ANOBAG – Arbeitnehmer ohne beitragspflichtigen Arbeitgeber in der Schweiz


Was ist ANOBAG

Als Angestellter eines Unternehmens ohne Sitz in der Schweiz sind Sie Arbeitnehmer ohne beitragspflichtigen Arbeitgeber (ANOBAG). Sie haben Anspruch auf Beiträge an die Sozialversicherungen wie AHV/IV, berufliche Vorsorge und Unfallversicherung nach Schweizerischem Recht.


Welchen Sozialversicherungen muss sich ein Unternehmen nach ANOBAG anschliessen

Wie reguläre Arbeitskräfte unterstehen Arbeitnehmer ohne Arbeitgeber in der Schweiz allen Sozialversicherungen. Der Arbeitgeber muss die Anschlüsse an die AHV/IV, das UVG und die berufliche Vorsorge sicherstellen, kann aber die Durchführung dem Arbeitnehmer delegieren.


Welches sind die Rechtsgrundlagen von ANOBAG und wie ist die Durchführung

Die Grundlagen sind nachfolgende Verordnungen und Vereinbarungen. Der Arbeitgeber ist verantwortlich für die Anmeldung und die Abwicklung aller Leistungen der Sozialversicherungen. In der praktischen Durchführung ergreift meist der Arbeitnehmer die Initiative und führt, nachdem die Vereinbarung zur Delegation unterzeichnet ist, den Anschluss selbständig durch.

Für Unternehmen mit Sitz in der EU gilt Art. 21 der Verordnung (EG) Nr. 987/09.
Der Arbeitgeber hat die Pflicht zur Zahlung der Beiträge, als hätte er seinen eingetragenen Sitz oder Niederlassung im Mitgliedstaat. Für den Anschluss durch den Arbeitnehmer wird die folgende Vereinbarung (D) getroffen (E).

Für Unternehmen in EFTA-Staaten gilt die Verordnung (EWG) Nr 57472-2.
Für die delegierte Durchführung wird folgende Vereinbarung (D) getroffen (Betrifft Dänemark, Liechtenstein und Island).

Der Arbeitnehmer übermittelt diese Vereinbarung dem entsprechenden Träger des Mitgliedstaates. In der Schweiz ist dies die jeweilige AHV-Ausgleichskasse des Kantons. Für die Bezahlung der Beiträge haftet, trotz obiger Vereinbarung und allfälliger Delegation der administrativen Abwicklung, der Arbeitgeber. Die Ausgleichskasse prüft, ob die Voraussetzungen für ANOBAG gegeben sind. Alle weiteren Sozialversicherungen richten sich nach diesem Entscheid.


Anfrage für Anschluss & weitere Informationen für die berufliche Vorsorge, UVG, KTG

Erste Säule: AHV/IV als ANOBAG

Beginn der Beitragspflicht

Die Beitragspflicht beginnt für Erwerbstätige mit dem 1. Januar nach dem 17. Geburtstag.
Wer beispielsweise den 17. Geburtstag am 20. Juni 2010 hatte, war ab dem 1. Januar 2011 beitragspflichtig.

Ende der Beitragspflicht

Die Beitragspflicht dauert bis zur ordentlichen Pensionierung. Diese ist per Ende des Geburtsmonates, bei Frauen mit 64 Jahren, bei Männern mit 65 Jahren. Die Beitragspflicht bleibt bestehen, wenn die Pensionierung aufgeschoben wird. Bei Frühpensionierung endet sie entsprechend vorher.

Beiträge gemäss Einkommen

Im Rahmen des ANOBAG erfolgen die Beiträge an AHV, IV und EO seit dem 01.01.2012 auf der Bemessungsgrundlage als Angestellter und betragen 5,125 Prozent. Da auch die Arbeitgeberbeiträge bezahlt werden müssen, entspricht das dem Gesamtbeitrag von 10.25% des AHV-Lohnes.

Hinzu kommen Beiträge an die Arbeitslosenversicherung (ALV) und ein von der Familienausgleichskasse abhängiger prozentualer Beitrag an die Familienzulagen.

AHV/IV/EO 10.25%
ALV: Beitrag auf Monatslohn bis CHF 12’350 bzw.
Jahreslohn bis CHF 148’200
2.2.%
ALV: Solidaritätsbeitrag auf Jahreslohnbestandteile über CHF 148’200 (nach oben unbegrenzt, hat keine Versicherungsleistung zur Folge) 1.0%
Verwaltungskosten für AHV/IV/EO-Beiträge
(variabel zwischen 5% und 0.2% von 10.25%; im Beispiel 0.3%)
0.03075%
Familienzulagen* 1.1% bis 2.83% nach Wohnkanton

*In gewissen Kantonen ist mit einem Zuschlag von 0.1% zu rechnen

Nicht beitragspflichtig sind gewisse internationale Organisationen, Vertretungen ausländischer Staaten wie Botschaften und Konsulate, sowie Unternehmen, deren Sitz sich ausserhalb der EU-EFTA befindet.

Keine Beitragspflicht besteht, wenn die Dauer der Erwerbstätigkeit drei Monate nicht überschreitet.
( Art. 1a Abs. 2 Bst. c AHVG und Art. 2 AHVV)


Berufliche Vorsorge: BVG als ANOBAG

Sie sind gesetzlich verpflichtet, sich in der beruflichen Vorsorge einer Sammelstiftung nach BVG anzuschliessen, oder eine eigene Vorsorgestiftung (Pensionskasse) zu gründen. Es gibt einige wenige Anbieter von Sammelstiftungen, die sich auf die Aufnahme von Mitarbeitern nach ANOBAG spezialisiert haben.

