Wirtschaft & Vorsorgeeinrichtungen nach BVG

12.4.2018

Wie Axa-Versicherte bessere Pensionskassen finden

Gestern dominierten die Negativschlagzeilen. Der Versicherer Axa lasse mit seinem Ausstieg aus der Vollversicherung der zweiten Säule 400’000 Versicherten im Regen stehen. Auf die Patrons von 40’000 kleinen und mittelgrossen Betrieben (KMU) würden er­hebliche Risiken überwälzt. Ein Experte vom «Blick» war gar der Ansicht, dass «nun Ende Jahr böse Überraschungen auf die Firmen zukommen» könnten, weil sie allenfalls für Unterdeckungen aufkommen müssen.
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Diesem Pessimismus tritt Sergio Bortolin, Präsident des Verbandes Inter-Pension der unabhängigen Pensionskassen, entgegen. «Das Gegenteil ist der Fall», sagt er. Die weit bessere Alternative für KMU in der zweiten Säule sei der Anschluss bei einer unabhängigen Pensionskasse. Höhere Erträge, tiefere Prämien, tiefere Kosten und komfortable Risikopolster seien ihre Vorteile. Autonome Pensionskassen sind weit verbreitet. Bortolin vertritt vierzig Kassen, die 1,15 Millionen Angestellte versichern und 142 Milliarden Pensionskapital verwalten – ein Siebtel der zweiten Säule.

Bekannte solche Kassen sind Asga, Vita, Nest, Abendrot, Profond, Swisscanto, PKG, Noventus und Gastrosocial. Die Asga gibt es seit über fünfzig Jahren und versichert ähnlich wie die Axa KMU, 12’000 an der Zahl mit rund 120’000 Versicherten. Ähnlich gross ist die Vita-Sammelstiftung. Sie wurde vor fünfzehn ­Jahren vom Versicherer Zurich ab­gespalten. Gastrosocial ist ein prominentes Beispiel einer Branchenpensionskasse von 20’000 Wirten und Hoteliers mit 174’000 Versicherten. Die meisten dieser Pensionskassen sind erfolgreich unterwegs.

Tiefere Kosten, höhere Renten

Wenn die Axa ihren Kunden also vorschlägt, ab 2019 der neuen, unabhängigen Axa-Sammelstiftung beizutreten, können sie den Wettbewerb spielen lassen. Versicherungsbroker reissen sich um solche Firmen. Das jährliche im Juni erscheinende Pensionskassenrating der «SonntagsZeitung» zeigt die attraktivsten Kassen. Welche Vorteile erwarten Versicherte im Vergleich zu den Vollversicherungspolicen von Swisslife, Basler, Helvetia, Al­lianz oder Pax? Bortolin hebt drei Punkte hervor:

  • Höhere Verzinsung: Vollversicherungen sind wegen anhaltend tiefer Zinsen unter Druck, weil sie zwei Drittel ihres Kapitals auf meist schwach rentierende Ob­ligationen setzen. Unabhängige Pensionskassen legen viel mehr in Aktien und weniger in Obligationen an. Ihre Versicherten können erwarten, dass die Erträge in guten Börsenjahren viel stärker steigen und dem Alterskapital regelmässig höhere Zinsen gutgeschrieben werden. Die durchschnittliche Verzinsung unabhängiger Pensionskassen ist derzeit doppelt so hoch oder höher im Vergleich zu vollversicherten Sammelstiftungen (2 Prozent und mehr statt 1 Prozent). Wer 50’000 Franken angespart hat, erhält jährlich mehr als 1000 statt 500 Franken Zins gutgeschrieben.
  • Tiefere Risikoprämien: Versicherte von unabhängigen Sammelstiftungen können um mindestens ein Drittel tiefere Risikoprämien erwarten.
  • Tiefere Verwaltungskosten: Versicherte von unabhängigen Sammelstiftungen können mit viel tieferen Verwaltungskosten rechnen als bei Vollversicherungen. Ein Beispiel ist Gastrosocial. Dort betragen die Kosten 66 Franken, während die durchschnittlichen Verwaltungskosten von Vollversicherern im Schnitt 247 Franken betragen (Basis 2016). Die Differenz kommt Gastrosocial-Versicherten zugute.

«All diese Unterschiede können kumuliert nach vierzig Jahren Alterspaaren gut und gern ein Drittel der Rente ausmachen, je nach Lohnhöhe», sagt Bortolin. Versicherte von unabhängigen Kassen dürfen mit deutlich höheren Renten rechnen als solche von Versicherern.

Kurze Unterdeckung

Lebensversicherer kontern, ihre Vollversicherungen böten die absolute Garantie für Renten, auch in Krisenjahren. Arbeitgeber und Versicherte riskierten nichts. Bortolin entgegnet: «Die Wahrscheinlichkeit, dass Firmen von unabhängigen Pensionskassen Sanierungsbeiträge leisten müssen, ist sehr klein, denn die Risikopolster sind oft hoch.» Sie heissen Schwankungsreserven. Jede unabhängige Kasse hat solche. Bei Gastrosocial beträgt sie momentan ein Fünftel des ver­sprochenen Alterskapitals, bei der Asga 12 Prozent.

Ein Indiz, wie gut unabhängige Pensionskassen eine tiefe Börsenkrise durchstehen, zeigte das Jahr 2008. Damals rutschten die allermeisten Kassen in Unter­deckung. Das heisst, sie hatten weniger Geld in ihren Büchern, als den Versicherten versprochen worden war. Doch bei vielen Kassen dauerte diese Unterdeckung nur einige Monate. Dann stiegen die Börsenkurse wieder an, die Kapitalien erholten sich.

Das Risiko in der Finanzkrise

Die Asga, als Beispiel, war nur vier Monate in Unterdeckung, Gastrosocial kürzer als ein Jahr. ­Einzig die stark in Aktien in­vestierte Profond erwischte es jahrelang, doch ohne Folgen. ­Profond hat heute Reserven von 12 Prozent. «Unter unseren Mitgliedern sind mir keine Fälle bekannt, wo Versicherte einer autonomen Sammelstiftung Sanierungsbeiträge wegen Börsenverlusten der Finanzkrise leisteten», sagt Bortolin.

Hingegen sprach man damals in Bundesbern darüber, dass einzelne, systemrelevante Lebensversicherer in Probleme geraten waren. Auch sie retteten sich vor allem, weil sich die Börsen er­holten.

Quelle: Tages Anzeiger
12.04.2018

11.4.2018

BVG-Vollversicherung nicht passé

Nach dem Rückzug von Axa Schweiz aus dem Geschäft mit der BVG-Vollversicherung verbleiben nur noch fünf Anbieter, nämlich Swiss Life, Allianz Suisse, Helvetia, Bâloise und Pax. Einhellig haben diese als Reaktion auf den Axa-Wechsel zu teilautonomen Sammelstiftungen bekanntgegeben, das ganze Sortiment weiterhin anzubieten. Allianz Suisse teilt mit, die Vollversicherung sei ein wichtiger Pfeiler ihres Kollektiv-Leben-Geschäfts. Derzeit sei kein Rückzug geplant. Allianz Suisse betreut 13 600 KMU mit 147 000 Versicherten. Da der Konzern in München ähnlich wie Axa in Paris eine Konzernstrategie verfolgt, war eine solche Zusicherung nicht zum Vorneherein gegeben. Die Eigenkapitalrenditen bewegen sich für alle Schweizer Lebensversicherer im BVG-Geschäft seit einigen Jahren im einstelligen Prozentbereich, wobei der Trend wegen der schwierigen Zinslage nach unten weist.

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Allianz Suisse fordert die Politik auf, raschestmöglich neue Lösungsvorschläge zu erarbeiten, welche die Senkung des zu hohen obligatorischen Umwandlungssatzes und des Garantiezinses im Obligatorium zum Ziel haben. Axa hat am Dienstag klar aufgezeigt, dass ein steigender Anteil des Anlageerfolgs zum Stopfen von Löchern wegen der übersetzten gesetzlichen Leistungsvorgaben eingesetzt werden muss. Laufend müssen Renten nachfinanziert und Gelder für übersetzte Leistungen für Neurentner abgezweigt werden. Diese Problematik wird sich wegen des Eintritts der Babyboomer ins Rentenalter verschärfen.

Fehlt nur noch, dass wegen turbulenter Finanzmärkte die Anlagerendite im Laufe des Jahres ins Minus dreht. Es sei, so schreibt Allianz Suisse weiter, im Interesse vor allem der Versicherten, dass die verbleibenden Anbieter von BVG-Vollversicherungen ihr Geschäft in der Zukunft nachhaltig betreiben könnten.

