Politik & Recht

10.12.2017

Rentenabbau macht Kapitalbezug attraktiver

Die Pensionskassen senken die Renten. Dagegen hilft ein Kapitalbezug – nun aber droht eine Beschränkung.

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Eine Kürzung der Rente um bis zu 10% ist verkraftbar. Dies hat das Bundesparlament diese Woche entschieden. Den Stein ins Rollen brachte die Pensionskasse des Bundes Publica. Denn die mit 64 000 Versicherten grösste PK des Landes senkt den Umwandlungssatz (UWS) per Anfang 2019 von 5,65% auf 5,09%. Pro 100 000 Fr. Alterskapital reduziert sich die jährliche Rente somit von 5650 auf 5090 Fr.

Diese Kürzung wollte der Bundesrat durch einen einmaligen Sonderbeitrag von 160 Mio. Fr. sowie eine jährliche Unterstützung von 40 Mio. Fr. abfedern, was die eidgenössischen Räte jedoch abgelehnt haben.

Umwandlungssätze ausgewählter Pensionskassen

Zwar ist der Spardruck bei der Publica grösser als bei anderen Pensionskassen, weil sie nur über knappe Reserven verfügt. Dennoch hat die Massnahme Signalcharakter: Viele andere PK haben den UWS ebenfalls schon unter 5,5% gesenkt. Den gesetzlich vorgeschriebenen Satz von 6,8% verwenden nur noch wenige Vorsorgeeinrichtungen. Dieser gilt einzig für die gesetzlichen Minimalleistungen bis zu einem Lohn von 84 600 Fr. Weil aber die meisten Pensionskassen bei den Sparbeiträgen über dieses Obligatorium hinausgehen, haben sie bei der Festsetzung des UWS freie Hand.

Die zweite Säule werde aufgrund des ständigen Abbaus kritischer beurteilt als früher, beobachtet Florian Schubiger, Mitgründer der Beratungsfirma Vermögenspartner: «Die Versicherten prüfen vermehrt Möglichkeiten, um den Rentenkürzungen zu entgehen.» Der beste Zeitpunkt dazu ist vor der Pensionierung: Dann muss sich jeder entscheiden, ob er sein Altersguthaben als Kapitalauszahlung oder als Rente beziehen will. Bei dieser Weichenstellung geht es um Hunderttausende Franken – umso reiflicher sollte man sich die Wahl überlegen.

Entscheidend ist das Alter

Das wichtigste Kriterium ist der Gesundheitszustand: Wer davon ausgeht, dass er sehr alt wird, fährt mit der Rentenlösung besser. Bei einer unterdurchschnittlichen Lebenserwartung dagegen empfiehlt sich der Kapitalbezug.

Die unten stehende Grafik verdeutlicht den Zusammenhang. Die Modellrechnung basiert auf einem Altersguthaben von 500 000 Fr. Mit einem UWS von 6,8% erreicht die jährliche Rente 34 000 Fr. Wer nach der Pensionierung noch 30 Jahre lebt, kommt auf Einnahmen vor Steuern von 1 020 000 Fr. Gegenüber dem Kapitalbezug ergibt dies einen Vorteil von mehr als 300 000 Fr., wenn die Rendite auf dem Kapital 1,5% beträgt.

Falls jemand aber schon mit 70 stirbt, profitiert er nur fünf Jahre von der PK-Rente. Mit dem Kapitalbezug hätte für ihn respektive seine Nachkommen 320 000 Fr. mehr herausgeschaut. Wie die Grafik zeigt, führen die beiden Varianten bei einer Lebenserwartung von 83 Jahren zu einer ausgeglichenen Bilanz.

Beträgt der Umwandlungssatz dagegen nur noch 5%, verliert die Rentenlösung an Attraktivität. In der Modellrechnung verschiebt sich das Alter, ab welchem der Kapitalbezug nicht mehr zum besseren Ergebnis führt, auf das 90. Lebensjahr. Und wer mit 95 stirbt, erzielt mit der Rente einen deutlich kleineren Vorteil von lediglich 100 000 Fr.

In der Praxis wird die Abwägung durch weitere Faktoren beeinflusst: Bei einem geringen Alterskapital ist die Sicherheit besonders wichtig, was tendenziell für die Rente spricht. Abzuklären ist ebenso, ob man sich zutraut, das bezogene Guthaben selber anzulegen. Neben der erwarteten Rendite ist zudem die Inflationsprognose wichtig: Im Falle einer starken Teuerung bietet der Kapitalbezug den besseren Schutz.

Auch ein hoher Steuersatz spricht tendenziell für den Kapitalbezug. Umgekehrt wählen Verheiratete eher die Rente, weil die Pensionskassen eine Hinterbliebenenrente auszahlen, welche in der Regel 60% beträgt. Ins Gewicht fällt dies vor allem, wenn die Partnerin oder der Partner deutlich jünger ist. Vielfach empfiehlt sich auch eine Mischlösung, also ein teilweiser Kapitalbezug. Im Mittel beträgt das ausbezahlte Guthaben 170 000 Fr.

Bund will eine Beschränkung

Nun allerdings wollen der Bundesrat wie auch der Ständerat den Kapitalbezug begrenzen. Demnach bleibt dieser nur noch beim überobligatorischen Altersguthaben zulässig. Die Neuerung soll verhindern, dass Pensionäre ihr Geld verjubeln und danach auf Ergänzungsleistungen angewiesen sind.

Der Nationalrat entscheidet voraussichtlich im nächsten Frühling, ob die Einschränkung rechtsgültig wird. Laut Florian Schubiger bedeutet der Vorschlag eine problematische Zäsur für die zweite Säule: «Bisher galt der Grundsatz, dass die Guthaben in der beruflichen Vorsorge den einzelnen Versicherten gehören. Wenn die Wahlfreiheit aber wegfällt, wird dieses Prinzip infrage gestellt.»

Die Leistungen der zweiten Säule sind deutlich geringer als noch vor wenigen Jahren. Neben der tieferen Verzinsung führen die sinkenden Umwandlungssätze zu einer spürbaren Reduktion der Renten. Die vorgesehene Begrenzung des Kapitalbezugs schmälert die Attraktivität zusätzlich.

Immerhin hielt das Parlament für die Versicherten der Publica ein Trostpflaster bereit. Den Sonderbeitrag lehnte es zwar ab, dafür genehmigte es eine Lohnerhöhung von 0,6% – nachdem es in den beiden Vorjahren jeweils eine Nullrunde gab.

Quelle: NZZ
09.12.2017

9.5.2017

Sammelstiftungen im Fokus der Aufsicht

Die Oberaufsichtskommission nimmt Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen stärker unter die Lupe. Die Einrichtungen sollten risikoorientiert geführt werden, sie haben allerdings auch ihre Stärken.

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In der beruflichen Vorsorge ist in der Schweiz seit Jahren ein Konzentrationsprozess zu beobachten. Die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) hat mitgeteilt, dass die Zahl der Vorsorgeeinrichtungen im vergangenen Jahr um 71 auf 1865 gesunken ist. Darin spiegelt sich unter anderem die Entwicklung, dass Unternehmen firmeneigene Pensionskassen schliessen und die berufliche Vorsorge Sammeleinrichtungen übergeben. Die Kassen sind möglicherweise zu klein, oder das Unternehmen möchte die Risiken der beruflichen Vorsorge in einem Umfeld mit negativen Zinsen lieber nicht tragen. Ende 2016 waren mit 2,4 Mio. rund 60% der aktiven Versicherten in der zweiten Säule in Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtungen versichert.

Die grosse Bedeutung der Einrichtungen hat dazu geführt, dass die OAK BV sie stärker unter die Lupe nimmt. In der Tat dürften manche der Einrichtungen die nötigen Senkungen ihrer Umwandlungssätze hinauszögern, um im Wettbewerb um neue Anschlüsse möglichst attraktiv auszusehen. Mit der Konzentration in der beruflichen Vorsorge habe sich die Tendenz zum Eingehen höherer Risiken bei den Einrichtungen verstärkt, teilt die Oberaufsicht mit. Sollte sich die Lage an den Kapitalmärkten verschlechtern, könnten Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen mit kritischer Situation ein Risiko für den Sicherheitsfonds und damit alle Versicherten werden. Die OAK BV gibt dies als einen der Gründe dafür an, dass sie nun neue, jährlich zu erhebende Risikokennzahlen einführen will. Auf die Einrichtungen kommen noch weitere Informationsanforderungen zu. Es ist wichtig, dass Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen risikoorientiert geführt werden. Allerdings sollten auch ihre Stärken berücksichtigt werden. Eine davon ist ihr vorteilhaftes Verhältnis von Aktiven zu Rentnern, das im Durchschnitt bei 10 zu 1 liegt. Davon können viele firmeneigene Pensionskassen nur träumen.

Quelle: NZZ
09.05.2017

12.4.2017

Schweizerischer Arbeitgeberverband: Nein zur Altersvorsorge 2020

Der Schweizerische Arbeitgeberverband hat die Nein-Parole zur Volksabstimmung über die Reform Altersvorsorge 2020 vom 24. September 2017 beschlossen. Die Arbeitgeber erteilen mit ihrem Votum einem unsolidarischen und unterfinanzierten AHV-Ausbau eine Absage. …mehr

Die Mitglieder des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) haben sich an ihrer Vorstandssitzung gegen die Altersvorsorgereform 2020 ausgesprochen, über die das Stimmvolk am 24. September 2017 befindet. Die Arbeitgeber lehnen eine Vorlage ab, die das Parlament – entgegen den Reformzielen und trotz der Ablehnung von «AHVplus» – zu einer überladenen Ausbauvorlage umfunktioniert hat, statt die Altersvorsorge nachhaltig auf eine stabile finanzielle Basis zu stellen. Die strukturellen Probleme, darunter die chronisch defizitäre AHV-Kasse und die Pensionierungswellen der geburtenstarken Jahrgänge, werden nicht nur ausgeblendet, sondern sogar verschärft. So übersteigen die Kosten des AHV-Ausbaus bereits 2030 die Mittel, die durch die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre frei werden.

