PUBLICA

20.1.2017

Pensionskassen springen auf den Ökozug auf

Nicht nur Private, auch Unternehmen und Pensionskassen setzen vermehrt auf nachhaltige Finanzanlagen, die ökologische, soziale und ethische Grundregeln befolgen. Sie tun es nicht wegen des Gewissens.

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Nachhaltiges Investieren erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Das hört man zwar schon seit langer Zeit. Doch in den letzten Jahren scheint sich der Trend zu ­beschleunigen. Grüne Fonds, wie sie vor allem von Privatanlegern gekauft werden, verzeichnen zwar nur leichte Zuwächse.

Doch ein markanter Sprung um 166 Prozent ist bei den Mandaten zu beobachten, die von institutionellen Anlegern ihren Vermögensverwaltern vergeben werden.

Das geht so: Eine Pensionskasse erteilt der Bank X zum Beispiel den Auftrag, eine halbe Milliarde Dollar in US-Aktien zu investieren. Wobei die Bank X nur solche US-Aktien auswählen darf, die als nachhaltig gelten. Und nachhaltig ist ein Unternehmen dann, wenn es ökologische, soziale und ethische Prinzipien einhält. In der Fachwelt hat sich für dieses Verhalten das Kürzel ESG durchgesetzt: Environmental, Social, Governance.

Gewissen oder Rendite?

Warum haben Grossinvestoren wie Pensionskassen oder Unternehmen plötzlich nachhaltige Anlagen entdeckt? Tun sie das, um das Gewissen zu beruhigen, oder tun sie es, weil sie sich mit nachhaltigen Anlagen eine höhere Rendite erhoffen? «Privatanleger tun es mehrheitlich wegen des Gewissens.

Institutionelle Anleger vor allem auch wegen der Rendite», sagt Sabine Döbeli, Geschäftsleiterin von Swiss Sustainable Finance. Denn mehr und mehr scheint sich die Einsicht durchzusetzen, dass Unternehmen, welche gegen ökologische, soziale und ethische Regeln verstossen, langfristig Probleme bekommen werden.

Kohle? Nein, danke

Beispiel Publica: Die Pensionskasse des Bundes hat vor zwei Jahren alle Aktien von Kohleproduzenten aus dem Portefeuille genommen. Nicht wegen des ­Gewissens, sondern «aufgrund der potenziellen wirtschaftlichen ­Risiken», erklärt Publica-Direktor Dieter Stohler.

Zu diesem Ausschluss sei man gekommen, nachdem man die Auswirkungen des Klimawandels auf die Vermögensanlagen vertieft untersucht gehabt habe. «Wir gehen nicht davon aus, dass der Ansatz von Publica automatisch zu einer besseren Performance führt.

Hingegen vermuten wir, dass umsichtig und gut geführte Unternehmen längerfristig weniger ­finanzielle Risiken haben als solche, die immer wieder im Konflikt mit Gesetz und internationalen Normen sind», so Stohler.

Und auf die Frage, weshalb sich die Pensionskasse der Post auf verschiedenen Ebenen für nachhaltige Anlagen starkmacht, erklärt Geschäftsführerin Françoise Bruderer: «Wegen der sozialen Verantwortung und der Überzeugung, dass nachhaltige Anlagen längerfristig mindestens so gut rentieren wie andere.»

Nachhaltige Anlagen in der Schweiz

Was heisst nachhaltig?

Doch was nachhaltig ist und was nicht, ist keine exakte Wissenschaft. So gibt es die unterschiedlichsten Anlagestrategien dazu, der Nachhaltigkeit gerecht zu werden. Man kann gewisse Branchen ausschliessen, die per Definition mit nachhaltigen Werten im Widerspruch stehen.

Rüstungs- und Tabakindustrie sind solche Industriezweige. Bekannt ist auch der Best-in-Class-Ansatz, wie er häufig bei grünen Fonds für Privatanleger zur Anwendung kommt.

Hier sucht man jene Aktiengesellschaften heraus, die innerhalb ihrer Branche am meisten für den Umweltschutz tun. Das führt dazu, dass auch klassische Umweltverschmutzer in ein Anlageportefeuille geraten. Für Sabine Döbeli ist das insofern gerechtfertigt, als sich umweltschonende Massnahmen in verschmutzenden Branchen besonders stark auswirken.

Lange Jahre galt BP innerhalb der Ölindustrie als Vorzeigeunternehmen, weshalb BP-Aktien in gewissen grünen Fonds zu finden waren. Bis dann im April 2010 die Bohrplattform Deep­water Horizon in Brand geriet und im Golf von Mexiko die grösste Ölpest der Geschichte verursachte.