Swiss Life, Helvetia und Bâloise gaben schon am Dienstag bekannt, zur BVG-Vollversicherung zu stehen. Allerdings wurde auf eine zurückhaltende Zeichnungspolitik bei der Aufnahme neuer Kunden hingewiesen. Alle müssen zurzeit auf die Pflege der Altbestände achten, weil laufend Substanz aufgezehrt wird. Mit Blick auf die Einschränkungen in der Anlagestrategie wegen harter Kapitalvorschriften ist es zurzeit bereits schwierig bis fast unmöglich, den Werterhalt von Prämiengeldern zu garantieren. Auf jeden Fall ist eine Garantie auf Kapitalerhalt zurzeit wertvoll für Kunden. Die Lebensversicherer sind längst dazu übergegangen, ihren Kunden in einem wachsenden Ausmass teilautonome Lösungen zu offerieren, weil ebendiese Garantie so teuer geworden ist.

Quelle: NZZ

10.4.2018

Axa streicht in der beruflichen Vorsorge Vollversicherungen

Axa Schweiz zieht sich aus dem Geschäft mit Vollversicherungen bei der beruflichen Vorsorge zurück. Der Versicherer setzt künftig auf teilautonome Vorsorgeangebote, bei denen die Unternehmen das Anlagerisiko selber tragen.

Axa begründet den Schritt in einer Mitteilung vom Dienstag mit den anhaltend tiefen Zinsen, einer zunehmenden Umverteilung zulasten der Berufstätigen und einem engen Anlagekorsett. Das habe in den letzten Jahren zu einem immer unvorteilhafteren Preis-Leistungs-Verhältnis für die Firmen und ihre Angestellten geführt.

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Bereits in den letzten Jahren hätten deshalb immer mehr Unternehmen ein teilautonomes Vorsorgeangebot gewählt, heisst es in der Mitteilung. Lebensversicherer weltweit hielten sich in den letzten Jahren mit dem Abschluss neuer Vollversicherungsverträge zurück.

Bei der Axa werden nun die bestehenden Vollversicherungsstiftungen per Anfang 2019 in teilautonome Stiftungen umgewandelt. Betroffen sind mehr als 260’000 Versicherte.

Zum Start überträgt Axa aus dem gebundenen Kapital der Vollversicherung 3,5 Milliarden Franken an Bewertungsreserven an die Sammelstiftungen. Insgesamt gehen Anlagen im Wert von rund 31 Milliarden an die Stiftungen über. Bei einem technischen Zins von 2 Prozent belaufe sich der Deckungsgrad Stand heute auf etwa 111 Prozent. Dies biete den Stiftungen eine sehr solide und sichere Ausgangslage, so die Axa.

Die Kunden zahlten ab 2019 im Vergleich zur heutigen Vollversicherung durchschnittlich rund 30 Prozent tiefere Risikoprämien, schreibt die Tochter des französischen Axa-Konzerns.

Der Wechsel bedeutet für die Kunden aber auch, dass sie in Sachen Anlagerisiken keinen Rundumschutz mehr geniessen, sondern diese mittragen müssen. Dieser Schutz habe aber seinen Preis und sei zunehmend teurer geworden, sagte Axa-Chef Fabrizio Petrillo gegenüber der Finanznachrichtenagentur AWP. Für bestehende Altersrentner ändere sich indessen nichts, sie würden zu unveränderten Konditionen bei der Axa verbleiben.

Durch die Neuausrichtung verkleinert sich das Prämienvolumen der Axa um rund 5,5 Milliarden Franken, weil die Sparbeiträge der Versicherten künftig in der jeweiligen teilautonomen Stiftung verbucht werden.

Der Jahresgewinn wird um rund 30 Millionen Franken tiefer ausfallen. Die Umstellen hat zudem eine einmalige Abschreibung von rund 400 Millionen Franken zur Folge. Gleichzeitig würden 2,5 Milliarden Franken an Risikokapital frei, schreibt Axa weiter.

Offen bleibt, welche Auswirkungen der Schritt der Axa in der Beruflichen Vorsorge auf den Gesamtmarkt haben wird und für welchen Weg sich Anbieter wie Swiss Life, Allianz Suisse oder Helvetia entscheiden werden. Sie hatten vor allem im vergangenen Jahr weniger Geschäfte mit Vollversicherungen gezeichnet, sich aber für den Erhalt des Angebots stark gemacht.

Das Prämienvolumen der privaten Schweizer Lebensversicherer in der beruflichen Vorsorge ist ist laut Zahlen der Finanzmarktaufsicht Finma 2016 um 6 Prozent auf 23 Milliarden Franken gesunken. Das zeige, dass die Lebensversicherer das Neugeschäft in der Vollversicherung immer stärker beschränkten, schrieb die Finma bei der Präsentation dieser Zahlen im letzten September.

Kein Lebensversicherer bot zusätzliche Kapazität an und neue Anbieter habe es seit über zehn Jahren keine mehr gegeben. Die Hauptursache ortete die Finma in der ungenügenden Entschädigung für das notwendige Kapital zur Absicherung der Leistungsversprechen.

Laut Zahlen des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV war Axa mit einem Marktanteil von 29 Prozent 2016 in der Schweiz die zweitgrösste Anbieterin von Kollektivlebensversicherungen nach Swiss Life.

(SDA)

4.4.2018

Grosse Vermögen der Schweizer Pensionskassen

Die Vermögen von Schweizer Vorsorgeeinrichtungen haben 2017 bei 133% des Bruttoinlandprodukts (BIP) gelegen. Dieser im internationalen Vergleich sehr hohe Anteil zeigt die Bedeutung der beruflichen Vorsorge in der Schweiz. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Willis Towers Watson liegt die Schweiz beim Verhältnis der Pensionsvermögen zum BIP international gesehen hinter den Niederlanden (194%) und Australien (138%) auf dem dritten Platz. Die Relation ist in den vergangenen Jahren gestiegen, 2007 lag er noch bei 112%.

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Die Studie vergleicht die Vermögen in den 22 grössten Pensionsmärkten weltweit. Neben Australien, Grossbritannien, Japan, Kanada, den Niederlanden und den USA gehört die vergleichsweise kleine Schweiz sogar zu den «P7», den weltweit sieben grössten Pensionsmärkten. Auf diese entfallen knapp 92% der Vermögen der 22 grössten Pensionsmärkte. Laut der Studie hat die Schweiz an den weltweiten Pensionsvermögen einen Anteil von 2,2%. Den grössten haben die USA mit 61,4%, gefolgt von Grossbritannien (7,5%) und Japan (7,4%).

Die Vermögen in den 22 grössten Pensionsmärkten sind laut der Studie im vergangenen Jahr vor allem aufgrund der starken Entwicklung der Aktienmärkte um hohe 13% auf 41,3 Bio. $ gewachsen. Damit haben sie den höchsten Stand seit dem Start der Untersuchung im Jahr 1997 erreicht. Die Vermögen der Schweizer Pensionskassen sind im vergangenen Jahrzehnt, gemessen in Franken, um 3,8% pro Jahr gewachsen.

Die kurzfristigen Wachstumsdaten bei den Pensionsvermögen seien auf ungewöhnlich hohe Marktrenditen zurückzuführen, hiess es bei der Beratungsgesellschaft. Blicke man aber auf die vergangenen 20 Jahre zurück, seien die Entwicklungen ermutigend. Das Vermögen in den 22 grössten Pensionsmärkten sei in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 6,2% pro Jahr gewachsen, allerdings in Dollar gerechnet.

Quelle: NZZ
04.04.2018

4.4.2018

Millionengewinn für Novartis wegen Pensionskassen-Revision

Eine Gesetzesänderung im BVG hat der Novartis einen Millionengewinn beschert. Das bestätigt der Basler Pharmakonzern gegenüber der Handelszeitung. Demnach konnte das Unternehmen Ende 2017 Vorsorgeverpflichtungen im Umfang von 216 Millionen Franken auflösen, weil es für Gelder in seinen Kader-Pensionskassen nicht mehr haften muss. Dabei handelt es sich um sogenannte 1e- Plan-Kaderkassen, bei denen die Versicherten selber bestimmen können, wie das Kapital angelegt wird.
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Die im November 2017 in Kraft getretene Gesetzesänderung sorgt für Goldgräberstimmung im Vorsorgegeschäft. Nicht nur Pensionskassen, Sammelstiftungen und Versicherungskonzerne bringen sich in Stellung für das Geschäft mit 1e-Geldern. Auch Banken wie UBS und Credit Suisse drängen mit eigenen Vorsorgestiftungen neu ins Pensionskassengeschäft.

100 bis 200 Milliarden Franken schwerer Markt für Kaderkassen

Das Marktpotenzial ist gross. Von den 1000 Milliarden Franken, die in der beruflichen Vorsorge verwaltet werden, qualifizierten wohl 100 bis 200 Milliarden für 1e-Pläne, schätzt Hans-Jakob Stahel, Leiter Unternehmenskunden beim Lebensversicherer Swiss Life.