Eine weitere Schwäche der Reform liegt im unsolidarischen Giesskannenprinzip des AHV-Ausbaus. Monatlich werden 70 Franken an alle Neurentner und sogar bis zu 226 Franken an alle Neurentnerehepaare verteilt – unabhängig von ihrer finanziellen Situation und ungeachtet dessen, ob sie von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge betroffen sind. Der Ausbau, für den viele bezahlen und von dem nur wenige profitieren, führt zu einer AHV zweier Klassen. Zu den grossen Profiteuren zählt die Übergangsgeneration zwischen 45 und 65 Jahren. Sie wird dank Zahlungen aus dem Sicherheitsfonds von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der zweiten Säule verschont und kommt dennoch in den Genuss des AHV-Zustupfs von jährlich 840 Franken.

Die Reform gefährdet überdies den Zusammenhalt zwischen den Generationen. Auf der Verliererseite stehen bisherige Rentner, welche die berufliche Vorsorge aufgebaut haben, aber selber keine Chance mehr haben, ihre Pensionskassenrenten aufzubessern. Vielmehr müssen sie eine im Portemonnaie spürbare Erhöhung der Mehrwertsteuer verkraften, die den AHV-Ausbau mitfinanziert. Schlechter gestellt werden – wie dies bereits bei der deutlich verworfenen AHVplus-Initiative der Fall gewesen wäre – ausgerechnet jene bedürftigen Rentner, denen im Gegenzug zum AHV-Zustupf die steuerbefreiten Ergänzungsleistungen (EL) gekürzt werden. Die grössten Lasten werden aber den Jungen und nachkommenden Generationen aufgebürdet. Sie bezahlen die Zeche für den AHV-Ausbau, da sie ab 2030 zusätzlich zur weiter wachsenden Anzahl Rentner für die ungedeckten Checks der Reform geradestehen müssen.

Eine Annahme der unterfinanzierten Ausbauvorlage würde bereits mittelfristig trotz der Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,6 Prozent sowie der Lohnbeiträge um total 0,7 Prozent wieder grosse Löcher in die AHV-Kasse reissen und den Druck zu weiteren Reformen mit zwangsläufig einschneidenderen Sanierungen erhöhen. Bereits 2025 müsste die nächste Reform umgesetzt werden. Der unsolidarische AHV-Ausbau für arm und reich erhöht daher letztlich nur den Druck, das Rentenalter rascher anheben zu müssen. Die Arbeitgeber stehen weiterhin zu einer Reform der Altersvorsorge mit sicheren Renten auf heutigem Niveau, erteilen einem unsolidarischen AHV-Ausbau aber eine klare Absage. Lehnt das Schweizer Volk am 24. September 2017 zum zweiten Mal innert Jahresfrist einen für unser wichtigstes Sozialwerk gefährlichen Giesskannenausbau ab, wird der Weg endlich frei für eine echte Reform der Altersvorsorge für sichere Renten in beiden Säulen. Teure Experimente hat unsere AHV nicht verdient.

Denn ein Scheitern der Vorlage an der Urne bedeutet nicht das Ende des Reformprozesses. Die zentralen Elemente sind bekannt und liegen auf dem Tisch. Statt einer überladenen Reform braucht es danach zügig separate und verdaubare Portionen, wie sie die Wirtschaft seit Beginn des Reformprozesses stets gefordert hat. Dabei sind die heute selbst von linken Kreisen geforderten Massnahmen anzugehen: als erstes die Angleichung des Rentenalters für Männer und Frauen auf 65. Zweitens braucht es eine Senkung des Mindestumwandlungssatzes mit angemessener Kompensation innerhalb der beruflichen Vorsorge, wozu der Nationalrat einen grundsätzlich gangbaren Weg vorgezeichnet hat. Drittens müssen die politischen und sozialpartnerschaftlichen Akteure in einem sorgfältig zu erarbeitenden breiten Konsens aufzeigen, wie mittelfristig das immer schlechter werdende Umlageverhältnis in der AHV durch eine schrittweise und sozialverträgliche Erhöhung des Rentenalters langfristig sichergestellt werden kann.

Kontakt:

Roland A. Müller, Direktor, Tel. 079 220 52 29,
mueller@arbeitgeber.ch

Martin Kaiser, Ressortleiter Sozialpolitik, Tel. 079 517 68 26,
kaiser@arbeitgeber.ch

Quelle: Presseportal.ch
12.04.2017

29.3.2017

Mehr Zwang beim Zwangssparen

Die Politik erhöht den Druck beim obligatorischen Sparen in der 2. Säule gleich zweifach. Erstens ­sollen wir mehr einzahlen. Zweitens sollen wir das Geld nicht mehr als Kapital, sondern nur noch als Rente beziehen. …mehr

Eine Reform jagt die andere. Soeben hat das Parlament die grosse Reform der Altersvorsorge gezimmert, die am 24. September an die Urne kommt. Noch vorher, im Juni, beginnt im Ständerat die Debatte über die Reform der ­Ergänzungsleistungen (EL).

Am Dienstag hat die Sozialkommission dazu erste Vorentscheide gefällt. Die zwei Projekte überlagern sich in einem politisch sensiblen Punkt: Beide ­sehen beim ­obligatorischen Teil der 2. Säule (Pensionskassen) wichtige Veränderungen vor, die sich gegenseitig verstärken.

Der Verdacht

Zuerst einmal wird mit der Renten­reform das staatlich erzwungene Alterssparen markant ausgebaut. Hier geht es um das Doppelproblem der tiefen Renditen und der gestiegenen Lebenserwartung. Als Reaktion darauf will das ­Parlament mit der Reform den Mindestumwandlungssatz der Pensionskassen senken, womit es künftig pro angespartem Franken weniger Rente gibt. Das ­effektive Rentenniveau soll aber nicht sinken.

Deshalb müssen Arbeitnehmer zusammen mit ihren Arbeit­gebern in Zukunft während des gesamten Berufslebens mehr Geld in die Pensionskasse ein­zahlen. So erhöht sich zum Beispiel das Zwangssparen bis zur Pensionierung für einen Angestellten mit einem Lohnniveau von 4500 Franken im Monat um insgesamt 30’000 Franken.

Unmittelbar betroffen sind zwar nur etwa 15 Prozent ­aller Angestellten, da die Mehrheit in Pensions­kassen versichert ist, deren Leistungen über das obligatorische Alterssparen hinausgehen.

Doch zusammen mit der EL-Reform sind plötzlich alle Angestellten betroffen. Hier setzt der Bundesrat den Hebel ebenfalls bei der 2. Säule an. Er will die Möglichkeiten einschränken, das angesparte Geld bei der Pensionierung als Kapital zu beziehen, statt es in monatliche Renten ­umwandeln zu lassen.

Konkret will der Bundesrat verbieten, im Rahmen der obligatorischen ­Vorsorge angesparte Gelder als ­Kapital zu beziehen. Stattdessen müsste man sich diesen Teil des Kapitals neu zwingend in eine Rente umwandeln lassen. Dieser Vorschlag war zwar bisher umstritten, die Sozialkommission des Ständerats hiess ihn gestern aber einstimmig gut, wie aus ihrer Mitteilung hervorgeht.

Die Einschränkungen beim Kapitalbezug sollen dazu bei­tragen, dass künftig weniger Rentner auf EL angewiesen sind. Dahinter steht der Verdacht, dass die Rentner das bezogene Kapital weniger gut verwalten und an­legen werden als ihre Pensionskasse. Oder dass sie es im schlimmsten Fall verprassen, im Wissen, dass sie danach EL beantragen können.

«Schnell ausgegeben»

Der Bundesrat formuliert es in der Botschaft freundlicher: «Das Altersguthaben kann schnell ausgegeben werden. Ist es einmal aufgebraucht, steht die betroffene Person unter Umständen mittellos da.» Eine Rente hingegen garantiere ein regelmässiges Einkommen während der gesamten Dauer des Rentenalters, auch wenn man sehr alt werde.

Die Beschränkung des Kapitalbezugs wirkt sich zusammen mit dem Ausbau des obligatorischen Sparens in der Rentenreform flächen­deckend aus. Bei allen Arbeit­nehmern – auch bei jenen in gross­zügigen Pensionskassen – entfällt künftig ein grösserer Teil des Alterskapitals auf das ­Obligatorium. Und dieses soll von der Kapitalauszahlung neu ausgeschlossen werden.

Geld für Selbstständige?

Der Bundesrat will den Schutz der obligatorischen Vorsorge mit der EL-Reform noch anderweitig ausbauen. Wer sich selbstständig macht, kann heute als Starthilfe einen Teil ­des Pensionskassen­kapitals beziehen. Auch dies wäre neu nur noch bei dem Teil erlaubt, der über das Obligatorium hinausgeht. Hier ist aber mit Widerstand zu rechnen.

Die Mehrheit der Kommission will den ­Kapitalbezug in diesen Fällen nicht verbieten, sondern nur einschränken.

Quelle: Berner Zeitung
29.03.2017

17.2.2017

Bei groben Fehlentscheiden haften Stiftungsräte

Das Bundesgericht hat entschieden, dass der Stiftungsrat der Sammelstiftung Provitas für die Folgen von verfehlten Anlageentscheiden haften soll. Dabei spielt auch der Fall Behring eine Rolle. …mehr

Stiftungsrat einer Pensionskasse zu sein, kann bei Fehlentscheiden teuer werden. Dies zeigt ein jüngst veröffentlichter Entscheid des Lausanner Bundesgerichts. Dieser sieht vor, dass der Stiftungsrat der Sammelstiftung Provitas für die Folgen von Anlageentscheiden zur Zeit des Platzens der Internetblase haften soll. Dabei waren auch Anlagen bei dem Basler Financier Dieter Behring im Spiel, dessen Geschäft 2004 kollabierte und einen Verlust von 800 Mio. Fr. sowie rund 2000 Geschädigte zurückliess. Das Bundesgericht heisst in seinem Urteil eine Beschwerde des Sicherheitsfonds BVG gegen einen Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich teilweise gut und erteilt Letzterem einen Rüffel.

