einem unsolidarischen und unterfinanzierten AHV-Ausbau eine Absage. …mehr

Die Mitglieder des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) haben sich an ihrer Vorstandssitzung gegen die Altersvorsorgereform 2020 ausgesprochen, über die das Stimmvolk am 24. September 2017 befindet. Die Arbeitgeber lehnen eine Vorlage ab, die das Parlament – entgegen den Reformzielen und trotz der Ablehnung von «AHVplus» – zu einer überladenen Ausbauvorlage umfunktioniert hat, statt die Altersvorsorge nachhaltig auf eine stabile finanzielle Basis zu stellen. Die strukturellen Probleme, darunter die chronisch defizitäre AHV-Kasse und die Pensionierungswellen der geburtenstarken Jahrgänge, werden nicht nur ausgeblendet, sondern sogar verschärft. So übersteigen die Kosten des AHV-Ausbaus bereits 2030 die Mittel, die durch die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre frei werden.

Eine weitere Schwäche der Reform liegt im unsolidarischen Giesskannenprinzip des AHV-Ausbaus. Monatlich werden 70 Franken an alle Neurentner und sogar bis zu 226 Franken an alle Neurentnerehepaare verteilt – unabhängig von ihrer finanziellen Situation und ungeachtet dessen, ob sie von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge betroffen sind. Der Ausbau, für den viele bezahlen und von dem nur wenige profitieren, führt zu einer AHV zweier Klassen. Zu den grossen Profiteuren zählt die Übergangsgeneration zwischen 45 und 65 Jahren. Sie wird dank Zahlungen aus dem Sicherheitsfonds von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der zweiten Säule verschont und kommt dennoch in den Genuss des AHV-Zustupfs von jährlich 840 Franken.

Die Reform gefährdet überdies den Zusammenhalt zwischen den Generationen. Auf der Verliererseite stehen bisherige Rentner, welche die berufliche Vorsorge aufgebaut haben, aber selber keine Chance mehr haben, ihre Pensionskassenrenten aufzubessern. Vielmehr müssen sie eine im Portemonnaie spürbare Erhöhung der Mehrwertsteuer verkraften, die den AHV-Ausbau mitfinanziert. Schlechter gestellt werden – wie dies bereits bei der deutlich verworfenen AHVplus-Initiative der Fall gewesen wäre – ausgerechnet jene bedürftigen Rentner, denen im Gegenzug zum AHV-Zustupf die steuerbefreiten Ergänzungsleistungen (EL) gekürzt werden. Die grössten Lasten werden aber den Jungen und nachkommenden Generationen aufgebürdet. Sie bezahlen die Zeche für den AHV-Ausbau, da sie ab 2030 zusätzlich zur weiter wachsenden Anzahl Rentner für die ungedeckten Checks der Reform geradestehen müssen.

Eine Annahme der unterfinanzierten Ausbauvorlage würde bereits mittelfristig trotz der Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,6 Prozent sowie der Lohnbeiträge um total 0,7 Prozent wieder grosse Löcher in die AHV-Kasse reissen und den Druck zu weiteren Reformen mit zwangsläufig einschneidenderen Sanierungen erhöhen. Bereits 2025 müsste die nächste Reform umgesetzt werden. Der unsolidarische AHV-Ausbau für arm und reich erhöht daher letztlich nur den Druck, das Rentenalter rascher anheben zu müssen. Die Arbeitgeber stehen weiterhin zu einer Reform der Altersvorsorge mit sicheren Renten auf heutigem Niveau, erteilen einem unsolidarischen AHV-Ausbau aber eine klare Absage. Lehnt das Schweizer Volk am 24. September 2017 zum zweiten Mal innert Jahresfrist einen für unser wichtigstes Sozialwerk gefährlichen Giesskannenausbau ab, wird der Weg endlich frei für eine echte Reform der Altersvorsorge für sichere Renten in beiden Säulen. Teure Experimente hat unsere AHV nicht verdient.

Denn ein Scheitern der Vorlage an der Urne bedeutet nicht das Ende des Reformprozesses. Die zentralen Elemente sind bekannt und liegen auf dem Tisch. Statt einer überladenen Reform braucht es danach zügig separate und verdaubare Portionen, wie sie die Wirtschaft seit Beginn des Reformprozesses stets gefordert hat. Dabei sind die heute selbst von linken Kreisen geforderten Massnahmen anzugehen: als erstes die Angleichung des Rentenalters für Männer und Frauen auf 65. Zweitens braucht es eine Senkung des Mindestumwandlungssatzes mit angemessener Kompensation innerhalb der beruflichen Vorsorge, wozu der Nationalrat einen grundsätzlich gangbaren Weg vorgezeichnet hat. Drittens müssen die politischen und sozialpartnerschaftlichen Akteure in einem sorgfältig zu erarbeitenden breiten Konsens aufzeigen, wie mittelfristig das immer schlechter werdende Umlageverhältnis in der AHV durch eine schrittweise und sozialverträgliche Erhöhung des Rentenalters langfristig sichergestellt werden kann.

Kontakt:

Roland A. Müller, Direktor, Tel. 079 220 52 29,
mueller@arbeitgeber.ch

Martin Kaiser, Ressortleiter Sozialpolitik, Tel. 079 517 68 26,
kaiser@arbeitgeber.ch

Quelle: Presseportal.ch
12.04.2017

29.3.2017

Mehr Zwang beim Zwangssparen

Die Politik erhöht den Druck beim obligatorischen Sparen in der 2. Säule gleich zweifach. Erstens ­sollen wir mehr einzahlen. Zweitens sollen wir das Geld nicht mehr als Kapital, sondern nur noch als Rente beziehen. …mehr

Eine Reform jagt die andere. Soeben hat das Parlament die grosse Reform der Altersvorsorge gezimmert, die am 24. September an die Urne kommt. Noch vorher, im Juni, beginnt im Ständerat die Debatte über die Reform der ­Ergänzungsleistungen (EL).