Über 1e-Pläne können sie lukrative Kundschaft akquirieren, da diese Kaderkassen lediglich Personen offenstehen, die mehr als 126’900 Franken pro Jahr verdienen. Weil sie als überobligatorisch gelten, sind 1e-Kassen weniger streng reglementiert als normale Pensionskassen.

Flucht aus der Umverteilung

Das neue Geschäft hat auch volkswirtschaftliche Auswirkungen. Es entzieht Pensionskassen und BVG-Vollversicherungen überobligatorisches Kapital. Über das Umlagern von Vorsorgegeldern von normalen Pensionskassen in 1e-Kaderkassen könnten sich Gutverdienende der Umverteilung im BVG entziehen, sagt Stahel. «Das ist eines der Verkaufsargumente für 1e.»

Wegen der Auftrennung können Beiträge in die Kaderkassen nicht für die Quersubventionierung von Pensionskassen-Renten verwendet werden. Je länger ein zu hoher Mindestumwandlungssatz gelte, desto mehr werde Wachstum ausserhalb des BVG-Obligatoriums gefördert, konstatiert Stahel. Es bringe nichts, das zu kritisieren, solange man die Gesetze nicht ändere.

Quelle: Handelszeitung
04.04.2018

22.12.2017

Was bedeutet der Rentenreformplan des Bundesrates für die Pensionskassen?

Der Bundesrat will die Reformen der AHV und der zweiten Säule trennen. Die zweite Säule hat nur noch zweite Priorität. Doch die Pensionskassen können sich selber helfen.

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Nun ist es amtlich. Der Bundesrat will die Rentenreform aufspalten. Wie Sozialminister Alain Berset am Mittwoch verkündete, soll die AHV gegenüber der Reform der zweiten Säule Priorität haben (NZZ 21. 12. 17). Die Reform der ersten Säule ist dringlicher, weil sich die AHV ohne Gesetzesänderung im Unterschied zu den Pensionskassen nicht selber helfen kann und bald mit jährlichen Milliardenverlusten rechnen müsste.

Doch ganz ohne Verbindung der beiden Säulen dürfte es nicht gehen, wie befragte Fachleute betonen. Die vom Bundesrat vorgesehene Flexibilisierung des Rentenalters in der AHV zwischen 62 und 70 Jahren bedinge eine Koordination mit der beruflichen Vorsorge. Auch die geplante Erhöhung des AHV-Referenzrentenalters für Frauen von 64 auf 65 Jahre sollte sinnvollerweise ebenfalls für die zweite Säule gelten.

Verzögerung «nicht tragisch»

Der Kern der separaten Vorlage zur beruflichen Vorsorge betrifft den Umwandlungssatz. Über dieses Dossier sollen sich nun zunächst die Sozialpartner beugen, um die Grundlagen für eine mehrheitsfähige Lösung zu schaffen. Für das obligatorische Alterskapital gilt immer noch ein Mindestumwandlungssatz von 6,8%. Pro 100 000 Fr. Alterskapital fliesst damit eine Jahresrente von 6800 Fr. In der vom Volk abgelehnten Vorlage war eine Senkung auf 6,0% vorgesehen.

Hinter dem Umwandlungssatz stecken Annahmen über die Lebenserwartung und die nominalen Anlagerenditen. Die Lebenserwartung ist in der Schweiz laufend am Steigen, die Renditeerwartungen aber sind deutlich gesunken. Viele Pensionskassenexperten betrachten heute einen Umwandlungssatz um 5% als rechnerisch einigermassen korrekt. Ist dieser Satz zu hoch angesetzt, werden Rentner faktisch durch Jüngere subventioniert.

Was wären die Folgen für die Pensionskassen, wenn es noch jahrelang beim Minimum von 6,8% bliebe? «Das wäre nicht tragisch», sagt Peter Zanella von der Beratungsfirma Willis Towers Watson: «Die meisten Pensionskassen können dies durch die Senkung des Umwandlungssatzes auf dem überobligatorischen Kapital kompensieren.» Beim überobligatorischen Kapital gibt es kein gesetzliches Minimum für den Umwandlungssatz.

Gemäss Daten der Oberaufsichtsbehörde sind rund 85% der Versicherten in Pensionskassen versichert, die genügend überobligatorisches Kapital hätten, um den Umwandlungssatz für den Durchschnitt des Gesamtkapitals auf etwa 5% zu senken. Laut einer Branchenumfrage von Swisscanto lag heuer der Durchschnitt des Umwandlungssatzes für Neurentner noch bei etwa 6%. Viele Senkungen sind aber schon aufgegleist, so dass das Mittel in fünf Jahren nahe bei 5,5% liegen könnte. Vorsorgeeinrichtungen ohne überobligatorisches Kapital müssten früher oder später die Lohnbeiträge erhöhen. Laut Zanella würde dies für die Betroffenen «Transparenz schaffen über die Kosten des hohen Mindestumwandlungssatzes». Vielleicht führe dies «in einigen Jahren zu einem Umdenken».

Ausbau statt Abbau

Gemessen an der Rhetorik auf der Politbühne, heisst Senkung des Umwandlungssatzes automatisch «Leistungsabbau». Bei der Einführung des Gesetzes für die berufliche Vorsorge (BVG) 1985 lag der gesetzliche Mindestumwandlungssatz bei 7,2%. Eine Senkung von 7,2 auf 5% reduziert bei unverändertem Kapital die nominale Jahresrente um rund 30%. Doch von einem Leistungsabbau in diesem Ausmass kann keine Rede sein. Beim Start des BVG 1985 steckte hinter dem damaligen Umwandlungssatz faktisch eine Renditegarantie (im Jargon: technischer Zinssatz) für die Neurentner von nominal 4%. Und hinter einem Umwandlungssatz um 5% steht heute faktisch eine Renditegarantie von nominal gut 2%. Rund drei Viertel der Differenz zwischen den erwarteten Nominalrenditen von 1985 und jenen von heute werden aber durch die Reduktion der Teuerung kompensiert, und somit wird die Kaufkraft der Jahresrenten kaum geschmälert. Die durchschnittliche Inflation von 1985 bis 2005 (als die erste BVG-Revision in Kraft trat) betrug 1,8% pro Jahr, seither belief sich die Inflationsrate im Mittel nur auf 0,2%. Politiker und Lobbyisten räumen dies in Gesprächen zwar ein, entgegnen aber, dass man dies dem Publikum nicht erklären könne.

Hinzu kommt, dass die Lebenserwartung für 65-Jährige seit 1985 um einen Viertel gestiegen ist – von 17 auf über 21 Jahre (Durchschnitt von Frauen und Männern). Entsprechend fallen mehr Jahresrenten an, was einen Ausbau der gesamten Rentenleistung bedeutet.

Trotzdem herrscht in der Politik in einem Punkt fast Einigkeit: Die nominalen Jahresrenten sollen insgesamt nicht sinken. Das ist auch die Prämisse vor dem Start der Verhandlungen der Sozialpartner. Auch der Arbeitgeberverband teilt diese Ansicht, wie dessen Direktor Roland Müller bestätigt.

Die nun vom Bundesrat gewünschten Verhandlungen der Sozialpartner waren ein Anliegen der Arbeitgeber. Die ersten Gespräche sollen Anfang des nächsten Jahres starten. «Unser Ziel wäre, dass sich die Sozialpartner bis Ende des nächsten Jahres auf eine Grobvorlage einigen», sagt Arbeitgeberverbands-Direktor Müller. Er hofft, dass die Reform der zweiten Säule am Ende «mit nicht mehr als einjähriger Verspätung auf die Vorlage zur ersten Säule in Kraft treten kann».

Ob es zu einer Einigung kommt, ist völlig offen. Die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern waren jüngst nicht die besten, und die Differenzen in der Rentenfrage sind erheblich. Sollte es per saldo wie bei der abgelehnten Vorlage eine weitgehende oder gar volle «Kompensation» der Senkung des Mindestumwandlungssatzes geben, könnte man auf die Senkung wohl auch gleich verzichten. Die Umverteilung von Jung zu Alt könnten die Pensionskassen weitgehend selber eliminieren, es bliebe die Umverteilung von den Gross- zu den Kleinverdienern.

Verteuerung der Arbeit

Will man die besagten Kompensationen, heisst dies wohl höhere Lohnbeiträge und für eine Übergangsgeneration auch eine Zusatzfinanzierung; die abgelehnte Vorlage hatte dafür eine Subventionierung über den Sicherheitsfonds vorgesehen, der von allen Pensionskassen gefüttert wird. Dies würde eine Umverteilung zwischen den Pensionskassen in Gang setzen. Eine Erhöhung der Lohnbeiträge brächte derweil eine Verteuerung der Arbeit. Die Arbeitgeber würden jedoch sicherlich versuchen, mindestens einen Teil der Zusatzkosten zu überwälzen – auf die Angestellten (tieferer Lohnanstieg), die Konsumenten (Preiserhöhungen) und die Arbeitslosen (Stellenabbau).