«Trader» sollte es richten

Worum geht es bei dem Fall Provitas? Wie die Advokatin Franziska Bur Bürgin von der Kanzlei Ludwig + Partner in einem Blog-Eintrag ausführt, hat die 1994 gegründete Sammelstiftung mit einer garantierten Verzinsung der Altersguthaben von 5% bei dreijährigen Verträgen geworben. Mit dem Platzen der Internetblase brach der Deckungsgrad der Provitas jedoch ein, Ende September 2001 betrug er noch 81,55%. Wie das Bundesgericht in dem Entscheid ausführt, entschloss sich der Stiftungsrat daraufhin zu einer Sanierung.

Bei diesem Versuch wurden die Aktienanlagen an einen «Trader» – laut Bur Bürgin dürfte es sich dabei um Behring handeln – übergeben, der eine jährliche Rendite von 15% erreichen sollte. Allerdings fiel der Deckungsgrad der Provitas bis Juni 2002 auf 71%, und im April 2003 ordnete das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) die Aufhebung der Sammelstiftung an. Der Sicherheitsfonds BVG schoss anschliessend im Zeitraum November 2003 bis August 2004 rund 49,4 Mio. Fr. ein, um gesetzliche Leistungen sicherzustellen. Der Sicherheitsfonds erhob dann 2012 eine Klage unter anderem gegen die Stiftungsräte beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich und forderte die Erstattung des Schadens von rund 8,4 Mio. Fr. zuzüglich Zinsen.

Wie Bur Bürgin schreibt, lautete der Vorwurf des Sicherheitsfonds, die Anlagestrategie der Provitas sei wegen fehlender Wertschwankungsreserven von Anfang an zu riskant gewesen und mit der Einsetzung des «Traders» noch riskanter gemacht worden. Damit sei der im Berufliche-Vorsorge-Gesetz ausgeführte Grundsatz der Sicherheit (Art. 71 BVG) verletzt worden. Das Sozialversicherungsgericht wies die Klage des Sicherheitsfonds BVG aber im September 2015 ab. Daraufhin erhob dieser Beschwerde beim Bundesgericht.

Dessen Urteil fiel Ende Dezember 2016. Darin übt das Bundesgericht deutliche Kritik an dem Entscheid des Sozialversicherungsgerichts. Das Neue an dem Entscheid sei, dass das Bundesgericht die Bedeutung der Risikofähigkeit einer Vorsorgeeinrichtung im Zusammenhang mit der Zulässigkeit von Anlageentscheiden stark betone, sagt Laurence Uttinger, Partnerin bei der Anwaltskanzlei Niederer Kraft & Frey. In dem Entscheid wird Risikofähigkeit als die Fähigkeit bezeichnet, «erfahrungsgemäss zu erwartende marktbedingte Schwankungen des Gesamtvermögens auszugleichen und über genügend liquide bzw. liquidierbare Mittel zu verfügen, um laufende und künftige Verpflichtungen (z. B. Rentenzahlungen, Freizügigkeitsleistungen) erfüllen zu können».

Das Bundesgericht halte in dem Entscheid fest, das Sozialversicherungsgericht habe den Begriff der Risikofähigkeit nicht richtig verstanden, schreibt Bur Bürgin. Zudem habe es nicht verstanden, die Schwankungsreserven als wesentliches Element der Risikofähigkeit in Relation zum Aktienengagement zu setzen. So habe es nicht der Gesamtsituation Rechnung getragen. Sie zitiert aus dem Bundesgerichtsurteil, wonach im Jahr 2000 der Provitas-Stiftungsrat die Aktienquote auf 33,9% erhöht habe, so dass Ende 2000 Aktienanlagen von rund einem Drittel des Gesamtvermögens lediglich noch Wertschwankungsreserven in Höhe von 2,6% gegenübergestanden seien. Dies bezeichnet das Bundesgericht als «klar unzureichend».

Was die von dem «Trader» angestrebte Rendite von 15% angeht, hebt Bur Bürgin die Klarstellung des Bundesgerichts hervor, wonach es bei einem Anlageentscheid nicht massgeblich sei, ob die versprochene Rendite erreichbar scheine, sondern einzig, ob das Engagement der Risikofähigkeit einer Vorsorgeeinrichtung entspreche oder nicht. Laut dem Bundesgericht habe der Stiftungsrat die Führungspflicht und damit seine Sorgfaltspflicht verletzt.

Uttinger weist zudem darauf hin, dass manche Stiftungsräte vor allem auf die Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV2) schauten und sich ausschliesslich an den dort ausgewiesenen Grenzwerten für Anlagen orientierten. Das Bundesgericht erinnere jedoch zu Recht daran, dass die Grundsätze in Artikel 71 BVG – wie beispielsweise derjenige der Sicherheit – den Anlagegrenzwerten der Verordnung übergeordnet und deshalb unabhängig davon einzuhalten seien.

Welche Folgen dürfte der Entscheid des Bundesgerichts haben? Laut Roger Baumann von der St. Galler Beratungsgesellschaft «c-alm» zeigt er, welch grosse Verantwortung Stiftungsräte einer Pensionskasse haben. Heute müsse man als Stiftungsrat umsichtig vorgehen, sonst hafte man selber für Anlageentscheide, die für die Pensionskasse getroffen würden. Das Bundesgericht zeige den Stiftungsräten, dass sie bei Versuchen, einen niedrigen Deckungsgrad durch riskante Anlage-Manöver zu verbessern («gambling for resurrection»), haftbar gemacht werden könnten. Tatsächlich hätte der Stiftungsrat bei dem genannten Fall ganz klar sehen müssen, dass das Engagement bei dem «Trader» mit hohen Risiken verbunden gewesen sei. Da der Gesetzgeber mit Regulierungen wie der BVG-Strukturreform die Verantwortung des Stiftungsrats noch vergrössert habe, sei es gut möglich, dass ähnliche Fälle in den Fokus rückten – beispielsweise aus der Zeit der Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2009.

«Fronarbeit» Stiftungsrat

Uttinger glaubt indessen nicht, dass der Entscheid des Bundesgerichts in der Praxis riesige Auswirkungen haben wird. Viel mehr ähnliche Fälle dürfte es aus ihrer Sicht in Zukunft wohl nicht geben, denn der Sicherheitsfonds BVG habe auch in der Vergangenheit schon bei notleidenden Stiftungen, bei denen er habe einspringen müssen, Klagen geprüft. Fälle wie Provitas, bei denen der Stiftungsrat trotz Vorliegen einer Unterdeckung das Aktienengagement erhöhe und entscheide, einem zweifelhaften «Trader» freie Hand über rund einen Viertel des Vermögens zu geben, seien glücklicherweise selten. Wenn sich Stiftungsräte an die Vorgabe des sorgfältigen Wirtschaftens hielten, sei es unwahrscheinlich, dass ihnen Haftungsfolgen drohten.

Es werde mit solchen Haftungsfällen unattraktiver, ein Amt als Stiftungsrat einer Vorsorgeeinrichtung zu übernehmen, sagt Baumann. Schliesslich handle es sich in der Regel um eine «Fronarbeit». Zudem erhielten Stiftungsräte von ihrem Arbeitgeber oft immer noch nicht die nötigen Möglichkeiten und die Zeit, sich in die Materie einzuarbeiten und sich auszubilden. Baumann fordert, Stiftungsräte von Pensionskassen müssten eine der Verantwortung angemessene Entschädigung erhalten – wie ein Verwaltungsrat in einem Unternehmen.

Quelle: NZZ
17.02.2017

19.1.2017

Gegen starre Anlagevorschriften – Der sichere Tod der zweiten Säule

Sicherheitsdenken wird in der zweiten Säule oft mit Investitionen in solide Inlandobligationen gleichgesetzt. Das Risiko, wegen eines plötzlichen Zinsanstiegs Kapitalverluste zu erleiden, ist gross.

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Die heutige Regulierung erlaubt es den Pensionskassen, ihr ganzes Vermögen in Obligationen zu halten, die derzeit aber keine oder gar negative Renditen abwerfen. Der dritte Beitragszahler, der Zins, fällt damit gänzlich aus, und das Kapitaldeckungsverfahren droht seine Existenzberechtigung zu verlieren. Denn im Vergleich mit dem Umlageverfahren ist die zweite Säule volkswirtschaftlich nur sinnvoll, wenn der akkumulierte Kapitalstock eine Rendite abwirft. Um die Sollrenditen von 2% bis 3% zu erreichen, braucht es deshalb andere anlagestrategische Grundsätze und Leitlinien.

Langfristig investieren

Angenommen, eine Pensionskasse mit einem verfügbaren und (bei einem technischen Zins von 2%) notwendigen Vermögen von 100 Mio. Fr. investiere 60 Mio. Fr. in Schweizer Aktien, 38 Mio. Fr. in inländische Immobilien und halte den Rest als Liquiditätsreserve. Bei einem Deckungsgrad von 100%, also fehlenden Wertschwankungsreserven, würden Pensionskassenexperten und Aufsichtsbehörden von einer unverantwortlich aggressiven Anlagestrategie sprechen – auch weil die Limiten für Aktien (50%) und Immobilien (30%) verletzt sind.

Mit Blick auf zufliessende Cashflows ergibt sich jedoch ein fundamental anderes Bild: Bei der gegenwärtigen Dividendenrendite des Swiss-Performance-Indexes von 3,4% (abzüglich 0,2% Gebühren) und Nettorenditen der Immobilien von 2,8% liefert das Portefeuille einen Zahlungsstrom von fast 3 Mio. Fr. bzw. bezogen auf das notwendige Vermögen 3%. Der Erfüllungsgrad der Sollrendite liegt daher über 100%. Der Cashflow erlaubt es der Pensionskasse sogar, die Aktiven wie die Rentner mit einer zusätzlichen Verzinsung über die 2% hinaus zu beglücken.