Am Dienstag hat die Sozialkommission dazu erste Vorentscheide gefällt. Die zwei Projekte überlagern sich in einem politisch sensiblen Punkt: Beide ­sehen beim ­obligatorischen Teil der 2. Säule (Pensionskassen) wichtige Veränderungen vor, die sich gegenseitig verstärken.

Der Verdacht

Zuerst einmal wird mit der Renten­reform das staatlich erzwungene Alterssparen markant ausgebaut. Hier geht es um das Doppelproblem der tiefen Renditen und der gestiegenen Lebenserwartung. Als Reaktion darauf will das ­Parlament mit der Reform den Mindestumwandlungssatz der Pensionskassen senken, womit es künftig pro angespartem Franken weniger Rente gibt. Das ­effektive Rentenniveau soll aber nicht sinken.

Deshalb müssen Arbeitnehmer zusammen mit ihren Arbeit­gebern in Zukunft während des gesamten Berufslebens mehr Geld in die Pensionskasse ein­zahlen. So erhöht sich zum Beispiel das Zwangssparen bis zur Pensionierung für einen Angestellten mit einem Lohnniveau von 4500 Franken im Monat um insgesamt 30’000 Franken.

Unmittelbar betroffen sind zwar nur etwa 15 Prozent ­aller Angestellten, da die Mehrheit in Pensions­kassen versichert ist, deren Leistungen über das obligatorische Alterssparen hinausgehen.

Doch zusammen mit der EL-Reform sind plötzlich alle Angestellten betroffen. Hier setzt der Bundesrat den Hebel ebenfalls bei der 2. Säule an. Er will die Möglichkeiten einschränken, das angesparte Geld bei der Pensionierung als Kapital zu beziehen, statt es in monatliche Renten ­umwandeln zu lassen.

Konkret will der Bundesrat verbieten, im Rahmen der obligatorischen ­Vorsorge angesparte Gelder als ­Kapital zu beziehen. Stattdessen müsste man sich diesen Teil des Kapitals neu zwingend in eine Rente umwandeln lassen. Dieser Vorschlag war zwar bisher umstritten, die Sozialkommission des Ständerats hiess ihn gestern aber einstimmig gut, wie aus ihrer Mitteilung hervorgeht.

Die Einschränkungen beim Kapitalbezug sollen dazu bei­tragen, dass künftig weniger Rentner auf EL angewiesen sind. Dahinter steht der Verdacht, dass die Rentner das bezogene Kapital weniger gut verwalten und an­legen werden als ihre Pensionskasse. Oder dass sie es im schlimmsten Fall verprassen, im Wissen, dass sie danach EL beantragen können.

«Schnell ausgegeben»

Der Bundesrat formuliert es in der Botschaft freundlicher: «Das Altersguthaben kann schnell ausgegeben werden. Ist es einmal aufgebraucht, steht die betroffene Person unter Umständen mittellos da.» Eine Rente hingegen garantiere ein regelmässiges Einkommen während der gesamten Dauer des Rentenalters, auch wenn man sehr alt werde.

Die Beschränkung des Kapitalbezugs wirkt sich zusammen mit dem Ausbau des obligatorischen Sparens in der Rentenreform flächen­deckend aus. Bei allen Arbeit­nehmern – auch bei jenen in gross­zügigen Pensionskassen – entfällt künftig ein grösserer Teil des Alterskapitals auf das ­Obligatorium. Und dieses soll von der Kapitalauszahlung neu ausgeschlossen werden.

Geld für Selbstständige?

Der Bundesrat will den Schutz der obligatorischen Vorsorge mit der EL-Reform noch anderweitig ausbauen. Wer sich selbstständig macht, kann heute als Starthilfe einen Teil ­des Pensionskassen­kapitals beziehen. Auch dies wäre neu nur noch bei dem Teil erlaubt, der über das Obligatorium hinausgeht. Hier ist aber mit Widerstand zu rechnen.

Die Mehrheit der Kommission will den ­Kapitalbezug in diesen Fällen nicht verbieten, sondern nur einschränken.

Quelle: Berner Zeitung
29.03.2017

17.2.2017

Bei groben Fehlentscheiden haften Stiftungsräte

Das Bundesgericht hat entschieden, dass der Stiftungsrat der Sammelstiftung Provitas für die Folgen von verfehlten Anlageentscheiden haften soll. Dabei spielt auch der Fall Behring eine Rolle. …mehr

Stiftungsrat einer Pensionskasse zu sein, kann bei Fehlentscheiden teuer werden. Dies zeigt ein jüngst veröffentlichter Entscheid des Lausanner Bundesgerichts. Dieser sieht vor, dass der Stiftungsrat der Sammelstiftung Provitas für die Folgen von Anlageentscheiden zur Zeit des Platzens der Internetblase haften soll. Dabei waren auch Anlagen bei dem Basler Financier Dieter Behring im Spiel, dessen Geschäft 2004 kollabierte und einen Verlust von 800 Mio. Fr. sowie rund 2000 Geschädigte zurückliess. Das Bundesgericht heisst in seinem Urteil eine Beschwerde des Sicherheitsfonds BVG gegen einen Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich teilweise gut und erteilt Letzterem einen Rüffel.

«Trader» sollte es richten

Worum geht es bei dem Fall Provitas? Wie die Advokatin Franziska Bur Bürgin von der Kanzlei Ludwig + Partner in einem Blog-Eintrag ausführt, hat die 1994 gegründete Sammelstiftung mit einer garantierten Verzinsung der Altersguthaben von 5% bei dreijährigen Verträgen geworben. Mit dem Platzen der Internetblase brach der Deckungsgrad der Provitas jedoch ein, Ende September 2001 betrug er noch 81,55%. Wie das Bundesgericht in dem Entscheid ausführt, entschloss sich der Stiftungsrat daraufhin zu einer Sanierung.