Das heuer im Parlament diskutierte Kompensationsmodell des Nationalrats könnte mit der Verteuerung der Arbeitskosten einige tausend Stellen kosten. Der Arbeitgeberverband bezeichnet dieses Modell heute als «zu teuer», doch Varianten davon könnten nun wieder aufs Tapet kommen.

Quelle: NZZ
22.12.2017

9.5.2017

Pensionskassen erwirtschaften 2016 bessere Rendite

Die Schweizer Pensionskassen haben 2016 besser gewirtschaftet als im Jahr zuvor. Die durchschnittliche Anlagerendite stieg trotz Negativzinsen von 0,8 auf 3,7 Prozent. Eine Finanzierungslücke aber bleibt.

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Das teilte die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) am Dienstag mit. Der Deckungsgrad blieb im Durchschnitt stabil bei 103,0 Prozent. Dabei gibt es jedoch grosse Unterschiede: 88 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie haben einen Deckungsgrad von mindestens 100 Prozent. Bei jenen mit Staatsgarantie sind es nur 4 Prozent.

Strukturelle Probleme bleiben

Trotz den höheren Renditen bleiben die strukturellen Probleme der beruflichen Vorsorge ungelöst. Obwohl viele Pensionskassen den Umwandlungssatz letztes Jahr gesenkt haben, liegen die künftigen Zinsversprechen noch immer höher als die Renditeerwartungen. Das führt zu einer Finanzierungslücke, die von der aktiven Generation gestopft werden muss.

Nach Ansicht der OAK BV werden daher weitere Anpassungen nötig sein, sofern das Zinsniveau weiterhin so tief bleibt wie heute. Im obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge ist die Kürzung bereits aufgegleist: Im Zuge der Altersvorsorge 2020 soll der Umwandlungssatz von 6,8 Prozent auf 6 Prozent gekürzt werden. Über die Vorlage wird am 24. September 2017 abgestimmt.

Tieferer Umwandlungssatz erst der Anfang

Pierre Triponez, Präsident der OAK BV, sprach gemäss Redetext von einer dringend notwendigen Weichenstellung. Seiner Meinung nach ist das aber nicht das Ende der Reise, sondern erst der «Anfang eines grösseren Wandels».

Quelle: NZZ
09.05.2017

9.5.2017

Sammelstiftungen im Fokus der Aufsicht

Die Oberaufsichtskommission nimmt Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen stärker unter die Lupe. Die Einrichtungen sollten risikoorientiert geführt werden, sie haben allerdings auch ihre Stärken.

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In der beruflichen Vorsorge ist in der Schweiz seit Jahren ein Konzentrationsprozess zu beobachten. Die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) hat mitgeteilt, dass die Zahl der Vorsorgeeinrichtungen im vergangenen Jahr um 71 auf 1865 gesunken ist. Darin spiegelt sich unter anderem die Entwicklung, dass Unternehmen firmeneigene Pensionskassen schliessen und die berufliche Vorsorge Sammeleinrichtungen übergeben. Die Kassen sind möglicherweise zu klein, oder das Unternehmen möchte die Risiken der beruflichen Vorsorge in einem Umfeld mit negativen Zinsen lieber nicht tragen. Ende 2016 waren mit 2,4 Mio. rund 60% der aktiven Versicherten in der zweiten Säule in Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtungen versichert.

Die grosse Bedeutung der Einrichtungen hat dazu geführt, dass die OAK BV sie stärker unter die Lupe nimmt. In der Tat dürften manche der Einrichtungen die nötigen Senkungen ihrer Umwandlungssätze hinauszögern, um im Wettbewerb um neue Anschlüsse möglichst attraktiv auszusehen. Mit der Konzentration in der beruflichen Vorsorge habe sich die Tendenz zum Eingehen höherer Risiken bei den Einrichtungen verstärkt, teilt die Oberaufsicht mit. Sollte sich die Lage an den Kapitalmärkten verschlechtern, könnten Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen mit kritischer Situation ein Risiko für den Sicherheitsfonds und damit alle Versicherten werden. Die OAK BV gibt dies als einen der Gründe dafür an, dass sie nun neue, jährlich zu erhebende Risikokennzahlen einführen will. Auf die Einrichtungen kommen noch weitere Informationsanforderungen zu. Es ist wichtig, dass Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen risikoorientiert geführt werden. Allerdings sollten auch ihre Stärken berücksichtigt werden. Eine davon ist ihr vorteilhaftes Verhältnis von Aktiven zu Rentnern, das im Durchschnitt bei 10 zu 1 liegt. Davon können viele firmeneigene Pensionskassen nur träumen.

Quelle: NZZ
09.05.2017

12.4.2017

Schweizerischer Arbeitgeberverband: Nein zur Altersvorsorge 2020

Der Schweizerische Arbeitgeberverband hat die Nein-Parole zur Volksabstimmung über die Reform Altersvorsorge 2020 vom 24. September 2017 beschlossen. Die Arbeitgeber erteilen mit ihrem Votum einem unsolidarischen und unterfinanzierten AHV-Ausbau eine Absage. …mehr

Die Mitglieder des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) haben sich an ihrer Vorstandssitzung gegen die Altersvorsorgereform 2020 ausgesprochen, über die das Stimmvolk am 24. September 2017 befindet. Die Arbeitgeber lehnen eine Vorlage ab, die das Parlament – entgegen den Reformzielen und trotz der Ablehnung von «AHVplus» – zu einer überladenen Ausbauvorlage umfunktioniert hat, statt die Altersvorsorge nachhaltig auf eine stabile finanzielle Basis zu stellen. Die strukturellen Probleme, darunter die chronisch defizitäre AHV-Kasse und die Pensionierungswellen der geburtenstarken Jahrgänge, werden nicht nur ausgeblendet, sondern sogar verschärft. So übersteigen die Kosten des AHV-Ausbaus bereits 2030 die Mittel, die durch die Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre frei werden.

Eine weitere Schwäche der Reform liegt im unsolidarischen Giesskannenprinzip des AHV-Ausbaus. Monatlich werden 70 Franken an alle Neurentner und sogar bis zu 226 Franken an alle Neurentnerehepaare verteilt – unabhängig von ihrer finanziellen Situation und ungeachtet dessen, ob sie von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der beruflichen Vorsorge betroffen sind. Der Ausbau, für den viele bezahlen und von dem nur wenige profitieren, führt zu einer AHV zweier Klassen. Zu den grossen Profiteuren zählt die Übergangsgeneration zwischen 45 und 65 Jahren. Sie wird dank Zahlungen aus dem Sicherheitsfonds von der Senkung des Mindestumwandlungssatzes in der zweiten Säule verschont und kommt dennoch in den Genuss des AHV-Zustupfs von jährlich 840 Franken.

Die Reform gefährdet überdies den Zusammenhalt zwischen den Generationen. Auf der Verliererseite stehen bisherige Rentner, welche die berufliche Vorsorge aufgebaut haben, aber selber keine Chance mehr haben, ihre Pensionskassenrenten aufzubessern. Vielmehr müssen sie eine im Portemonnaie spürbare Erhöhung der Mehrwertsteuer verkraften, die den AHV-Ausbau mitfinanziert. Schlechter gestellt werden – wie dies bereits bei der deutlich verworfenen AHVplus-Initiative der Fall gewesen wäre – ausgerechnet jene bedürftigen Rentner, denen im Gegenzug zum AHV-Zustupf die steuerbefreiten Ergänzungsleistungen (EL) gekürzt werden. Die grössten Lasten werden aber den Jungen und nachkommenden Generationen aufgebürdet. Sie bezahlen die Zeche für den AHV-Ausbau, da sie ab 2030 zusätzlich zur weiter wachsenden Anzahl Rentner für die ungedeckten Checks der Reform geradestehen müssen.

Eine Annahme der unterfinanzierten Ausbauvorlage würde bereits mittelfristig trotz der Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,6 Prozent sowie der Lohnbeiträge um total 0,7 Prozent wieder grosse Löcher in die AHV-Kasse reissen und den Druck zu weiteren Reformen mit zwangsläufig einschneidenderen Sanierungen erhöhen. Bereits 2025 müsste die nächste Reform umgesetzt werden. Der unsolidarische AHV-Ausbau für arm und reich erhöht daher letztlich nur den Druck, das Rentenalter rascher anheben zu müssen. Die Arbeitgeber stehen weiterhin zu einer Reform der Altersvorsorge mit sicheren Renten auf heutigem Niveau, erteilen einem unsolidarischen AHV-Ausbau aber eine klare Absage. Lehnt das Schweizer Volk am 24. September 2017 zum zweiten Mal innert Jahresfrist einen für unser wichtigstes Sozialwerk gefährlichen Giesskannenausbau ab, wird der Weg endlich frei für eine echte Reform der Altersvorsorge für sichere Renten in beiden Säulen. Teure Experimente hat unsere AHV nicht verdient.