Was passiert bei einem Crash?

Bei einem Kursrückgang an den Aktien- und Immobilienmärkten von 50% würde sich das vorhandene Vermögen annähernd halbieren. Der gängige Deckungsgrad läge demzufolge bei katastrophalen 51%, was im heutigen regulatorischen Umfeld hektische Sanierungsbemühungen auslösen und möglicherweise zu einem panikartigen Abbau der Aktien- und Immobilienquote führen würde. Selbst wenn der Kurssturz mit einer markanten Abnahme der grundsätzlich viel weniger volatilen Cashflows um 30% verbunden wäre (in der Dotcom-Krise brachen die Dividenden bloss um einen Zehntel ein), läge die Dividendenrendite bei 4,8% (netto 4,6%) und die Nettorendite der Immobilien bei 3,9%. Der Zahlungsstrom würde mit 2,1 Mio. Fr. oder 2,1% auf dem notwendigen Vermögen noch immer einen Sollrendite-Erfüllungsgrad von über 100% indizieren. All jene Pensionskassen, die beim Crash über Obligationenbestände verfügen, müssten sich ernsthaft überlegen, dieselben in die bezüglich Cashflow nunmehr noch attraktiveren Aktien und Immobilien zu tauschen – dies umso mehr, als sich Kursstürze meist als vorübergehend erwiesen haben.

Für die Finanzierung der Altersvorsorge sind weniger kurz- und mittelfristige Schwankungen an den Finanzmärkten entscheidend als vielmehr die Nachhaltigkeit der Cashflows. Problematisch sind Einbrüche bei den Zahlungsströmen, wie wir sie in den letzten Jahren bei den Anleihen hoher Bonität beobachten mussten. Der Regulator täte gut daran, sich vom Paradigma einer Sicherung der nominellen Renten zu verabschieden und den Pensionskassen diesbezüglich mehr unternehmerische Freiheit zu gewähren. Alternativen (wie Aktien und Immobilien) sollten daher von geltenden regulatorischen Beschränkungen befreit werden. Mit den heutigen regulatorischen Anforderungen zur Sicherung der Pensionskassen läuft der Regulator Gefahr, selbst zu deren Zerstörung beizutragen – «todsichere» Obligationen ohne Rendite sind der sichere Tod der zweiten Säule.

Selbst wenn Renten nominal garantiert werden könnten, verbliebe ein erhebliches Risiko hinsichtlich deren Kaufkraft. Bei der seit Jahren liquiditätstreibenden Geldpolitik ist es sehr wohl möglich, dass inflationäre Tendenzen die Renten dereinst real schmälern werden. Mit einer auf Sachwerte gerichteten Anlagestrategie kann dies teilweise kompensiert werden, weil die Cashflows von Aktien und Immobilien mit der Inflation tendenziell zunehmen.

Gastkommentar von Christoph Zenger, Geschäftsleitungsmitglied der Firma Covasys Wyttenbach & Zenger

Quelle: NZZ
19.01.2017

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23.12.2016

Kürzungen bei Rentenleistungen – Immer mehr Kassen greifen zum Rotstift

Den Versicherten drohen schmerzhafte Kürzungen bei den Rentenleistungen in der beruflichen Vorsorge. Ein Experte erwartet «ein dramatisches Jahr 2017».

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Grosse Vorsorgeeinrichtungen wie die BVK oder die Pensionskasse der Credit Suisse haben es vorgemacht, nun dürften einige andere Vorsorgeeinrichtungen folgen: Den Versicherten drohen schmerzhafte Kürzungen bei den Rentenleistungen in der beruflichen Vorsorge. Angesichts der anhaltend schwierigen Lage am Kapitalmarkt und von Negativzinsen realisierten die Stiftungsräte in vielen Pensionskassen, dass sie Entwicklungen zum Teil «verschlafen» hätten, sagt Stefan Thurnherr vom VZ Vermögenszentrum. Er erwartet in dieser Hinsicht «ein dramatisches Jahr 2017». Viele Vorsorgeeinrichtungen rechneten mit einem zu hohen technischen Zins und hätten sich in der Vergangenheit in falscher Sicherheit gewiegt. Nun fühlten sie sich gezwungen zu agieren.

«Entwicklung verschlafen»

Auch Ueli Mettler von der Beratungsgesellschaft «c-alm» geht davon aus, dass viele Vorsorgeeinrichtungen nicht umhinkommen, das Leistungsniveau anzupassen – vor allem im überobligatorischen Teil. Einige Pensionskassen hätten hier Nachholbedarf. Thurnherr erwartet, dass einige Vorsorgeeinrichtungen ihre Änderungen im Frühjahr 2017 kommunizieren, am 1. Januar 2018 dürften diese dann in Kraft treten.

Der technische Zins ist die Kennzahl, mit der eine Pensionskasse die Höhe ihrer künftigen Erträge einschätzt. Wird der Zins zu hoch eingestuft, führt dies nicht nur dazu, dass eine Vorsorgeeinrichtung einen zu hohen Deckungsgrad ausweist. Sie schafft damit auch massive Umverteilungen zwischen Aktiven und Rentnern. Wie ein Warnschuss gegen zu hohe technische Zinsen dürfte derweil für viele Vorsorgeeinrichtungen die jüngst publizierte Empfehlung der Schweizerischen Kammer der Pensionskassenexperten (SKPE) gewirkt haben. Per Ende September dieses Jahres hat sie unter Berufung auf die Fachrichtlinie FRP 4 den Pensionskassen empfohlen, für die kommenden Jahresabschlüsse einen technischen Zins von 2,25% anzuwenden – eine Senkung um 0,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Eigentlich steht es im Ermessen des Stiftungsrats einer Pensionskasse, den technischen Zins nach Massgabe ihrer Zielrenditen, ihrer Einschätzung der Marktentwicklung sowie dem Zustand der Vorsorgeeinrichtung festzulegen. In der Praxis aber kämen die Stiftungsräte aus dem Korsett der SKPE-Empfehlung kaum heraus, sagt Thurnherr. Derzeit sei zu beobachten, dass die Vorsorgeeinrichtungen in der Deutschschweiz ihre technischen Zinsen grossflächig auf 2% senkten, sagt Mettler. Sie «übererfüllen» die Empfehlung also sogar.

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Weiterer Druck für die Vorsorgeeinrichtungen entsteht derweil dadurch, dass ihnen mit jeder neu entstehenden Rente sogenannte Pensionierungsverluste drohen, wenn sie zu hohe Umwandlungssätze anwenden (vgl. Zusatz). Der Umwandlungssatz ist der Prozentsatz des gesparten Vermögens in der Pensionskasse, der einem Rentner jährlich ausbezahlt wird. Ist er zu hoch angesetzt, führt dies dazu, dass Rentenverpflichtungen nicht ausfinanziert sind. Zudem stehen in den kommenden Jahren viele Pensionierungen von «Babyboomern», also Personen aus den starken Nachkriegsjahrgängen, an. Reagieren die Vorsorgeeinrichtungen nicht auf die Situation, könnten dadurch hohe Pensionierungsverluste entstehen.

Folglich senkten viele Pensionskassen derzeit ihre Umwandlungssätze geradezu abrupt, sagt Thurnherr. Als Beispiele für solche Senkungen führt er neben der BVK und der Pensionskasse der Credit Suisse die Vorsorgeeinrichtung des Bundes Publica an. Diese senkt ihren technischen Zins Mitte 2018 auf 2% und ihren Umwandlungssatz auf 5,09% nach zuvor 5,65%. Andere, kleinere und mittelgrosse Pensionskassen dürften nun folgen, erwartet Thurnherr. Da grosse Vorsorgeeinrichtungen bereits solch unpopuläre Massnahmen ergriffen hätten, fühlten sie sich nun «in guter Gesellschaft».

Zudem ist ein Trend zu beobachten, dass Pensionskassen versuchen, Versicherte in oberen Gehaltsetagen dazu zu bringen, sich ihr angesammeltes Kapital auszahlen zu lassen, anstatt es als Rente zu beziehen. So hätten bereits Vorsorgeeinrichtungen mit der Einführung eines Kapitalzwangs für Besserverdienende beim Bezug von Pensionskassengeldern reagiert, sagt der VZ-Vorsorgespezialist. Wenn Versicherte statt einer Rente eine Kapitalauszahlung erhalten, übernehmen sie anstatt der Vorsorgeeinrichtung das Risiko der Verwaltung der Gelder. Das Thema ist in diesem Jahr mit den Ankündigungen der Pensionskasse der Credit Suisse, einen solchen Kapitalzwang einzuführen, auf den Tisch gekommen. Auch die Pensionskasse IBM hat laut Thurnherr einen solchen Zwang eingeführt, und zwar im Überobligatorium. Bei der Pensionskasse 2 von Novartis ist die Entwicklung ebenfalls zu beobachten, sie zahlt nur noch Renten für Gehälter bis 150 000 Fr. Angestellte des Basler Pharmakonzerns, die mehr verdienen, müssen sich die entsprechenden Teile des Vorsorgekapitals ebenfalls als Kapital auszahlen lassen.

Neue Rechnungslegung

Einer der Gründe für solche Massnahmen dürfte auch der in den internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS) enthaltene, jüngst überarbeitete Standard IAS 19 sein. Weil Unternehmen wegen IAS 19 die Vorsorgeverpflichtungen und den Vorsorgeaufwand in den Jahresrechnungen erhöhen müssen, droht die Gefahr, dass sie Vorsorgepläne zum Nachteil von Versicherten anpassen.

Ein weiterer Trend sind die sogenannten 1e-Pläne, bei denen Versicherte ab einem Jahresgehalt von 126 900 Fr. selbst ihre Anlagestrategie bestimmen können – für die Teile des Lohns, die über dieser Grenze liegen. Dies gibt Mitarbeitern mit höheren Löhnen Freiheitsgrade bei der Anlage, sie tragen aber dann in diesem Bereich auch die Risiken der Anlagestrategie – anstelle der Pensionskasse.