Anlageberater sind nicht grün

Gemäss einer Umfrage von GFS im Jahr 2014 sprachen sich 72 Prozent der befragten Schweizer dafür aus, dass bei der Verwaltung ihrer Pensionskassengelder nachhaltige Kriterien berücksichtigt werden. Und gemäss einem «World Wealth Report» aus dem Jahr 2015 geht hervor, dass 92 Prozent von vermögenden Privatkunden mit ihrem Vermögen auch positive Wirkungen erzielen möchten.

Interessant ist jedoch der Befund von Schroders. Der international tätige Ver­mögensverwalter mit Hauptsitz London will herausgefunden haben, dass Anlageberater weniger Gewicht auf nachhaltige Aspekte legen als Anleger.

Womöglich zweifeln sie daran, dass nachhaltige Anlagen punkto Rendite mindestens so gut abschneiden wie konventionelle. Denn es gehört zu den unan­genehmeren Pflichten eines Anlageberaters, dem Kunden ge­genüber unterdurchschnittliche Renditen zu rechtfertigen. Womit sich die Frage aufdrängt: ­Rentieren nachhaltige Anlagen schlechter als herkömmliche?

Je nachdem, mit welchem Börsenindex der Vergleich herangezogen wird, rentierten Aktien mit einem ESG-Ansatz besser oder auch schlechter. Doch Sabine Döbeli ist überzeugt: «Mit nachhaltigen Anlagen erzielt man eine marktgerechte Performance.»

Tabak? Nein, danke

Die Deutsche Asset Management und die Universität Hamburg wollen mit einer Studie belegt ­haben, dass sich nachhaltiges ­Investieren finanziell lohnt. Andere Untersuchungen kommen zu einem anderen Schluss. Und dann gibt es das Beispiel von Calpers, der Pensionskasse für die Angestellten des US-Staats Kalifornien. Im Jahr 2000 hat sie sämtliche Tabakfirmen aus dem Portefeuille verbannt.

Gemäss einer Studie sollen dadurch Calpers zwischen 2001 und 2014 gut 3 Milliarden Dollar entgangen sein. Trotzdem hat Calpers gemäss Medienberichten diesen Entscheid sogar noch bestärkt und beschlossen, auch für extern verwaltete Vermögen Tabakfirmen auszuschliessen. Die Begründung: erwartete langfristige finanzielle Risiken wegen drohender Klagen.

Zum Schluss noch dies: Von wem stammt der folgende Satz? «Eine Erwärmung unseres Planeten durch Treibhausemissionen führt zu substanziellen Risiken für die globale Wirtschaft und wird umfangreiche Auswirkungen auf praktisch alle Sektoren haben.» Nun, es war nicht Marco Lambertini, der Generaldirektor vom WWF. Auch nicht Nicholas Stern, Autor des «Stern-Reports».

Es war der Multimilliardär Michael Bloomberg, Gründer der Finanzdatenagentur Bloomberg LG und ehemalige Bürgermeister von New York. Bloomberg war es auch, der Donald Trump wiederholt kritisierte – auch wegen dessen Äusserungen zur Klimaveränderung.

Quelle: Berner Zeitung
20.01.2017

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17.1.2017

Pensionskasse des Bundes: Publica erzielt 5 Prozent Rendite

Die Publica kommt besser als erwartet durch die Turbulenzen an den Märkten. Vor allem eine Anlageklasse rettet ihr das Ergebnis.

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Trotz Negativzins und tiefen Anlagerenditen hat die Pensionskasse des Bundes (Publica) 2016 eine Rendite von 5,06 Prozent erwirtschaftet. Gründe für das gute Ergebnis sind die Aufwertungen von Immobilien und taktische Anlageentscheide.

Unter anderem investiert die Pensionskasse 16 Prozent des Vermögens ihrer offenen Vorsorgewerke in Anleihen und Aktien aus Schwellenländern. Diese brachten im vergangenen Jahr einen Ertrag von rund 10 Prozent und trugen 1,6 Prozent zum gesamten Erfolg der Publica bei.

Insgesamt lieferten Aktien einen Beitrag von 2,4 Prozent an die Performance, obwohl Titel aus der Schweiz und aus Japan rund 3 Prozent verloren. Schweizer Immobilien hingegen brachten 10 Prozent Rendite. Ihr Beitrag an das Gesamtvermögen von Publica betrug knapp 0,7 Prozent.