Denn ein Scheitern der Vorlage an der Urne bedeutet nicht das Ende des Reformprozesses. Die zentralen Elemente sind bekannt und liegen auf dem Tisch. Statt einer überladenen Reform braucht es danach zügig separate und verdaubare Portionen, wie sie die Wirtschaft seit Beginn des Reformprozesses stets gefordert hat. Dabei sind die heute selbst von linken Kreisen geforderten Massnahmen anzugehen: als erstes die Angleichung des Rentenalters für Männer und Frauen auf 65. Zweitens braucht es eine Senkung des Mindestumwandlungssatzes mit angemessener Kompensation innerhalb der beruflichen Vorsorge, wozu der Nationalrat einen grundsätzlich gangbaren Weg vorgezeichnet hat. Drittens müssen die politischen und sozialpartnerschaftlichen Akteure in einem sorgfältig zu erarbeitenden breiten Konsens aufzeigen, wie mittelfristig das immer schlechter werdende Umlageverhältnis in der AHV durch eine schrittweise und sozialverträgliche Erhöhung des Rentenalters langfristig sichergestellt werden kann.

Kontakt:

Roland A. Müller, Direktor, Tel. 079 220 52 29,
mueller@arbeitgeber.ch

Martin Kaiser, Ressortleiter Sozialpolitik, Tel. 079 517 68 26,
kaiser@arbeitgeber.ch

Quelle: Presseportal.ch
12.04.2017

3.3.2017

Alternativanlagen sind im Sinn der Versicherten

Fortschrittliche Pensionskassen liefern mit Alternativanlagen beste Beweise dafür, dass sich Offenheit im Anlegen lohnt. Eine Neubeurteilung nichttraditioneller Anlagen drängt sich im Interesse aller aktiven Beitragszahler der zweiten Säule auf – nicht nur wegen des Ertragsdrucks, auch weil einige Angebote transparenter und günstiger geworden sind.

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Es lässt sich zwar nicht abstreiten, dass in einem Universum von über 20 000 äusserst heterogenen Anbietern auch schwarze Schafe auftauchen. Aber einige Manager nahmen die teils berechtigten Vorwürfe ernst und bieten heute trans­parente, kosteneffiziente und attraktive Anlagelösungen an.

Zwei Beispiele dazu: Senior Secured Loans sind Darlehen an kleine und mittelgrosse Firmen. Sie ähneln den High Yield Bonds, d. h. Anleihen von Schuldnern mit niedrigem Rating, die gemäss den Anlageregeln der beruflichen Vorsorge als traditionelle Obligationen klassifiziert werden. Loans sind aber risikoärmer, weil sie in der Kapitalstruktur einer Firma über den Anleihen liegen, besichert sind und historisch geringere Kapitalverluste wegen Firmenkonkursen erlitten.

Zudem sind die Loans als Floating Rate mit einem Zinszuschlag gegenüber Libor konzipiert. Damit sind sie bei einer Verschiebung der Zinskurve weniger preissensitiv als Anleihen. Gewisse Funds sind bis auf die einzelnen Titel transparent, falls sich Anleger dafür interessieren.

Erkennbar wird, wie umfangreich der Manager diversifiziert, welche Sektoren im Vordergrund stehen, welche Titel gefährdet erscheinen oder wie hoch die erwartete Rendite ist. Loan-ETF, die renditemässig weit hinter den kaum replizier­baren Indizes landen, sind nicht günstiger, und ebenso wenig sind es viele aktive Funds, sowohl solche für Qualitätsanleihen (Investment Grade) als auch für High Yield Bonds.

Ein zweites Beispiel sind Hedge Funds mit Trendfolgestrategien (CTA). Sie suchen mit mathematischen Modellen in zahlreichen Märkten nach Preistrends und wetten auf deren Fortsetzung. Ihr Diversifikationspotenzial ist deshalb gross. Gerade in heftigeren Krisen, wenn Aktienmärkte, Rohstoffe oder Währungen anhaltend an Wert verlieren, verhalten sich CTA im Gesamtportfolio stabilisierend.

Zentral ist ihr systematisches Anlagevorgehen. Entscheide werden nicht nach Bauchgefühl von Managern getroffen, sondern über Modelle gesteuert. Fortschrittliche Anbieter stellen diese Modelle den Anlegern zur Verfügung und zeigen ihre Positionen auf täglicher Basis.

Transparente Lösungen finden sich auch in weiteren Segmenten des Alternativmarkts, etwa in Insurance Linked Securities (Versicherungsverbriefungen wie bspw. Cat Bonds) und Private Debt Funds.

Im stark umkämpften Markt liegen die Gebühren für erstklassige Loan Funds und für ausgewählte CTA heute zwischen 0,3 und 1% jährlich ohne Performance­gebühr. Der Pauschalvorwurf, alle Alternativanlagen seien intransparent und teuer, ist unseriös und überholt.

Die Transparenz der genannten Beispiele bietet professionell aufgestellten oder beratenen Anlegern die Chance, mit Sorgfalt und Komfort in Alternative zu ­investieren. Damit dürfte sich dank geringerer Gebühren nicht nur die Diversifikation, sondern auch die erwartete Rendite verbessern, was im Niedrigzinsumfeld höchst willkommen ist.

Quelle: Finanz und Wirtschaft
03.03.2017

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22.2.2017

Diversifikation, aber richtig

Für jüngere Menschen ist der Aktienanteil der Pensionskasse zu klein. Sie müssen deshalb für ihre eigene Vorsorge möglichst viel in Aktien investieren. Ein Kommentar des stv. Chefredaktors Clifford Padevit. …mehr

Ausnahmen bestätigen die Regel: Das stimmt auch für die langfristigen Renditen von Aktien und Obligationen. Dass Obligationen, sogar die sichersten unter ihnen – Staatsanleihen –, seit 2000 besser abgeschnitten haben als Aktien, ist die Ausnahme. Das zeigt die jährliche Auswertung von Anlagerenditen von drei Professoren im Auftrag der Credit Suisse eindrücklich. Und damit ist die Regel bestätigt: Aktien sind auf lange Sicht die Anlageklasse, die am meisten einbringt und die Risiken mit dem höheren Ertrag abgilt.

Nur ist es so eine Sache mit Aktien. Wer zum falschen Zeitpunkt einsteigt, reduziert seine eigenen Renditeaussichten. Ein extremer Zeitpunkt in dieser Hinsicht war das Jahr 1999. Wer damals investiert hatte, sass wegen der Baisse kurz danach ­sowie der Finanzkrise ab 2007 über zehn Jahre auf einem Verlust.

Wer aber auf lange Sicht finanziellen Erfolg haben will, der muss sich auch an der langen Sicht orientieren. Darum führt an Aktien für den persönlichen Vermögensaufbau kein Weg vorbei. Je eher junge Sparer in Aktien investieren, desto besser.

Privatpersonen sollten sich bei der Vermögensaufteilung von einer Gesamtsicht leiten lassen, die auch die eigenen Pensionskassenvermögen einschliesst. Im Schnitt halten die Pensionskassen derzeit rund 30% der Vermögen in Aktien. Das ist für jüngere Menschen viel zu wenig. Sie sollten deshalb für ihre eigene Vorsorge möglichst viel in Aktien investieren, um die geringere Allokation der Pensionskasse auszugleichen. Wenn sie dann auch noch regelmässig zukaufen, müssen sie sich auch nicht um den richtigen Zeitpunkt der Investition kümmern.

Diversifikation richtig angegangen heisst also vor allem Aktien kaufen.

Quelle: Finanz und Wirtschaft
22.02.2017

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17.2.2017

Bei groben Fehlentscheiden haften Stiftungsräte

Das Bundesgericht hat entschieden, dass der Stiftungsrat der Sammelstiftung Provitas für die Folgen von verfehlten Anlageentscheiden haften soll. Dabei spielt auch der Fall Behring eine Rolle. …mehr

Stiftungsrat einer Pensionskasse zu sein, kann bei Fehlentscheiden teuer werden. Dies zeigt ein jüngst veröffentlichter Entscheid des Lausanner Bundesgerichts. Dieser sieht vor, dass der Stiftungsrat der Sammelstiftung Provitas für die Folgen von Anlageentscheiden zur Zeit des Platzens der Internetblase haften soll. Dabei waren auch Anlagen bei dem Basler Financier Dieter Behring im Spiel, dessen Geschäft 2004 kollabierte und einen Verlust von 800 Mio. Fr. sowie rund 2000 Geschädigte zurückliess. Das Bundesgericht heisst in seinem Urteil eine Beschwerde des Sicherheitsfonds BVG gegen einen Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich teilweise gut und erteilt Letzterem einen Rüffel.