Bei diesem Versuch wurden die Aktienanlagen an einen «Trader» – laut Bur Bürgin dürfte es sich dabei um Behring handeln – übergeben, der eine jährliche Rendite von 15% erreichen sollte. Allerdings fiel der Deckungsgrad der Provitas bis Juni 2002 auf 71%, und im April 2003 ordnete das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) die Aufhebung der Sammelstiftung an. Der Sicherheitsfonds BVG schoss anschliessend im Zeitraum November 2003 bis August 2004 rund 49,4 Mio. Fr. ein, um gesetzliche Leistungen sicherzustellen. Der Sicherheitsfonds erhob dann 2012 eine Klage unter anderem gegen die Stiftungsräte beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich und forderte die Erstattung des Schadens von rund 8,4 Mio. Fr. zuzüglich Zinsen.

Wie Bur Bürgin schreibt, lautete der Vorwurf des Sicherheitsfonds, die Anlagestrategie der Provitas sei wegen fehlender Wertschwankungsreserven von Anfang an zu riskant gewesen und mit der Einsetzung des «Traders» noch riskanter gemacht worden. Damit sei der im Berufliche-Vorsorge-Gesetz ausgeführte Grundsatz der Sicherheit (Art. 71 BVG) verletzt worden. Das Sozialversicherungsgericht wies die Klage des Sicherheitsfonds BVG aber im September 2015 ab. Daraufhin erhob dieser Beschwerde beim Bundesgericht.

Dessen Urteil fiel Ende Dezember 2016. Darin übt das Bundesgericht deutliche Kritik an dem Entscheid des Sozialversicherungsgerichts. Das Neue an dem Entscheid sei, dass das Bundesgericht die Bedeutung der Risikofähigkeit einer Vorsorgeeinrichtung im Zusammenhang mit der Zulässigkeit von Anlageentscheiden stark betone, sagt Laurence Uttinger, Partnerin bei der Anwaltskanzlei Niederer Kraft & Frey. In dem Entscheid wird Risikofähigkeit als die Fähigkeit bezeichnet, «erfahrungsgemäss zu erwartende marktbedingte Schwankungen des Gesamtvermögens auszugleichen und über genügend liquide bzw. liquidierbare Mittel zu verfügen, um laufende und künftige Verpflichtungen (z. B. Rentenzahlungen, Freizügigkeitsleistungen) erfüllen zu können».

Das Bundesgericht halte in dem Entscheid fest, das Sozialversicherungsgericht habe den Begriff der Risikofähigkeit nicht richtig verstanden, schreibt Bur Bürgin. Zudem habe es nicht verstanden, die Schwankungsreserven als wesentliches Element der Risikofähigkeit in Relation zum Aktienengagement zu setzen. So habe es nicht der Gesamtsituation Rechnung getragen. Sie zitiert aus dem Bundesgerichtsurteil, wonach im Jahr 2000 der Provitas-Stiftungsrat die Aktienquote auf 33,9% erhöht habe, so dass Ende 2000 Aktienanlagen von rund einem Drittel des Gesamtvermögens lediglich noch Wertschwankungsreserven in Höhe von 2,6% gegenübergestanden seien. Dies bezeichnet das Bundesgericht als «klar unzureichend».

Was die von dem «Trader» angestrebte Rendite von 15% angeht, hebt Bur Bürgin die Klarstellung des Bundesgerichts hervor, wonach es bei einem Anlageentscheid nicht massgeblich sei, ob die versprochene Rendite erreichbar scheine, sondern einzig, ob das Engagement der Risikofähigkeit einer Vorsorgeeinrichtung entspreche oder nicht. Laut dem Bundesgericht habe der Stiftungsrat die Führungspflicht und damit seine Sorgfaltspflicht verletzt.

Uttinger weist zudem darauf hin, dass manche Stiftungsräte vor allem auf die Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV2) schauten und sich ausschliesslich an den dort ausgewiesenen Grenzwerten für Anlagen orientierten. Das Bundesgericht erinnere jedoch zu Recht daran, dass die Grundsätze in Artikel 71 BVG – wie beispielsweise derjenige der Sicherheit – den Anlagegrenzwerten der Verordnung übergeordnet und deshalb unabhängig davon einzuhalten seien.

Welche Folgen dürfte der Entscheid des Bundesgerichts haben? Laut Roger Baumann von der St. Galler Beratungsgesellschaft «c-alm» zeigt er, welch grosse Verantwortung Stiftungsräte einer Pensionskasse haben. Heute müsse man als Stiftungsrat umsichtig vorgehen, sonst hafte man selber für Anlageentscheide, die für die Pensionskasse getroffen würden. Das Bundesgericht zeige den Stiftungsräten, dass sie bei Versuchen, einen niedrigen Deckungsgrad durch riskante Anlage-Manöver zu verbessern («gambling for resurrection»), haftbar gemacht werden könnten. Tatsächlich hätte der Stiftungsrat bei dem genannten Fall ganz klar sehen müssen, dass das Engagement bei dem «Trader» mit hohen Risiken verbunden gewesen sei. Da der Gesetzgeber mit Regulierungen wie der BVG-Strukturreform die Verantwortung des Stiftungsrats noch vergrössert habe, sei es gut möglich, dass ähnliche Fälle in den Fokus rückten – beispielsweise aus der Zeit der Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2009.

«Fronarbeit» Stiftungsrat

Uttinger glaubt indessen nicht, dass der Entscheid des Bundesgerichts in der Praxis riesige Auswirkungen haben wird. Viel mehr ähnliche Fälle dürfte es aus ihrer Sicht in Zukunft wohl nicht geben, denn der Sicherheitsfonds BVG habe auch in der Vergangenheit schon bei notleidenden Stiftungen, bei denen er habe einspringen müssen, Klagen geprüft. Fälle wie Provitas, bei denen der Stiftungsrat trotz Vorliegen einer Unterdeckung das Aktienengagement erhöhe und entscheide, einem zweifelhaften «Trader» freie Hand über rund einen Viertel des Vermögens zu geben, seien glücklicherweise selten. Wenn sich Stiftungsräte an die Vorgabe des sorgfältigen Wirtschaftens hielten, sei es unwahrscheinlich, dass ihnen Haftungsfolgen drohten.