Laut Mettler hat die zu beobachtende Entwicklung ihre Grenzen. Schliesslich lebe die zweite Säule auch von Solidaritäten. Solidarität brauche es, damit sich gute und schlechte Anlagezyklen über Generationen hinweg ausgleichen. Wenn man die zweite Säule zunehmend entsolidarisiere und individualisiere, werde die Idee des generationenübergreifenden Versichertenkollektivs und damit der Risikokapazität, solche Zyklen auszuhalten, ausgehöhlt. Die in der zweiten Säule geltenden Rahmenbedingungen – namentlich das Obligatorium und die Arbeitgeberbindung der beruflichen Vorsorge – sorgten zumindest bei konstanten Arbeitgeberverhältnissen für einen langen Anlagehorizont und dadurch für eine hohe Risikofähigkeit, sagt er. Mit der Ausstattung der zweiten Säule mit diesen Rahmenbedingungen gehe aber auch ein Leistungsauftrag einher, diese Risikofähigkeit zu nutzen und ein entsprechendes Rendite- bzw. Leistungsziel anzustreben. Ein immer stärkerer Transfer von Risiken von Arbeitgebern zu den Arbeitnehmern könne auch als Verweigerung dieses Leistungsauftrags aufgefasst werden. Dies spiele der politischen Linken in die Hände, die die Existenzberechtigung der zweiten Säule infrage stelle und die Sozialversicherung in die erste Säule verlagern möchte.


Pensionierungsverlust

Wie entsteht ein Pensionierungsverlust bei einer Vorsorgeeinrichtung? Als Beispiel kann folgende Rechnung des Finanzdienstleisters VZ Vermögenszentrum dienen. So wird derzeit die Altersrente eines 65-jährigen in Pension gehenden Arbeitnehmers mit einem obligatorischen Altersguthaben von 100 000 Fr. mit dem BVG-Mindestumwandlungssatz von 6,8% berechnet. Er erhält also eine jährliche Rente von 6800 Fr. je 100 000 Fr.

Der rechnerisch korrekte Umwandlungssatz läge aber nur bei 5,3%, eigentlich dürfte die Rente nur 5300 Fr. betragen. Folglich bezahlt die Pensionskasse jährlich auf 100 000 Fr. Vorsorgevermögen 1500 Fr. zu viel Rente aus und muss diese als Kapital zurückstellen. Wie Vertreter des Finanzdienstleisters ausführen, wird wiederum mit den korrekten 5,3% kapitalisiert – die Rechnung lautet also 1500 Fr. dividiert durch 5,3% – was einen Zusatzbedarf von 28 302 Fr. zu den 100 000 Fr. Altersguthaben ergebe.

Damit die versicherte Person bei der Pensionierung die garantierte Altersrente von 6800 Fr. erhält, werde ein Altersguthaben von 128 302 Fr. benötigt. Die Vorsorgeeinrichtung finanziere das fehlende Altersguthaben von 28 303 Fr. je 100 000 Fr. Jedem Neu-Rentner würden also fast 30% Zusatzkapital geschenkt.


Quelle: NZZ
23.12.2016

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21.11.2016

Schweizer Vorsorgesystem – Immerhin Renten

Die Lage von privaten und institutionellen Sparern ist unerfreulich. Trotzdem ist das Schweizer Vorsorgesystem stabiler als viele andere in der Welt. …mehr

Der durchschnittliche amerikanische Haushalt von Erwerbstätigen hat praktisch keine Ersparnisse fürs Alter. 2500 $ sind es im Schnitt. Das ist der Median. Das heisst: 50% der Haushalte haben mehr, 50% haben weniger. Bei Haushalten von Erwerbstätigen kurz vor dem Rückzug aus dem Erwerbsleben, sind es 14 500 $. Rund zwei Drittel aller Haushalte mit Erwerbstätigen zwischen 55 und 64 haben weniger als ein Jahreseinkommen auf der hohen Kante. Das wird nicht reichen, um den Lebensstandard nach der Pensionierung zu halten.

Kein Wunder, schaffen es die USA im soeben erschienenen Ranking der Beratungsfirma Mercer nicht über einen mittleren Rang hinaus (siehe Tabelle oben). Seit 2009 rangiert Mercer zusammen mit dem Australian Centre for Financial Studies in der Studie «Melbourne Global Pension Index» die Vorsorgesysteme von 27 Ländern. Bewertet werden Angemessenheit, Nachhaltigkeit, Integrität der Systeme entlang Dutzender Kriterien. Zu verdienen sind 100 Punkte. Die Schweiz hat im Vergleich mit dem vergangenen Jahr zwar 2 Ränge eingebüsst. Aber mit Rang 6 und 68,6 Punkten befindet sich unser Vorsorgesystem immer noch deutlich über dem Mittelfeld und auch über dem Durchschnitt.

Wieso fällt unser Land zurück? In Umlageverfahren wie bei der AHV – die Arbeitnehmer zahlen die Renten der Pensionäre direkt mit ihren Beiträgen – schlägt die steigende Lebenserwartung zu Buche; in Kapitaldeckungsverfahren wie bei der zweiten Säule (BVG) fordert zusätzlich dazu die Tiefzinslage ihren Tribut. Ein Blick zurück zeigt auf, wie dramatisch das ist: Zwischen 1985, als das BVG-Obligatorium eingeführt wurde, und dem Start der Finanzkrise 2008 pendelte das allgemeine Zinsniveau im Schnitt um rund 4%. Seit der Finanzkrise jedoch sind die Zinsen in vielen wichtigen Anlagewährungen gegen null gesunken. Im Schweizer Franken sind sie gar negativ, was besonders schlimm ist für unsere Pensionskassen, müssen sie Renten doch in Franken zahlen. Die steigende Lebenserwartung und die Null-Zins-Welt setzt der zweiten Säule derart zu, dass die Pensionskassen seit längerem daran sind, Renten zu senken.

Prominente Beispiele wie die Zürcher Pensionskasse BVK und die Bundespensionskasse Publica machen es vor. Bei der BVK sinken die Umwandlungssätze ab 2017 um 21%. Der sogenannte Umwandlungssatz bestimmt die Rentenhöhe im Alter.
Die Publica wiederum hat just diese Woche angekündigt, dass sie auf Mitte 2018 den Umwandlungssatz von 5,65% auf 5,09% reduziere. Das entspricht einer Rentensenkung von 10%. Um ein Beispiel zu machen, wie der Umwandlungssatz funktioniert: Für 100 000 Fr. Sparkapital kriegen Publica-Rentner inskünftig noch eine Jahresrente von 5009 Fr. statt 5065 Fr. Im Interview mit der «NZZ am Sonntag» (siehe Seite 102) verteidigt der BVK-Chef, Thomas Schönbächler, Rentensenkungen. Er sagt: «Die Lebenserwartung nimmt alle zehn Jahre um über ein Jahr zu. Wir haben rekordtiefe Zinsen.» Dadurch, dass man den Umwandlungssatz reduziere, sichere man das finanzielle Gleichgewicht der Kasse und schütze die junge Generation. «Die Jungen werden nicht unbedingt tiefere Renten haben, da sie noch viel Zeit haben, um Geld anzusparen.»

Wieso aber dürfen Umwandlungssätze überhaupt unter 6,8% gesenkt werden? Das ist die Grösse, welche das Gesetz vorschreibt. 6,8% gelten aber eben nur für das «obligatorische» Geld, das heisst jene Sparbatzen, die auf dem Lohn bis 84 600 Fr. generiert wurden. Für Sparfranken, die auf darüberliegenden Lohnteilen erwirtschaftet werden, sind Pensionskassen frei, jenen Umwandlungssatz zu wählen, den sie für richtig halten. Im Schnitt kann deshalb der Umwandlungssatz viel tiefer liegen als 6,8%.

Quelle: NZZ
21.11.2016

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8.11.2016

Ständeratskommission hält an AHV-Zuschlag fest

Bei der Reform der Altersvorsorge zeichnet sich keine rasche Einigung ab. Die Sozialkommission des Ständerats hält am AHV-Zuschlag von 70 Franken fest. Ein Rentenalter 67 lehnt sie einstimmig ab.

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Ziel der Rentenreform ist es, AHV und berufliche Vorsorge auf eine gesunde finanzielle Basis zu stellen. National- und Ständerat sind sich einig, dass dazu unter anderem der Umwandlungssatz in der obligatorischen beruflichen Vorsorge von 6,8 auf 6 Prozent gesenkt werden muss. Die Renten sinken dadurch auf einen Schlag um 12 Prozent.

Der Nationalrat will diese Einbussen im Wesentlichen durch höhere Pensionskassenbeiträge ausgleichen. Einbussen in der zweiten Säule müssten in der zweiten Säule ausgeglichen werden, sagte die St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter, die dieses Konzept in der Kommission vertrat.

Mit 8 zu 5 Stimmen beschloss die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) jedoch, an den Beschlüssen des Ständerats vom Herbst 2015 festhalten: Auf neuen AHV-Renten soll ein Zuschlag von 70 Franken gezahlt werden. Auch die Ehepaarrenten würden steigen.

Deutlich höhere Kosten

Kommissionspräsident Konrad Graber (cvp., Luzern) argumentierte mit den Kosten: Bis 2030 sei die Lösung des Nationalrats 24 Milliarden Franken teurer als jene des Ständerats, sagte er nach der Sitzung am Dienstag. Graber stützte sich dabei auf neue Berechnungen der Verwaltung.

Der von SVP und FDP dominierte Nationalrat hält die höheren Kosten für gerechtfertigt, weil das Geld in der zweiten Säule direkt dem Alterskonto der Versicherten gutgeschrieben wird. Die kleine Kammer, in der SP und CVP die Mehrheit stellen, setzt hingegen auf die AHV.