«Trader» sollte es richten

Worum geht es bei dem Fall Provitas? Wie die Advokatin Franziska Bur Bürgin von der Kanzlei Ludwig + Partner in einem Blog-Eintrag ausführt, hat die 1994 gegründete Sammelstiftung mit einer garantierten Verzinsung der Altersguthaben von 5% bei dreijährigen Verträgen geworben. Mit dem Platzen der Internetblase brach der Deckungsgrad der Provitas jedoch ein, Ende September 2001 betrug er noch 81,55%. Wie das Bundesgericht in dem Entscheid ausführt, entschloss sich der Stiftungsrat daraufhin zu einer Sanierung.

Bei diesem Versuch wurden die Aktienanlagen an einen «Trader» – laut Bur Bürgin dürfte es sich dabei um Behring handeln – übergeben, der eine jährliche Rendite von 15% erreichen sollte. Allerdings fiel der Deckungsgrad der Provitas bis Juni 2002 auf 71%, und im April 2003 ordnete das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) die Aufhebung der Sammelstiftung an. Der Sicherheitsfonds BVG schoss anschliessend im Zeitraum November 2003 bis August 2004 rund 49,4 Mio. Fr. ein, um gesetzliche Leistungen sicherzustellen. Der Sicherheitsfonds erhob dann 2012 eine Klage unter anderem gegen die Stiftungsräte beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich und forderte die Erstattung des Schadens von rund 8,4 Mio. Fr. zuzüglich Zinsen.

Wie Bur Bürgin schreibt, lautete der Vorwurf des Sicherheitsfonds, die Anlagestrategie der Provitas sei wegen fehlender Wertschwankungsreserven von Anfang an zu riskant gewesen und mit der Einsetzung des «Traders» noch riskanter gemacht worden. Damit sei der im Berufliche-Vorsorge-Gesetz ausgeführte Grundsatz der Sicherheit (Art. 71 BVG) verletzt worden. Das Sozialversicherungsgericht wies die Klage des Sicherheitsfonds BVG aber im September 2015 ab. Daraufhin erhob dieser Beschwerde beim Bundesgericht.

Dessen Urteil fiel Ende Dezember 2016. Darin übt das Bundesgericht deutliche Kritik an dem Entscheid des Sozialversicherungsgerichts. Das Neue an dem Entscheid sei, dass das Bundesgericht die Bedeutung der Risikofähigkeit einer Vorsorgeeinrichtung im Zusammenhang mit der Zulässigkeit von Anlageentscheiden stark betone, sagt Laurence Uttinger, Partnerin bei der Anwaltskanzlei Niederer Kraft & Frey. In dem Entscheid wird Risikofähigkeit als die Fähigkeit bezeichnet, «erfahrungsgemäss zu erwartende marktbedingte Schwankungen des Gesamtvermögens auszugleichen und über genügend liquide bzw. liquidierbare Mittel zu verfügen, um laufende und künftige Verpflichtungen (z. B. Rentenzahlungen, Freizügigkeitsleistungen) erfüllen zu können».

Das Bundesgericht halte in dem Entscheid fest, das Sozialversicherungsgericht habe den Begriff der Risikofähigkeit nicht richtig verstanden, schreibt Bur Bürgin. Zudem habe es nicht verstanden, die Schwankungsreserven als wesentliches Element der Risikofähigkeit in Relation zum Aktienengagement zu setzen. So habe es nicht der Gesamtsituation Rechnung getragen. Sie zitiert aus dem Bundesgerichtsurteil, wonach im Jahr 2000 der Provitas-Stiftungsrat die Aktienquote auf 33,9% erhöht habe, so dass Ende 2000 Aktienanlagen von rund einem Drittel des Gesamtvermögens lediglich noch Wertschwankungsreserven in Höhe von 2,6% gegenübergestanden seien. Dies bezeichnet das Bundesgericht als «klar unzureichend».

Was die von dem «Trader» angestrebte Rendite von 15% angeht, hebt Bur Bürgin die Klarstellung des Bundesgerichts hervor, wonach es bei einem Anlageentscheid nicht massgeblich sei, ob die versprochene Rendite erreichbar scheine, sondern einzig, ob das Engagement der Risikofähigkeit einer Vorsorgeeinrichtung entspreche oder nicht. Laut dem Bundesgericht habe der Stiftungsrat die Führungspflicht und damit seine Sorgfaltspflicht verletzt.

Uttinger weist zudem darauf hin, dass manche Stiftungsräte vor allem auf die Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV2) schauten und sich ausschliesslich an den dort ausgewiesenen Grenzwerten für Anlagen orientierten. Das Bundesgericht erinnere jedoch zu Recht daran, dass die Grundsätze in Artikel 71 BVG – wie beispielsweise derjenige der Sicherheit – den Anlagegrenzwerten der Verordnung übergeordnet und deshalb unabhängig davon einzuhalten seien.

Welche Folgen dürfte der Entscheid des Bundesgerichts haben? Laut Roger Baumann von der St. Galler Beratungsgesellschaft «c-alm» zeigt er, welch grosse Verantwortung Stiftungsräte einer Pensionskasse haben. Heute müsse man als Stiftungsrat umsichtig vorgehen, sonst hafte man selber für Anlageentscheide, die für die Pensionskasse getroffen würden. Das Bundesgericht zeige den Stiftungsräten, dass sie bei Versuchen, einen niedrigen Deckungsgrad durch riskante Anlage-Manöver zu verbessern («gambling for resurrection»), haftbar gemacht werden könnten. Tatsächlich hätte der Stiftungsrat bei dem genannten Fall ganz klar sehen müssen, dass das Engagement bei dem «Trader» mit hohen Risiken verbunden gewesen sei. Da der Gesetzgeber mit Regulierungen wie der BVG-Strukturreform die Verantwortung des Stiftungsrats noch vergrössert habe, sei es gut möglich, dass ähnliche Fälle in den Fokus rückten – beispielsweise aus der Zeit der Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2009.

«Fronarbeit» Stiftungsrat

Uttinger glaubt indessen nicht, dass der Entscheid des Bundesgerichts in der Praxis riesige Auswirkungen haben wird. Viel mehr ähnliche Fälle dürfte es aus ihrer Sicht in Zukunft wohl nicht geben, denn der Sicherheitsfonds BVG habe auch in der Vergangenheit schon bei notleidenden Stiftungen, bei denen er habe einspringen müssen, Klagen geprüft. Fälle wie Provitas, bei denen der Stiftungsrat trotz Vorliegen einer Unterdeckung das Aktienengagement erhöhe und entscheide, einem zweifelhaften «Trader» freie Hand über rund einen Viertel des Vermögens zu geben, seien glücklicherweise selten. Wenn sich Stiftungsräte an die Vorgabe des sorgfältigen Wirtschaftens hielten, sei es unwahrscheinlich, dass ihnen Haftungsfolgen drohten.

Es werde mit solchen Haftungsfällen unattraktiver, ein Amt als Stiftungsrat einer Vorsorgeeinrichtung zu übernehmen, sagt Baumann. Schliesslich handle es sich in der Regel um eine «Fronarbeit». Zudem erhielten Stiftungsräte von ihrem Arbeitgeber oft immer noch nicht die nötigen Möglichkeiten und die Zeit, sich in die Materie einzuarbeiten und sich auszubilden. Baumann fordert, Stiftungsräte von Pensionskassen müssten eine der Verantwortung angemessene Entschädigung erhalten – wie ein Verwaltungsrat in einem Unternehmen.

Quelle: NZZ
17.02.2017

15.2.2017

Bankiers warnen die Pensionskassen

Die Performance ist durch vorweggenommene Erträge aufgebläht. Der Bankenverband will eine Lockerung der Regeln und empfiehlt Umschichtungen. …mehr

Der Schweizer Bankenverband fordert die Pensionskassen auf, das kumuliert 800 Mrd. Fr. grosse Treuhandvermögen rascher als bisher auf renditeträchtigere Anlagesemente umzulagern. Verbandspräsident Herbert Scheidt warnte an einer Medienveranstaltung, die künftige Rendite der Pensionsvermögen werde ohne Gegensteuer nicht mehr genügen, die Garantieleistungen der Kassen zu decken: «Die Konzentration auf kotierte Obligationen und Aktien wird sich nicht mehr bewähren.»

Die zuletzt üppigen Performancezahlen der Vorsorgeeinrichtungen «basieren wesentlich auf vorweggenommenen Erträgen», kritisierte Scheidt, der auch Präsident der Vontobel-Gruppe ist. Die Niedrigzinslage habe die Anleihekurse aufgewertet, doch bis Fälligkeit der Schuldpapiere würden solche Buchgewinne wieder wegfallen. Scheidt propagiert, Pensionskassen sollten in grösserem Stil illiquide Investments wie Private Equity, Private Debt und Infrastruktur nutzen.