Sie dürfen sich zudem der Stiftung Auffangeinrichtung anschliessen. Im Vergleich mit privaten Anbietern sind dort die Kosten allerdings deutlich höher. Auch gibt es keine Wahl der Vorsorgeleistungen. Es stehen nur die obligatorischen Leistungen gemäss BVG zur Verfügung. Das bedeutet, dass nur eine minimale gesetzliche Absicherung für die Risikoleistungen und die Altersvorsorge möglich sind und Löhne über CHF 84`600 nicht versichert werden können.

Voraussetzung für die Anschlusspflicht ist der Sitz des Unternehmens in einem Staat der Europäischen Union (EU) oder der Europäischen Freihandelszone (EFTA).

Die Eintrittsschwelle hat sich per 2015 im BVG geändert und liegt einem Jahreseinkommen von CHF 21`150. Löhne bis zu einem Maximum von CHF 84`600 müssen gesetzlich versichert werden.

Anschlüsse von ausserhalb der EU/EFTA, oder für einen befristeten Aufenthalt, können nur durch die Stiftung Auffangeinrichtung BVG versichert werden.


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Unfallversicherung: UVG als ANOBAG

Auch wenn der Arbeitgeber ausserhalb der Schweiz, der EU oder der EFTA ist, besteht Versicherungspflicht gemäss Unfallversicherungsgesetz (UVG).

Dabei gibt es auch bei der Unfallversicherung, wie auch in der beruflichen Vorsorge (BVG), Mindestleistungen nach Gesetz.

In der Unfallversicherung müssen sämtliche Lohnbestandteile bis zu einer Höhe von CHF 148`200 versichert werden.

Einige Unternehmen haben Versicherungspflicht bei der SUVA. Alle anderen Unternehmen dürfen die Gesellschaft frei wählen.


Überobligatorische Leistungen im BVG, UVG sowie KTG als ANOBAG

Zusätzlich zu den gesetzlichen Mindestleistungen kann ein Versicherungs- und Vorsorgeschutz eingerichtet werden.

In der beruflichen Vorsorge (BVG) können Lohnbestandteile über CHF 84`600 im Rahmen des Überobligatoriums für den Fall von Tod, Invalidität und Altersvorsorge abgesichert werden.

Mit einem sogenannten UVG-Z können Löhne über CHF 148`200 bei Unfall abgesichert werden.

Da die berufliche Vorsorge (BVG) bei Invalidität durch Krankheit frühestens nach einem Jahr Rentenleistungen erbringt, kann zudem ein Krankentaggeld (KTG) abgeschlossen werden. Dieses schützt vor Einkommensverlusten in der Zeit, bis die Renten der Invalidenversicherung und der Pensionskasse im Rahmen des BVG ausgerichtet werden.


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Welche Möglichkeiten bieten sich auch noch, wenn ich keinen Anschluss gemäss ANOBAG möchte

Als Alternative kann ein eigenes Unternehmen jeder Rechtsform als juristische Person gegründet werden, welches die Aufträge des ausländischen Unternehmens ausführt.


Vorteile des ANOBAG

Im Rahmen des ANOBAG gelten Sie als Angestellter und werden in den Sozialversicherungen AHV, BVG und UVG als solchen anerkannt. Das bedeutet, dass Sie für den Fall von Arbeitslosigkeit vorbehaltslos Taggelder oder eine Insolvenzentschädigung erhalten werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass in den Verträgen mit der Arbeitgeberin klar eine Arbeitszeit definiert wird, die sich zuverlässig feststellen lässt (Vgl. AVIG-Praxis ALE unter B25 ff). Zusätzlich zu beachten sind die Ausführungen gem. Art. 8 ff AVIG. Wichtig auch: Ob Arbeitnehmende die Voraussetzungen für den Status eines ANOBAG erfüllen, entscheiden die AHV-Behörden (die jeweilige Sozialversicherungsanstalt, SVA). Bei der Prüfung der ALV-Anspruchsvoraussetzungen stellt die ALV auf das AHV-Beitragsstatut ab. Die Pensionskasse nach BVG richtet sich nach diesem Entscheid.


Sie verhandeln im ANOBAG eine Pauschale, mit welcher sämtliche Leistungen der Sozialversicherungs-Kosten abgegolten werden. Im Rahmen dieser Pauschale sind Sie frei, Ihre berufliche Vorsorge nach BVG oder im Überobligatorium einzurichten. Als Grundlage für die Verhandlung empfiehlt es sich, die Offerte einer Pensionskasse einzuholen.


Sie bezahlen nur einmal Steuern als Privatperson. Die Besteuerung des Unternehmens fällt weg. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass Sie sich Ihren Vorsorgeplan im BVG nach Ihren Bedürfnissen einrichten. Sind Mitarbeiter vorhanden, dürfen Sie im Rahmen eines Kaderplans Leistungen definieren – nach den BVG-Richtlinien im BVG-Obligatorium und Überobligatorium.


Vorteile des eigenen Betriebes als Kapitalgesellschaft

Uneingeschränkte Möglichkeiten bei der Produktwahl der Pensionskasse im BVG. Als Mitarbeiter im ANOBAG stehen nur wenige BVG-Anbieter-, und nicht alle BVG-Vorsorgeprodukte zur Verfügung.

Mehr Flexibilität; ein Wechsel des Auftraggebers kann administrativ einfach vollzogen werden.


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