Diese habe bei der heutigen Zinssituation ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis, sagte SGK-Mitglied Paul Rechsteiner (sp., St. Gallen). «Wer rechnet, stellt fest, dass man in der AHV für die gleiche Rente viel weniger zahlt.»

Politisches Kalkül

Einstimmig lehnte die Kommission die sogenannte Stabilisierungsregel für die AHV ab. Nach dem Willen des Nationalrats soll das Rentenalter automatisch auf 67 Jahre ansteigen, falls der AHV-Fonds unter 80 Prozent einer Jahresausgabe fällt. Parallel dazu würde die Mehrwertsteuer um 0,4 Prozent angehoben.

Im Hinblick auf eine Volksabstimmung will die SGK auf diesen Automatismus verzichten. Über ein höheres Rentenalter müsse im Rahmen einer späteren AHV-Reform diskutiert werden, erklärte Graber.

Neben der Kompensation und der Stabilisierungsregel gibt es weitere umstrittene Punkte. Diese betreffen den Koordinationsabzug, die für die AHV nötigen Mehrwertsteuer-Erhöhungen, den Bundesbeitrag, die Kinder- sowie die Waisen- und Witwenrenten. Unter dem Strich kostet das Paket der Ständeratskommission 3,3 Milliarden Franken im Jahr 2030, gegenüber 4,5 Milliarden Franken in der Version des Nationalrats.

Enger Zeitplan

Die Reform der Altersvorsorge kommt in der Wintersession zum zweiten Mal in den Ständerat. In der Frühjahrssession soll die Vorlage bereinigt werden. Die Eile ist geboten, denn Ende 2017 läuft die Zusatzfinanzierung der IV von 0,4 Prozent aus. Ab 2018 sollen 0,3 Prozent davon nahtlos für die AHV verwendet werden. Der letztmögliche Abstimmungstermin für die nötige Verfassungsänderung ist der 24. September 2017.

Quelle: NZZ
08.11.2016

2.9.2016

BVG-Kommission empfiehlt dem Bundesrat einen Mindestzinssatz von 1% ab 2017

Die Eidgenössische Kommission für berufliche Vorsorge (BVG-Kommission) empfiehlt dem Bundesrat, den Mindestzinssatz in der beruflichen Vorsorge im Jahre 2017 von heute 1.25% auf 1% zu senken. Mit dem Mindestzinssatz wird bestimmt, zu welchem Satz das Vorsorgeguthaben der Versicherten im BVG-Obligatorium mindestens verzinst werden muss.

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Die Vorschläge der Kommissionsmitglieder reichten von 0.50% bis 1.25%. Es wurde über verschiedene Varianten abgestimmt. In der Schlussabstimmung hat sich eine Mehrheit für 1% und gegen 1.25% ausgesprochen. Entscheidend für die Festlegung der Höhe des Mindestzinssatzes ist die Entwicklung der Rendite der Bundesobligationen sowie zusätzlich der Aktien, Anleihen und Liegenschaften.

Zu berücksichtigen ist jedoch ebenso, dass nicht die ganze Rendite einer Vorsorgeeinrichtung für die Mindestverzinsung verwendet werden kann. Die Vorsorgeeinrichtungen haben auch die gesetzliche Pflicht, Wertschwankungsreserven zu bilden, notwendige Rückstellungen vorzunehmen und die gesetzlichen Rentenanforderungen zu erfüllen. Soweit nicht anderweitig finanziert, müssen sie auch die Verwaltungskosten der Vorsorgeeinrichtung mit dem Vermögensertrag decken.

Angesichts der aktuellen Negativverzinsung von Obligationen guter Qualität ist ein Zinssatz von 1% vergleichsweise attraktiv. Über eine allfällige Änderung des Satzes entscheidet der Bundesrat.

Quelle: admin.ch
02.09.2016

10.7.2016

Begünstigung für Pensionskassengeld frühzeitig regeln

Mein Mann und ich sind beide berufstätig und leben seit elf Jahren zusammen, sind aber nicht verheiratet. Wie können wir sicherstellen, dass wir bei der Pensionskasse nicht leer ausgehen, sondern geschützt sind? B.S. …mehr

Wahrscheinlich haben Sie in der Zeitung über den kürzlichen Bundesgerichtsentscheid gelesen, der viele Konkubinatspaare aufgeschreckt hat. Die Richter aus Lausanne hatten entschieden, dass es nicht genügt, den Partner im Testament als Alleinerben einzusetzen. Das Urteil schreibt vielmehr vor, dass ein unverheiratetes Paar der Pensionskasse melden muss, wenn im Todesfall der Hinterbliebene das PK-Geld bekommen soll. Gleichzeitig hatte das oberste Gericht die Beschwerde einer Frau abgewiesen, deren Partner im April 2014 verstorben war. Das Urteil zeigt, dass Sie als Konkubinatspartnerin in einem Todesfall deutlich schlechter gestellt sind als eine Ehefrau. Diese bekäme automatisch eine Rente von der Pensionskasse. Sie aber nicht.

In einem ersten Schritt empfehle ich Ihnen, die Pensionskassenreglemente der Arbeitgeber von Ihnen und Ihrem Mann zu studieren. Dabei sollten Sie prüfen, ob und inwiefern die Kassen eine Lebenspartnerrente vorsieht und welches die Bedingungen dafür sind. In der Regel verlangen die Kassen, dass ein unverheiratetes Paar wenigstens seit fünf Jahren ununterbrochen zusammenlebt oder für gemeinsame Kinder der Unterhalt getragen wird. Sie können sich auch direkt an Ihre Pensionskasse oder Ihre Personalabteilung wenden. Diese verfügen meist über ein Formular, mit dem die Lebensgemeinschaft gemeldet und die Absicht, dass der hinterbliebene Lebenspartner im Todesfall des Versicherten eine Rente erhalten soll, kundgetan werden kann.

Wie das Bundesgerichtsurteil zeigt, ist es wichtig, dass die Meldung schriftlich vor einem Todesfall erfolgt ist. Ich rate Ihnen daher, nicht abzuwarten, sondern die Sache gleich in die Hand zu nehmen. Immerhin haben die meisten Leute den grössten Teil ihres während ihrer Lebenszeit angesparten Vermögens in der Pensionskasse. Es geht also um viel Geld. Darum ist es wichtig, dass man frühzeitig regelt, wer bei einem Todesfall begünstigt werden soll. Wenn Sie indes Fehler machen und die Lebensgemeinschaft nicht frühzeitig anmelden, laufen Sie Gefahr, das Geld zu verlieren.

Quelle: Tages-Anzeiger
07.07.2016

7.4.2016

Neue Vorsorge mit Nebenwirkungen

Bei 1e-Vorsorgeplänen dürfen Versicherte die Anlagestrategie für Pensionskassenguthaben selber wählen. Solche Pläne könnten populär werden, doch bergen sie Risiken für die Kassen.

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Bei 1e-Vorsorgeplänen dürfen Versicherte die Anlagestrategie für Pensionskassenguthaben selber wählen. Solche Pläne könnten nun populärer werden. Dabei darf nicht vergessen werden, dass sie die bestehende Pensionskasse belasten können.

Mit 1e-Vorsorgeplänen haben Versicherte mehr Wahlfreiheit – sie können ihre Anlagestrategie für Pensionskassengelder wählen. Diese Möglichkeit besteht nur für Salärbestandteile von derzeit über 126 900 Fr. Aufgrund der Bestimmungen des Freizügigkeitsgesetzes konnten einem Versicherten bei Austritt aus der Pensionskasse bisher keine Anlageverluste angerechnet werden, die aus der selbstgewählten Anlagestrategie resultierten. Dies hat denn auch dazu geführt, dass sich 1e-Pläne in der Praxis kaum etabliert haben.

Mit der Motion Stahl wurde 2008 gefordert, diesen Konstruktionsfehler durch eine Anpassung des Freizügigkeitsgesetzes zu beheben. Das Parlament hat diese Gesetzänderung in der letzten Wintersession einstimmig beschlossen. Zur Beschränkung des Anlagerisikos hat der Gesetzgeber vorgegeben, dass jeder 1e-Plan mindestens eine risikoarme Anlagestrategie anbieten muss.

Für Unternehmen, die ihren Finanzbericht gemäss internationalen Rechnungslegungsvorschriften erstellen, kann die Einführung eines 1e-Plans die bilanziellen Pensionsverpflichtungen erheblich reduzieren. Diese Möglichkeit, die Bilanz zu entlasten, dürfte bei vielen Unternehmen hochwillkommen sein. Die sinkenden Zinsen haben in den letzten Jahren die Leistungsgarantien verteuert und zu einer starken Zunahme der bilanziellen Pensionsverpflichtungen geführt. Für die Versicherten bieten 1e-Pläne die Möglichkeit, die Vorsorgegelder entsprechend individuellen Anlagepräferenzen zu investieren. Im Gegenzug trägt der Versicherte das Risiko eines Anlageverlusts. Zudem kann mit einem 1e-Plan verhindert werden, dass mit einer tiefen Verzinsung des Alterskapitals eine Quersubventionierung der Rentenbezüger erfolgt.

Mit der Gründung eines 1e-Vorsorgeplans wird ein Teil der versicherten Leistungen und der bereits angesparten Vorsorgegelder in eine neue Stiftung verschoben. Damit steigen in der bestehenden Pensionskasse erstens die «Rentnerlastigkeit» und zweitens der Anteil Leistungen, die dem BVG-Obligatorium unterstellt sind. Im Zeitablauf ergibt sich jedoch eine Entlastung der bestehenden Kasse, da weniger hohe Neurenten anfallen. Der Nettoeffekt reduziert in der Regel die Risikofähigkeit der Kasse und die Möglichkeit, Anlagerisiken einzugehen. Ohne Nachfinanzierung oder Anpassung der Anlagestrategie besteht die Gefahr, dass die Vorsorgegelder der aktiven Versicherten, die unter der Schwelle eines Jahressalärs von 126 900 Fr. liegen, stärker durch die Quersubventionierung der Rentenbezüger belastet werden.