Es werde mit solchen Haftungsfällen unattraktiver, ein Amt als Stiftungsrat einer Vorsorgeeinrichtung zu übernehmen, sagt Baumann. Schliesslich handle es sich in der Regel um eine «Fronarbeit». Zudem erhielten Stiftungsräte von ihrem Arbeitgeber oft immer noch nicht die nötigen Möglichkeiten und die Zeit, sich in die Materie einzuarbeiten und sich auszubilden. Baumann fordert, Stiftungsräte von Pensionskassen müssten eine der Verantwortung angemessene Entschädigung erhalten – wie ein Verwaltungsrat in einem Unternehmen.

Quelle: NZZ
17.02.2017

19.1.2017

Gegen starre Anlagevorschriften – Der sichere Tod der zweiten Säule

Sicherheitsdenken wird in der zweiten Säule oft mit Investitionen in solide Inlandobligationen gleichgesetzt. Das Risiko, wegen eines plötzlichen Zinsanstiegs Kapitalverluste zu erleiden, ist gross.

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Die heutige Regulierung erlaubt es den Pensionskassen, ihr ganzes Vermögen in Obligationen zu halten, die derzeit aber keine oder gar negative Renditen abwerfen. Der dritte Beitragszahler, der Zins, fällt damit gänzlich aus, und das Kapitaldeckungsverfahren droht seine Existenzberechtigung zu verlieren. Denn im Vergleich mit dem Umlageverfahren ist die zweite Säule volkswirtschaftlich nur sinnvoll, wenn der akkumulierte Kapitalstock eine Rendite abwirft. Um die Sollrenditen von 2% bis 3% zu erreichen, braucht es deshalb andere anlagestrategische Grundsätze und Leitlinien.

Langfristig investieren

Angenommen, eine Pensionskasse mit einem verfügbaren und (bei einem technischen Zins von 2%) notwendigen Vermögen von 100 Mio. Fr. investiere 60 Mio. Fr. in Schweizer Aktien, 38 Mio. Fr. in inländische Immobilien und halte den Rest als Liquiditätsreserve. Bei einem Deckungsgrad von 100%, also fehlenden Wertschwankungsreserven, würden Pensionskassenexperten und Aufsichtsbehörden von einer unverantwortlich aggressiven Anlagestrategie sprechen – auch weil die Limiten für Aktien (50%) und Immobilien (30%) verletzt sind.

Mit Blick auf zufliessende Cashflows ergibt sich jedoch ein fundamental anderes Bild: Bei der gegenwärtigen Dividendenrendite des Swiss-Performance-Indexes von 3,4% (abzüglich 0,2% Gebühren) und Nettorenditen der Immobilien von 2,8% liefert das Portefeuille einen Zahlungsstrom von fast 3 Mio. Fr. bzw. bezogen auf das notwendige Vermögen 3%. Der Erfüllungsgrad der Sollrendite liegt daher über 100%. Der Cashflow erlaubt es der Pensionskasse sogar, die Aktiven wie die Rentner mit einer zusätzlichen Verzinsung über die 2% hinaus zu beglücken.

Was passiert bei einem Crash?

Bei einem Kursrückgang an den Aktien- und Immobilienmärkten von 50% würde sich das vorhandene Vermögen annähernd halbieren. Der gängige Deckungsgrad läge demzufolge bei katastrophalen 51%, was im heutigen regulatorischen Umfeld hektische Sanierungsbemühungen auslösen und möglicherweise zu einem panikartigen Abbau der Aktien- und Immobilienquote führen würde. Selbst wenn der Kurssturz mit einer markanten Abnahme der grundsätzlich viel weniger volatilen Cashflows um 30% verbunden wäre (in der Dotcom-Krise brachen die Dividenden bloss um einen Zehntel ein), läge die Dividendenrendite bei 4,8% (netto 4,6%) und die Nettorendite der Immobilien bei 3,9%. Der Zahlungsstrom würde mit 2,1 Mio. Fr. oder 2,1% auf dem notwendigen Vermögen noch immer einen Sollrendite-Erfüllungsgrad von über 100% indizieren. All jene Pensionskassen, die beim Crash über Obligationenbestände verfügen, müssten sich ernsthaft überlegen, dieselben in die bezüglich Cashflow nunmehr noch attraktiveren Aktien und Immobilien zu tauschen – dies umso mehr, als sich Kursstürze meist als vorübergehend erwiesen haben.

Für die Finanzierung der Altersvorsorge sind weniger kurz- und mittelfristige Schwankungen an den Finanzmärkten entscheidend als vielmehr die Nachhaltigkeit der Cashflows. Problematisch sind Einbrüche bei den Zahlungsströmen, wie wir sie in den letzten Jahren bei den Anleihen hoher Bonität beobachten mussten. Der Regulator täte gut daran, sich vom Paradigma einer Sicherung der nominellen Renten zu verabschieden und den Pensionskassen diesbezüglich mehr unternehmerische Freiheit zu gewähren. Alternativen (wie Aktien und Immobilien) sollten daher von geltenden regulatorischen Beschränkungen befreit werden. Mit den heutigen regulatorischen Anforderungen zur Sicherung der Pensionskassen läuft der Regulator Gefahr, selbst zu deren Zerstörung beizutragen – «todsichere» Obligationen ohne Rendite sind der sichere Tod der zweiten Säule.

Selbst wenn Renten nominal garantiert werden könnten, verbliebe ein erhebliches Risiko hinsichtlich deren Kaufkraft. Bei der seit Jahren liquiditätstreibenden Geldpolitik ist es sehr wohl möglich, dass inflationäre Tendenzen die Renten dereinst real schmälern werden. Mit einer auf Sachwerte gerichteten Anlagestrategie kann dies teilweise kompensiert werden, weil die Cashflows von Aktien und Immobilien mit der Inflation tendenziell zunehmen.