Quelle: NZZ
17.01.2017

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8.11.2016

Tiefere Renten für Bundesangestellte

Bei der Altersvorsorge hinkt die Bundespolitik weit hinter den Realitäten des Lebens her. Dies zeigt nun ausgerechnet die Pensionskasse des Bundes.

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Nach uns die Sintflut. Auf diesem Grundsatz beruht die Schweizer Politik der Altersvorsorge. Die Kernidee: Ältere Generationen werden massiv subventioniert – zulasten der Jüngeren und Ungeborenen, die derzeit noch wenig bis nichts zu sagen haben. So läuft es nicht nur in der AHV, sondern (in geringerem Ausmass) auch bei den Pensionskassen. Die im Parlament steckende Reform «Altersvorsorge 2020» soll zwar das gesetzliche Minimum des Umwandlungssatzes für obligatorische Pensionskassengelder von 6,8% schrittweise auf 6,0% senken, doch auch 6% sind aus heutiger Sicht noch zu hoch.

Bei einem Umwandlungssatz von 6% fällt pro 100 000 Fr. Alterskapital eine Jahresrente von 6000 Fr. an. Die wichtigsten Grössen zur Berechnung eines «fairen» Umwandlungssatzes sind die Lebenserwartung und die Renditeerwartungen. Die Lebenserwartung für 65-Jährige ist in den letzten 30 Jahren von 17 auf 20,9 Jahre gestiegen (Durchschnitt von Frauen und Männern); bei gleichbleibender Jahresrente führte dies zu einer Erhöhung der gesamten Rentenleistung um etwa 23%. Die Renditeerwartungen sind derweil stark gesunken. Beide Entwicklungen rufen bei gegebenen Beiträgen nach einer deutlichen Reduktion der Jahresrenten.

Da der Mindestumwandlungssatz nur für die obligatorischen Vorsorgegelder gilt, haben die Pensionskassen mit einer starken Senkung der Renten auf den überobligatorischen Geldern reagiert. Das führte zu intransparenten Umverteilungen, aber in der Gesamtbetrachtung haben heute schon viele Kassen einen Umwandlungssatz unter 6%. Dies gilt auch für die Pensionskasse des Bundes (Publica). Die Kassenkommission der Publica (in der je acht Vertreter von Arbeitgeber und Arbeitnehmer sitzen) schlägt nun vor, den Umwandlungssatz per Mitte 2018 von bisher 5,65% auf 5,09% zu senken – was einer Reduktion der Jahresrenten um rund 10% entspräche. Für Arbeitnehmer über 58 ist eine Abfederung vorgesehen (reduzierte Senkung des Umwandlungssatzes).

Der Vorschlag geht nun in die Vernehmlassung bei den angeschlossenen Vorsorgewerken (für Bund, ETHs und kleinere Bundesinstitutionen). Diese Vorsorgewerke könnten zusätzliche Abfederungen für die Betroffenen beschliessen, wie Publica-Direktor Dieter Stohler sagt. Aber: «Der finanzielle Spielraum dazu ist eng begrenzt.»

Eine rechnerische Basis des Vorschlags ist die geplante Reduktion des technischen Zinssatzes von 2,75% auf 2%. Mit dem technischen Zinssatz werden künftige Verpflichtungen auf den heutigen Barwert zurückgerechnet; der Satz sollte etwa der langfristig erwarteten Anlagerendite minus einer Marge um 0,5% (unter anderem für Verwaltungskosten) entsprechen.

Der Publica-Vorschlag klingt realistisch. Laut einer vom Bund bestellten Analyse des Wirtschaftsinstituts BAK von 2014 sind für die nächsten zwei Jahrzehnte im Mittel Jahresrenditen von 2% bis 3% zu erwarten. Gemäss der Schweizerischen Kammer der Pensionskassenexperten liegt heuer die Referenzgrösse für den technischen Zinssatz bei 2,25%. Laut Simulationen der Beratungsfirma PPCmetrics dürfte der Referenzsatz in den nächsten Jahren unter 2% fallen.

Die Publica rechnet derweil gemäss Direktor Dieter Stohler für die nächsten Jahre mit einer Anlagerendite von 1,5% bis 2% pro Jahr. Bundesrat und Parlament können nicht per Dekret eine höhere Rendite und eine tiefere Lebenserwartung verordnen – obwohl sie ständig den Eindruck erwecken, genau dies tun zu wollen.

Quelle: NZZ
08.11.2016

8.2.2016

Beim Essen sind die Pensionskassen heikel

Eine Umfrage unter den grossen Pensionskassen zeigt, dass die meisten nicht auf Rohstoffe aus der Landwirtschaft setzen.