Vor der Einführung eines 1e-Vorsorgeplans sollten daher die Auswirkungen auf die bestehende Pensionskasse analysiert und Massnahmen zur Abfederung der Folgen für die mittleren Einkommen entwickelt werden. Damit wird zudem sicherstellt, dass sich ein 1e-Plan für den Arbeitgeber nicht zum Bumerang entwickelt, indem zwar bilanzielle Verpflichtungen reduziert werden, dafür aber eine Sanierung der bestehenden Kasse wahrscheinlicher wird.

Quelle: NZZ
07.04.2016

20.3.2016

Seilziehen um die BVK

SP, Grüne und AL drängen darauf, dass der Kanton die nächstes Jahr wirksamen Einschnitte der Pensionskasse BVK abfedert. Die Regierung ist dezidiert dagegen.

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Der neue Vorsorgeplan der Pensionskasse BVK sorgt weiter für Aufwallungen. Die Gewerkschaft VPOD wehrt sich mit einem Protestticker gegen die Massnahmen, die am 1. Januar 2017 in Kraft treten sollen. Besonders umstritten sind Erhöhungen der Sparbeiträge sowie Senkungen des technischen Zinssatzes und des Umwandlungssatzes. Jüngster Eintrag im Protestticker: «409 Mitarbeiter des Universitätsspitals Zürich haben den Protestbrief an die BVK unterschrieben.» Nüchtern bleibt dagegen der Regierungsrat, wie aus seiner Antwort auf eine Interpellation von SP, Grünen und AL hervorgeht. Bezüglich seiner Verantwortung hält er fest, dass der Kantonsrat die BVK bewusst verselbständigt und so den Einfluss des Kantons minimiert habe.

Eindeutig nicht geneigt ist die Regierung, zusätzliche Mittel in die BVK einzuschiessen. SP, Grüne und AL monieren, der Vorsorgeplan führe für die Angestellten zu einem Reallohnverlust und Renteneinbussen – und sie drängen auf «griffige besitzstandwahrende Massnahmen». Für die Regierung greift es zu kurz, erhöhte Sparbeiträge als Reallohnverlust zu bezeichnen, da diese dem individuellen Vorsorgekonto der Mitarbeitenden gutgeschrieben würden. Zudem würden auch die Beiträge des Arbeitgebers erhöht, der weiterhin 60 Prozent zahle und überdies Sanierungsbeiträge leisten müsse, sollte der Deckungsgrad der BVK unter 90 Prozent fallen. Weitere Leistungen des Kantons seien auch mit Blick auf den mittelfristigen Ausgleich des Finanzhaushalts nicht möglich – dieser droht in Schieflage zu geraten, ein Sanierungsprogramm ist angekündigt. Und die Regierung fügt hinzu: «Der Umstand, dass der Rentenanspruch tendenziell kleiner wird und die individuelle Vorsorge an Bedeutung zunimmt, ist zudem eine gesamtgesellschaftliche Realität.»

Quelle: NZZ

22.2.2016

Druck durch Buchungsregel – Vorsorge als Dorn im Auge?

Ein 2013 angepasster Standard zur Abbildung der beruflichen Vorsorge hinterlässt tiefe Spuren in Unternehmensbilanzen. Ändern Schweizer Konzerne deshalb Vorsorgepläne zum Nachteil von Versicherten?

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Welchen Einfluss haben internationale Rechnungslegungsstandards auf die berufliche Vorsorge? Ändern Schweizer Konzerne Vorsorgepläne zum Nachteil von Versicherten, um negative Folgen für die Bilanz zu vermeiden und bei Bankanalytikern und Rating-Agenturen besser dazustehen? Über diese Thematik wird in der Pensionskassen-Branche weiterhin heiss diskutiert – auch nach der Publikation eines Forschungsberichts im Auftrag des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) im vergangenen Jahr.

Ein «trojanisches Pferd»?

Der genannte Bericht von Swisscanto Vorsorge – deren Vorsorgeberatung nach einem Management-Buyout 2015 nun unter dem Namen Prevanto am Markt aktiv ist – beginnt mit dem Satz, der Wirtschaftsstandort fürchte sich vor einem «trojanischen Pferd». Konkret geht es dabei um die internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS), in denen der Anfang 2013 in Kraft getretene, neu überarbeitete Standard IAS 19 enthalten ist. Dieser regelt unter anderem die Abbildung der beruflichen Vorsorge in den Bilanzen der Arbeitgeber. Es werde befürchtet, dass Unternehmen Vorsorgepläne zum Nachteil von Versicherten änderten, weil IAS 19 die Vorsorgeverpflichtungen und den Vorsorgeaufwand, den sie in ihren Jahresrechnungen ausweisen müssen, erhöhe, heisst es im Vorwort des BSV zu dem Bericht.

Swisscanto Vorsorge fand aber keine generellen Auswirkungen von IAS 19 auf die Organisation der beruflichen Vorsorge. In Einzelfällen könne es zu einer einseitigen Anpassung der Vorsorgepläne kommen, ein systematischer Risikotransfer des Arbeitgebers zu den Arbeitnehmern wegen IAS 19 sei aber nicht zu beobachten, schrieben die Autoren Lukas Müller und Stephan Wyss. Allerdings sei das Resultat der Studie selbst für ihn überraschend gewesen, sagt Prevanto-Partner Wyss dazu. Er gehe beispielsweise davon aus, dass die jüngst bekanntgegebenen Kürzungen der Credit Suisse bei ihrer Pensionskasse nicht zuletzt auf Rechnungslegungsstandards zurückzuführen seien. Die Grossbank bilanziert nach US-GAAP.

Das sehen auch andere Branchenvertreter so. IAS 19 sei wie ein «übergeordnetes Gesetz», an dem sich Schweizer Konzerne und Pensionskassen immer stärker orientieren müssten, sagt etwa Peter Zanella von der Beratungsgesellschaft Willis Towers Watson. Früher habe es eine «Schweizer Welt» und eine «internationale Welt» gegeben, doch diese Zeiten seien vorbei. Die Führungen der Unternehmen, die nach IFRS bilanzierten – dies sind vor allem kotierte, grössere Konzerne –, überlegten sich heutzutage genau, welchen Effekt Änderungen von Vorsorgeplänen für ihre Bilanz hätten.

Dieser ist laut Zanella oft sehr gross. Auch Swisscanto Vorsorge kommt in dem Bericht zu dem Ergebnis, dass IAS 19 in vielen Fällen dazu führt, dass Unternehmen bedeutende Verbindlichkeiten ausweisen müssen. Der Standard hinterlasse oft tiefgreifende Spuren sowohl in der Bilanz als auch in der Erfolgsrechnung von Unternehmen.

Da Pensionskasse und Unternehmen in der Schweiz eigentlich rechtlich strikt getrennt sind, gäben die meisten Konzernführungen nicht gerne zu, dass sie sich aktiv in die Entscheidungen des Stiftungsrats der Pensionskasse ihres Unternehmens einmischten, sagt Zanella. Stiftungsräte seien sich heute bewusst, dass man mit einem höheren Umwandlungssatz ein grösseres Versprechen mache, das dann entsprechend höhere Verpflichtungen bedeute. Diese müssten gemäss IAS 19 wiederum in der Bilanz des Arbeitgebers gezeigt werden. Ein Zeichen dafür, dass Unternehmen die Risiken bei der beruflichen Vorsorge zunehmend auf ihre Mitarbeitenden überwälzen wollten, seien auch die Einführung sogenannter «1e-Pläne» und die Bevorzugung der Kapitalauszahlung anstelle der Rentenzahlung bei immer mehr Pensionskassen.

Kritische Rating-Agenturen

Bei «1e-Plänen» können Vorsorgende bei einem Jahresgehalt von 126 900 Fr. die Anlagestrategie für die Lohnkomponenten oberhalb dieser Grenze selbst bestimmen. Allerdings tragen sie dann auch das Risiko dieser Anlagestrategie. Wyss von Prevanto geht davon aus, dass solche «1e-Pläne» durch Wirkungen in der Jahresrechnung des Arbeitgebers gefördert werden. Die Rechnungslegungsvorschriften seien höchst selten alleine für Anpassungen verantwortlich, aber verstärkten sehr wohl Trends oder schwächten diese ab.

Nach den Anpassungen von IAS 19 im Jahr 2013 sei einigen Finanzchefs in Schweizer Konzernen erst in jüngster Zeit schlagartig bewusst geworden, welch grossen Einfluss die Pensionskasse auf die Bilanz des Unternehmens habe, sagt Roland Schmid, Geschäftsführer von Swiss Life Pension Services. Das Thema werde nun akut, da wegen des extrem niedrigen Zinsniveaus der unter IAS 19 anzuwendende technische Zins von unter 1% eine starke Erhöhung der Verpflichtungen zur Folge habe. Pensionskassen senken zudem wegen der reduzierten Renditeerwartungen ihre Umwandlungssätze und damit die künftigen Leistungen. Nach IAS 19 führt eine Anpassung der künftigen Leistungen zu einer sogenannten Planänderung, die als Einmaleffekt («past service cost») erfasst werden müsse. Vor der Anpassung von IAS 19 fingen die Unternehmen beide Effekte mit der sogenannten Korridormethode – einer Art Glättungsmechanismus – ab, was nun nicht mehr möglich ist.

Zusätzliche Bedeutung erhält das Thema durch die internationalen Rating-Agenturen. In ihren Kredit-Ratings für Unternehmen berücksichtigen die Bonitätswächter die Lage der jeweiligen Pensionskasse, da die Konzerne letztlich für die Renten ihrer Mitarbeiter einstehen müssten. Demzufolge haben Unternehmen bei einer schlechten Lage der Vorsorgeeinrichtung ein entsprechendes Risiko, das sich dann negativ im Rating niederschlägt. Rating-Agenturen und Bankanalytiker schauten bei der beruflichen Vorsorge von Konzernen immer genauer hin, sagt Schmid. Dies könnte auch Folgen für Schweizer SMI-Konzerne haben und für Druck auf die berufliche Vorsorge sorgen. Laut Schmid argumentieren auch viele Revisionsgesellschaften im Sinne der Rating-Agenturen – wohl auch, um sich selber abzusichern. Schliesslich seien die Kapitalmärkte amerikanisch dominiert.