Gastkommentar von Christoph Zenger, Geschäftsleitungsmitglied der Firma Covasys Wyttenbach & Zenger

Quelle: NZZ
19.01.2017

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23.12.2016

Kürzungen bei Rentenleistungen – Immer mehr Kassen greifen zum Rotstift

Den Versicherten drohen schmerzhafte Kürzungen bei den Rentenleistungen in der beruflichen Vorsorge. Ein Experte erwartet «ein dramatisches Jahr 2017».

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Grosse Vorsorgeeinrichtungen wie die BVK oder die Pensionskasse der Credit Suisse haben es vorgemacht, nun dürften einige andere Vorsorgeeinrichtungen folgen: Den Versicherten drohen schmerzhafte Kürzungen bei den Rentenleistungen in der beruflichen Vorsorge. Angesichts der anhaltend schwierigen Lage am Kapitalmarkt und von Negativzinsen realisierten die Stiftungsräte in vielen Pensionskassen, dass sie Entwicklungen zum Teil «verschlafen» hätten, sagt Stefan Thurnherr vom VZ Vermögenszentrum. Er erwartet in dieser Hinsicht «ein dramatisches Jahr 2017». Viele Vorsorgeeinrichtungen rechneten mit einem zu hohen technischen Zins und hätten sich in der Vergangenheit in falscher Sicherheit gewiegt. Nun fühlten sie sich gezwungen zu agieren.

«Entwicklung verschlafen»

Auch Ueli Mettler von der Beratungsgesellschaft «c-alm» geht davon aus, dass viele Vorsorgeeinrichtungen nicht umhinkommen, das Leistungsniveau anzupassen – vor allem im überobligatorischen Teil. Einige Pensionskassen hätten hier Nachholbedarf. Thurnherr erwartet, dass einige Vorsorgeeinrichtungen ihre Änderungen im Frühjahr 2017 kommunizieren, am 1. Januar 2018 dürften diese dann in Kraft treten.

Der technische Zins ist die Kennzahl, mit der eine Pensionskasse die Höhe ihrer künftigen Erträge einschätzt. Wird der Zins zu hoch eingestuft, führt dies nicht nur dazu, dass eine Vorsorgeeinrichtung einen zu hohen Deckungsgrad ausweist. Sie schafft damit auch massive Umverteilungen zwischen Aktiven und Rentnern. Wie ein Warnschuss gegen zu hohe technische Zinsen dürfte derweil für viele Vorsorgeeinrichtungen die jüngst publizierte Empfehlung der Schweizerischen Kammer der Pensionskassenexperten (SKPE) gewirkt haben. Per Ende September dieses Jahres hat sie unter Berufung auf die Fachrichtlinie FRP 4 den Pensionskassen empfohlen, für die kommenden Jahresabschlüsse einen technischen Zins von 2,25% anzuwenden – eine Senkung um 0,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Eigentlich steht es im Ermessen des Stiftungsrats einer Pensionskasse, den technischen Zins nach Massgabe ihrer Zielrenditen, ihrer Einschätzung der Marktentwicklung sowie dem Zustand der Vorsorgeeinrichtung festzulegen. In der Praxis aber kämen die Stiftungsräte aus dem Korsett der SKPE-Empfehlung kaum heraus, sagt Thurnherr. Derzeit sei zu beobachten, dass die Vorsorgeeinrichtungen in der Deutschschweiz ihre technischen Zinsen grossflächig auf 2% senkten, sagt Mettler. Sie «übererfüllen» die Empfehlung also sogar.

entwicklung-technischer-zins-bei-schweizer-pensionskassen

Weiterer Druck für die Vorsorgeeinrichtungen entsteht derweil dadurch, dass ihnen mit jeder neu entstehenden Rente sogenannte Pensionierungsverluste drohen, wenn sie zu hohe Umwandlungssätze anwenden (vgl. Zusatz). Der Umwandlungssatz ist der Prozentsatz des gesparten Vermögens in der Pensionskasse, der einem Rentner jährlich ausbezahlt wird. Ist er zu hoch angesetzt, führt dies dazu, dass Rentenverpflichtungen nicht ausfinanziert sind. Zudem stehen in den kommenden Jahren viele Pensionierungen von «Babyboomern», also Personen aus den starken Nachkriegsjahrgängen, an. Reagieren die Vorsorgeeinrichtungen nicht auf die Situation, könnten dadurch hohe Pensionierungsverluste entstehen.

Folglich senkten viele Pensionskassen derzeit ihre Umwandlungssätze geradezu abrupt, sagt Thurnherr. Als Beispiele für solche Senkungen führt er neben der BVK und der Pensionskasse der Credit Suisse die Vorsorgeeinrichtung des Bundes Publica an. Diese senkt ihren technischen Zins Mitte 2018 auf 2% und ihren Umwandlungssatz auf 5,09% nach zuvor 5,65%. Andere, kleinere und mittelgrosse Pensionskassen dürften nun folgen, erwartet Thurnherr. Da grosse Vorsorgeeinrichtungen bereits solch unpopuläre Massnahmen ergriffen hätten, fühlten sie sich nun «in guter Gesellschaft».

Zudem ist ein Trend zu beobachten, dass Pensionskassen versuchen, Versicherte in oberen Gehaltsetagen dazu zu bringen, sich ihr angesammeltes Kapital auszahlen zu lassen, anstatt es als Rente zu beziehen. So hätten bereits Vorsorgeeinrichtungen mit der Einführung eines Kapitalzwangs für Besserverdienende beim Bezug von Pensionskassengeldern reagiert, sagt der VZ-Vorsorgespezialist. Wenn Versicherte statt einer Rente eine Kapitalauszahlung erhalten, übernehmen sie anstatt der Vorsorgeeinrichtung das Risiko der Verwaltung der Gelder. Das Thema ist in diesem Jahr mit den Ankündigungen der Pensionskasse der Credit Suisse, einen solchen Kapitalzwang einzuführen, auf den Tisch gekommen. Auch die Pensionskasse IBM hat laut Thurnherr einen solchen Zwang eingeführt, und zwar im Überobligatorium. Bei der Pensionskasse 2 von Novartis ist die Entwicklung ebenfalls zu beobachten, sie zahlt nur noch Renten für Gehälter bis 150 000 Fr. Angestellte des Basler Pharmakonzerns, die mehr verdienen, müssen sich die entsprechenden Teile des Vorsorgekapitals ebenfalls als Kapital auszahlen lassen.