Vorwurf der Zögerlichkeit

Seiner Ansicht nach schichten die Pensionskassenchefs zu zögerlich zu ertragskräftigeren Investments um. Iwan Deplazes, Fachleiter Asset Management der Bankiervereinigung, erinnerte an der Veranstaltung daran, dass die Vorsorgeeinrichtungen das Gewicht der Zinsanlagen in ihren Portefeuilles trotz stetig geringerer Zinsperspektiven erst wenig vermindert haben, von durchschnittlich 36,7% im Jahr 2010 auf 33,3% im 2015.

Bankierspräsident Scheidt macht im Anlageregulativ der beruflichen Vorsorge eine bremsende Wirkung aus. Die Statik im Anlagevorgehen der Pensionskassen erinnere ihn an Vorgaben der einst in kommunistischen Regimes gebräuchlichen Fünfjahrespläne. Eine Lockerung sei nötig, um «eine Änderung des Anlageverhaltens» herbeizuführen.

Nach geltendem Regulativ dürfen Pensionskassen die Hälfte des Vermögens in Aktien halten. Das Gewicht von Immobilienanlagen ist auf 30% des Vermögens begrenzt. Alternativanlagen dürfen höchstens einen Anteil von 15% erreichen; dazu zählen u.a. Hedge Funds, Rohstoffinvestments sowie illiquide Unternehmensbeteiligungen (Private Equity) und Darlehensportfolios (Private Debt).

«Illiquidität ist nichts Böses»

Gemäss Deplazes sollten höhere Aktien- und Immobilienquoten erlaubt werden: «Die Pensionskassen sind durchaus fähig, im Sinne des umsichtigen Anlegers bzw. des Prudent Investors eigenverantwortlicher als heute zu agieren.» Die Bankiervereinigung empfiehlt, Aktienanlagen bis 75% des Vermögens zuzulassen, Realwertinvestments in Immobilien und Infrastruktur bis 50%.

In das jeweilige Maximum würden auch illiquide oder nur sporadisch handelbare Umsetzungsformen eingerechnet. Private Equity und die Beteiligung an privatwirtschaftlicher Infrastruktur beispielsweise sollten dabei je 15% des Vorsorgevermögens ausmachen dürfen.

Privatmarktliche Anlagen in Aktien (Private Equity) und Firmenfinanzierungen (Private Debt) binden die Investoren über zumeist zehn Jahre. Im Gegenzug würde ihnen jedoch eine Illiquiditätsprämie von jährlich bis zu 4 Prozentpunkten geboten, betonte Deplazes: «Illiquidität ist an sich nichts Böses oder Schlechtes.» Er wies darauf, dass Neuanlagen in börsengehandelte Obligationen kaum mehr rentieren. Hochprozentige Anleihen früherer Jahre würden bis Fälligkeit die aktuelle Aufwertung wieder einbüssen.

Resultat nach Kosten zählt

Jede der schweizweit knapp 2000 Pensionskassen muss für sich selbst entscheiden, welcher Anteil des Vermögens langfristig gebunden werden kann. Im Vorteil sind in dieser Hinsicht Vorsorgeeinrichtungen expandierender Arbeitgeber sowie Kassen, deren fixe Verpflichtungen an Rentenbeziehende erst einen geringen Teil des Gesamtvermögens blockieren.

Die Bankiervereinigung verfolgt mit der Propagierung privatmarktlicher Investments ein Stück weit eigene Interessen. Die hiesige Finanzbranche will im Asset Management an Statur gewinnen. Private Equity, Private Debt und weitere Alternativanlagen erlauben den Anbietern, happige Gebühren zu verrechnen.

Bankierspräsident Scheidt entgegnete am Informationsanlass auf diesen Einwand, die Investoren sollten die Vermögensverwaltungskosten mit dem Renditepotenzial vergleichen und auf das Nettoanlageresultat fokussieren. Pensionskassen-Manager sind somit gut beraten, die Leistung der Finanzproduktanbieter regelmässig zu vergleichen und Ungenügende auszumerzen.

Quelle: Finanz und Wirtschaft
15.02.2017

13.2.2017

Alternativanlagen haben es schwer

Das Publikum bekommt mit kotierten Hedge Funds und Privatmarktfonds einen Zugang zu den Investments der Grossen. Warum das Interesse dennoch begrenzt ist. …mehr


Alternativanlagen bilden als privatmarktliche, aber illiquide Investments einen Gegenpol zu den jederzeit handelbaren Dividenden- und Zinspapieren. Börsennotierte Alternativanlagen wie Castle Alternative Invest oder Private Equity Holding werben damit, eine Brücke zwischen den Polen zu schlagen. Sie machen sonst allein den Grossanlegern vorbehaltene Investmentsegmente – besonders Hedge Funds bzw. Private Equity – dem privaten Anleger zugänglich. Realität ist jedoch, dass über ihre Aktien die illiquiden Investmentinhalte dem täglichen Börsenhandel ausgesetzt sind. Das geht nicht ohne Probleme.

Hedge Funds und Private Equity werden im internationalen Anlagegeschäft reihum als Diversifikation eines Gesamtvermögens empfohlen. Als Vorzug wird hervorgehoben, ihr Wert würde sich dekorreliert bzw. teilweise isoliert vom Auf und Ab der Aktien- und Anleihemärkte entwickeln. Dem stehen jedoch eine lange Kapitalbindung und hohe Verwaltungsgebühren gegenüber. Kritik bleibt deshalb nicht aus.

Für Vergleich mehr Fairness

Die Marktzahlen sind imposant. Der Datenanbieter Preqin registriert mehr als 23 000 Hedge Funds. Gemeint sind damit hochaktiv handelnde Akteure, denen die Nutzung verschiedenster Anlageinstrumente zugestanden werden muss. Beinahe ebenso zahlreich sind Private-Equity-Fonds, die als Sammelvermögen für die Finanzierung von Firmengründungen und Übernahmen agieren.

Im kumulierten Vermögen der Schweizer Pensionskassen machen gemäss Credit Suisse die Hedge Funds 3% und Private Equity 1% aus. Diese Anlageorientierung wird oft mit derjenigen von US-Pensionsfonds verglichen. Die kalifornische Beamtenkasse Calpers zum Beispiel hält keine Hedge Funds, dotiert aber 9% des Vermögens für Private Equity. Bei solchen Vergleichen wird jedoch oft ausser Acht gelassen, dass schweizerische Vorsorgeeinrichtungen im Sinne einer Alternativanlage rund ein Viertel des Vermögens in Immobilien halten; Calpers etwa aber nur 10%.

Begüterte Private risikoavers

Familienvermögen verhalten sich nicht wesentlich anders. In einer vom Beratungsunternehmen Complementa 2015 mitgetragenen Studie charakterisierten sich mehr als neun von zehn Family Offices als «nicht risikofreudig». Nur wenige gaben an, Hedge Funds zu nutzen. Verbreitet ist aber die Bereitschaft zu illiquiden Aktieninvestments. Langjährig ausgelegte Private-Equity-Anlagen bezeichnen drei Viertel der Family Offices als wichtig.

Die an der Schweizer Börse kotierten Alternativvermögen sind allerdings in Anzahl und Volumen rückläufig. Nachteilig ist, das ihre Aktien oft lediglich sporadisch und zudem meist deutlich unter dem Portfoliowert gehandelt werden.

Vom Discountjäger Alpine Select geschluckt wurde schon Absolute Invest. Gleich geht es jetzt der von Banque Syz lancierten Altin. Acorn und Creinvest sind vor Jahren schon vom Markt genommen worden. Um Aufmerksamkeit kämpfen weiterhin Castle Alternative Invest, die deshalb zum Rückkauf eigener Aktien greift, und Private Equity Holding. Sie lockt mit substanziellen Dividenden.

Ungleiche Alternative

Die Entwicklung der kotierten Schweizer Alternativ-Geldverwalter Partners Group und LumX (vormals Gottex) könnte nicht unterschiedlicher sein. Die Zuger Partners Group hat jährlich 17% mehr Kundengeld für Unternehmensbeteiligungen (Private Equity), Firmendarlehen (Private Debt) und Infrastrukturanlagen einzusetzen. Die Vermögenssumme hat sich binnen vier Jahre auf 54 Mrd. € verdoppelt.

Das Westschweizer Hedge-Funds-Unternehmen LumX hingegen musste zeitweise  massiven Abfluss von Kundengeld wegstecken. Die Einnahmen aus den nur mehr gut 6 Mrd. Fr. betreuter Vermögen decken die Kosten nicht. Die Gesellschaft erlitt in den Jahren 2012 bis 2015 Verluste.