Leistungsgarantien im Fokus

Erschwerend kommt hinzu, dass IAS 19 den Beitragsprimat von Schweizer Pensionskassen nicht als «defined contribution» anerkennt. Wie Swisscanto Vorsorge in dem Forschungsbericht schreibt, ist dies nur erfüllt, wenn der Arbeitgeber in keiner Art und Weise dazu verpflichtet werden kann, neben den fixen Beiträgen an seine Mitarbeiter zusätzliche Leistungen auszurichten. Da für Arbeitgeber aber diesbezüglich «Restrisiken» verblieben, würden Schweizer Vorsorgepläne in aller Regel als leistungsorientierte Zusage («defined benefit») behandelt. So sorgen sie für verhältnismässig hohe Verpflichtungen in den Büchern.

An den angelsächsisch geprägten Finanzmärkten kämen auch Schweizer Leistungsgarantien wie die jeweils politisch festgelegten Sätze BVG-Mindestzins oder BVG-Mindestumwandlungssatz nicht gut an, sagt Schmid. Die Ausgestaltung des hiesigen Vorsorgesystems werde Schweizer Konzernen international oft als Nachteil ausgelegt. Dieser könne sich bei Aktivitäten am Kapitalmarkt oder bei Übernahmen manifestieren. Schweizer Unternehmen müssten hier teilweise einen «Risikoaufschlag» bezahlen.

Die wachsende Bedeutung des Standards IAS 19 könne unter anderem zu Druck auf die berufliche Vorsorge und möglichen Leistungsreduktionen führen, sagt Schmid. Trotzdem beobachte er bei den meisten Schweizer Konzernen weiterhin die Bereitschaft, das Vorsorgeniveau hochzuhalten. Schliesslich gehe es dabei auch darum, wichtige Mitarbeiter im Unternehmen zu halten.

Zanella hingegen befürchtet, die Entwicklung könnte sich zuspitzen, falls das Kapitaldeckungsverfahren immer stärker an seine Grenzen stosse. Dies sei dann der Fall, wenn sich am Kapitalmarkt keine positiven Renditen mehr erzielen liessen und das Eingehen von Risiken nicht mehr belohnt werde. Die Geldschwemme der Zentralbanken, die Zinsen künstlich nach unten drückt, würde in diesem Fall das Vorsorgesystem in ernste Bedrängnis bringen.

Quelle: NZZ

20.3.2015

Geplante Gesetzesänderung – Wahlfreiheit in der Pensionskasse

Besserverdienende Versicherte können die Anlagestrategie für Vorsorgegelder selber wählen, wenn ihre Pensionskasse dies anbietet. Nach einer gesetzlichen Änderung könnten sogenannte «1e-Vorsorgepläne» nun Aufwind bekommen.

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Obwohl bei vielen Bürgern der grösste Teil des Vermögens in der Pensionskasse liegt, hatten sie lange keine Mitspracherechte, was die Anlagestrategie angeht. Seit 2006 dürfen Vorsorgeeinrichtungen ihre Versicherten im überobligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge zwischen verschiedenen Anlagestrategien wählen lassen. Ab einem Jahressalär von 126 900 Fr. können Vorsorgende die Strategie für Lohnkomponenten oberhalb dieser Grenze selbst bestimmen, wenn ihre Kasse dies anbietet. In der Praxis sind solche Anlagen als «1e-Vorsorgepläne» bekannt, da sie sich auf den Artikel 1e der Verordnung über die berufliche Vorsorge (BVV 2) stützen.

Den grossen Durchbruch haben diese Pläne bisher nicht geschafft. Wesentlich dafür verantwortlich dürfte eine gesetzliche Regelung sein. So regelt das Freizügigkeitsgesetz (FZG) derzeit noch, dass Pensionskassen Personen, die aus der Einrichtung austreten, einen gesetzlich garantierten Mindestbetrag mitgeben müssen. Führte eine Anlagestrategie zu Verlusten, mussten bisher die Pensionskasse und die anderen Versicherten und nicht der Austretende selbst sie tragen.

Zufriedene Branchenvertreter

Mitte Februar dieses Jahres hat der Bundesrat nun die Botschaft zur Anpassung des FZG an das Parlament überwiesen, in der dies geändert wird. Damit wird eine Motion des Nationalrats Jürg Stahl erfüllt. Bei einem Austritt von Personen, die für den überobligatorischen Teil die Anlagestrategie selbst gewählt haben, müsse eine Pensionskasse in Zukunft nur den effektiven Wert des Vorsorgeguthabens zum Zeitpunkt des Austritts mitgeben, hiess es dazu in einer Mitteilung. Um trotzdem einen gewissen Schutz für die betroffenen Versicherten zu wahren, müssten die Kassen mindestens eine Strategie mit risikoarmen Anlagen anbieten. Verworfen wurde in der Botschaft unter anderem der Vorschlag, dass der Ehegatte oder der eingetragene Partner bei der Wahl einer Anlagestrategie schriftlich zustimmen muss.

Branchenvertreter zeigen sich zufrieden mit der Botschaft des Bundesrats. Die bisherige Regelung im Freizügigkeitsgesetz sei ein grosser Bremsklotz gewesen, der nun beseitigt sei, sagte etwa Jérôme Cosandey, Altersvorsorge-Experte bei der Denkfabrik Avenir Suisse. Mehrere Versicherer hätten bereits Produkte für «1e-Vorsorgepläne» vorbereitet und könnten damit nun breit auf den Markt kommen.

Mit der Änderung dürfte die Attraktivität von «1e-Plänen» deutlich steigen, dies erwarten auch Peter Zanella von der Beratungsgesellschaft Towers Watson und Isabelle Amschwand, die Chefin des Personal-Outsourcing-Dienstleisters Trianon. Die beiden Unternehmen bilden eine strategische Allianz. Viele Unternehmen hätten bisher mit der Einführung solcher Lösungen bei ihren Pensionskassen gewartet, bis sich die gesetzliche Lage kläre. Der jetzige Vorschlag sei eine liberale Lösung. Zudem helfe er auch hierzulande tätigen Grosskonzernen, die so Anlagelösungen für die Altersvorsorge ihrer international orientierten Mitarbeiter anbieten könnten. Nun würden «1e-Pläne» wohl auch für kleinere Schweizer Unternehmen und deren Pensionskassen zum Thema.

Einer der Vorreiter in diesem Bereich sind die Pensionskassen Novartis. «1e-Vorsorgepläne» dürften nur von Vorsorgeeinrichtungen angeboten werden, die ausserhalb des vom Sicherheitsfonds garantierten, rein überobligatorischen Leistungsbereichs tätig sind, dies hat Markus Moser, Geschäftsführer der Pensionskassen Novartis, in einem Artikel in der «Schweizer Personalvorsorge» ausgeführt. Diesen Anforderungen sei bei Novartis mit der Errichtung der Pensionskasse Novartis 2 entsprochen worden (vgl. Grafik). Die Versicherten können hier zwischen vier Basis-Strategien und einem «Life-Cycle-Modell» wählen.

Es sei davon auszugehen, dass mit der wachsenden Eigenverantwortung auch das Interesse der Versicherten an solchen «1e-Plänen» steige, dies erwarten Zanella und Amschwand. Angesichts des dafür nötigen Einkommens kämen aber nur schätzungsweise 8% bis 10% der Bevölkerung in der Schweiz überhaupt für solche Pläne infrage. Aus Sicht von Cosandey könnte es gerade für jüngere Versicherte mit längerem Anlagehorizont bei solchen «1e-Plänen» interessant sein, Strategien mit einem höheren Aktienanteil zu verfolgen. Viele Kassen sind stark im Bereich Obligationen investiert, hier ist in den nächsten Jahren kaum Rendite zu erwarten. Ein weiterer Vorteil aus Sicht von Cosandey ist, dass Versicherte bei solchen «1e-Plänen» davon befreit sind, Wertschwankungsreserven aufbauen zu müssen. Auch werden keine Sanierungsbeiträge fällig, weil die Versicherten die Risiken, aber auch die Chancen ihrer Strategiewahl tragen. Weil «1e-Pläne» strikt nur Lohnanteile oberhalb von 126 900 Fr. versichern, lasse sich auch die Problematik der Umverteilung vom Überobligatorium ins Obligatorium der beruflichen Vorsorge umgehen. Diese Argumente könnten viele Kader in Schweizer KMU ansprechen, dies erwartet Cosandey.

Es gibt auch Nachteile

Allerdings haben die «1e-Vorsorgepläne» auch ihre Tücken. So tragen Vorsorgende, die solche Pläne abschliessen, zukünftig selbst das Risiko, dass die von ihnen gewählten Anlagen schlecht abschliessen. Die Vermögensanlage ist in diesen Zeiten eine grosse Herausforderung. Anlagestrategien, die früher als besonders sicher galten, haben diesen Nimbus in der heutigen Zeit verloren. Dies gilt beispielsweise für Strategien, die stark auf den Geldmarkt oder auf Obligationen setzen.

Zanella und Amschwand äussern ausserdem Kritik an einzelnen Anbietern, die im Bereich «1e-Pläne» in der Schweiz aktiv sind. Deren Angebote widersprächen zum Teil dem Kollektivitätsprinzip, das in der beruflichen Vorsorge gelte. Hier gehe es nicht mehr um kollektives Sparen, sondern um Private Banking mit hohen Gebühren, das als Steueroptimierung verkauft werde. Es würden Grundregeln des Vorsorgerechts verletzt.

Quelle: NZZ