Banken sehen keinen Bedarf, die Kunden zum Ausstieg aus Agrarrohstoffen zu bewegen – immerhin ist das Geschäft mit Nahrungsmitteln ein Milliardenmarkt. Weit kritischer ist man bei den Schweizer Pensionskassen. Dies ist  aufschlussreich im Kontext der ­Ab­stimmung zur Juso-Initiative «Stopp der  Spekulation mit Nahrungsmitteln» vom 28. Februar. Die allermeisten an­­gefragten Zweite-Säule-Stiftungen investieren nicht in Agrarrohstoffe oder haben sind unlängst aus diesen Investments zurückgezogen. Dies zeigt eine Umfrage, die der TA unter neun grossen Pensionskassen und dem AHV-Ausgleichsfonds durchführte.

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Kontaktiert wurden die Publica ­(Eidgenossenschaft), die BVK (Kanton Zürich), die Bernische Pensionskasse (Kanton Bern), die Pensionskasse der Stadt Zürich, die Migros-Pensionskasse, die Pensionskassen von PWC (Wirtschaftsprüfer), die Sammelstiftungen Asga und Profond sowie die Pensionskasse von Novartis.

Die AHV und viele Pensionskassen investierten in den letzten zehn Jahren in gemischte Rohstofffonds, die typischerweise 80 bis 90 Prozent Energiewerte und Metalle enthielten und 10 bis 20 Prozent Agrarrohstoffe. Die Anlagenstile waren meist passiv und seltener aktiv. Passiv heisst, dass auf den Verlauf eines Börsenindizes spekuliert wird. Aktiv heisst, dass Pensionskassen an Hedgefonds beteiligt sind, die Rohstofftitel und -Derivate kaufen und verkaufen, um daraus eine höhere Rendite zu erzielen, als wenn sie passiv investieren würden.

Die wichtigen Argumente der Profianleger gegen Agrarrohstoffe sind ­folgende:

  • Keine verlässliche Rendite: Publica sagt, man sehe «keine systematische ­Risikoprämie einer solchen Anlage». Zur Begründung führt sie aus, die Marktlage wechsle stark. Mal seien die Produ­zenten zahlreicher am Markt, mal die ­Abnehmer. «Wir sehen nicht, wie wir daraus einen konstanten Ertrag erzielen könnten», sagt Anlagechef Stefan Beiner. Gleich argumentiert die Bernische Pensionskasse. Sie meide generell «Anlagen, die keinen regelmässigen Ertrag abwerfen». Ähnlich drückt es der AHV-Fonds aus: «Als Anlage haben land­wirtschaftliche Rohstoffe relativ wenig Vorteile, da ihre Preise stark von kurzfristigen Wetterbedingungen beeinflusst sind.» Noch einfacher sagt es die Pensionskasse der Stadt Zürich, die im April 2015 ausgestiegen ist: «Wir mussten ­feststellen, dass wir mit diesen Anlagen systematisch Geld verloren hatten».
  • Wenig relevant für Absicherung: Agrarrohstoffe nützen zur Absicherung gegen Inflations- und geopolitische Risiken. «Doch diesen Zweck erfüllen auch Edelmetall- und Energieanlagen», sagt ein Anlagechef, der nicht zitiert sein will. Dies bestätigt der grosse Anlagestrategieberater der Pensionskassen, PPCmetrics. «Ja, da dieser Effekt ist historisch über Edelmetall- und Energiekomponenten erzielt worden», sagt ­Dominique Ammann. Genau so sieht es der AHV-Fonds, der sich 2014 aus Agrarrohstoffen zurückgezogen hat. Der Fonds setzt jetzt nur noch auf Energie und Edelmetalle. «Dies vor allem, weil sich mit diesen zwei Sektoren, über eine ­längere Zeit gesehen, der höchste ­Mehrwert oder die grössten Diversifikationsvorteile erzielen lassen», sagt Eric Breval, Geschäftsleiter der Ausgleichsfonds AHV/IV/EO. Gleich beurteilen es die Publica und die BVK.
  • Ethische Bedenken: Die BVK schreibt: «Aus Gründen der Nachhaltigkeit verzichtet die BVK bewusst auf ­Anlagen in Agrarrohstoffe wie zum ­Beispiele in Mais- oder Weizentermin­kontrakte. Wegen der Abhängigkeit einzelner Entwicklungsländer von den globalen Lebensmittelpreisen sowie der Lebensmittelknappheit in zahlreichen Regionen der Welt wäre eine solche Anlage nicht mit den definierten Anlagegrundsätzen der BVK vereinbar.» Auch die Pensionskasse von PWC hat sich aus Nahrungsmittelinvestments verabschiedet. «Einerseits aus ethischen Gründen, anderseits weil wir nicht mehr überzeugt waren.»
  • Fehlende Expertise und Nutzen: «Rohstoffe sind für uns kein Thema, da wir weder spezielle Expertisen an Bord haben noch Opportunitäten sehen», sagt Profond-Präsident Olaf Meyer.