Partners Group ist an der Börse beinahe 14 Mrd. Fr. wert. Die drei Gründeraktionäre halten noch je 10% des Kapitals. Präsidiert wird das 1996 gegründete Unternehmen seit 2014 vom ehemaligen UBS-Chef Peter Wuffli. Die 1992 vom Finanzakteur Joachim Gottschalk gegründete LumX hingegen ist auf einen Börsenwert von 32 Mio. Fr. zurückgefallen, obschon das Kapital 2016 mit zwei Transaktionen erhöht wurde. Grossaktionäre sind die Familien von Präsident Arpad Busson und von Joachim Gottschalk sowie Anlagefonds der Finanzgesellschaften Quaero und Artemis.

Busson ist in gesellschaftlichen Kreisen eine schillernde Persönlichkeit. Er ist treibende Kraft und Unterstützer des Kinderhilfswerks ARK Absolute Return for Kids. Gesprächsstoff liefern seine frühere Ehe mit Model Elle Macpherson und seine Beziehung mit der Schauspielerin Uma Thurman.

Mit dem Namenswechsel von Gottex zu LumX werden Risikomanagementdienste in den Vordergrund gestellt. Gemäss Unternehmensangaben werden Investorenrisiken transparent dargestellt und ausgeleuchtet («Illuminating Risk»). Weitere Aktivitäten bestehen darin, für grosse Investoren Hedge-Funds-ähnliche Anlageleistungen zu erbringen. Die Perspektiven von LumX lassen sich nicht verlässlich beurteilen, weshalb von Engagements abzuraten ist.

Partners Group indessen reitet auf der Erfolgswelle. Die Niedrigzinslage bewegt Staats- und Pensionsfonds, weitere Teile ihrer Vermögen in Privatmarktanlagen umzuschichten. Hier sind die Gelder während zehn oder mehr Jahren gebunden. Für Partners Group hat dies den Vorteil, dass die darauf verrechneten Kommissionen ebenfalls langjährig gesichert sind. Für deren Aktionäre bedeutet es, dass das Gewinn- und Dividendenpotenzial noch längst nicht erschöpft ist.

Quelle: Finanz und Wirtschaft
13.02.2017

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31.1.2017

Beschönigen die Pensionskassen ihre finanzielle Situation?

Viele Schweizer Pensionskassen reagieren zurzeit auf die ultraniedrigen Zinsen mit Rentenkürzungen. Die Kassen wiesen zu hohe Deckungsgrade aus, kritisieren manche Beobachter. …mehr

Wären die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen Flugzeuge, so würden einige von ihnen viel niedriger fliegen, als ihr Höhenmesser anzeigt. Mit dieser Metapher hat Pascal Renaud, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Kammer der Pensionskassen-Experten, an den Informationstagen zur beruflichen Vorsorge auf die bedenkliche Entwicklung in der beruflichen Vorsorge aufmerksam gemacht. Die Kassen wiesen zu hohe Deckungsgrade und damit eine vermeintlich zu gute finanzielle Situation aus und riskierten damit Fehlentscheidungen, sagte Renaud an der jährlichen Veranstaltung der BVG- und Stiftungsaufsicht des Kantons Zürich (BVS). Der Deckungsgrad errechnet sich aus dem Verhältnis zwischen dem verfügbaren Vermögen und den Vorsorgeverpflichtungen einer Pensionskasse. Gemäss der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) betrug der durchschnittliche Deckungsgrad von Schweizer Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie 2015 105,1%, bei Pensionskassen mit Staatsgarantie lag er bei 76,1%.

Lücken bei den Renditen

Laut Renaud ist derzeit eine jährliche Anlagerendite von 5% nötig, um den BVG-Umwandlungssatz von 6,8% für die Altersrentner zu finanzieren. Selbst wenn die Rentenreform verabschiedet würde und der BVG-Mindestumwandlungssatz von 6,8% auf 6% sänke, würden die Vorsorgeeinrichtungen noch eine jährliche Anlagerendite von 4% brauchen, um die Neurenten zu finanzieren. Gegenüber der erwarteten Rendite einer durchschnittlichen Anlagestrategie einer Kasse fehlten derzeit Jahr für Jahr bei der Rendite 2 Prozentpunkte, und die aktiven Versicherten müssten zur Finanzierung dieser Lücken eine tiefere Verzinsung ihrer Altersguthaben in Kauf nehmen.

Der Umwandlungssatz ist der Prozentsatz des in der Pensionskasse angesparten Vermögens, der einem Versicherten nach der Pensionierung jährlich ausbezahlt wird. Die ultraniedrigen bis negativen Zinsen zwingen die Vorsorgeeinrichtungen zu massiven Senkungen der technischen Zinssätze. Die Pensionskassen hätten diese nicht stark und nicht schnell genug gesenkt, sagte Renaud, der auch Partner des Pensionskassenexperten-Büros Toptima ist.

Verpflichtungen unterbewertet?

Bei der Berechnung des Deckungsgrads ist der technische Zinssatz sehr wichtig. Mit diesem Satz diskontiert eine Pensionskasse die zukünftigen reglementarischen Leistungen. Verwendet sie einen zu hohen technischen Zinssatz, weist sie zu tiefe Verpflichtungen und einen zu hohen Deckungsgrad aus. So seien die Rentenverpflichtungen vieler Vorsorgeeinrichtungen unterbewertet, sagte Renaud. Er empfiehlt, den technischen Zinssatz prinzipienbasiert anhand einer Zinsstrukturkurve entsprechend den Verpflichtungen festzulegen, anstatt ihn jedes Jahr durch den Stiftungsrat zu beschliessen. Das Ausweisen eines zu hohen Deckungsgrades sei problematisch, denn dies könne beispielsweise dazu führen, dass die Verantwortlichen von Vorsorgeeinrichtungen die Lage ihrer Kasse zu rosig einschätzten, sagte Renaud. Folgen davon könnten Investitionen in zu riskante Anlagen oder zu grosszügige Leistungen für aktive Versicherte und Rentner sein.

«Eingeschlagener Weg stimmt»

Laut Beobachtern fühlen sich derzeit die Stiftungsräte in einigen Pensionskassen zum Handeln gezwungen und senken die technischen Zinsen deutlich. Für grosses Aufsehen haben in diesem Zusammenhang die BVK und die Pensionskasse der Credit Suisse gesorgt, die die Leistungen ihrer Versicherten deutlich gekürzt haben. Laut Roger Tischhauser, Direktor der BVS, haben viele Vorsorgeeinrichtungen aus dem Kanton Zürich die Umwandlungssätze und technischen Zinsen reduziert, um künftige Pensionierungsverluste und die Verteilung der Lasten auf die aktiven Versicherten zu reduzieren. Er betont, der von den Pensionskassen im Kanton Zürich eingeschlagene Weg stimme, es brauche aber weitere mutige Entscheidungen. Ob die Anpassungen ausreichen, müsse für jede einzelne Kasse beurteilt werden. Falls notwendig, greife die BVS ein, der Risikodialog zwischen Vorsorgeeinrichtung und Aufsicht sei jedoch in den meisten Fällen zielführend. Aus Sicht von Tischhauser haben die Pensionskassen auch ihre Wertschwankungsreserven so weit gestärkt, dass sie auf Verwerfungen am Kapitalmarkt reagieren könnten. Die BVG- und Stiftungsaufsicht Zürich kontrolliert nach eigenen Angaben 820 Vorsorgeeinrichtungen mit verwalteten Vermögen von rund 300 Mrd. Fr.

Sammelstiftungen im Fokus

Eine Herausforderung sieht Tischhauser unterdessen in der Entwicklung zu mehr rentnerlastigen Vorsorgeeinrichtungen oder sogar reinen Rentnerkassen. Der Anteil der Rentner am Gesamtvorsorgevermögen steige stetig, auf weniger Aktive kämen immer mehr Rentner. Dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Da die Möglichkeit einer strukturellen Sanierung dieser Vorsorgeeinrichtungen eingeschränkt sei, müsse eine ausreichende Finanzierung sichergestellt sein. Die Arbeitgeber seien in der Pflicht. Die BVS überwache dies und greife bei Fehlentwicklungen ein.

Als weiteren Schwerpunkt der Aufsichtstätigkeit nennt Tischhauser die Überwachung der Sammelstiftungen. Solchen Einrichtungen schliessen sich oft Firmen an, die zu klein sind, um eine eigene Pensionskasse zu betreiben. Im Aufsichtsgebiet der BVS sind über 70% der Versicherten Sammelstiftungen angeschlossen. Im Markt der Sammeleinrichtungen herrsche ein harter Wettbewerb, einige dieser Einrichtungen seien deshalb zurückhaltend mit der Senkung von Umwandlungssätzen und technischen Zinsen, sagt Tischhauser. Es sei wichtig, dass die Sammelstiftungen risikoorientiert geführt und beaufsichtigt würden, sonst könnten sie sich zu einem Systemrisiko entwickeln.

Quelle: NZZ
31.01.2017