Neue Rechnungslegung

Einer der Gründe für solche Massnahmen dürfte auch der in den internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS) enthaltene, jüngst überarbeitete Standard IAS 19 sein. Weil Unternehmen wegen IAS 19 die Vorsorgeverpflichtungen und den Vorsorgeaufwand in den Jahresrechnungen erhöhen müssen, droht die Gefahr, dass sie Vorsorgepläne zum Nachteil von Versicherten anpassen.

Ein weiterer Trend sind die sogenannten 1e-Pläne, bei denen Versicherte ab einem Jahresgehalt von 126 900 Fr. selbst ihre Anlagestrategie bestimmen können – für die Teile des Lohns, die über dieser Grenze liegen. Dies gibt Mitarbeitern mit höheren Löhnen Freiheitsgrade bei der Anlage, sie tragen aber dann in diesem Bereich auch die Risiken der Anlagestrategie – anstelle der Pensionskasse.

Laut Mettler hat die zu beobachtende Entwicklung ihre Grenzen. Schliesslich lebe die zweite Säule auch von Solidaritäten. Solidarität brauche es, damit sich gute und schlechte Anlagezyklen über Generationen hinweg ausgleichen. Wenn man die zweite Säule zunehmend entsolidarisiere und individualisiere, werde die Idee des generationenübergreifenden Versichertenkollektivs und damit der Risikokapazität, solche Zyklen auszuhalten, ausgehöhlt. Die in der zweiten Säule geltenden Rahmenbedingungen – namentlich das Obligatorium und die Arbeitgeberbindung der beruflichen Vorsorge – sorgten zumindest bei konstanten Arbeitgeberverhältnissen für einen langen Anlagehorizont und dadurch für eine hohe Risikofähigkeit, sagt er. Mit der Ausstattung der zweiten Säule mit diesen Rahmenbedingungen gehe aber auch ein Leistungsauftrag einher, diese Risikofähigkeit zu nutzen und ein entsprechendes Rendite- bzw. Leistungsziel anzustreben. Ein immer stärkerer Transfer von Risiken von Arbeitgebern zu den Arbeitnehmern könne auch als Verweigerung dieses Leistungsauftrags aufgefasst werden. Dies spiele der politischen Linken in die Hände, die die Existenzberechtigung der zweiten Säule infrage stelle und die Sozialversicherung in die erste Säule verlagern möchte.


Pensionierungsverlust

Wie entsteht ein Pensionierungsverlust bei einer Vorsorgeeinrichtung? Als Beispiel kann folgende Rechnung des Finanzdienstleisters VZ Vermögenszentrum dienen. So wird derzeit die Altersrente eines 65-jährigen in Pension gehenden Arbeitnehmers mit einem obligatorischen Altersguthaben von 100 000 Fr. mit dem BVG-Mindestumwandlungssatz von 6,8% berechnet. Er erhält also eine jährliche Rente von 6800 Fr. je 100 000 Fr.

Der rechnerisch korrekte Umwandlungssatz läge aber nur bei 5,3%, eigentlich dürfte die Rente nur 5300 Fr. betragen. Folglich bezahlt die Pensionskasse jährlich auf 100 000 Fr. Vorsorgevermögen 1500 Fr. zu viel Rente aus und muss diese als Kapital zurückstellen. Wie Vertreter des Finanzdienstleisters ausführen, wird wiederum mit den korrekten 5,3% kapitalisiert – die Rechnung lautet also 1500 Fr. dividiert durch 5,3% – was einen Zusatzbedarf von 28 302 Fr. zu den 100 000 Fr. Altersguthaben ergebe.

Damit die versicherte Person bei der Pensionierung die garantierte Altersrente von 6800 Fr. erhält, werde ein Altersguthaben von 128 302 Fr. benötigt. Die Vorsorgeeinrichtung finanziere das fehlende Altersguthaben von 28 303 Fr. je 100 000 Fr. Jedem Neu-Rentner würden also fast 30% Zusatzkapital geschenkt.


Quelle: NZZ
23.12.2016

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21.11.2016

Schweizer Vorsorgesystem – Immerhin Renten

Die Lage von privaten und institutionellen Sparern ist unerfreulich. Trotzdem ist das Schweizer Vorsorgesystem stabiler als viele andere in der Welt. …mehr

Der durchschnittliche amerikanische Haushalt von Erwerbstätigen hat praktisch keine Ersparnisse fürs Alter. 2500 $ sind es im Schnitt. Das ist der Median. Das heisst: 50% der Haushalte haben mehr, 50% haben weniger. Bei Haushalten von Erwerbstätigen kurz vor dem Rückzug aus dem Erwerbsleben, sind es 14 500 $. Rund zwei Drittel aller Haushalte mit Erwerbstätigen zwischen 55 und 64 haben weniger als ein Jahreseinkommen auf der hohen Kante. Das wird nicht reichen, um den Lebensstandard nach der Pensionierung zu halten.

Kein Wunder, schaffen es die USA im soeben erschienenen Ranking der Beratungsfirma Mercer nicht über einen mittleren Rang hinaus (siehe Tabelle oben). Seit 2009 rangiert Mercer zusammen mit dem Australian Centre for Financial Studies in der Studie «Melbourne Global Pension Index» die Vorsorgesysteme von 27 Ländern. Bewertet werden Angemessenheit, Nachhaltigkeit, Integrität der Systeme entlang Dutzender Kriterien. Zu verdienen sind 100 Punkte. Die Schweiz hat im Vergleich mit dem vergangenen Jahr zwar 2 Ränge eingebüsst. Aber mit Rang 6 und 68,6 Punkten befindet sich unser Vorsorgesystem immer noch deutlich über dem Mittelfeld und auch über dem Durchschnitt.