Keine Antwort geben wollte die ­Novartis-Pensionskasse. Man wolle ­sich «nicht zu aktuellen politischen Themen und Finanzfragen äussern». Laut Jahresbericht 2014 investiert die Pensionskasse 600 Millionen Franken in Rohstoffe. Sie will auch nicht offenlegen, welchen Anteil Agrarrohstoffe haben.

PPCmetrics schätzt das Engagement aller Pensionskassen in Rohstoffe auf rund 8 Milliarden Franken, knapp 1 Prozent des BVG-Gesamtvermögens – bei einzelnen Pensionskassen bis zu 5 Prozent des Kassenvermögens. «Davon ­machen die Agrarrohstoffe im Schnitt 20 bis 30 Prozent aus.» Dominique ­Ammann von PPCmetrics sagt, dass ­Pensionskassen bei Neuengagements ­zurückhaltend seien. «Einzelne Kassen haben ihre Rohstoffanlagen reduziert, andere halten an ihren Positionen fest.»

Die Asga will Profit machen

Eine solche Kasse ist die Gewerblerkasse Asga mit Sitz in St. Gallen (88 000 Ver­sicherte, 12 Milliarden Franken Ver­mögen). Sie hat seit Ende 2011 mit zwei Fonds in Rohstoffe investiert, wovon ein Viertel bis ein Drittel auf Nahrungsmittel entfallen, rund 200 Millionen Franken. Man habe damit Geld gewonnen. Der eine Fonds habe sei 2011 kumuliert rund 10 Prozent Erträge generiert, der andere 20 Prozent. Die Asga suche die «langfristige nachhaltige Wertvermehrung», den Inflationsschutz und eine «Ergänzung zum traditionellen Anlage­universum».

Was die Asga an der politischen Debatte stört, ist, dass der «positive Beitrag» der Finanzspekulation untergehe. «In einer perfekten Welt, wo Rohstoffproduzenten zu jeder Zeit und jedem Preis direkt an Konsumenten verkaufen können, wäre der Rohstoffinvestor nicht notwendig», sagt Asga-Anlagechef Jürg Althaus. Doch eine solche Welt gebe es nicht. Liquidität schmiere die ­Finanzmärkte, wozu auch der Rohstoffmarkt gehöre. Pensionskassen leisteten einen wichtigen Beitrag zur Handel­barkeit. Solange sich die Investoren innerhalb des gesetzlichen Rahmens be­wegten, würden sie «einen wichtigen Beitrag zu einem funktionierenden und effizienten Rohstoffmarkt» leisten. Davon profitierten «die Produzenten und die Konsumenten».

Günstiger dank Spekulation

Unredlich sei auch – so der Asga-Anlagechef –, dass während Zeiten steigender Rohstoffpreise (in den Jahren 2009 bis 2011) sich die Gegner von Rohstoff­spekulationen besonders vehement gegen solche äusserten. Was sie verschweigen würden, ist, dass in fallenden Märkten Spekulanten ebenfalls präsent sind. «Dieses spekulative Element kann Preise weiter nach unten drücken, was den Konsumenten zulasten des Produzenten begünstigt», sagt Althaus.

Ob dieser Einfluss nun nützlich oder schädlich ist, ist unter Wissenschaftlern sehr umstritten. Vor allem die An­fälligkeit auf Manipulationen wird hinterfragt: «Gewisse Studien zeigten, dass ­Finanzanleger im kurzfristigen Markt einen Einfluss auf den Preis ha-ben könnten», sagt Publica-Anlagechef ­Beiner. Mittel- bis langfristig sei dies ­allerdings nicht der Fall.

Argument der Preissicherheit

Trotz all dieser Vorbehalte plädiert der Präsident des Pensionskassenverbands Asip, Christoph Ryter, für «ein möglichst freies Anlageuniversum». Gerade bei Agrarrohstoffen würden Vorsorgeeinrichtungen «nicht als Spekulanten auftreten». Im Gegenteil, sie böten «den Produzenten eine Versicherung an, indem sie schon zu einem frühen Zeitpunkt für fixe Abnahmepreise und damit Preissicherheit sorgen», sagt der Asip-Präsident, der die Pensionskasse der Migros leitet. «Die Pensionskassen verantwortlich zu machen für Hungerkatastrophen ist unseriös», meint Chris­toph Ryter.

Quelle: Tages Anzeiger

20.1.2015

PUBLICA mit solider Performance von 5,87%

Die Pensionskasse des Bundes PUBLICA erzielte auf ihrem Anlagevermögen von rund 37 Milliarden Schweizer Franken im vergangenen Geschäftsjahr eine solide Gesamtrendite von 5,87%. Der durchschnittliche Deckungsgrad aller 21 Vorsorgewerke, die der Sammeleinrichtung angeschlossen sind, betrug Ende 2014 schätzungsweise 105%.

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Auf währungsgesicherter Basis und auf Stufe des konsolidierten Gesamtvermögens erzielte PUBLICA 2014 eine netto Gesamtrendite von 5,87%. Mit ihrem soliden Ergebnis blieb PUBLICA jedoch unter der Performance der Pictet BVG-Indizes. Der Hauptgrund hierfür liegt im strategischen Entscheid von PUBLICA, die Währungen der Industrieländer vollständig abzusichern; so sollen nicht systematische und damit nicht entschädigte Risiken aus dem Portfolio eliminiert werden. Weil die Pictet BVG-Indizes die Fremdwährungsrisiken nicht absichern, konnten sie 2014 von der Aufwertung (knapp 12%) des US-Dollars gegenüber dem Schweizer Franken profitieren. Ohne Währungsabsicherung hätte die Netto-Performance von PUBLICA im vergangenen Jahr 8,9% betragen.

Die erfreuliche Entwicklung am Aktienmarkt hat sich 2014 auch auf die Performance von PUBLICA positiv ausgewirkt. Obwohl zwischen den einzelnen Aktienregionen Unterschiede bestanden, war die Performance in allen wichtigen Regionen im vergangenen Jahr positiv. Den grössten Betrag (4,0%) an das Gesamtvermögen leistete indessen die Anlageklasse Obligationen mit einer Rendite von 6,8%. Treiber dieser hohen Performance waren Buchwertgewinne auf den Obligationen aufgrund der tieferen Zinsen.

Die beiden Anlageklassen Immobilien und Rohstoffe werden von den Pictet BVG-Indizes nicht abgedeckt. Mit einer Rendite von 3,75% steuerte die Anlageklasse Immobilien einen positiven Betrag von 0,25% an das Gesamtvermögen von PUBLICA. Als Folge der erstmaligen Bildung von latenten Steuern lag die Rendite in dieser Anlageklasse 2014 jedoch tiefer als die entsprechende Benchmark (KGAST) und tiefer als die Obligationenperformance der Pictet BVG-Indizes. Aus Diversifikationsgründen investiert PUBLICA knapp 2% des Gesamtvermögens in Energierohstoffe (bestehend aus Rohöl, Heizöl und Benzin). Die Rendite in der Anlageklasse Rohstoffe, namentlich auf dem Rohöl, hat im vergangenen Jahr mit -28,9% negativ zu Buche geschlagen; für PUBLICA bedeutet dies eine Veränderung auf dem Gesamtvermögen von -1,1%.

Die jährliche durchschnittliche Benchmarkrendite von 2000 bis 2014 beträgt 3,01%. PUBLICA übertraf diesen Wert in den vergangenen 15 Jahren mit 3,22% um 21 Basispunkte. Der durchschnittliche Deckungsgrad aller 21 Vorsorgewerke betrug Ende 2014 schätzungsweise 105%. Die genauen Zahlen werden mit dem Geschäftsbericht im Juni 2015 publiziert.

Die Pensionskasse des Bundes PUBLICA ist eine selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes. Sie ist als Sammeleinrichtung mit aktuell 21 Vorsorgewerken organisiert. PUBLICA berät rund 63’000 versicherte Personen und 45’000 Rentenbeziehende der Bundesverwaltung, des ETH-Bereichs, verschiedener dezentraler Bundesbetriebe und von rund 80 weiteren privatrechtlich oder öffentlich-rechtlich geführten Unternehmen. Mit einer Bilanzsumme von aktuell rund 37 Mia. Schweizer Franken gehört sie zu den grössten Pensionskassen der Schweiz. Oberstes Führungs- und Strategieorgan ist die Kassenkommission PUBLICA (Weitere Infos: www.publica.ch)

Adresse für Rückfragen:

Dieter Stohler, Direktor (Tel. 031 378 81 81 dieter.stohler@publica.ch)
Dr. Stefan Beiner, Stv. Direktor & Leiter Asset Management (Tel. 031 378 81 81 stefan.beiner@publica.ch)