Wieso fällt unser Land zurück? In Umlageverfahren wie bei der AHV – die Arbeitnehmer zahlen die Renten der Pensionäre direkt mit ihren Beiträgen – schlägt die steigende Lebenserwartung zu Buche; in Kapitaldeckungsverfahren wie bei der zweiten Säule (BVG) fordert zusätzlich dazu die Tiefzinslage ihren Tribut. Ein Blick zurück zeigt auf, wie dramatisch das ist: Zwischen 1985, als das BVG-Obligatorium eingeführt wurde, und dem Start der Finanzkrise 2008 pendelte das allgemeine Zinsniveau im Schnitt um rund 4%. Seit der Finanzkrise jedoch sind die Zinsen in vielen wichtigen Anlagewährungen gegen null gesunken. Im Schweizer Franken sind sie gar negativ, was besonders schlimm ist für unsere Pensionskassen, müssen sie Renten doch in Franken zahlen. Die steigende Lebenserwartung und die Null-Zins-Welt setzt der zweiten Säule derart zu, dass die Pensionskassen seit längerem daran sind, Renten zu senken.

Prominente Beispiele wie die Zürcher Pensionskasse BVK und die Bundespensionskasse Publica machen es vor. Bei der BVK sinken die Umwandlungssätze ab 2017 um 21%. Der sogenannte Umwandlungssatz bestimmt die Rentenhöhe im Alter.
Die Publica wiederum hat just diese Woche angekündigt, dass sie auf Mitte 2018 den Umwandlungssatz von 5,65% auf 5,09% reduziere. Das entspricht einer Rentensenkung von 10%. Um ein Beispiel zu machen, wie der Umwandlungssatz funktioniert: Für 100 000 Fr. Sparkapital kriegen Publica-Rentner inskünftig noch eine Jahresrente von 5009 Fr. statt 5065 Fr. Im Interview mit der «NZZ am Sonntag» (siehe Seite 102) verteidigt der BVK-Chef, Thomas Schönbächler, Rentensenkungen. Er sagt: «Die Lebenserwartung nimmt alle zehn Jahre um über ein Jahr zu. Wir haben rekordtiefe Zinsen.» Dadurch, dass man den Umwandlungssatz reduziere, sichere man das finanzielle Gleichgewicht der Kasse und schütze die junge Generation. «Die Jungen werden nicht unbedingt tiefere Renten haben, da sie noch viel Zeit haben, um Geld anzusparen.»

Wieso aber dürfen Umwandlungssätze überhaupt unter 6,8% gesenkt werden? Das ist die Grösse, welche das Gesetz vorschreibt. 6,8% gelten aber eben nur für das «obligatorische» Geld, das heisst jene Sparbatzen, die auf dem Lohn bis 84 600 Fr. generiert wurden. Für Sparfranken, die auf darüberliegenden Lohnteilen erwirtschaftet werden, sind Pensionskassen frei, jenen Umwandlungssatz zu wählen, den sie für richtig halten. Im Schnitt kann deshalb der Umwandlungssatz viel tiefer liegen als 6,8%.

Quelle: NZZ
21.11.2016

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8.11.2016

Ständeratskommission hält an AHV-Zuschlag fest

Bei der Reform der Altersvorsorge zeichnet sich keine rasche Einigung ab. Die Sozialkommission des Ständerats hält am AHV-Zuschlag von 70 Franken fest. Ein Rentenalter 67 lehnt sie einstimmig ab.

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Ziel der Rentenreform ist es, AHV und berufliche Vorsorge auf eine gesunde finanzielle Basis zu stellen. National- und Ständerat sind sich einig, dass dazu unter anderem der Umwandlungssatz in der obligatorischen beruflichen Vorsorge von 6,8 auf 6 Prozent gesenkt werden muss. Die Renten sinken dadurch auf einen Schlag um 12 Prozent.

Der Nationalrat will diese Einbussen im Wesentlichen durch höhere Pensionskassenbeiträge ausgleichen. Einbussen in der zweiten Säule müssten in der zweiten Säule ausgeglichen werden, sagte die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter, die dieses Konzept in der Kommission vertrat.

Mit 8 zu 5 Stimmen beschloss die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) jedoch, an den Beschlüssen des Ständerats vom Herbst 2015 festhalten: Auf neuen AHV-Renten soll ein Zuschlag von 70 Franken gezahlt werden. Auch die Ehepaarrenten würden steigen.

Deutlich höhere Kosten

Kommissionspräsident Konrad Graber (cvp., Luzern) argumentierte mit den Kosten: Bis 2030 sei die Lösung des Nationalrats 24 Milliarden Franken teurer als jene des Ständerats, sagte er nach der Sitzung am Dienstag. Graber stützte sich dabei auf neue Berechnungen der Verwaltung.

Der von SVP und FDP dominierte Nationalrat hält die höheren Kosten für gerechtfertigt, weil das Geld in der zweiten Säule direkt dem Alterskonto der Versicherten gutgeschrieben wird. Die kleine Kammer, in der SP und CVP die Mehrheit stellen, setzt hingegen auf die AHV.

Diese habe bei der heutigen Zinssituation ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis, sagte SGK-Mitglied Paul Rechsteiner (sp., St. Gallen). «Wer rechnet, stellt fest, dass man in der AHV für die gleiche Rente viel weniger zahlt.»

Politisches Kalkül

Einstimmig lehnte die Kommission die sogenannte Stabilisierungsregel für die AHV ab. Nach dem Willen des Nationalrats soll das Rentenalter automatisch auf 67 Jahre ansteigen, falls der AHV-Fonds unter 80 Prozent einer Jahresausgabe fällt. Parallel dazu würde die Mehrwertsteuer um 0,4 Prozent angehoben.