Quelle: news.admin.ch

8.10.2014

PUBLICA senkt den technischen Zinssatz: Umsetzung in den Vorsorgewerken der dezentralen Bundesverwaltung

Aufgrund der anhaltend tiefen Renditeerwartungen hat die Kassenkommission PUBLICA am 18. Dezember 2012 beschlossen, den technischen Zinssatz auf den 1. Januar 2015 zu senken. Um zu verhindern, dass die zukünftigen Renten sinken, haben die meisten paritätischen Organe der Vorsorgewerke der dezentralen Bundesverwaltung beschlossen, ab 1. Januar 2015 die individuellen Sparbeiträge zu erhöhen. Der Bundesrat hat die entsprechenden Änderungen der Vorsorgepläne an seiner heutigen Sitzung genehmigt.

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PUBLICA bildet in ihren Berechnungen die zu erwartenden Erträge am Kapitalmarkt mit dem technischen Zinssatz ab. Es wird erwartet, dass die Erträge auch in Zukunft tief bleiben werden. Um das finanzielle Gleichgewicht von PUBLICA langfristig zu erhalten, muss der technische Zinssatz bei den offenen Vorsorgewerken von 3,5 auf 2,75 Prozent gesenkt werden.

Der technische Zinssatz bildet nebst der Lebenserwartung den Hauptbestandteil bei der Festlegung des Umwandlungssatzes. Dieser wiederum wird zur Berechnung der individuellen Rente benötigt. Sinkt der technische Zinssatz, sinkt auch der Umwandlungssatz und damit die zu erwartenden Renten der heute versicherten Personen.

Bisheriges Leistungsniveau erhalten

Kassenkommission und Bundesrat haben sich dafür ausgesprochen, das bisherige Leistungsniveau zu erhalten. Einerseits wurden dafür Rückstellungen gebildet, die per 1. Januar 2015 proportional auf die Altersguthaben der versicherten Personen verteilt werden, und andererseits werden die individuellen monatlichen Sparbeiträge erhöht. Die Arbeitgeber der dezentralen Verwaltungseinheiten übernehmen je nach ihren finanziellen Möglichkeiten einen mehr oder weniger grossen Anteil an der Sparbeitragserhöhung. Sie verwenden dafür grösstenteils Mittel, die bereits heute für die berufliche Vorsorge eingesetzt werden. Der übrigbleibende Teil der Erhöhung wird durch die versicherten Personen getragen.

Einen etwas anderen Weg geht das Vorsorgewerk Swissmedic, in dem es nicht in allen Alterskategorien den Erhalt der zukünftigen Leistungen anstrebt. Die Sparbeiträge von Versicherten ab dem 45. Altersjahr bleiben in der Summe gleich hoch, es verändert sich aber die Aufteilung zwischen den Beiträgen von Arbeitnehmenden und Arbeitgeber. Der Arbeitgeber übernimmt einen grösseren Anteil an den Sparbeiträgen, was dazu führt, dass die meisten beim Vorsorgewerk Swissmedic versicherten Personen ab 1. Juli 2015 weniger hohe Sparbeiträge bezahlen. Die Versicherten können jedoch je nach Präferenz die freien Mittel wieder im Vorsorgebereich einsetzen, sei es als freiwillige Sparbeiträge oder als Beiträge an die dritte Säule.

Quelle: PUBLICA

20.8.2014

Vorsorgerechtliche Umsetzung der Senkung des technischen Zinssatzes bei PUBLICA: Erhöhung der individuellen Sparbeiträge

Aufgrund der anhaltend tiefen Renditeerwartungen hat die Kassenkommission PUBLICA am 18. Dezember 2012 beschlossen, den technischen Zinssatz für die offenen Vorsorgewerke auf den 1. Januar 2015 zu senken. Um künftig tiefere Renten zu verhindern, hat das paritätische Organ des Vorsorgewerks Bund zeitgleich beschlossen, die Sparbeiträge zu erhöhen. Der Bundesrat hat an seiner heutigen Sitzung die neuen Sparbeiträge im Vorsorgewerk Bund genehmigt.

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Mit dem technischen Zinssatz werden die am Kapitalmarkt zu erwartenden Erträge in den Berechnungen von PUBLICA abgebildet. Es wird erwartet, dass die Erträge auch in Zukunft tief bleiben werden. Um das finanzielle Gleichgewicht von PUBLICA langfristig zu erhalten, muss der technische Zinssatz von 3,5 auf 2,75 Prozent gesenkt werden.