Im Hinblick auf eine Volksabstimmung will die SGK auf diesen Automatismus verzichten. Über ein höheres Rentenalter müsse im Rahmen einer späteren AHV-Reform diskutiert werden, erklärte Graber.

Neben der Kompensation und der Stabilisierungsregel gibt es weitere umstrittene Punkte. Diese betreffen den Koordinationsabzug, die für die AHV nötigen Mehrwertsteuer-Erhöhungen, den Bundesbeitrag, die Kinder- sowie die Waisen- und Witwenrenten. Unter dem Strich kostet das Paket der Ständeratskommission 3,3 Milliarden Franken im Jahr 2030, gegenüber 4,5 Milliarden Franken in der Version des Nationalrats.

Enger Zeitplan

Die Reform der Altersvorsorge kommt in der Wintersession zum zweiten Mal in den Ständerat. In der Frühjahrssession soll die Vorlage bereinigt werden. Die Eile ist geboten, denn Ende 2017 läuft die Zusatzfinanzierung der IV von 0,4 Prozent aus. Ab 2018 sollen 0,3 Prozent davon nahtlos für die AHV verwendet werden. Der letztmögliche Abstimmungstermin für die nötige Verfassungsänderung ist der 24. September 2017.

Quelle: NZZ
08.11.2016

2.9.2016

BVG-Kommission empfiehlt dem Bundesrat einen Mindestzinssatz von 1% ab 2017

Die Eidgenössische Kommission für berufliche Vorsorge (BVG-Kommission) empfiehlt dem Bundesrat, den Mindestzinssatz in der beruflichen Vorsorge im Jahre 2017 von heute 1.25% auf 1% zu senken. Mit dem Mindestzinssatz wird bestimmt, zu welchem Satz das Vorsorgeguthaben der Versicherten im BVG-Obligatorium mindestens verzinst werden muss.

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Die Vorschläge der Kommissionsmitglieder reichten von 0.50% bis 1.25%. Es wurde über verschiedene Varianten abgestimmt. In der Schlussabstimmung hat sich eine Mehrheit für 1% und gegen 1.25% ausgesprochen. Entscheidend für die Festlegung der Höhe des Mindestzinssatzes ist die Entwicklung der Rendite der Bundesobligationen sowie zusätzlich der Aktien, Anleihen und Liegenschaften.

Zu berücksichtigen ist jedoch ebenso, dass nicht die ganze Rendite einer Vorsorgeeinrichtung für die Mindestverzinsung verwendet werden kann. Die Vorsorgeeinrichtungen haben auch die gesetzliche Pflicht, Wertschwankungsreserven zu bilden, notwendige Rückstellungen vorzunehmen und die gesetzlichen Rentenanforderungen zu erfüllen. Soweit nicht anderweitig finanziert, müssen sie auch die Verwaltungskosten der Vorsorgeeinrichtung mit dem Vermögensertrag decken.

Angesichts der aktuellen Negativverzinsung von Obligationen guter Qualität ist ein Zinssatz von 1% vergleichsweise attraktiv. Über eine allfällige Änderung des Satzes entscheidet der Bundesrat.

Quelle: admin.ch
02.09.2016

10.7.2016

Begünstigung für Pensionskassengeld frühzeitig regeln

Mein Mann und ich sind beide berufstätig und leben seit elf Jahren zusammen, sind aber nicht verheiratet. Wie können wir sicherstellen, dass wir bei der Pensionskasse nicht leer ausgehen, sondern geschützt sind? B.S. …mehr

Wahrscheinlich haben Sie in der Zeitung über den kürzlichen Bundesgerichtsentscheid gelesen, der viele Konkubinatspaare aufgeschreckt hat. Die Richter aus Lausanne hatten entschieden, dass es nicht genügt, den Partner im Testament als Alleinerben einzusetzen. Das Urteil schreibt vielmehr vor, dass ein unverheiratetes Paar der Pensionskasse melden muss, wenn im Todesfall der Hinterbliebene das PK-Geld bekommen soll. Gleichzeitig hatte das oberste Gericht die Beschwerde einer Frau abgewiesen, deren Partner im April 2014 verstorben war. Das Urteil zeigt, dass Sie als Konkubinatspartnerin in einem Todesfall deutlich schlechter gestellt sind als eine Ehefrau. Diese bekäme automatisch eine Rente von der Pensionskasse. Sie aber nicht.

In einem ersten Schritt empfehle ich Ihnen, die Pensionskassenreglemente der Arbeitgeber von Ihnen und Ihrem Mann zu studieren. Dabei sollten Sie prüfen, ob und inwiefern die Kassen eine Lebenspartnerrente vorsieht und welches die Bedingungen dafür sind. In der Regel verlangen die Kassen, dass ein unverheiratetes Paar wenigstens seit fünf Jahren ununterbrochen zusammenlebt oder für gemeinsame Kinder der Unterhalt getragen wird. Sie können sich auch direkt an Ihre Pensionskasse oder Ihre Personalabteilung wenden. Diese verfügen meist über ein Formular, mit dem die Lebensgemeinschaft gemeldet und die Absicht, dass der hinterbliebene Lebenspartner im Todesfall des Versicherten eine Rente erhalten soll, kundgetan werden kann.

Wie das Bundesgerichtsurteil zeigt, ist es wichtig, dass die Meldung schriftlich vor einem Todesfall erfolgt ist. Ich rate Ihnen daher, nicht abzuwarten, sondern die Sache gleich in die Hand zu nehmen. Immerhin haben die meisten Leute den grössten Teil ihres während ihrer Lebenszeit angesparten Vermögens in der Pensionskasse. Es geht also um viel Geld. Darum ist es wichtig, dass man frühzeitig regelt, wer bei einem Todesfall begünstigt werden soll. Wenn Sie indes Fehler machen und die Lebensgemeinschaft nicht frühzeitig anmelden, laufen Sie Gefahr, das Geld zu verlieren.

Quelle: Tages-Anzeiger
07.07.2016