Der technische Zinssatz bildet nebst der Lebenserwartung den Hauptbestandteil bei der Festlegung des Umwandlungssatzes. Dieser wiederum wird zur Berechnung der individuellen Rente benötigt. Sinkt der technische Zinssatz, sinkt auch der Umwandlungssatz und dadurch – ohne Gegenmassnahmen – auch die zu erwartenden Renten der Mitarbeitenden der Bundesverwaltung.

Kassenkommission und Bundesrat haben sich dafür ausgesprochen, das bisherige Leistungsniveau trotz der Senkung des Umwandlungssatzes zu erhalten. Einerseits wurden dafür Rückstellungen gebildet, die per 1. Januar 2015 proportional auf die Altersguthaben der Mitarbeitenden verteilt werden, und andererseits werden die individuellen monatlichen Sparbeiträge erhöht. Der Bundesrat hat heute höhere Sparbeiträge genehmigt, die ab 1. Januar 2015 gelten werden.

Die Erhöhung der Sparbeiträge wird zu 80 Prozent durch den Arbeitgeber getragen. Sein Anteil wird durch die Senkung der Risikoprämie, den Wegfall der Beitragsentlastung sowie die Neugestaltung der Überbrückungsrente vollumfänglich kompensiert. Die verbleibenden 20 Prozent der Sparbeitragserhöhung übernehmen die Mitarbeitenden. Ihre individuellen monatlichen Sparbeiträge erhöhen sich, abhängig von Alter und Lohnklasse, um maximal 0,6 Prozentpunkte.

Adresse für Rückfragen:

Thomas Schmutz, Stellvertretender Direktor, Eidgenössisches Personalamt EPA
Tel. +41 58 464 95 42, thomas.schmutz@epa.admin.ch

Quelle: Bundesverwaltung

20.6.2014

Bundesverwaltung: Überbrückungsrente für eine vorzeitige Pensionierung gesenkt

Der Bundesrat hat im Hinblick auf die demographische Entwicklung und der höhere Lebenserwartung der Versicherten die Beiträge für eine frühere Pensionierung gekürzt. Mit dieser Kürzung der Arbeitgeberbeiträge wird der finanzielle Anreiz einer vorzeitiger Pensionierung verringert.

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Die Beiträge des Bundes überbrücken die AHV-Rente der Beamten bis zur ordentlichen Pensionierung. Die Anpassung tritt per 1. August 2014 in Kraft und entlastet die Bundesfinanzen nach der Übergangsfrist von drei Jahren um rund 20 Millionen Franken. Der Bundesrat hat die Beiträge im Hinblick auf die demographische Entwicklung und der höhere Lebenserwartung der Versicherten gekürzt. Mit dieser Kürzung der Arbeitgeberbeiträge wird der finanzielle Anreiz einer vorzeitiger Pensionierung verringert.

Mit einem Teil dieser Mittel wird beabsichtigt, Begleitmassnahmen zur Abfederung des technischen Zinssatzes zu finanzieren.

Die Arbeitgeberbeteiligung beträgt bei unter 62-Jährigen noch 5%. Ebenfalls reduziert wird die Beteiligung in der Altersgruppe der 62 bis 64-Jährigen und hängt zudem von der Lohnklasse ab.

Prozentuale Beteiligung des Arbeitgebers an die Finanzierung der Überbrückungsrente

Die neue Regelung wird in die Bundespersonalverordnung integriert und angepasst. Neu sind im Rahmen von Umstrukturierungen und Reorganisationen Frühpensionierungen erst ab dem alter von 60 Jahren möglich. Bislang waren es 55 Jahre. Zudem müssen die Mitarbeitenden zehn Jahre in der Bundesverwaltung angestellt gewesen sein. Anpassungen sind auch in den ausführenden Bestimmungen für die Fälle vorgenommen worden, bei welchen die Kriterien zur vorzeitigen Pensionierung nicht erfüllt werden. Diese wurden nun klarer ausgeführt und helfen, schwierige Situationen in personalrechtlicher Hinsicht einfacher zu handhaben.

Der Entscheid des Bundesrates ist nachvollziehbar. Unklar bleibt, wie hoch die Kostenreduktionen tatsächlich ausfallen. Bei einer Pensionierung der älteren Mitarbeiter mit höherer Vergütung und hoher Sozialleistungen müssten die Kostenreduktion durch den Ersatz durch jüngere Mitarbeiter in die Überlegungen mit einbezogen werden. Unklar bleibt zudem, wie die Mittel von 20 Millionen jährlich für die Begleitmassnahmen zur Abfederung des tieferen technischen Zinssatzes aussehen sollen.

Autor: Nicola Meier Quelle: Bundesverwaltung